Freikirchen wollen sich gesellschaftlich stärker engagieren

Leipzig | 1. Mai 2009 | APD |

Leipzig, 01.05.2009/APD   Die evangelischen Freikirchen wollen sich in Deutschland stärker als bisher in der Gesellschaft engagieren. Diese Absicht gab die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) während ihrer Mitgliederversammlung am 29. April in Leipzig bekannt. Die VEF solle bewusster und deutlicher zu gesellschaftlichen Themen Stellung beziehen und in der Öffentlichkeit präsent sein, heißt es in einer Pressemitteilung des freikirchlichen Dachverbandes.

"Wir sind den evangelischen Landeskirchen und der römisch-katholischen Kirche ein verlässlicher ökumenischer Partner", erklärte die Präsidentin der VEF und Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), Rosemarie Wenner (Frankfurt am Main). Sie betonte, dass die Freikirchen durch ihre Strukturen und ihr Selbstverständnis nahe an den Bürgern dran seien. "Diese Nähe müssen wir für unser gesellschaftliches Engagement fruchtbar machen." Die Präsidentin rief die Mitglieds- und Gastkirchen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen auf, Gemeinsamkeiten stärker in den Gremien und Einrichtungen des Verbandes wirken zu lassen und damit das Profil der VEF zu schärfen.

So setzten sich derzeit die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in einem Konsultationsprozess mit der Frage "Was ist evangelisch?" auseinander. In den Gesprächen mit der EKD wollten die Freikirchen deutlich machen, dass sie als Kirchenfamilie ebenso wie die Landeskirchen "evangelische Kirchen" seien und "die evangelischen Stimmen in Deutschland zu Gehör bringen", hob die Bischöfin hervor.

Um auch innerhalb der VEF die Diskussion über ein evangelisches Profil weiterzuführen, beschloss die Mitgliederversammlung, dass sich alle Mitglieds- und Gastkirchen mit Inhalt und Bedeutung der Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa ("Leuenberger Konkordie") befassen sollten. In der 1973 verabschiedeten Leuenberger Konkordie fanden die beteiligten lutherischen, reformierten und unierten Kirchen bei Wahrung ihrer verschiedenartigen Bekenntnisgebundenheit zu einer grundsätzlich gemeinsamen Auffassung von Taufe, Abendmahl und Evangelium. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die im 16. Jahrhundert ausgesprochenen Verwerfungen "heute die Lehre des Partners nicht mehr treffen". Bei der nächsten VEF-Mitgliederversammlung soll die Diskussion über diese grundlegende Vereinbarung der evangelischen Kirchen Schwerpunktthema sein.

Obwohl die VEF für den gesellschaftlichen und politischen Bereich ein zentrales Organ gesamtfreikirchlicher Interessenvertretung bilde, bestehe ein Nachholbedarf an Profilierung. Der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen am Sitz der Bundesregierung in Berlin, Pastor Peter Jörgensen, appellierte deshalb an die Mitglieds- und Gastkirchen, sich stärker der eigenen Kraft bewusst zu sein: "Wir müssen nicht schweigen. Wir dürfen in die Gesellschaft hineinsagen, was uns bewegt und was wir denken." In der Politik gebe es den Wunsch und die Erwartungshaltung, die Stimme der evangelischen Freikirchen zu vernehmen. Jörgensen forderte dazu auf, sich weniger in Abgrenzung zu anderen zu definieren, sondern sich aktiv an gesellschaftspolitischen Diskussionen zu beteiligen.

In der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) sind Freikirchen und Gemeindebünde in Deutschland zusammengeschlossen. Ihr gehören derzeit neun Mitglieder und fünf Gastmitglieder an. Die VEF wurde 1926 als erste Dachorganisation selbständiger Kirchen in Deutschland gegründet und sieht ihr Ziel darin, gemeinsame Aufgaben zu fördern, zwischenkirchliche Beziehungen zu vertiefen und gemeinsam freikirchliche Belange nach außen zu vertreten. Die Mitglieder und Gastmitglieder treffen sich zweimal im Jahr zu einer Mitgliederversammlung. Die nächste wird Ende November in Friedensau bei Magdeburg stattfinden.
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