Freiburg, 25.04.2009/APD   Der römisch-katholische Theologe Eberhard Schockenhoff, Professor für Moraltheologie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau, befürchtet eine Schwächung des christlichen Standpunktes in ethisch-gesellschaftlichen Debatten. Als Grund nannte er Kathpress zufolge am 23. April in Karlsruhe die evangelischerseits forcierte „Ökumene der Profile“. Das Beharren auf unterschiedlichen evangelischen und römisch-katholischen Ethik-Positionen und wechselseitige Sich-Abgrenzen führe zur „Marginalisierung der christlichen Stimme“, befürchtet der Theologe.

Nach Ansicht Schockenhoffs, der Mitglied im Deutschen Ethikrat ist, vertreten die beiden großen christlichen Kirchen seit einigen Jahren in wichtigen ethischen Fragen keine gemeinsamen Positionen mehr. Das gelte etwa auf dem Gebiet der Bioethik und in der Bewertung alternativer Lebensformen zur Ehe.

Vor allem evangelische Theologen sprächen von angeblichen ethischen Grunddifferenzen zwischen beiden Großkirchen. Diese Behauptung sei historisch falsch. Es bestehe vielmehr eine Verpflichtung, auch in konfessioneller Verschiedenheit eine gemeinsame christliche Position zu den Problemen der Gegenwart zu finden und zu vertreten, sagte Schockenhoff.

Der Theologe wandte sich gegen evangelische Strömungen, welche die protestantische Ethik als eine im Vergleich zur katholischen Ethik liberalere, modernitätsfähigere Variante des Christentums darstellten. Eine solche Arbeitsteilung könne es vom Selbstverständnis beider Kirchen her nicht geben. Beide Kirchen seien aufgerufen, christliche ethische Positionen so zu verkünden, dass die Menschen daraus eine verlässliche Orientierung in moralischen Konflikten schöpfen könnten.

Eberhard Schockenhoff wurde 2001 von der Bundesregierung in den Deutschen Ethikrat berufen. Er ist ferner Geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift für Medizinische Ethik und seit 1995 Mitglied der Gemeinsamen Römischkatholischen/Evangelisch-lutherischen Kommission für die Einheit, die vom Lutherischen Weltbund (LWB) und dem Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen getragen wird.
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