Wiederaufbau von Lager „VIER“ in Somalia

Weiterstadt bei Darmstadt | 14. April 2008 | APD |

Weiterstadt bei Darmstadt, 14.04.2008/APD Wer jemals überhaupt nach Somalia kommen würde, könnte in Garowe, einer Stadt in der nördlichen Provinz Puntland, Erstaunliches wahrnehmen. So sieht es im Lager „VIER" am Ufer des Garowe-Fluss „erbarmungswürdig" aus: Wohin man blickt, Schmutz, Müll, Gestank. Eine notdürftig zusammengeflickte Behausung aus rostigen Blechen und Plastikbahnen quetscht sich an die andere und beherbergt dennoch fast einhundert Flüchtlingsfamilien, die sich hier vor den Unruhen in den umliegenden Landesteilen in Sicherheit bringen wollten.

Anfang des Jahres hatte die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (ADRA) hier begonnen, den Menschen Werkzeuge und Gerät in die Hand zu geben, damit sie das Lager sauber halten konnten. Auch in der Stadt halfen die Flüchtlinge bei der Straßenreinigung und der Müllabfuhr. Für diese Arbeit erhielten sie ihre Mahlzeiten. Doch am Morgen des 27. März brach im Lager ein Feuer aus, das alles niederbrannte. Von Brandstiftung wurde gemunkelt, was aber nicht zu belegen war. Von der gesamten Slum-Siedlung samt vier gemauerten Gebäuden, die außerhalb standen, ist nichts übrig geblieben.

Dass nur eine Frau erhebliche Verbrennungen an ihren Armen erlitt, ist allein aufmerksamen Augenzeugen zu verdanken. Denn zu der Tageszeit waren die Erwachsenen schon in Garowe bei ihrer Arbeit. Einige der zurückgebliebenen Kinder waren in den Hütten angebunden worden, weil für die Beaufsichtigung der Kleinen kein Geld vorhanden ist und sie am Herumstreunen gehindert werden sollten. Durch das beherzte Eingreifen der Helfer konnten alle Kinder befreit und gerettet werden.

ADRA und andere Hilfsorganisationen standen den Familien bei. Ein Verbleib an diesem Ort war ihnen nicht mehr zuzumuten. So errichtete ADRA an einer von der Stadtverwaltung zugewiesenen Stelle neue Toilettenanlagen, verteilte Wasserkanister, Kannen und Schubkarren und half beim Wiederaufbau. Doch letztlich ist es eine „Rekonstruktion der Armut", denn die Herausforderungen angesichts der Regenzeit und ständig nachströmende Flüchtlinge aus dem Hinterland erfordern bedeutend mehr Mittel, die aber nicht vorhanden sind.

Lager „VIER" ist eines von insgesamt sechs Lagern in Garowe, die in ähnlich schlechter Verfassung sind. Die Spannungen unter den Menschen steigen, und auch hier sind Frauen und Kinder die Leidtragenden von Übergriffen jeglicher Art. Doch angesichts der zahlreichen Naturkatastrophen und der gewaltsamen Konflikte im Lande sind solche Lager für sie die einzige Zuflucht.
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