München u. Ostfildern, 20.09.2013/APD   Der melkitisch-katholische Erzbischof von Bosra und Hauran in Syrien, Nicolas Antiba, hat an den Westen appelliert, Pläne für eine militärische Intervention endgültig aufzugeben. Im Gespräch mit dem weltweiten römisch-katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ erklärte er, die syrische Krise verschlimmere sich durch die „aus dem Ausland in das Land strömenden Kämpfer und Waffen“. Diese seien „wie ein Krebsgeschwür für das Land“.

Der Erzbischof befürchte, dass sich die Lage immer weiter verschlechtern werde, wenn weiterhin Waffen in das Land gebracht würden. „Hier kämpfen nicht Syrer gegen Syrer – diejenigen, die sich an den Kämpfen beteiligen, sind Nicht-Syrer“, sagte Antiba. Er wandte sich in einem Appell direkt an Präsident Obama: „Sie sprechen immer vom Frieden – bitte lassen Sie uns in Ruhe und setzen Sie Ihre Ideen für den Frieden in die Praxis um!“ Der Erzbischof betonte, dass die amerikanische Vorstellung von Demokratie nicht mit der des syrischen Volkes übereinstimme. „Lassen Sie uns unsere eigene Vorstellung von Demokratie herausfinden“, rief er Obama auf.

Die humanitäre Lage in Syrien beschrieb Erzbischof Antiba als „dramatisch“. Die unzähligen Flüchtlinge benötigten dringend Hilfe.

Christentum mit langer Tradition
Das Christentum hat in Syrien eine lange Tradition und reicht bis zur Bekehrung des Apostel Paulus in Damaskus zurück. Bevor das Land im 7. Jahrhundert islamisiert wurde, war Syrien mehrheitlich christlich. Vor dem jetzigen Konflikt gehörten von den etwa 20,8 Millionen Einwohnern Syriens rund zehn Prozent dem Christentum an. 87 Prozent der Bevölkerung bekannten sich zum Islam, hauptsächlich Sunniten, aber auch Alawiten, Ismailiten und Schiiten. Drei Prozent waren Drusen, eine Abspaltung der Schiiten.

Im Land sind unter den Christen besonders verschiedene Kirchen vertreten, die das altkirchliche Patriarchat von Antiochien (heute: Antakia/Türkei), das vom Apostel Petrus gegründet sein soll, für sich beanspruchen. Dazu gehören die Syrisch-Orthodoxe Kirche, die Rum-Orthodoxe Kirche (eine byzantinisch-orthodoxe Kirche) und die Katholischen Ostkirchen, die als Teilkirchen eigenen Rechts in der römisch-katholischen Kirche unter dem Papst von Rom uniert sind. Zu letzteren zählen die Syrisch-Maronitische Kirche (Sitz Jounieh bei Beirut), die Melkitische Griechisch-Katholische Kirche (Sitz Damaskus) und die Syrisch-katholische Kirche (Sitz Beirut). Zudem gibt es Gläubige, die zur Assyrischen Kirche des Ostens und zur mit Rom unierten Chaldäischen Kirche, sowie zu verschiedenen protestantischen und römisch-katholischen Gemeinden gehören.

Adventisten verboten
Bei den protestantischen Gemeinden handelt es sich unter anderem um Presbyterianer (Reformierte), armenische Protestanten und Baptisten. Die ersten Siebenten-Tags-Adventisten gab es bereits 1893 in Aleppo, das damals zum Osmanischen Reich gehörte. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden Gemeinden in Aleppo und Damaskus. In den 1940er Jahren wurden weitere Gemeinden in Tartus, Mazraat el-Effendi und Bezaq gegründet. 1930 eröffneten die Adventisten in Damaskus einen Kindergarten und 1949 eine Grundschule in Bezaq. Den Bau einer Klinik in Damaskus im Jahr 1954 genehmigten die Behörden nicht. Bis 1959 wurden die syrischen Adventisten von Beirut/Libanon verwaltet. Dann erhielten sie eine eigene Kirchenleitung in Damaskus, wo 1966 auch ein Verwaltungs- und Gemeindezentrum entstand.

Da die Adventisten den Sabbat (Samstag) als biblischen Ruhetag feiern, unterstellten die Behörden der evangelischen Freikirche, dass sie eine jüdische Religionsgemeinschaft sei. Durch diese falsche Anschuldigung kam es immer wieder zu Repressionen. So wurde die adventistische Kirche in Bezaq geschlossen, adventistische Zeitschriften und Versammlungen wurden verboten sowie Pastoren verhaftet. Zwar gab es auch Zeiten mit weniger Einschränkungen, doch aufgrund der unsicheren Lage verließen immer mehr Adventisten das Land, sodass sich die Ortsgemeinden bis auf Damaskus auflösten. Im Jom-Kippur-Krieg 1973 erlitt die syrische Armee eine vollständige Niederlage gegen Israel. Daraufhin ließ der Staat das Verwaltungs- und Gemeindezentrum in Damaskus schließen, Pastoren und Laienmitglieder verhaften und die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Syrien verbieten. Bald danach wanderten die verbliebenen Adventisten in die USA aus. Seitdem ist die Freikirche in Syrien nicht mehr vertreten.
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