Weiterstadt bei Darmstadt, 27.12.2012/APD   „Ein Dach über dem Kopf, eine Mahlzeit auf dem Tisch, saubere Sanitäranlagen und ein Gefühl der Sicherheit sind Grundbedürfnisse des Menschen“, sagte der in den Ruhestand tretende Direktor der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland, Erich Lischek. Diese Grundbedürfnisse müssten zuerst gestillt sein, um ein weiteres Bedürfnis „den Wunsch auf Bildung“ zu erfüllen. Wissen sei ein zentraler Faktor zur Weiterentwicklung des Einzelnen und seiner Familie.

Obwohl das Recht auf Bildung in Artikel 26 der UN-Menschenrechtscharta verankert sei, könnten bis heute weltweit mehrere hundert Millionen Menschen weder lesen noch schreiben, so Lischek. Deren große Mehrheit lebe nach Angaben der UNESCO in Süd- und Westasien sowie in Afrika südlich der Sahara. Doch ohne grundlegende Bildung bleibe ihr eine selbstständige Lebensgestaltung versagt.

ADRA Deutschland habe es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, Kindern und Erwachsenen weltweit Zugang zu angepasster Bildung zu ermöglichen, damit sie ihr Leben selbstbestimmter führen könnten. „In den vergangenen beiden Jahren konnten wir über 60.000 Kinder im Bereich Bildung unterstützen und ihnen notwendige Grundlagen vermitteln, auf denen sie weiter aufbauen können“, betonte der scheidende ADRA-Direktor.

Erich Lischek nannte Beispiele aus verschiedenen Ländern. In Albanien habe ADRA eine Schule in der Hauptstadt Tirana mit 300 Tischen und 60 Stühlen ausgestattet. Außerdem unterstütze das Hilfswerk eine Vorschule für Roma-Kinder in Fushe-Kruje. 56 Kinder würden dort auf den schwierigen Schulalltag vorbereitet, während ihre Mütter ebenfalls zur Schule gingen, um Lesen und Schreiben zu lernen.

Auch in Äthiopien sei ADRA im vergangenen Jahr aktiv gewesen. Bei einem Projekt der entwicklungspolitischen Bildung und zum Kulturaustausch hätte die Darmstädter Adventjugend in Kooperation mit ADRA Deutschland bei der Renovierung einer adventistischen Schule in Fessa geholfen. In Somalia baue das Hilfswerk seit 2011 mit Unterstützung der Europäischen Union 71 Schulen sowie 24 Lernzentren auf und bilde Lehrkräfte aus. In dem Land mit der niedrigsten Schulrate hätten so besonders Frauen, Mädchen und Straßenkinder einen besseren Zugang zu Bildungsmaßnahmen. Der Aufbau des Schulsystems trage zur Stabilisierung des Landes bei. In Kajiado/Kenia unterstütze ADRA ein „Rescue Centre“ für knapp 200 junge Frauen, die Zuflucht vor Zwangsehe und Genitalverstümmelung suchten. Neben Unterkunft und Verpflegung erhielten sie eine solide Schulausbildung.

In Thailand würde ADRA Flüchtlingen aus Myanmar helfen. Sie lebten in Lagern und hätten kaum eine Chance auf eine qualifizierte Berufsausbildung, um sich später außerhalb des Camps eine Existenz aufzubauen. Über 6.200 Flüchtlinge hätten von ADRA Ausbildungsmöglichkeiten zum Friseur, Näher, Altenpfleger oder Automechaniker erhalten. Das schwere Erdbeben in Haiti habe Anfang 2010 für ein Umdenken im Land gesorgt. Während der Hilfsmaßnahmen sei ADRA Deutschland auf den Mangel an qualifizierter Berufsausbildung aufmerksam geworden. Es fehle vor allem an zertifizierten Berufsschulen für Handwerker. Auf Anfrage der Regierung habe ADRA Deutschland 2012 mit dem Aufbau eines dualen Berufsausbildungssystems in Haiti begonnen.

Aber auch in Deutschland hätte ADRA ein erstes Bildungsprojekt mit dem Circus „Waldoni“ durchgeführt, informierte Lischek. Über ein Jahr lang seien Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund auf ihrem Bildungsweg unterstützt worden. Sie hätten den Hauptschulabschluss nachholen und so ihre Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt verbessern können. „Die meisten Absolventen fanden im Anschluss an das Projekt sofort einen Ausbildungsplatz.“
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