Positive Veränderungen durch Hilfe für Menschen in Dafur

Weiterstadt bei Darmstadt | 3. Oktober 2007 | APD |

Weiterstadt bei Darmstadt, 03.10.2007/APD Die sudanesische Krisenregion Dafur verändert sich langsam, aber ständig. Im Umfeld der Stadt Geneina haben Tausende von Flüchtlingen die Zeltlager in den Außenbereichen verlassen und sind unmerklich in das Stadtgebiet eingesickert. Einige durften ihre Zelte auf dem Grundstück von Verwandten aufschlagen, andere fanden in den Randgebieten der Stadt Raum, um eine traditionelle Lehmhütte zu bauen. Besucht man die Flüchtlingslager im Nordosten und Osten der Stadt, sind vergleichbare Veränderungen im Gang. Es gibt sie zwar noch, die aus Ästen und Plastikbahnen zusammengeflickten Notbehausungen der ersten Stunde. Doch im Lager entwickeln sich erste Strukturen. Mauern aus Lehmziegeln grenzen Grundstücke ab, verbergen dahinter die Privatsphäre einer Familie und bilden erste Straßenzüge. Aus Zelten werden Verschläge und Wellblechhütten oder auch erste kleine Häuser. Diese Metamorphose geht weiter und signalisiert den Willen zum Bleiben. Tatsächlich denkt keiner der Befragten an eine Rückkehr zu den alten Heimatorten, von denen sie schmerzhaft verjagt wurden. Die Vertriebenen wissen, dass sie dort keine Chance mehr haben. Sie müssen wieder ganz von unten anfangen und neue Wurzeln schlagen.

Dass derartige Prozesse möglich sind, ist auch eine Folge der Arbeit internationaler Hilfsorganisationen. Mike Perekrestenko, Mitarbeiter der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland, begutachtet den Bau von sechs neuen Brunnen und prüft den Zustand von zehn bereits sanierten. Schon nach 25 bis 30 Metern Bohrung gibt es sehr gutes, schmackhaftes Wasser. Wenn es gelingt, die wachsende Anzahl von Menschen ausreichend damit zu versorgen, ist eine erste Bedingung für eine friedliche Ansiedlung und weitere Entwicklung gegeben.

Diese zeigt sich bereits darin, dass auf den entstehenden Parzellen Gemüse und Gewürze angebaut werden. Damit geht die Last der Nahrungsmittelbeschaffung durch Hilfsorganisationen allmählich in eine Selbstversorgung der Familien über. Hier stabilisieren sich die Verhältnisse deutlich. Allerdings wird dabei die mangelhafte Infrastruktur immer stärker spürbar. So hinken besonders der Straßenbau, die Energieversorgung und die Entsorgungseinrichtungen noch hinterher. Wenn aber Müllabfuhr, Wegereinigung, Trennung von Frisch- und Schmutzwasser nicht funktionieren, entstehen infektiöse Krankheiten, die sich bei der dichten Bevölkerung schnell ausbreiten.

ADRA Deutschland hat die Gefahr mangelnder Hygiene schon sehr früh erkannt und Tausende von Latrinen in Zusammenarbeit mit den Einheimischen gebaut, die sie auch benutzen. Frischwasser und Latrinenbau haben bisher den Ausbruch von Seuchen verhindern können. Perekrestenko verbucht dies als Erfolg der Arbeit von ADRA.

Reitermilizen, Brandschatzung, Vertreibung und Vergewaltigungen gibt es in Dafur leider immer noch. Dennoch ist es in der Stadt Geneina um die Sicherheit relativ gut bestellt. Die ADRA-Mitarbeiter bewegen sich frei mit dem gekennzeichneten Dienstwagen oder zu Fuß durch die Stadt. Soll die Fahrt jedoch über Land gehen, werden neutrale Fahrzeuge angemietet, denn dort herrscht ein nicht definierbares „allgemeines Banditentum“. So lässt sich auch nicht immer gleich feststellen, ob es ein bewaffneter Reiter ein Jenjaweed-Soldat oder ein harmloser Hirte ist.

Zufrieden äußert sich Perekrestenko über die Zusammenarbeit mit den Regierungsbehörden. Komplizierter sei die Einschätzung, wo sich staatliche Gewalt eigentlich manifestiere. Die offiziellen Regierungsbehörden könnten die Ordnung weder errichten noch erhalten oder gar verteidigen. Das politische Gewicht der traditionellen Strukturen der Scheichtümer und Sultanate, der gesellschaftliche Einfluss der islamischen Geistlichkeit und der Scharia als gesetzliche Gewalt, die Macht des Militärs und die Interessen bewaffneter Banden existierten nebeneinander und meistens auch gegeneinander. „Das macht die Arbeit im Land nicht immer leicht, doch die politische Einheit herzustellen kann nur von den Menschen im Sudan selber kommen“, betonte Perekrestenko. Jede Einmischung von außen sei für diesen bisweilen schmerzvollen und langwierigen Prozess hinderlich. Die Hilfsorganisationen könnten aber für diesen Prozess Freiräume schaffen.
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