65 Jahre „Stimme der Hoffnung“

Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt, 05.09.2013/APD   „Das Ohr wird mehr genutzt als die Augen“, behauptete Pastor Christian Vogel, Chefredakteur von „Hope Channel Radio“, während des Empfangs zum fünfjährigen Jubiläum des Rundfunksenders der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, der sein 24 Stundenprogramm seit dem 1. September 2008 über den Satelliten „Astra“ ausstrahlt. Der deutsche Bundesbürger verwende durchschnittlich mehr Zeit zum Radiohören als zum Fernsehen, so Vogel. Rund 80 Prozent der Bevölkerung hörten täglich Radio, und 60 Prozent hätten großes Vertrauen in das Medium. Allein in Deutschland existierten etwa 370 öffentlich-rechtliche und private Radiostationen.

„Das Jubiläum feiern wir deshalb gern, weil wir seit fünf Jahren einen eigenem Rundfunksender mit Sendelizenz haben“, betonte Vogel. Damit hätte die Hörerzahl vervielfacht werden können, denn zuvor seien die Rundfunkprogramme der „Stimme der Hoffnung“, die seit 2008 den Namen „Hope Channel Radio“ tragen, nur über das Internet und andere Sender zu empfangen gewesen. Gleichzeitig feiere die adventistische „Stimme der Hoffnung“ aber auch ihr 65-jähriges Jubiläum. Die ersten Radiosendungen seien bereits 1948 über „Radio Luxemburg“ und bald darauf auch über andere Mittel- und Langwellenstationen sowie über die Kurzwelle ausgestrahlt worden.

Vor Jahren habe man unter einem Radio noch ein eigenes Empfangsgerät, ausgerüstet mit Röhren, Transistoren, Reglern, Lautsprechern und Kabeln verstanden, sagte der Chefredakteur. Heute empfange man Radio als Programm, das über verschiedene Medien gespielt oder abgerufen werden könne. Handys, Tablets, Computer, digitale Radios oder TV-Satellitenreceiver seien die Empfangsgeräte für Rundfunkprogramme. Auf diese Weise erlebe das Radio eine Renaissance.

Radioprogramme zu produzieren bedeute, Inhalte schaffen, die dem Leben dienen, neue Perspektiven vermitteln und Menschen mit Gottes Wort in Berührung bringen, gab Christian Vogel zu bedenken. „Weltweit gesehen, erleben wir viel Intoleranz und Fanatismus, besonders was den Glauben betrifft. Da können und wollen wir nicht schweigen. Unser Rundfunksender sieht seine Aufgabe auch als Friedensstifter im Sinne der Bergpredigt Jesu.“ Für „Hope Channel Radio“ hätten alle Nationen und Kulturen die gleichen Rechte und den gleichen Wert. „Durch unser Reden, Erzählen und Berichten wollen wir ermutigen, trösten, neue Perspektiven öffnen, kritisch sein, im Klartext sprechen und Neuorientierung geben. Mit Musik wollen wir gute Stimmung erzeugen und fröhlich machen, aber auch zur Besinnung führen und verkünden, wie Gott in unserem Leben wirkt.“

Bescheidene Anfänge
1948 hätten die Gründer der „Stimme der Hoffnung“ mit amerikanischer Unterstützung begonnen, religiöse Sendungen über Radio Luxemburg auszustrahlen, berichtete Vogel. Mangels eines geeigneten Studios seien die Programme zunächst in Paris aufgezeichnet worden. Dann wäre es Pastor Max Busch gelungen, ein „Studio“ mit einem einfachen Tonbandgerät und hektographierten Texten in einem Berliner Keller einzurichten. Die „Stimme der Hoffnung“ sei damit der älteste christliche private Radioanbieter Deutschlands.

1959 zog sie von Berlin-Zehlendorf nach Darmstadt um. Doch auch hier seien die Arbeitsbedingungen laut Pastor i. R. Erwin Kilian, von 1966 bis 1971 Geschäftsführer, sehr bescheiden gewesen. Es hätte zunächst nur ein Mikrofon in einem Keller des adventistischen Schulzentrums Marienhöhe gegeben. Ein Student habe ein Vollspur-Tonbandgerät mitgebracht, um Rundfunkaufnahmen zu produzieren. Später sei im Zentrum der Adventgemeinde Saarbrücken ein kleines Studio eingerichtet worden. Erst 1968 hätte ein eigenes Gebäude in Darmstadt-Eberstadt bezogen werden können. In dieses seien auch die 1964 gegründete Blindenhörbücherei und das Bibelstudien-Institut mit seinen Fernkursen integriert worden. So wäre allmählich das Medienzentrum „Stimme der Hoffnung“ entstanden.

