Christinnenrat fordert Paradigmenwechsel in der Ökumene

Fulda | 11. Dezember 2007 | APD |

Fulda, 11.12.2007/APD Der „Christinnenrat - Ökumenische Arbeitsgemeinschaft in Deutschland“, ein Zusammenschluss von konfessionellen und ökumenisch arbeitenden Frauenorganisationen, Netzwerken und Gremien in Deutschland, hat angesichts verstärkter konfessioneller Profilierung der Kirchen nach außen und Identitätsvergewisserung nach innen sowie im Blick auf die aktuelle ökumenische Entwicklung zehn „ökumenische Leitsätze“ formuliert. Der deutsche Christinnenrat, dem zwölf Organisationen auf Bundesebene angehören, verabschiedete diese Leitsätze während seiner Mitgliederversammlung am 7. Dezember in Fulda. Das Strategiepapier sei „eine Selbstvergewisserung der Mitgliedsorganisationen des Christinnenrates und zugleich ein Impuls in die christlichen Kirchen in Deutschland“, schreibt die Organisation in einer Pressemitteilung.

„Ökumenische Ausrichtung und Praxis bedrohen nicht das je eigene konfessionelle Profil. Sie sind im Gegenteil dessen notwendiger und unaufgebbarer Bestandteil“, heißt es im zweiten von zehn Leitsätzen.

Im neunten Leitsatz wird mit zwölf konkret formulierten Impulsen ökumenischen Denken und Handeln auf eine bewusst gepflegte ökumenische Spiritualität hingewiesen.

Etappen auf dem „Weg zur Einheit der Kirche in der versöhnten Vielfalt der Kirchen“ fasst der zehnte Leitsatz zusammen. Ein lebendiger Prozess gemeinsamen ökumenischen Lernens umfasse: „Gegenseitige Besuche, Begegnungen, gemeinsames Beten und gottesdienstliches Feiern der in Christus bereits geschenkten Einheit, Zusammenarbeit für Frieden, Bewahrung der Schöpfung und Gerechtigkeit schaffen Verständnis und Respekt füreinander.“ Daraus wachse Vertrauen zueinander, das die Grundlage für ein authentisches und glaubwürdiges Zeugnis des Glaubens sei, so der Christinnenrat.

Die einstimmig verabschiedeten ökumenischen Richtlinien betonen ferner, dass zur wirkungsvolleren Gestaltung der ökumenischen Arbeit ein seit Jahren geforderter Paradigmenwechsel nötig sei. „Es muss nicht im Einzelfall begründet werden, dass und warum ökumenisch gehandelt wird, sondern warum nicht. Dabei ist nach Überzeugung der Frauen in der christlichen Ökumene prinzipiell die multilaterale Zusammenarbeit der Kirchen anzustreben. Zudem sehen die christlichen Frauenorganisationen sich selbst und ihre Kirchen dringend herausgefordert, in ihren ökumenischen Aktivitäten zur Gestaltung der Welt im Sinne von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung kirchliche Grenzen zu überschreiten und mit Menschen anderer Weltanschauungen und Religionen zu kooperieren“, schreibt der Christinnenrat.

Die Absicht der „ökumenischen Leitsätze“, einen Impuls in die christlichen Kirchen in Deutschland zu geben, passe gut damit zusammen, dass die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) im Oktober dem Christinnenrat den Beobachterstatus in der ACK zuerkannt habe. Damit seien auch die strukturellen Voraussetzungen für die oft erklärte Absicht der christlichen Frauenorganisationen gegeben, die Erfahrungen, Sichtweisen und Kenntnisse aus ihrer ökumenischen Praxis und Reflexion in den offiziellen Prozess zur Einheit der Kirchen einzubringen. Zur Vertreterin des Christinnenrates in der ACK-Mitgliederversammlung wurde Irmentraud Kobusch, Mitglied im erweiterten Bundesvorstand der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) ernannt. Zur Stellvertreterin wählte die Mitgliederversammlung Irmtraut Streit, vom Frauenwerk im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden und Mitglied im Vorstand des Christinnenrates.
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