Hongkong, 24.11.2008/APD  „In der Volksrepublik China gibt es fast 400.000 Siebenten-Tags-Adventisten, die in über 3.000 Gemeinden Gottesdienst feiern“, teilte der Sekretär der China Mission der Freikirche, Pastor John W. Ash III. (Hongkong), mit. Manche Gemeinden würden mehrere tausend Mitglieder umfassen und ihren Sabbatgottesdienst in großen Kirchen durchführen, andere wären klein und versammelten sich in Privatwohnungen. Obwohl die Adventisten keine eigene Kirchenorganisation hätten, „sind sie nach ihrer Art und Weise gut organisiert“. Der Staat überwache die Religion nicht mehr so streng wie in der Vergangenheit. Wenn eine Gemeinde bei der staatlich kontrollierten, Patriotischen Protestantischen Drei-Selbst-Bewegung (TSPM) registriert sei, habe sie eine Reihe von Freiräumen.

Es gebe laut Ash verschiedene Richtungen im chinesischen Adventismus, wie „Alte“, „Neue“ oder „Untergrund Adventisten“. Die weltweit organisierte adventistische Kirche habe mit allen diesen Richtungen Kontakt, obwohl die Gruppen selbst miteinander Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit hätten. Es existierten in China auch extreme Einflüsse auf das Christentum, wie etwa die Bewegung „Licht vom Osten“, von denen selbst adventistische Ortsgemeinden nicht verschont geblieben seien. „Ein großes Problem für alle Adventisten in der Volksrepublik ist die Ausbildung des theologischen Nachwuchses“, betonte Pastor Ash. Es gebe zwar in China eine Reihe von theologischen Seminaren und Bibelschulen der Drei-Selbst-Bewegung, an denen auch Adventisten studierten, doch fehlten eigene theologische Ausbildungsstätten. Die Asienabteilung der adventistischen Griggs Universität in Hongkong bemühe sich, über das Internet Hunderte von Interessenten theologisch weiterzubilden. Evangelisation und Mission seien in der Volksrepublik untersagt, doch es fänden sich, so Ash, immer wieder Gelegenheiten, seinen Glauben zu bezeugen. Etliche Ortsgemeinden hätten inzwischen ihre eigene Homepage im Internet.

Als die Kommunisten nach dem Zweiten Weltkrieg in China die Herrschaft antraten, hätten die meisten Christen einschließlich der Siebenten-Tags-Adventisten ihrer Religion den Rücken gekehrt, berichtete Ash. Spätere Analysen der christlichen Mission in China ergaben, dass es sich dabei um sogenannte „Reis-Christen“ gehandelt habe, um Menschen, „die im Christentum lediglich eine Arbeitsstelle in einem Krankenhaus, einem Verlag oder einer Schule oder sonstige Vorteile sahen und sich daher bei Schwierigkeiten von ihrem Glauben verabschiedeten“. Nach der Kulturrevolution (1965-1975) hätten viele westliche Beobachter die Meinung von einer Vernichtung des religiösen Lebens in China vertreten. Wie groß wäre aber die Überraschung gewesen, als Pastor Ash und andere adventistische Leiter 1990 bei ihren Reisen in die Volksrepublik die Existenz von etwa 18.000 Adventisten feststellten. Das rasante Wachstum der letzten Jahre habe zwar nachgelassen, doch würden sich jährlich rund 10.000 Erwachsene durch Taufe der Freikirche anschließen.

Die China Mission der Siebenten-Tags-Adventisten in Hongkong akzeptiere laut Pastor Ash die Prinzipien der Drei-Selbst-Bewegung (Selbstunterhaltung, Selbstverwaltung und Selbstverbreitung). Sie verstehe sich deshalb nicht als Kirchenleitung der Adventisten in der Volksrepublik, sondern sei lediglich beratend tätig. „Andererseits ist die China Mission der größte Zulieferer von Radioprogrammen für die Asienabteilung von Adventist World Radio (AWR), die von der Pazifikinsel Guam aus über Kurzwelle auch nach China sendet.“

1902 kam mit Pastor Jacob Nelson Anderson (1867-1958) der erste von der Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten gesandte Missionar nach China. Er arbeitete zunächst in Hongkong und dann in Guangzhou (Kanton). 1903 fanden die ersten Taufen, die erste Gemeindegründung und die erste Ordination statt. Dass es sehr schnell zu Taufen kam, war der Vorarbeit des adventistischen Laienmissionars Abraham La Rue zu verdanken. Der Seemann, Holzfäller und Schafhirte belegte am adventistischen Healdsburg College in Kalifornien theologische Kurse und wollte nach China gesandt werden. Doch die Kirchenleitung lehnte ab, da der Amerikaner bereits 65 Jahre alt war. So traf La Rue auf eigene Kosten 1888 in Hongkong ein und verkaufte dort, wie in Kanton und ein Jahr später in Shangai, christliche Literatur in englischer Sprache. Da er kein Chinesisch konnte, ließ er 1891 zwei adventistische Broschüren übersetzen und verbreitete sie unter der einheimischen Bevölkerung.

