Patriarchentreffen in Istanbul im Zeichen der innerorthodoxen Versöhnung geplant

Moskau-Istanbul | 7. Oktober 2008 | APD |

Moskau-Istanbul, 07.10.2008/APD   Der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats der Russischen Orthodoxen Kirche, Metropolit Kyrill von Smolensk, hat anlässlich seines Besuches im Phanar, dem Sitz des Ökumenischen Patriarchats in Istanbul Einzelheiten der für 10. bis 12. Oktober anberaumten "Synaxis", einer gesamtorthodoxen Begegnung, besprochen.

Nach einem Bericht der Pressestelle des Moskauer Patriarchats werden zur "Synaxis" (russisch: sobor) die Oberhäupter aller orthodoxen Kirchen erwartet. Gastgeber ist der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., mit dem Metropolit Kyrill am 1. Oktober zusammengetroffen war.

Wie Kathpress dazu schreibt, hatten die Patriarchen Bartholomaios I. (Konstantinopel) und Aleksij II. (Moskau) im Juli bei ihrem Kiewer Treffen anlässlich der Feier zum 1020. Jahrestag der Christianisierung der Rus vereinbart, einen Dialog zur Lösung der innerorthodoxen Jurisdiktionsprobleme zu führen. "Wir haben uns entschieden, für die Verbesserung der Beziehungen zwischen den Kirchen von Moskau und Konstantinopel zu arbeiten, da wir beide für die Einheit der Orthodoxie und das gemeinsame orthodoxe Zeugnis in der Welt verantwortlich sind", sagte Bartholomaios I. nach dem Treffen in Kiew. Er äußerte damals auch den dringenden Wunsch, dass das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche, Aleksij II., an der geplanten "Synaxis" in Istanbul teilnehmen möge.

Der Moskauer Patriarch hatte erklärt, man sei übereingekommen, alle Kontroversen zwischen Moskau und Konstantinopel durch Diskussion und Dialog zu lösen: "Wir werden Entscheidungen treffen, die den Interessen unserer Kirchen entsprechen".

Metropolit Kyrill von Smolensk hatte die Begegnung in Kiew als ein "historisches Ereignis für die Beziehungen beider Kirchen und generell in der neuesten Geschichte der orthodoxen Kirche" bezeichnet.

Am 6. Oktober bestätigte ein Sprecher des Moskauer Patriarchats, dass Patriarch Alekij II. am 11. Oktober nach Istanbul reisen wird. "Es handelt sich um das bislang dritte Treffen der Oberhäupter und Vertreter der orthodoxen Ortskirchen der Welt. Auf der Tagesordnung stehen mehrere Probleme, die alle orthodoxen Gläubigen bewegen. Geplant sind auch gemeinsame Gottesdienste. Das Moskauer Patriarchat hofft darauf, dass die Beratung zur Festigung der Rechtsgläubigkeit in der Welt beitragen wird", so der Außenamts-Sprecher.

Die orthodoxen Kirchen sind nach der römisch-katholischen Kirche und dem protestantischen Christentum die drittgrößte christliche Glaubensrichtung. In der orthodoxen Christenheit gibt es jedoch auf Weltebene keine Universalkirche und keinen Weltbund. Die orthodoxen Kirchen sind eigenständig (autokephal) strukturiert und entsprechend der Kultur und Nationalität gegliedert. In den einzelnen Kirchen beschließt die Synode der Bischöfe über alle wichtigen Belange der Kirche.

Der Patriarch von Konstantinopel ist Ehrenoberhaupt der byzantinisch-orthodoxen Kirchengemeinschaft und ist für panorthodoxe Belange zuständig. Er leitet die langwierigen Vorbereitungen für ein gemeinsames "Großes und Heiliges Konzil" mit dem Ziel, Einigung in den wesentlichen Feldern von Lehre und kirchlicher Praxis (z. B. Fastenvorschriften, Kalenderfragen, konfessionsverschiedene Ehen) zu finden.
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