Präsident der weltweiten Adventistenkirche erstmals in China

Wuxi/Volksrepublik China, 25.05.2009/APD   Mit dem bekannten adventistischen Kirchenlied „Blast die Posaune … Jesus kommt bald noch einmal“ des 45-köpfigen Chores der Adventisten in Wuxi, westlich von Schanghai, wurde der Präsident der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Siebenten-Tags-Adventisten, Pastor Jan Paulsen (Silver Spring, Maryland/USA), bei seinem ersten Besuch in der Volksrepublik China empfangen. In seiner Ansprache in einer 108 Jahre alten protestantischen Kirche im Zentrum der vier Millionen Einwohner Stadt bekannte Paulsen: „Ich habe mich oft gefragt: Wie geht es unseren Brüdern und Schwestern in China? Jetzt kann ich sagen: Es geht ihnen gut und sie sind sehr dynamisch.“ In der Kirche feiert eine der örtlichen Adventistengemeinden jeden Samstag ihren Sabbatgottesdienst.

Die Adventisten sind in der Volksrepublik China eine wachsende Religionsgemeinschaft mit fast 400.000 Gläubigen in rund 4.000 Gemeinden, einschließlich sogenannter „Hauskirchen“. 1958 übernahm zwar die Patriotische Protestantische Drei-Selbst-Bewegung (TSPM) mit ihren Prinzipien Selbstunterhaltung, Selbstverwaltung und Selbstverbreitung für alle protestantischen Kirchen die Verantwortung, so dass die einzelnen Konfessionen ihre Eigenständigkeit verloren. Die chinesischen Adventisten feiern jedoch nicht wie andere Protestanten den Gottesdienst am Sonntag, sondern nach wie vor am Samstag, dem biblischen Sabbat, und behielten ihre Identität.

Der 1980 gegründete Chinesische Christenrat (CCC) versteht sich als Dachorganisation und Dienstleistungseinrichtung für die Protestanten in der Volksrepublik einschließlich der drei evangelischen Denominationen die „Wahre Kirche Jesu“, die „Kleine Herde“ und die Siebenten-Tags-Adventisten, die sich nur partiell mit dem CCC verbunden fühlen. Diese drei Kirchen haben auch in der sogenannten „post-konfessionellen“ Einheitsphase weitgehend ihre theologische Unabhängigkeit bewahrt.

Im Großraum Wuxi gibt es 35 adventistische Gemeinden, zu denen etwa zehn Prozent der dortigen protestantischen Christen gehören. Einige dieser Gemeinden besitzen eigene Gebäude, wie die im November letzten Jahres eingeweihte Donging Kirche in Wuxi, welche 1.200 Gottesdienstbesuchern Platz bietet. Andere adventistische Gemeinden feiern ihren Sabbatgottesdienst in protestantischen Kirchen. Beim Besuch der Donging Kirche lobte Paulsen das zweckmäßig ausgestattete Gebäude. Hier gebe es gute Möglichkeiten Laienmitglieder auszubilden, die bei den chinesischen Adventisten eine noch größere Rolle spielen müssten. Paulsen dankte den Gemeindeleitern und den Behördenvertretern für ihren Einsatz zur Verwirklichung des Kirchenbaus. „Wir stellen fest, dass es möglich ist, den Christen mehr Freiheit einzuräumen.“ Er empfahl den Behörden, den beschrittenen Weg weiterzugehen.

In Schanghai kam es zu einer Begegnung von Pastor Paulsen und anderen adventistischen Kirchenleitern mit dem Präsidenten des Chinesischen Christenrates (CCC), Pfarrer Gao Feng. Paulsen machte Gao mit der Aktion „Follow the Bible“ (wörtlich: Folge der Bibel; deutsches Motto: „Lies die Bibel“) der Generalkonferenz zur Betonung der Wichtigkeit des täglichen Bibelstudiums bekannt. Dazu wurde im Oktober letzten Jahres eine besondere Bibel auf eine zweijährige Reise gesandt. Das in Leder gebundene, 30 mal 45 Zentimeter große Werk ist in 66 Sprachen gedruckt, nämlich jedes einzelne Buch der Bibel in einer anderen Sprache: die Genesis am Anfang der Bibel in Spanisch und die Offenbarung des Johannes als letztes Buch der Heiligen Schrift in Koreanisch. Die vielsprachige Bibel reist durch alle Kontinente und soll im Sommer 2010 zur Weltsynode der Adventisten in Atlanta/USA eintreffen. Der CCC-Präsident erhielt von Paulsen, unter Hinweis, dass Christen die Heilige Schrift als gemeinsame Glaubensgrundlage hätten, ein Exemplar der besonderen, vielsprachigen Bibelausgabe überreicht.

In der anschließenden Aussprache befassten sich Gao und der adventistische Kirchenpräsident mit Möglichkeiten zur Ausbildung von mehr Geistlichen in der Volksrepublik. Paulsen bot die Hilfe seiner Kirche an, wobei es nicht nur um die Aus- und Weiterbildung von adventistischen Pastoren gehe, auch für andere protestantische Gruppen könne solch ein Programm für deren Geistliche entwickelt werden. Die adventistische Delegation hatte auch eine Begegnung mit Vertretern des Christenrates von Schanghai, der für etwa 300.000 Protestanten in der Region zuständig ist. Bei dieser Unterredung ging es ebenfalls um die Ausbildung von Geistlichen.

Während der einwöchigen China-Reise waren die adventistischen Kirchenleiter Paulsen, Eugene Hsu, einer der Vizepräsidenten der Generalkonferenz, und Jairyong Lee, Präsident der Nordasien-Pazifik-Region samt ihrer Begleitung auch in Shenyang und Peking. Sie besuchten das Staatliche Büro für Religiöse Beziehungen, die protestantischen theologischen Seminare Nordost und Yanjing, verschiedene Christenräte und drei adventistische Gemeinden.
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