Rom/Italien, 05.07.2008/APD Der Bericht über ein Postabkommen zwischen dem Vatikanstaat und dem Malteserorden in der katholischen Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur, „Die Tagespost“, hat auf ein in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekanntes international anerkanntes Völkerrechtssubjekt aufmerksam gemacht: Den Malteser-Ritter-Orden.

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden, mit vollem Namen „Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta“, ging aus einer Hospitalbruderschaft um 1099 in Jerusalem hervor und ist eine römisch-katholische Ordensgemeinschaft. Er hat seit 1834 seinen exterritorialen Sitz in der italienischen Hauptstadt Rom, an der Via Condotti. Ohne über ein eigenes Staatsterritorium zu verfügen, hat er jedoch eine eigene Regierungsorganisation, eine unabhängige Gerichtsbarkeit und pflegt bilaterale diplomatische Beziehungen zu 100 Staaten.

So hat der Orden den Status eines ständigen Vertreters bei zahlreichen wichtigen internationalen Organisationen. Seit 1994 nimmt er eine Beobachterstellung bei der UNO ein und unterhält Vertretungen bei den Vereinten Nationen und deren Organisationen. Seine diplomatischen Beziehungen reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Für seine operativen Aktivitäten stützt sich der Orden auf sechs Groß- und sechs Subpriorate sowie 47 nationale Assoziationen in allen fünf Kontinenten. Der Orden stellt Ausweispapiere und Pässe aus, besitzt ein eigenes Münzrecht (Währung) und kann öffentliche Einrichtungen nach melitensischem Ordensrecht mit eigener Rechtspersönlichkeit gründen. Das Ordensleben wird durch die Verfassung und den Codex bestimmt, die beide 1997 reformiert wurden.

Die diplomatischen Aktivitäten des Ordens sind streng an seinem humanitären Auftrag orientiert: die diplomatische Präsenz in 100 Ländern ist dem Orden bei seinen humanitären Einsätzen behilflich. Auf internationaler politischer Ebene nimmt der Orden eine strikt neutrale Position ein. Er ist unparteiisch und unpolitisch. Dadurch ist es ihm möglich, als Vermittler tätig zu werden, wenn Staaten ihn um Hilfe bei der Konfliktlösung ersuchen.

Der Malteserorden diente nach heutiger Erkenntnis Henri Dunant (1828-1910) als Vorbild zur Gründung des Internationalen Komitees der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege in Genf, das seit 1876 den Namen Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) trägt und auf dem Gebiet des Völkerrechts große Bedeutung erlangt hat.

Heute ist der Souveräne Malteser-Ritter-Orden in 54 Ländern der Erde direkt vertreten. Mit insgesamt mehr als 12.500 Rittern und Damen, zumeist Laien, rund 10.000 hauptamtlichen und über 80.000 freiwilligen Helfern unterstützt der Orden über 15 Millionen Menschen. In 71 Krankenhäusern und Kliniken, 13 Behindertenheimen und -werkstätten, 26 Alten- und Obdachloseneinrichtungen und sowie 700 Erste-Hilfe- und Sozialzentren in über 100 Ländern der Welt, wird der Dienst am Nächsten in die Tat umgesetzt.

Im Jahre 1961 schloss sich der Malteserorden mit dem evangelischen Johanniterorden in Deutschland und den Niederlanden (Johanniter Orde in Nederland), in Schweden (Johanniterorden i Sverige) und in Großbritannien (Order of St John) unter wechselseitiger Anerkennung zu einer Allianz zusammen.

Die Regierungsorganisation

Der Großmeister leitet den Orden als Souverän und religiöses Ordensoberhaupt. Er wird aus den Reihen der Professritter mit immerwährenden Gelübden gewählt. Er steht dem Souveränen Rat vor, der sich aus den vier Hohen Ämtern zusammensetzt – dem Großkomtur, dem Großkanzler, dem Großhospitalier und dem Rezeptor dem Gemeinsamen Schatzamtes – sowie aus sechs weiteren Mitgliedern, die mit einem Mandat von fünf Jahren vom Generalkapitel gewählt werden.

Der heutige Regierungschef Fra’ Matthew Festing (59) stammt aus der britischen Grafschaft Northumberland. Er wurde am 11. März 2008 vom Großen Staatsrat des Souveränen Orden zum 79. Fürsten und Großmeister des Malteserordens gewählt. Er folgte Fra’ Andrew Bertie, dem 78. Großmeister von 1988 bis 2008, der am 7. Februar in Rom verstarb.

Der Regierungsbeirat und die Rechnungskammer, deren Zusammensetzung ein Spiegelbild des internationalen Charakters des Ordens ist, unterstützen den Großmeister und den Souveränen Rat. Die Mitglieder dieser beiden Regierungsorgane werden für fünf Jahre vom Generalkapitel gewählt.

Eigene Briefmarken und Währung

Die Briefmarken werden in den Einheiten des Währungssystems des Ordens herausgegeben (1 Scudo = 12 Tari = 240 Grani = 0,24 Euro). Die ersten Marken erschienen am 15. November 1966. Philatelisten schätzen insbesondere die jährlich erscheinenden zwei oder drei Briefmarkenbögen, die Kunstwerke abbilden und dem kulturellen Wirken des Ordens gewidmet sind. Die ursprünglich durch Tomas de La Rue in London gedruckten Briefmarken des Malteserordens werden heute im „Istituto Poligrafico e Zecca“ des italienischen Staates hergestellt.

Da der Orden jedoch kein Mitglied der Weltpostunion ist, regelt er seine postalischen Angelegenheiten durch bilaterale Abkommen. Vor vier Jahren hatten der Orden und die Republik Italien eine Übereinkunft geschlossen. Der Vatikan ist nun der 53. Staat, mit dem eine Postkonvention eingegangen wurde. Das Abkommen sei ein weiterer Beleg für das gute Verhältnis, das man zueinander habe, hieß es aus dem Vatikan. Am 23. Juni hatte Papst Benedikt XVI. den Fürst und Großmeister des Souveränen Malteser-Ritterordens, Fra Matthew Festing, und die Mitglieder der Ordensregierung in Audienz empfangen.

Noch in diesem Jahr, vermutlich kurz vor Weihnachten, werden der Vatikanstaat und der Malteserorden Briefmarken herausgeben, die der Unterzeichnung des Abkommens vom 24. Juni gedenken. Auf der vatikanischen Marke soll das offizielle Wappen des Ritterordens, auf der Marke des Ordens das Staatswappen der Vatikanstadt zu sehen sein.
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