Silver Spring, Maryland/USA, 18.10.2012/APD   Der Exekutivausschuss der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) hat am 16. Oktober eine Stellungnahme mit 265 zu 25 Stimmen verabschiedet, welche die Vorgehensweise und das Verfahren in der Weltkirche klarstellt, wenn Meinungsverschiedenheiten und abweichende Beschlussfassungen vorliegen, wie Adventist News Network (ANN) berichtete.

Mit der Erklärung reagiere der Exekutivausschuss der Generalkonferenz, das wichtigste Kirchenleitungsgremium der Siebenten-Tags-Adventisten zwischen den alle fünf Jahre stattfindenden Weltsynoden (Generalkonferenz-Vollversammlungen), auf die abweichenden Beschlüsse von zwei überregionalen Kirchenleitungen in den USA und einer in Deutschland, so ANN. Delegiertenversammlungen der „Columbia Union Conference“ (CUC), der „Pacific Union Conference“ (PUC) und des Norddeutschen Verbandes (NDV) hatten 2012 die Ordination zum Pastorendienst unabhängig vom Geschlecht beschlossen.

Die Beschlüsse, welche nicht im Einklang mit den während der adventistischen Weltsynoden von 1990 und 1995 getroffenen Entscheidungen der Weltkirche stünden, drückten nicht nur eine Meinungsverschiedenheit aus, heißt es in der verabschiedeten Stellungnahme, sondern seien ein klarer Ausdruck der Selbstbestimmung. Sie würden einen Bereich betreffen, zu dem die Weltkirche zweimal in anderer Weise entschieden habe. Der Exekutivausschuss der Generalkonferenz betrachte die Beschlüsse der untergeordneten Kirchenleitungen „als gravierende Fehler“, so das Dokument. In ihm wird betont: „Diese Erklärung befasst sich mit Struktur, Organisation und Abläufen in der Kirche. Es geht an und für sich nicht um die Frage der Ordination zum Pastorendienst.“

Die angenommene Stellungnahme drücke laut ANN die Missbilligung über die Beschlüsse der drei überregionalen Kirchenleitungen (Union/Verband) aus, appelliere an alle Kirchenverwaltungsebenen, die Auswirkungen unabhängiger Entscheide zu bedenken und bekräftige die Rolle der Frauen im Leben und Dienst der Kirche. Das Dokument weise auch auf die theologischen Studien zur Ordinationsfrage hin, deren Ergebnisse 2014 vorliegen sollten. Sanktionen würden in der Stellungnahme weder ausgesprochen noch vorgeschlagen.

„Die Weltkirche kann nicht Praktiken legitimieren, die eindeutig im Widerspruch zur Absicht der Beschlüsse der Generalkonferenz-Vollversammlung stehen. Deshalb anerkennt die Weltkirche die Beschlüsse von regionalen (Vereinigungen) und überregionalen (Verbände/Unionen) Kirchenleitungen nicht, welche die Ordination zum Pastorendienst unabhängig vom Geschlecht zugelassen oder umgesetzt haben“, heißt es in der beschlossenen Erklärung.

Laut „Spectrum“ sei das zu verabschiedende Dokument den Mitgliedern des Exekutivausschusses nach zweistündiger mündlicher Einführung während der Sitzung ausgeteilt worden. Während der Diskussion hätten sich 23 Personen zu Wort gemeldet. Eine nordamerikanische Delegierte habe festgestellt, dass es bei der ganzen Angelegenheit nicht nur um Verfahrensfragen, sondern auch um Fragen der Gerechtigkeit und Gleichheit gehe. Verschiedene Ausschussmitglieder hätten, so „Spectrum“, die Präsidenten der drei abweichenden überregionalen Kirchenleitungen aufgefordert, sich zu entschuldigen, was aber nicht geschehen sei.

Pastor Tankiso Letseli, Präsident der überregionalen Kirchenleitung von Südafrika (South African Union Conference), habe gefragt, ob Frauen, welche gegebenenfalls in den in dieser Frage abweichenden Kirchenleitungsregionen zu Präsidentinnen gewählt würden, auch Mitglieder des Leitungsgremiums der Generalkonferenz sein könnten, oder wie sich die südafrikanische Freikirchenleitung verhalten sollte, falls eine ordinierte Pastorin in ihr Gebiet käme. Generalkonferenzpräsident Ted Wilson habe geantwortet, dass der Wortlaut des Dokuments klar sei: Die Weltkirche anerkenne solche Ordinationen nicht, und somit hätten sie auch keine Gültigkeit.

Die Stellungnahme wurde laut Pastor Ted Wilson von PREXAD, dem Executive Advisory Komitee des Weltkirchenpräsidenten, in einer vierstündigen Sitzung vorbereitet und per Konsens verabschiedet. Mitglieder von PREXAD sind die neun Vizepräsidenten der Weltkirchenleitung, der Generalsekretär und dessen Stellvertreter, der Schatzmeister und dessen Stellvertreter sowie die dreizehn Präsidenten der kontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen). Anschließend sei das Dokument von den leitenden Angestellten der Weltkirche diskutiert und mit großer Mehrheit zur Beschlussfassung durch den Exekutivausschuss empfohlen worden.

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