Samuele Bacchiocchi promovierte als erster Nichtkatholik an der Gregoriana

Berrien Springs, Michigan/USA, 26.12.2008/APD   Im Alter von 70 Jahren verstarb nach zweijährigem Krebsleiden der Kirchenhistoriker Dr. Samuele Bacchiocchi am 20. Dezember in Berrien Springs, Michigan/USA. In Rom 1938 geboren und aufgewachsen, war er als Siebenten-Tags-Adventist der erste Nichtkatholik, der sich 1969 an der Gregoriana, einer der Päpstlichen Universitäten Roms, immatrikulieren durfte. Seine mit der Auszeichnung „summa cum laude“ versehene Dissertation trug den Titel „From Sabbath to Sunday. A Historical Investigation of the Rise of Sunday Observance in Early Christianity“ (Vom Sabbat zum Sonntag. Eine historische Untersuchung zur Entstehung der Beachtung des Sonntags in der frühen Christenheit) und wurde 1977 von der Päpstlichen Gregorianischen Universitätsdruckerei in Rom veröffentlicht.

In seiner wissenschaftlichen Abhandlung kam Bacchiocchi zum Schluss, dass die Einführung des Sonntags nicht theologische, sondern geschichtliche Gründe habe. Erst nach dem Ableben der Apostel sei es unter dem römischen Kaiser Hadrian (117-138) aus politischen Gründen zu einer Trennung von Kirche und Synagoge gekommen. Als Folge der jüdischen Aufstände vor und nach der ersten Jahrhundertwende, habe Hadrian eine antijüdische Gesetzgebung erlassen, die nicht nur ein faktisches Verbot des jüdischen Glaubens, sondern auch des Sabbats bedeutete.

Das Verbot des Sabbats hätte den Bischof von Rom, Vorläufer der späteren Päpste, bewogen, die Initiative für die Verlegung des christlichen Feiertags vom Sabbat (Samstag) auf den Sonntag und von Passah auf den Ostersonntag zu ergreifen. Für die damaligen aus dem Heidentum stammenden Christen sei es nicht sinnvoll gewesen, sich mit den Juden weiterhin zu solidarisieren und für das Halten des Sabbats zu leiden. Damit wäre gleichzeitig eine Distanzierung vom Judentum und eine Annäherung an die römisch-heidnische Religiosität, für welche damals der Sonnengott aus dem Mithras-Kult eine zentrale Rolle spielte, verbunden gewesen. Unter Kaiser Konstantin wurde dann 321 der Sonntag zum offiziellen Feiertag im römischen Reich erklärt.

Aufgrund seiner historischen Studien setzte sich Bacchiocchi für die Kontinuität von Inhalt und Bedeutung des Sabbats ein. Deshalb widersprach er Papst Johannes Paul II. energisch, weil dieser in seinem Pastoralbrief „Dies Domini“ vom 31. Mai 1998 die Sonntagsfeier bekräftige und sie unter anderem damit begründete, die Christen hätten von Anfang an die Auferstehung Christi am ersten Wochentag gefeiert. Gegenüber dem Adventistischen Pressedienst (APD) erklärte Bacchiocchi damals, die vom Papst in dessen Pastoralbrief erwähnte Bemerkung von Eusebius von Cäsarea im Jahr 325, die ersten Christen hätten am Sonntag die Auferstehung Christi gefeiert, dürfe nicht überinterpretiert werden. Es habe sich lediglich um einen Gottesdienst am frühen Morgen gehandelt, bevor die Christen wie alle andern zur Arbeit gegangen seien. Eine Liturgie zur Feier der Auferstehung Christi habe es außerdem nicht gegeben.

Vor seiner Immatrikulation an der Gregoriana hatte Bacchiocchi an den Bildungsstätten der Siebenten-Tags-Adventisten, dem Newbold College in England und der Andrews Universität in Berrien Springs, Michigan/USA, Theologie studiert. 1964 ging er mit seiner Frau Anna für fünf Jahre als Dozent an das Ethiopian Adventist College in Kuyera, 240 Kilometer südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Nach Erlangung seiner Doktorwürde wurde er 1974 von der Andrews Universität als Professor für Theologie und Kirchengeschichte berufen. Nachdem er dort 26 Jahre gelehrt hatte, emeritierte er im Juli 2000.

Samuele Bacchiocchi schrieb 15 Bücher und bei zwei weiteren war er der Herausgeber. Die meisten befassten sich mit der Sabbat-Thematik. Davon erschien in deutscher Sprache 1982 das über 300 Seiten starke Werk „Deine Zeit ist meine Zeit. Der biblische Ruhetag als Chance für den modernen Menschen“. Über seine Studien hielt er Vorträge an Universitäten und theologischen Seminaren in zahlreichen Ländern. Er hinterlässt neben seiner Ehefrau zwei Söhne und eine Tochter samt Familien.
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