Nürnberg, 02.10.2012/APD   Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hat während ihrer Mitgliederversammlung in Nürnberg Christoph Münchow als neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Münchow war bis 2011 Oberlandeskirchenrat in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und Stellvertreter des Landesbischofs.

Nach sechs Jahren legte Walter Herrenbrück sein Amt als Vorsitzender der EAK nieder. In seine Amtszeit fielen die Umstrukturierung der Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die Neuausrichtung der Arbeit der EAK nach Aussetzung der Wehrpflicht und Wegfall des Zivildienstes. „Die Aussetzung der Wehrpflicht war ein Ziel, für das sich die EAK über Jahre eingesetzt hat“, betonte Herrenbrück. Nach der Aussetzung müssten sich junge Männer nicht mehr zwangsläufig für oder gegen den Militärdienst entscheiden. „Nun geht es darum, die Friedens- und Gewissensfrage in der Kirche als Thema stark zu machen, und in den Christengemeinden den Frieden zu bezeugen und ihn auch zu leben.“

Walter Herrenbrück (Jahrgang 1939) war als Landessuperintendent lange Jahre Leitender Geistlicher der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer. Er war unter anderem Mitglied des Rates der EKD und dessen Beauftragter für Militärseelsorge und Kriegsdienstverweigerung/Zivildienst. Der Friedensbeauftragte der EKD, Renke Brahms, betonte in seinen Dankesworten an Herrenbrück: „Sie sind immer im Dienst der Sache des Friedens gewesen. An dem Gelingen der Neugestaltung der Friedensarbeit in der Kirche haben Sie großen Anteil.“

Der neue EAK-Vorsitzende, Christoph Münchow, nannte als Arbeitsvorhaben: „Wir müssen in den Kirchen die Friedenstheologie weiterentwickeln, die friedenspolitische Diskussion anregen und die Friedens- und Gewissensbildung stärken.“ Als Vorsitzender der EAK wolle er sich für eine Weiterentwicklung dieser Kernthemen der kirchlichen Botschaft einsetzen. „Die Beratung in Fragen der Kriegsdienstverweigerung von Soldaten und Soldatinnen, auch international, werden wir als EAK weiterführen.“

Während der Mitgliederversammlung in Nürnberg führte die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) auch einen Studientag zum Thema „Schutzverantwortung“ („Responsibility to protect“ – R2P) durch. Das Konzept der Responsibility to protect möchte regeln, unter welchen Bedingungen zum Schutz von Menschenleben die Einmischung der internationalen Gemeinschaft in einen Staat möglich sei. Ob aus dem Konzept eine Rechtsnorm werden sollte, werde strittig diskutiert. Manche Experten argumentierten, das politische Konzept der R2P sei bereits als Völkergewohnheitsrecht anwendbar, andere betonten, dass das Konzept ein rein politisches sei, und warnten davor, es allzu schnell zu einer verbindlichen Norm zu erklären.

Rechtsanwalt Otto Jäckel (Berlin), Vorsitzender von IALANA (Juristen und Juristinnen gegen atomare, biologische und chemische Waffen), wies in seinem Beitrag darauf hin, dass schon in der UN-Konvention zum Völkermord aus dem Jahr 1948 Kriterien für nichtmilitärisches Handeln bei drohenden massiven Konflikten wie Völkermord festgelegt seien, die eine Verrechtlichung des Konzepts der R2P unnötig machten.

Dr. Jakob J. Fehr vom deutschen Mennonitischen Friedenskomitee (Bammental bei Heidelberg) brachte in seinem Beitrag die friedenstheologische Fragestellung ein. „Wir müssen Prävention betreiben“, so sein Appell, sodass Konflikte gar nicht mehr an den Punkt kämen, an dem ein Eingreifen von außen nötig sei.

Die EAK wurde 1956 gegründet. Sie ist in ihrer Arbeit mit anderen kirchlichen und nichtkirchlichen Organisationen, die für Frieden und Gewaltfreiheit eintreten, vernetzt. Zur Mitgliederversammlung und zum Vorstand der EAK gehört auch ein Vertreter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF).

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