Friedensau bei Magdeburg, 09.07.2008/APD Paulin Giurgi, Student im Fachbereich Christliches Sozialwesen der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg, untersuchte im Rahmen einer Bachelorarbeit die Gewalt bei Sportereignissen. Seine Arbeit wurde nun als Buch veröffentlicht.

„Ich bin seit meiner Kindheit Fußballfan und entwickelte schnell eine große Leidenschaft für den Sport“, gibt Giurgi über seine Motivation Auskunft, sich mit Gewaltphänomenen im Zusammenhang mit Sport zu beschäftigen. In seiner Freizeit ist er ein aktiver Vereins-Fußballspieler. Früher gehörte der gebürtige Rumäne in seinem Heimatland einer gewalttätigen Straßenbande an. „Die Gang veranstaltete Wett- und Straßenkämpfe, wodurch ich mit Gewalt konfrontiert wurde“, erklärte Giurgi. Den konkreten Anlass für seine Forschungsarbeit fand er in einem Seminar zur Geschlechterforschung, das sich mit der Frage auseinandersetzte, warum Männer häufiger als Frauen zu Gewalt neigen.

Für seine Untersuchung nahm Giurgi Kontakt zu früheren Gangmitgliedern auf und führte unter ihnen eine Umfrage zu Gewalthandlungen und -erfahrungen durch. Bei Championsleague- und Bundesligaspielen beobachtete der 29-Jährige die Fanblöcke vor Ort und protokollierte ihr Verhalten.

„Das Problem, warum junge Männer im Zusammenhang mit Sportereignissen zu Gewalt neigen, lässt sich nicht einfach lösen“, resümierte Giurgi seine Erkenntnisse. Die Motive seien sehr breit gefächert. Unter den Hooligans wären zum Teil gut sozialisierte Familienväter. Andere stammten aus problematischen Familienverhältnissen und erhofften durch Gewalt Bestätigung und Berühmtheit in der Gruppe. „Viele Hooligans sind auch in Kampfsportvereinen aktiv, was ihnen aber nicht ausreicht. Sie wollen zusätzlich ein Spiel ohne Regeln“, meinte Giurgi. Das könne sogar religiöse Züge annehmen. „Es gibt eine regelrechte Fanreligiosität und Kulthandlungen. Das Stadion dient dabei als Religionsersatz.“

Auch die geschlechterspezifische Sozialisation sei ein Grund für die hohe Gewaltbereitschaft bei jungen Männern. „Mädchen und Jungen gehen unterschiedlich mit Gewalt um“, erläuterte Giurgi. „Jungen sind eher gewalttätig. Es gibt aber auch Beispiele, wo Mädchen wie Jungen sozialisiert wurden, indem sie mit Waffen und ähnlichem gespielt haben. Diese Mädchen neigen eher zu Gewalt als andere.“

Für Giurgi sei es wichtig, zwischen friedlichen Fans und gewaltbereiten Hooligans zu unterscheiden. „Friedlichen Fans ist das Sportereignis als Erlebnis wichtig.“ Sie bejahten den sportlichen Charakter als einen fairen Wettkampf und respektierten die Regeln des Spiels. „Sie sind im Ethos des Fußballs zu Hause“, meinte Giurgi. Für Hooligans dagegen habe Gewalt einen eigenständigen Wert. Sie nutzten den sportlichen Wettkampf nur als Hintergrund. Ihre Gewaltbereitschaft hänge nicht vom Spielergebnis ab.

Dass ein Verlag in Marburg auf seine Forschungsarbeit aufmerksam wurde, freut Paulin Giurgi ganz besonders. Er hofft, dass Gewalt eingedämmt werden könne, wenn die Prozesse verstanden würden, die zur Gewalt führten. Auch deshalb möchte er einen Teil seines Autorenhonorars sozialen Projekten zugute kommen lassen.
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