New York/Genf, 27.11.2007/APD Etwa die Hälfte aller Erdbewohner hat keinen Zugang zu Toiletten. Rund 42 Prozent der Weltbevölkerung oder 2,6 Milliarden Menschen müssen ohne WCs zurechtkommen. In einigen Weltregionen gibt es weder private noch öffentliche Toiletten, fasst die Londoner Regierungsorganisation „End Water Poverty“ (EWP) die Ergebnisse einer in einigen der ärmsten Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und der Karibik durchgeführten Untersuchung zusammen. Verantwortlich für das Defizit macht die Organisation, die „Wasser und sanitäre Anlagen für alle“ fordert, den fehlenden politischen Willen, den ärmsten Menschen der Welt zu helfen.

Fünf Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Krankheiten, die durch mangelnde Sanitärhygiene verursacht werden. Das sind unter anderem Cholera, Typhus, Gelbsucht, Wurmbefall, Diarrhö, Lungenentzündungen und Unterernährung. Diese Krankheiten bedingten häufige Schulausfälle der Kinder, führten zu Einkommensverlusten der Familien und erhöhten die Ausgaben für den häufig unterfinanzierten Gesundheitssektor. Wasserbedingte Krankheiten kosteten die Entwicklungsländer insgesamt fünf Milliarden Arbeitstage pro Jahr. Während die internationalen Bemühungen zur Verbesserung der Versorgung mit sauberem Trinkwasser beträchtlich seien, blieben die Anstrengungen zur Entsorgung verschmutzter Abwässer und die Verbreitung angepasster Toilettensysteme völlig unzureichend.

Um auf die gefährlichen Defizite und deren negative Folgen der Wasser- und Abwasserproblematik aufmerksam zu machen und einer globalen Krise zuvorzukommen, hat die UN-Vollversammlung letztes Jahr entschieden, 2008 zum „Internationales Jahr der sanitären Grundversorgung 2008″ auszurufen.

Nach Erkenntnissen des Weltkinderhilfswerks UNICEF konnten in den vergangenen 14 Jahren über eine Milliarde Menschen an das öffentliche Wassersystem angeschlossen werden. Doch noch immer könnten 2,6 Mal so viele Menschen, darunter 980 Millionen Kinder, das Privileg von Toiletten nicht in Anspruch nehmen – mit verheerenden Folgen. „Kinder sind besonders anfällig für Krankheiten, die durch einen Mangel an Hygiene entstehen“, erläutert die UNICEF-Exekutivdirektorin Ann Veneman. „Fehlende sanitäre Anlagen und unsicheres Trinkwasser verursachen jedes Jahr den Tod von 1,5 Millionen Kleinkindern unter fünf Jahren.“ Hinzu komme, dass die Hälfte aller Krankenhausbetten nach Angaben der in Genf ansässigen Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Patienten belegt werden, welche an Krankheiten leiden, die durch unreines Wasser übertragen werden.

Nach UN-Angaben werden ohne massive Änderungen wegen des globalen Bevölkerungswachstums auch im Jahr 2015 noch 2,4 Milliarden Menschen ohne WCs leben müssen. Laut WHO sterben in 38 von 46 Staaten Afrikas mehr Kinder unter fünf Jahren an Diarrhö als an HIV/AIDS. „Und doch erfahren Durchfallerkrankungen, die auf inadäquate sanitäre Bedingungen und mangelnde Hygiene zurückzuführen sind, bei weitem nicht die gleiche internationale Aufmerksamkeit“, so Anders Berntell, Leiter des „Internationalen Wasserinstituts“.

Zeitgleich mit dem Start des „Internationalen Jahres der sanitären Grundversorgung“ fand in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul die Gründungs-Generalversammlung der „World Toilet Association“ (WTA) mit über 1.300 Teilnehmer aus 60 Ländern statt. Die WTA will vor allem jenen armen Ländern helfen, in denen dringend Verbesserungen im sanitären Bereich notwendig sind. Zudem soll auch rasche Hilfe nach Naturkatastrophen gewährleistet werden.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich optimistisch, dass das „Internationales Jahr der sanitären Grundversorgung“ ein Schlaglicht auf eines der dringlichsten Gesundheitsprobleme der Neuzeit werfen wird. Allen Menschen den Zugang zu Sanitäranlagen zu ermöglichen, sei ein Gebot der Menschenwürde und Menschenrechte und Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz. „Dass weltweit zwei von fünf unserer Mitmenschen keinen Zugang zu sanitären Anlagen haben, ist ganz einfach inakzeptabel.“

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