Papst Benedikt XVI. lädt zum Paulus-Jahr 2008/2009 nach Rom ein

Rom/Italien | 23. Januar 2008 | APD |

Rom/Italien, 23.01.2008/APD Der Heilige Stuhl hat den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel und den Moskauer Patriarchen Aleksij II. zur Eröffnung des Paulus-Jahres am 28. Juni nach Rom eingeladen. Nach Angaben von Radio Vatikan lud der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, auch Repräsentanten anderer christlicher Konfessionen zum Auftakt der Gedenkjahr-Veranstaltungen in die italienische Hauptstadt ein.

Ökumenische Beobachter halten es für wenig wahrscheinlich, dass die beiden führenden orthodoxen Patriarchen die Einladung annehmen. Es werde aber nicht ausgeschlossen, dass es zu einem „Durchbruch“ in den inner-orthodoxen Beziehungen und auch im katholisch-orthodoxen Verhältnis kommen könnte.

Papst erwägt Reise auf den Spuren des Heiligen Paulus

Papst Benedikt XVI. wird möglicherweise im Paulus-Jahr eine Pilgerfahrt auf den Spuren des Völkerapostels unternehmen. Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo, Erzpriester der römischen Basilika San Paolo fuori le Mura, sagte bei der Vorstellung des Programms für das am 28. Juni beginnende Gedenkjahr am 21. Januar im Vatikan, der Papst ziehe eine solche Reise in Erwägung. Eine definitive Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen.

Die bedeutendsten Paulus-Stätten liegen im heute türkischen Kilikien (vor allem seine Geburtsstadt Tarsus) und in Griechenland sowie in Damaskus. Das Jubiläumsjahr für den vor etwa 2.000 Jahren in Tarsus geborenen Apostel geht auf eine Initiative von Kardinal di Montezemolo zurück.

Nach Aussage des Kardinals will Benedikt XVI. das Paulus-Jahr am 28. Juni mit einem Gottesdienst in San Paolo, der Begräbnisstätte des „Völkerapostels“, eröffnen. Während des Paulus-Jahres seien Konferenzen, Gebetstreffen und kulturelle Veranstaltungen geplant. In der früheren Taufkapelle werde ein ökumenischer Gebetsort eingerichtet; die Taufe sei ja das Sakrament, das alle Christen vereine.

Keine Öffnung des Paulus-Sarkophags im Jubiläumsjahr

Zugleich zerstreute der Kardinal Erwartungen nach einer baldigen Öffnung des Paulus-Sarkophags. Benedikt XVI. habe entschieden, das Apostelgrab während des Jubiläumsjahrs nicht für eine archäologische Untersuchung freizugeben. Der Paulus-Sarkophag war 2002 unter dem Hauptaltar der Basilika San Paolo wiederentdeckt worden. Danach wurde die Forderung laut, seinen Inhalt genetisch zu analysieren.

Es gehe darum, die große Gestalt des Heiligen Paulus wieder zu entdecken, seine Briefe neu zu lesen und sich in die ersten Zeiten der frühen Kirche zurück zu versetzen, betonte Kardinal di Montezemolo bei der Medienkonferenz.

In San Paolo fuori le Mura gebe es während des Paulus-Jahres große theologische Vorträge, Ausstellungen von Kunstwerken und Publikationen, kündigte der Kardinal an. Der Vatikanstaat werde eine Briefmarke und eine Zwei-Euro-Münze im Zeichen des Heiligen Paulus herausbringen. Auch eine Website (www.annopaolino.org) sei vorgesehen, ebenso die Herausgabe eines neuen mehrsprachigen „Führers durch die Basilika“.

Apostel und Märtyrer

Der um das Jahr 8 nach Christus geborene Apostel Paulus stammte aus einer streng jüdischen Familie in Tarsus in Kilikien. Er wurde zunächst Saulus (Scha'ul) genannt, was „der Erwünschte“ bedeutet. Wie sein Vater war er römischer Bürger.

Zunächst studierte Saulus in Jerusalem die mosaischen und prophetischen Schriften sowie die rabbinische Überlieferung. Er war überzeugter Anhänger der gesetzeseifrigen jüdischen Gruppe der Peruschim (Pharisäer) und damit ein Gegner der Jesus-Anhänger. Das blieb bis zum sogenannten Damaskus-Erlebnis wenige Jahre nach dem Tod Jesu so: Saulus hatte den Auftrag, in Damaskus Christen zu verfolgen.

Eine Begegnung mit dem auferstandenen Christus vor den Toren der Stadt veränderte sein Leben von Grund auf, er wurde zum „Apostel der Heidenvölker“ (Römer 11,13).

Auf Reisen über Tausende Kilometer wirkte er als Missionar in der Arabia (Nabatäerreich), in Syrien sowie Kilikien und wurde bald selbst verfolgt. Vermutlich vor 1.950 Jahren, im Jahre 58, wurde Paulus verhaftet und als römischer Bürger nach Rom gebracht, wo er nach weiterer Lehrtätigkeit wohl als Märtyrer starb.

Zwei Jahrzehnte nach dem Tod Jesu und noch vor der Niederschrift der Evangelien brachte er die Lehre des christlichen Glaubens in seinen Briefen auf die zentralen Begriffe. Vor allem sein Drängen bewegte die junge Kirche dazu, über Israel und das Judentum hinauszugehen und die Mission im gesamten Römischen Reich und darüber hinaus voranzutreiben.
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