6. Internationaler Kongress für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg

Marburg | 16. Mai 2009 | APD |

Marburg, 16.05.2009/APD   Vom 20. bis 24. Mai findet zum Thema "Identität – der rote Faden in meinem Leben" der 6. Internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg statt. Dazu werden laut Pressesprecher Frank Fornacon rund 1.000 Fachleute aus der Psychotherapie, Medizin und Seelsorge erwartet. Etwa ein Drittel der Teilnehmer seien Ärzte und Psychologen, rund ein Drittel Theologen und ein weiteres Drittel Berater aus der Gemeindeseelsorge. Die Teilnehmer kämen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Weißrussland, der Niederlande, Lettland, Schweden und Paraguay.

Der Fachkongress wird von der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) in Frankenberg veranstaltet. Die im September 2000 gegründete Akademie will Begegnungen zwischen Psychotherapie und christlicher Seelsorge in Wissenschaft und Praxis fördern. Sie gibt die Zeitschrift "P & S – Magazin für Psychotherapie und Seelsorge" heraus.

In Marburg finden Hauptreferate zu den Themen "Sich finden und sich verlassen" (Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Dresden), "Identität im Gegenüber Gottes" (Prof. Dr. Hans-Joachim Eckstein, Tübingen), „Identitätsentwicklung und Bindung im Kontext der Familie (Dr. med. habil. Karl Heinz Brisch, München), "Frauen und Männerrollen im Wandel der Zeit" (Prof. Dr. Clemens Sedmak, London), "Identität, Tugend und Selbstwert" (Dr. med. Raphael M. Bonelli, Österreich), "Helfer sein – über unsere Identität als Therapeuten und Seelsorger" (Prof. Daniel Hell, Zürich) sowie "Identität, Religion, Kultur" (Dr. Roland Werner, Marburg) statt.

Außerdem sind 120 Seminare vorgesehen. Die am meisten nachgefragten seien laut Fornacon "Kreative Zugänge zu Gott für Menschen in Krisen" (Renate Jetter, Theologin, und Annette Lenhard, Juristin, Oberursel), "Arbeit an den Wurzeln der Identität" (Sozialarbeiter, Familientherapeut, Dortmund) und "Die Sprache des Körpers verstehen" (Ulrich Giesekus, Klinischer Psychologe, Freudenstadt).

Auch vier Dozenten der Theologischen Hochschule der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg gehören zu den Seminarleitern. Dr. med. Edgar Voltmer, Dozent für Gesundheitswissenschaften und Sozialmanagement, befasst sich mit dem Thema "Psychologische Belastungen und Ressourcen bei Ärzten und Pastoren". Prof. Dr. Johann Gerhardt, Pastoraltheologe und Rektor der Hochschule, stellt aktuelle Forschungsergebnisse zu "Schuld, Schuldgefühle und Identität" vor. Dr. Andreas Bochmann, Dozent für Ehe- und Lebensberatung, spricht über den "Wirkfaktor Mensch". Dr. Thomas Steininger, Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche, leitet das Seminar "Wege zur gesunden Identität: Schutz und Risikofaktoren".

Zur seit 20 Jahren staatlich anerkannten Hochschule Friedensau gehören die Fachbereiche Theologie und Christliches Sozialwesen. Sie informiert beim Kongress in Marburg mit einem eigenen Stand insbesondere über den in Friedensau angebotenen Studiengang Master of Arts Counseling (Beratung).Dieser vermittelt Zugänge und Methoden für die Ehe-, Familien- und Lebensberatung.

In den letzen Wochen wurde die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) scharf von dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) angegriffen, da der Marburger Kongress nach Ansicht des LSVD Homosexuelle diskriminiere. Der Verband hatte gefordert, drei Referenten auszuladen, da sie die "Umpolung" homosexueller Menschen propagierten.

Laut dem 1. Vorsitzenden der APS, Dr. Martin Grabe, fand am 12. Mai ein Gespräch von Vorstandsmitgliedern der APS und des LSVD statt, das "von einer konstruktiven Sachdiskussion" geprägt worden sei. Die APS sehe keine Veranlassung, die Referentenbesetzung des Kongresses zu ändern, da die genannten Personen niemanden manipulierten oder "umpolten", sondern ausschließlich Menschen mit ichdystoner Sexualorientierung ergebnisoffen berieten. Außerdem habe die Akademie inzwischen öffentlich dargelegt, dass sie Homosexualität nicht als Krankheit verstehe und nicht für therapiebedürftig halte. Hinzu komme, so Grabe, das im Rahmen des Kongresses die kritisierten Referenten sich überhaupt nicht zum Thema Homosexualität äußern würden.

"Einigkeit bestand unter den Gesprächsteilnehmern darüber, dass Homosexualität weder per se als Krankheit anzusehen noch therapiebedürftig sei, dass mithin aus fachlicher Sicht jeglicher Versuch abzulehnen sei, Menschen in Richtung einer Änderung ihrer sexuellen Orientierung zu manipulieren", betonte Grabe. Ebenfalls lehnten LSVD und APS jegliche Gewalt in den Auseinandersetzungen um den Kongress ab.
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