Konservative Anglikaner lehnen den von Erzbischof Williams vorgelegten Grundkonsens ab

Oxford/Großbritannien | 20. Juli 2008 | APD |

Oxford/Großbritannien, 20.07.2008/APD Traditionstreue anglikanische Bischöfe haben dem Projekt eines innerkirchlichen Grundlagenvertrages auf dem kleinsten Nenner eine Absage erteilt. Die Erzbischöfe wichtiger Kirchenprovinzen betonten in einer in Oxford veröffentlichten Erklärung vom 18. Juli, der Versuch des Erzbischofs von Canterbury, Rowan Williams, zur Versöhnung der Anglikanischen Kirchengemeinschaft weise schwerwiegende Mängel auf. Der vom Ehrenprimas vorgelegte Entwurf eines "Anglican Covenant", einer Art gemeinsamer Glaubensbasis, konzentriere sich zu sehr auf die Kirche als Institution und vernachlässige die Lehren der Heiligen Schrift.

Die mehrheitlich aus Afrika und Südasien stammenden Unterzeichner sprechen im Namen der Teilnehmer der Globalen Anglikanischen Zukunfts-Konferenz (GAFCON), die im Juni in Jerusalem tagte. Sie kritisieren vor allem die "Autonomie", die Erzbischof Williams einzelnen Kirchenprovinzen, wie der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika oder der Anglikanischen Kirche von Kanada, zugestehe. Diese Kirchen stünden im Bereich der Sexualmoral im Widerspruch zur Heiligen Schrift. Der jetzige dramatische Streit innerhalb der Anglikanischen Kirchengemeinschaft hatte sich 2003 an der Ernennung des bekennenden Homosexuellen Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire (USA) mit neuer Heftigkeit entfacht.

Die konservativen Bischöfe, die an der GAFCON-Konferenz teilnahmen, kritisieren außerdem eine "kolonialistische" Rolle von Williams innerhalb der anglikanischen Kirche. Als Erzbischof von Canterbury habe er einerseits zu viel Einfluss auf die "Wegweisung" der Kirche, andererseits aber keine "formale Rechenschaftspflicht". Die GAFCON-Bischöfe nehmen für sich nicht in Anspruch, ohne Sünde zu sein oder eine ausschließlich gültige Interpretation Bibel und Tradition zu besitzen. Sie sehen aber ihr Bemühen um Bibel und Tradition von jenen unterminiert, die "im Namen des Christentums Sünde rechtfertigen".

Williams hatte das Projekt eines "Anglican Covenant" bei einem Krisengipfel im tansanischen Dar-es-Salam im Februar 2007 in die Diskussion gebracht. Ein solcher Grundkonsens von Glaubensüberzeugungen soll die unverbrüchlichen Bestandteile der anglikanischen Lehre in einem verbindlichen theologischen und rechtlichen Rahmen festschreiben, um künftig "schismatische Handlungen" zu verhindern, wie es damals hieß.

Die Anglikanische Kirche ist, nach der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen, die drittgrößte christliche Kirche. Heute zählt die Anglikanische Kirchengemeinschaft etwa 80 Millionen Christen in 160 Ländern, davon rund 42 Millionen im Vereinigten Königreich - größtenteils in England (Church of England), da die selbständigen anglikanischen Landeskirchen in Schottland und Wales weder Staatskirchen sind, noch die Mehrheit der Bevölkerung zu ihren Mitgliedern zählt. Die Church of England ist besonders in englischsprachigen Gebieten und in Gebieten des Commonwealth of Nations vertreten.

Die Anglikanische Kirchengemeinschaft vereinigt in ihrer Tradition evangelische und katholische Glaubenselemente, wobei die katholische Tradition in der Liturgie und im Sakramentsverständnis (insbesondere dem Amtsverständnis) vorherrscht und die evangelische in der Theologie. Sie kennt keine zentralisierte Strukturen der Autorität, sondern vertritt seit der englischen Reformation das Prinzip, dass kein Bischof, ob von Rom, Canterbury oder Konstantinopel, für die Geschäfte eines anderen Bistums weisungsbefugt ist.

Dennoch gibt es in der Gemeinschaft vier sogenannte "Instruments of Unity" (Instrumente der Einheit). In der Reihenfolge ihres Alters sind dies: der Erzbischof von Canterbury, die Lambeth Konferenz, die Anglikanische Beratende Versammlung und das Treffen der Primasse (die ranghöchsten Bischöfe der einzelnen Landeskirchen).

Oberster geistlicher Leiter der Kirche ist der Primas der Church of England, also der Erzbischof von Canterbury als Primus inter Pares, dessen Amt seit Gründung durch Augustinus von Canterbury im Jahr 597 besteht. Er besitzt jedoch kein Weisungsrecht gegenüber den übrigen Kirchen der Kirchengemeinschaft. Der derzeitige, im Jahre 2002 von Königin Elisabeth II. ernannte Erzbischof von Canterbury, Dr. Rowan Douglas Williams (58), ist der 104. Amtsinhaber.
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