Masterstudiengang "Beratung" in Friedensau interdisziplinär

Friedensau bei Magdeburg | 15. Juni 2009 | APD |

Friedensau bei Magdeburg, 15.06.2009/APD   Beratung (Counseling) werde seit etlichen Jahren an der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg gelehrt, teilte Studiengangsleiter Dr. Andreas Bochmann mit. Allerdings herrsche Unsicherheit, was damit gemeint sei. "Dabei ist Beratung nicht wirklich etwas Neues, sondern hat in Deutschland eine lange Geschichte mit unterschiedlichen Wurzeln."

Da sei zum einen die Psychotherapie, erläuterte Bochmann. Sie wolle heilen und gehe daher von einem Krankheitsmodell aus. "Zwar ist das in der Beratung nicht der Fall, doch die Methoden und Denkweisen der Psychotherapie sind auch in der Beratung wiederzufinden." Eine weitere Wurzel der modernen Beratung bilde die Pädagogik. Die älteste Wurzel der Beratung werde in der gegenwärtigen Literatur meist übersehen, obwohl sie im Beratungsalltag stetig an Bedeutung zunehme. "Lange vor der Psychotherapie und den modernen pädagogischen Konzepten gab es die Seelsorge, die Menschen zum Leben befähigen sollte."

Beratungswissenschaften an einer theologischen Hochschule böten die in Deutschland in dieser Form einmalige Gelegenheit, die seelsorgerliche Wurzel der Beratung nicht nur zu akzeptieren, sondern auch zu akzentuieren, betonte Bochmann. Ohne dass alle Studierenden im M.A. Counseling zwangsläufig christlich orientiert sein müssten, werde doch ein biblisches Menschenbild als Grundlage der Arbeit gelehrt und diskutiert sowie die Frage der Spiritualität und der Ethik in der Beratung in den Ausbildungsprozess integriert.

In Friedensau kämen so die unterschiedlichen Wurzeln der Beratung zur Geltung und werde Beratungswissenschaft interdisziplinär sowie methodenplural verstanden, hob Bochmann hervor. Für den Schwerpunkt Ehe-, Familien- und Lebensberatung bedeute das, ein breites Spektrum von tiefenpsychologischen über verhaltenstherapeutische bis hin zu systemischen Ansätzen, die aber gerade im präventiven Bereich eingesetzt und immer wieder theologisch reflektiert würden. Im alternativ angebotenen Schwerpunkt Musiktherapie gehe es bei Weitem nicht nur um ein Interventionsinstrumentarium für die Behandlung psychischer Störungen, sondern vor allem um spezielle Kompetenzen im sozialpädagogischen Bereich, etwa bei Kindern und Senioren.
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