Militärgästehaus nach Kriegsdienstverweigerer benannt

Washington D. C./USA | 14. August 2008 | APD |

Washington D. C./USA, 14.08.2008/APD Das Gästehaus des Walter Reed Army Medical Center (Armeekrankenhaus) in der US-Hauptstadt Washington wurde in "Walter Reed Guest House Doss Memorial Hall" umbenannt. Es besteht aus 32 Räumen für Familienangehörige von verwundeten Soldaten. Damit wurde der mit hohen Orden ausgezeichnete Kriegsdienstverweigerer und Siebenten-Tags-Adventist Desmond T. Doss posthum geehrt. Obwohl er sich als Sanitäter weigerte, eine Waffe in die Hand zu nehmen, überreichte ihm am 12. Oktober 1945 US-Präsident Harry S. Truman die Ehrenmedaille des Kongresses als höchste Auszeichnung der Vereinigten Staaten für die Rettung von 75 verwundeten Kameraden. Doss ist bis heute der erste und mit dem Sanitäter Thomas Bennett, der 1970 bei der Versorgung verwunderter Soldaten in Vietnam fiel, der einzige Kriegsdienstverweigerer mit diesem Orden.

"Für meinen Mann stand Gott immer an erster Stelle in seinem Leben", sagte Francis Doss (86), die an der Zeremonie teilnehmende Witwe des Geehrten. Der 1919 in Lynchburg/Virginia geborene überzeugte Christ arbeitete bei seiner Musterung 1942 auf einer Schiffswerft und hätte als "unabkömmlich" allen Problemen aus dem Weg gehen können. Doch er meldete sich freiwillig zur Armee; allerdings unter der Bedingung, dass er aufgrund seiner Glaubensüberzeugung keine Waffe in die Hand nehmen müsse. Auch sei er nicht bereit, als Siebenten-Tags-Adventist am Samstag, dem biblischen Sabbat, irgendeine Arbeit zu tun oder eine Ausbildung zu absolvieren. Außerdem werde er als Vegetarier kein Fleisch essen. Seine Kameraden verspotteten ihn, da er konsequent nach seiner Überzeugung lebte. Einer von ihnen drohte ihm, ihn beim ersten Kampfeinsatz zu erschießen, da ihm sein Bibellesen und seine Gebete auf die Nerven gingen. Sein Vorgesetzter wollte ihn wegen angeblicher Untauglichkeit aufgrund "geistiger Instabilität" loswerden, doch Doss weigerte sich, die Armee zu verlassen.

Die Einstellung seiner Kameraden änderte sich schlagartig nach dem ersten Kampfeinsatz auf Guam, als sich Doss als Sanitäter um seine verwundeten Kameraden kümmerte. Bei der Schlacht um die Insel Leyte barg er trotz feindlichem Feuer mehrere Verwundete. Am 5. Mai 1945 erhielt seine Kompanie den Befehl, einen hohen, steilen und zerklüfteten Hügel auf Okinawa zu erobern, auf dem sich die Japaner festgesetzt hatten. Es war Samstag, und Doss saß in seinem Zelt und las in der Bibel. Da kein anderer Sanitäter zur Verfügung stand, bat ihn sein Kompaniechef, er möge seine übliche Bibelbetrachtung ausfallen lassen, um den Kameraden beizustehen. Doss entgegnete: "Herr Hauptmann, Sie wissen, dass heute mein Sabbat ist, deshalb gedulden Sie sich noch einige Minuten, bis ich den Bibelabschnitt zu Ende gelesen habe." Nach zehn Minuten war der Sanitäter bereit, und der Angriff begann.

Mehrmals wurden die Amerikaner von dem Hügel durch die Japaner zurückgeschlagen. Doss blieb trotz feindlichem Feuer und noch dazu unbewaffnet stets bis zuletzt und seilte seine verwundeten Kameraden ab, um sie in Sicherheit zu bringen. Erst nach zwölf Stunden war der Hügel erobert. Sein Kompaniechef meinte, dass Doss über 100 Kameraden gerettet habe. Doch der Sanitäter entgegnete bescheiden, dass es höchstens 50 gewesen wären. Sie einigten sich schließlich auf 75. Am 21. Mai wurde Doss bei der Bergung Verwundeter auf Okinawa durch eine Handgranate am Bein verletzt. Er erhielt nicht nur die Ehrenmedaille des Kongresses, sondern unter anderem auch den Bronze Star und die Eichenblattspange mit Purpurherz.

Nach dem Krieg arbeitete Desmond T. Doss als Zimmermann und auf einer Fischfarm. Er war verheiratet und hatte einen Sohn. Zuletzt lebte er in Piedmont/Alabama. Im Juli 2004 wurde eine Statue von Doss im National Museum of Patriotism in Atlanta/Georgia aufgestellt. Dort befinden sich auch die Standbilder von Martin Luther King, Präsident Jimmy Carter und dem pensionierten Marinecorps-General Gray Davis, der wie Doss die Ehrenmedaille des Kongresses erhielt. Bei Kriegsende sagte sein Vorgesetzter, der ihn aus der Armee entlassen wollte: "Er war der tapferste Mann, den ich jemals kennenlernte, und ich wollte ihn loswerden." Doss starb im März 2006 im Alter von 86 Jahren.
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