Erstmals das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung

Berlin | 30. Januar 2009 | APD |

Berlin, 30.01.2009/APD   Legenden sind hartnäckig. So wird erzählt, dass im antiken Alexandria 72 jüdische Gelehrte die hebräische Bibel in 72 Tagen auf wundersame Weise gleichlautend ins Griechische übersetzt hätten. Bis heute erinnert der Name "Septuaginta" (das bedeutet: "siebzig") an diese Legende. Die altgriechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments entstand um das Jahr 250 v. Chr. Sie ist die älteste bekannte Bibelübersetzung überhaupt.

Für das hellenistische Judentum und die Christen der ersten Jahrhunderte war die Septuaginta die Bibel, die sie in der Regel benutzten. Eine Reihe von theologischen Aussagen, so auch die von der Geburt Jesu durch eine Jungfrau (Matthäus 1,23), ist nur verständlich, wenn man die griechische Version des Alten Testaments kennt. Zudem ist die Septuaginta bis heute die Heilige Schrift der Orthodoxen Kirche.

Trotzdem wurde sie bislang noch nie ins Deutsche übersetzt. Die Lutherbibel und alle ihre Nachfolger bis zur vieldiskutierten „Bibel in gerechter Sprache" hielten sich maßgeblich an den hebräischen Text. Das hebräische Alte Testament bildet die Grundlage der Verständigung von Christentum und Judentum. Dennoch sollte nicht übersehen werden, dass die Übersetzung der Schriften Israels ins Griechische ebenfalls im antiken Judentum entstand.

Bei der Deutschen Bibelgesellschaft, Stuttgart, erschien jetzt die erste deutsche Übersetzung der Septuaginta. Sie trägt den Titel "Septuaginta Deutsch" und ist damit nicht mehr nur Fachleuten vorbehalten, sondern einem breiten deutschsprachigen Publikum zugänglich. An dem Übersetzungsprojekt, das seit 1999 von einer eigenen Arbeitsstelle koordiniert wurde, waren zeitweise bis zu 80 Personen beteiligt. Zu den Übersetzern gehörten evangelische, katholische und orthodoxe Christen, die ihre Übersetzungsfragen auch mit jüdischen Gelehrten diskutierten. So entstand ein die christlichen Konfessionen untereinander und mit dem Judentum verbindendes Projekt. Den in Deutschland lebenden orthodoxen Christen steht erstmals eine Ausgabe ihres Alten Testaments in deutscher Sprache zur Verfügung. Der "Septuaginta Deusch", die immerhin 1.500 Seiten umfasst, soll ein Doppelband mit wissenschaftlichen Erläuterungen zur griechischen Bibel folgen.

Bei der Vorstellung der "Septuaginta Deutsch" in Berlin betonte der evangelische Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), dass mit der Übersetzung des griechischen Alten Testaments ins Deutsche es allen Interessierten möglich sei, "jüdische Dokumente aus der Zeit um die Geburt Jesu herum kennenzulernen, die für das beginnende Christentum von hoher Bedeutung waren". Der Griechisch-Orthodoxe Metropolit von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa, Augoustinos (Bonn), hob hervor, dass die Septuaginta der Text des Alten Testaments gewesen sei, den Jesus und die Apostel benutzt hätten. Durch die nun vorliegende deutsche Übersetzung könnten hier lebende orthodoxe Christen einen neuen Zugang zur Heiligen Schrift ihrer Kirche gewinnen.

Bischof Dr. Joachim Wanke (Erfurt), Vorsitzender der Pastoralkommission der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, sprach von einer "großen Übersetzungsleistung". Er forderte auf, darüber nachzudenken, wie die Septuaginta in den Unterricht und das theologische sowie geisteswissenschaftliche Studium eingeführt werden könnte. Der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Dr. Jan-A. Bühner (Stuttgart), erinnerte daran, dass es in seinem Haus eine Tradition in der Herausgabe wissenschaftlicher Bibelausgaben gebe. So sei bereits 1898 das griechische Neue Testament erschienen. Später wären als Urtextausgaben das Alte Testament in Hebräisch, die griechische Septuaginta und die Vulgata, die lateinische Übersetzung der Bibel, gefolgt. "Mit der Septuaginta Deutsch kam eine weitere schöne Perle hinzu."

"Ohne die großzügige Förderung vor allem der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Deutschen Bibelgesellschaft hätten wir die Übersetzung nie abschließen können", betonte Professor Wolfgang Kraus (Saarbrücken), einer der beiden Hauptherausgeber.
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