Athanasios Basdekis (Hrsg.), „Orthodoxe Kirche und Ökumenische Bewegung. Dokumente – Erklärungen – Berichte 1900-2006“, Verlag Otto Lembeck, Frankfurt/Main und Bonifatius Verlag, Paderborn, 2006, gebunden, 896 Seiten, 48,00 Euro, ISBN 978-3-87476-506-0 (Lembeck), 978-3-89710-366-5 (Bonifatius).

Die Orthodoxe Kirche, die weltweit etwa 400 Millionen Mitglieder zählt, war an der Entstehung und Gestaltung der ökumenischen Bewegung von ihren Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute aktiv beteiligt. Allerdings gab es in den letzten Jahren auch viele kontroverse Diskussionen und Kritik am Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) innerhalb der Orthodoxen Kirche. Es erfolgten Austrittsdrohungen, und das Wort von der Krise machte die Runde. Eine „Sonderkommission“ des ÖRK, bestehend aus orthodoxen und nicht-orthodoxen Vertretern, erörterte in einer vierjährigen intensiven Arbeit die zwischen den Orthodoxen und den anderen, zumeist protestantischen Kirchen im ÖRK bestehenden Differenzen und arbeitete Lösungsansätze aus, die ein Verbleiben der Orthodoxen im ÖRK ermöglichen sollten. Die letzte Vollversammlung des ÖRK im Februar 2006 in Porto Alegre/Brasilien hat diesen Lösungsansätzen zugestimmt.

Der vorliegende Band enthält Dokumente, Erklärungen und Berichte, die einen Zeitraum von über 100 Jahren umfassen. Dabei handelt es sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, um orthodoxe Dokumente, die offizielle Verlautbarungen entweder der Gesamtheit der Orthodoxen Kirche oder einzelner Autokephaler Orthodoxer Kirchen zu verschiedenen ökumenischen Ereignissen und Anlässen sind. Den größten Teil der Dokumente stellen jedoch Berichte und Erklärungen von Internationalen Orthodoxen Konsultationen dar, die von Vertretern der Autokephalen Orthodoxen und der Orientalischen Orthodoxen Kirchen im Zusammenhang mit ökumenischen Tagungen und Konferenzen erstellt wurden. In dem Buch sind auch orthodoxe Stellungnahmen und Texte im Zusammenhang mit der oben erwähnten Krise dokumentiert, ebenso der Abschlussbericht der „Sonderkommission“ aus dem Jahr 2002.

Die Dokumente verdeutlichen die lange und komplexe Reise der östlich-orthodoxen Kirchen auf ihrem Weg zu einem Pan-Orthodoxen Konzil. Sie geben einen Einblick in die verschiedenen Wege und Formen der orthodoxen Beteiligung an der Ökumenischen Bewegung. Sie erzählen auch die Geschichte der wiederentdeckten engen Beziehungen zwischen den Östlich-Orthodoxen und den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen; eines Dialogs, der sich erfolgreich mit den theologischen Wurzeln einer fünfzehn Jahrhunderte dauernden Spaltung befasst hat.

Der Herausgeber, Dr. Athanasios Basdekis, ein orthodoxer Theologe aus Griechenland, lebt seit vierzig Jahren in Deutschland. Von 1975-2006 war er orthodoxer Referent der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), deren Geschäftsführer er auch von 1987-1993 war. Seit 2006 ist er der Beauftragte für Ökumene der Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland/Verband der Diözesen. Mit dem vorliegenden Buch hat Basdekis sämtliche orthodoxe Dokumente zur orthodoxen Mitarbeit im ÖRK und in der Ökumenischen Bewegung des 20. Jahrhunderts erstmals in einem Sammelband in deutscher Sprache vorgelegt.

Holger Teubert