1904 wurde in Kanton je eine Grundschule für Mädchen und für Knaben eröffnet. Fünf Jahre später folgte in Shanghai die Gründung der „China-Mission“ der Freikirche. Der bekannte adventistische Arzt Dr. Harry Miller ließ von 1928 bis 1950 15 Krankenhäuser in China errichten. Als 1949 die Kommunisten die Macht ergriffen, gab es im Land 21.168 erwachsen getaufte Adventisten in 278 Gemeinden, die von 347 Geistlichen betreut wurden. Sie unterhielten 14 Krankenhäuser, 112 Grundschulen, zwei Verlagshäuser und ein theologisches Seminar.

Seit 1951 wurden die Adventisten wie auch Christen anderer Konfessionen systematisch verfolgt, ihre Kirchenleitung aufgelöst und ihre Schulen, Krankenhäuser und Verlage verstaatlicht. Pastor David Lin leitete bis 1950 die chinesischen Adventisten als Sekretär (Geschäftsführer). 1958 wurde er konterrevolutionärer Umtriebe beschuldigt, weil er in Briefen an die adventistische Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) in den USA auch über Schwierigkeiten seiner Gemeindeglieder berichtete, die sie aufgrund der politischen Verhältnisse hatten. Zwanzig Jahre verbrachte Lin im Gefängnis. Anschließend wurde er zu einer Bergwerksgesellschaft verbannt und übersetzte technische Bücher aus dem Englischen. Nach fünfjähriger Arbeit bekam er Altersrente und kehrte 1983 nach Schanghai zurück, wo er wieder seinen Dienst als Pastor aufnahm. 1991 wurde er von einem Gericht rehabilitiert und lebt heute in Kalifornien.

1958 übernahm die sogenannte „Drei-Selbst-Bewegung“ für alle protestantischen Kirchen die Verantwortung, so dass die einzelnen Konfessionen ihre Eigenständigkeit verloren. Die chinesischen Adventisten feiern jedoch nicht wie andere Protestanten den Gottesdienst am Sonntag, sondern nach wie vor am Samstag, dem biblischen Sabbat, und behielten ihre Identität.

1980 wurde der Chinesische Christenrat (CCC) gegründet. Er gilt neben der Drei-Selbst-Bewegung als einzig zugelassene Vertretung der protestantischen Christen in China. Der Christenrat versteht sich als Dachorganisation und Dienstleistungseinrichtung für die Protestanten in der Volksrepublik einschließlich der drei evangelischen Denominationen die „Wahre Kirche Jesu“, die „Kleine Herde“ und die Siebenten-Tags-Adventisten, die sich nur partiell mit dem CCC verbunden fühlen. Diese drei Kirchen haben auch in der sogenannten „post-konfessionellen“ Einheitsphase weitgehend ihre theologische Unabhängigkeit bewahrt.

In der Sonderverwaltungsregion Hongkong gibt es 4.330 erwachsen getaufte Adventisten in 16 Gemeinden, die von sieben Pastoren betreut werden. Dort unterhält die Freikirche eine Hochschule, drei Gymnasien, eine Mittelschule und zwei Krankenhäuser. Zwei Gemeinden mit 208 Mitgliedern und eine Mittelschule befinden sich in der Sonderverwaltungsregion Macao. Auf Taiwan leben 5.400 Adventisten in 52 Gemeinden, die von 30 Pastoren betreut werden. Hier verfügt die Freikirche über eine Hochschule, zwei Mittelschulen, eine englische Sprachschule, eine Grundschule, ein Krankenhaus, ein Verlagshaus und ein Medienzentrum für die Produktion von Radio- und Fernsehprogrammen.
_____________________________________________________________________________

Der Text kann kostenlos genutzt werden. Veröffentlichung nur mit Quellenangabe „APD“ gestattet!