Bretten/Hannover, 04.11.2009/APD   Die Protestanten in Deutschland erinnern im kommenden Jahr an den Reformator Philipp Melanchthon (1497-1560). Anlass ist dessen 450. Todestag. Auftakt des Melanchthonjahres bildete ein ökumenischer Gottesdienst in seinem Geburtsort Bretten. Am ihm und dem anschließenden Festakt am Reformationstag (31. Oktober) nahmen der badischen Landesbischof Ulrich Fischer, der katholischen Erzbischof Robert Zollitsch, der baden-württembergische Ministerpräsident Günther H. Oettinger, der Oberbürgermeister von Bretten, Paul Metzger, sowie Klaus Engelhardt, Landesbischof i.R. und ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), teil.

Melanchthon hätte immer versucht, Brücken zur katholischen Kirche zu bauen, sagte der badische Landesbischof Fischer. Anders als Martin Luther habe Melanchthon die Einheit der Kirche wahren wollen.

Erzbischof Zollitsch bezeichnete die gemeinsame Feier am Reformationstag als „starkes Zeichen der Gnade Gottes“, das umso wichtiger sei, da die Christen bis heute unter der schmerzhaften Kirchentrennung litten. Die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ als „Meilenstein in der Ökumene“ wäre bisher noch „viel zu wenig“ beachtet worden, kritisierte er.

Melanchthon sei eine der „großen Figuren, bei denen Glaube und säkulare Kultur zusammengehören, ohne dass der Glaube weichgespült oder die säkulare Kultur religiös überfremdet worden wäre“, sagte Engelhardt, der von 1991 bis 1997 als Ratsvorsitzender der EKD amtierte.

Höhepunkt des Melanchthonjahres ist ein langes Festwochenende vom 16. bis 19. April 2010 in der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt, wo Melanchthon in der Schlosskirche neben Luther begraben liegt. Dabei stehen unter anderem ein Fernsehgottesdienst, Theateraufführungen und Tagungen zu Melanchthon auf dem Programm. Auch die Evangelische Landeskirche in Baden plant gemeinsam mit der Melanchthonakademie in Bretten eine Reihe von Veranstaltungen.

Das Melanchthonjahr 2010 gehört zum Themenjahr „Reformation und Bildung“ der sogenannten Lutherdekade. Bis 2017 steht jedes Jahr unter einem eigenen Hauptthema. Melanchthon passe wegen seiner großen Verdienste im Bildungswesen gut zu diesem Motto, sagte der Wittenberger Prälat Stefan Dorgerloh.

Der 1497 im badischen Bretten als Sohn eines Waffenschmieds geborene Philipp Melanchthon war ein Weggefährte von Martin Luther und unterstützte dessen Reformation. Als Mitarbeiter an Luthers bahnbrechender Bibelübersetzung und Verfasser der „Confessio Augustana“ von 1530 war er Wegbereiter des evangelischen Glaubens. Nach Luthers Tod übernahm er eine Führungsrolle im Protestantismus und war ein wichtiger Gesprächspartner Johannes Calvins (1509-1564).

Darüber hinaus war Melanchthon Rektor der Universität Wittenberg. Wegen seiner großen Verdienste im Bildungswesen galt Melanchthon schon zu Lebzeiten als „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands). Er starb am 19. April 1560.

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