Austausch von Erinnerungen
In einer Gesprächsrunde während des Empfangs tauschten die früheren Geschäftsführer des Medienzentrums, die Pastoren Heinz Hopf (1971-1977), Arno Patzke (1977-1992), Günther Machel (1992-2002) und Matthias Müller (seit 2002), Erinnerungen aus. Laut Hopf sei es verboten gewesen, westdeutsche Zeitschriften in die DDR zu senden, und dennoch hätte das Mitteilungsblatt der „Stimme der Hoffnung“ per Privatbrief zahlreiche dankbare Empfänger erreicht. „Eine QSL-Karte wurde für Kurzwellenhörer entwickelt, und deren Anforderung zeigte, dass es in den Ostblockstaaten zahlreiche Hörer adventistischer Sendungen gab.“ Auch in der DDR hätten die Adventisten in Friedensau bei Magdeburg Sprach- und Musikproduktionen einschließlich verschiedener Hörspiele entwickelt. Die Tonbandkassetten seien trotz Überwachung durch die Volkspolizei unbemerkt über ostdeutsche Autobahnraststätten nach Westdeutschland geschmuggelt und für Radiosendungen der „Stimme der Hoffnung“ verwendet worden. Ein Kleinbus mit eingebautem Tonstudio wäre zudem in der Bundesrepublik, Österreich und der deutschen Schweiz unterwegs gewesen, um vor Ort Gottesdienste und evangelistische Veranstaltungen aufzunehmen. 1971 habe es die ersten Kurzwellensendungen über Radio Transeuropa (Sines/Portugal) gegeben. „Immer wenn die adventistischen Programme bei Radio Transeuropa in Sines/Portugal ausgestrahlt wurden, gingen in der UdSSR in der Nähe von Katarinenburg die Störsender in Betrieb.“ Doch 1990 hätten die Adventisten bei Radio Moskau gerade über diese Kurzwellenantennen ihre Beiträge senden können.

Die Einführung des privaten Rundfunks in der Bundesrepublik habe eine große Herausforderung für die „Stimme der Hoffnung“ bedeutet, erinnerte sich Arno Patzke. Die Kurzwellensendungen hätten eine halbe Stunde hauptsächlich mit Redebeiträgen umfasst. Doch im privaten Radio seien nur Beiträge mit einer Länge unter zwei Minuten zugelassen worden. So wäre 1984 das „Salzstreuer“-Konzept mit Kurzsendungen von 90 Sekunden entwickelt worden. Im lokalen Bürgerfunk habe es auch Sendezeiten bis zu einer halben Stunde gegeben. Davon hätten etliche örtliche Adventgemeinden Gebrauch gemacht, sodass das Medienzentrum die Ausbildung der lokalen Radioteams übernommen habe.

Als Günther Machel die Geschäftsführung der „Stimme der Hoffnung“ übernahm, habe sich für ihn die Frage nach der Nutzung der neuen Medien gestellt. 1996 sei das Medienzentrum für die technische Abwicklung der ersten Satellitenevangelisation der Freikirche im deutschsprachigen Raum verantwortlich gewesen. Die 26 Bibelvorträge von Pastor Mark Finley in Orlando/Florida wurden damals mit Simultanübersetzung in 114 deutsche Städte sowie 23 Orte in Österreich und drei der Schweiz übertragen. Die dazu notwendigen Geräte seien erst wenige Monate vorher zur Verfügung gestanden. „Mit der Internetarbeit wurde begonnen, und die ersten Fernsehproduktionen entstanden in einer Garage.“ Nicht nur am primitiven „Fernsehstudio“ habe sich gezeigt, dass die bisherigen Räumlichkeiten in Darmstadt für die gestiegenen Anforderungen nicht mehr ausreichen würden. Mit der Planung eines modernen Medienzentrums sei begonnen worden.

Große Pläne verwirklicht
2002 habe Pastor Matthias Müller, der neue Leiter der „Stimme der Hoffnung“, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erklärt, dass er Sendelizenzen für 24 Stunden Radio und Fernsehen pro Tag anstrebe. Doch das schien utopisch zu sein. Immerhin konnte Müller im März 2007 ein neues, modernes Medienzentrum mit Rundfunk- und Fernsehstudios in Alsbach-Hähnlein südlich von Darmstadt einweihen. Dort befinden sich neben „Hope Channel Radio“ und „Hope Channel Fernsehen“ auch das Internationale Bibelstudien-Institut, die Blindenhörbücherei, die Bildagentur „churchphoto.de“ sowie ein Verkaufsshop mit den von der „Stimme der Hoffnung“ produzierten Videos, Musik-CDs und Hörbüchern. Weitere Informationen dazu im Internet unter www.stimme-der-Hoffnung.de.

Mit der Erteilung der Sendelizenzen für „Hope Channel Radio“ im Jahr 2008 und 2009 für „Hope Channel Fernsehen“ habe sich der Traum vom eigenen Rundfunk und Fernsehen rund um die Uhr nach Müller erfüllt. Dennoch gebe es ständig neue Herausforderungen und Veränderungen. So sende „Hope Channel Radio“ nicht mehr über die Kurzwelle. Trotzdem seien die Programme durch das Internet weltweit zu empfangen. Die Resonanz auf die Sendungen wäre so groß, dass die Hörerbetreuung hätte ausgebaut werden müssen.

Professor Wolfgang Thaenert (Kassel), Direktor der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen), dessen Behörde vor fünf Jahren die Rundfunklizenz erteilte, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass „Hope Channel Radio“ zu den „pflegeleichten Kindern“ der Landesanstalt gehöre. Schon der Name „Hope – Hoffnung“ sei Programm. Hoffnung gebe Zuversicht. Diese Zuversicht gehe durch die Radiosendungen ins Ohr, bliebe im Kopf, wandere manchmal ins Herz und verändere damit auch zwischenmenschliche Beziehungen. Thaenert überreichte Geschäftsführer Matthias Müller ein Abbild der Skulptur „Man walking to the sky“ des US-amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky. Die Originalfigur steht auf dem Vorplatz des Kulturbahnhofs Kassel.

„Hope Channel Radio“ ist über den Satelliten „Astra“, im Internet als Livestream und Podcast sowie über das Telefon zu empfangen. Programmheft und weitere Informationen unter www.hopechannel.de/radio.
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