New York-Ankara, 30.12.2009/APD   Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat die Behandlung der orthodoxen Kirche in der Türkei mit deutlichen Worten kritisiert. In einem Interview des US-Senders CBS bejahte der Patriarch die Frage, ob er sich „gekreuzigt“ fühle. Es sei kein Verbrechen, als Minderheit in der Türkei zu leben: man fühle sich aber als zweitklassig. „Wir haben nicht das Gefühl, die vollen Rechte als türkische Bürger zu haben“, so der Patriarch in der Sendung „60 Minuten“.

Der türkischen Regierung wirft Bartholomaios I. nach Angaben des Fernsehsenders vor, sie wolle das Patriarchat aufgelöst oder ins Ausland umziehen sehen. Das werde jedoch nicht geschehen. Die religiösen Minderheiten in der Türkei sähen sich zahlreichen juristischen Schwierigkeiten gegenüber, etwa in Eigentumsfragen oder beim Rechtsstatus.

So kämpfe das Ökumenische Patriarchat etwa um eine Wiedereröffnung seines Priesterseminars Chalki. Es wurde 1971 im Zuge eines Verbotes privater Hochschulen in der Türkei geschlossen. Wegen der fortdauernden Schließung sehe sich das Patriarchat in seiner Existenz bedroht. Nach türkischen Vorschriften dürfe das Patriarchenamt nur von einem türkischen Staatsbürger bekleidet werden, der zudem in Istanbul leben müsse. Solange das Seminar geschlossen sei, könne kein geistlicher Nachwuchs ausgebildet werden.

Die türkische Regierung äußerte sich „enttäuscht und verärgert“ über die Aussagen des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. Außenminister Ahmet Davutoglu meinte dazu, er hoffe, dem Patriarchen sei der Satz mit der Kreuzigung nur „herausgerutscht“, wie die regierungsnahe Zeitung „Zaman“ berichtete.

Den Vorwurf von Bartholomaios als religiöse Minderheit zweitklassig zu sein und nicht die vollen Rechte als türkische Bürger zu haben, betrachtete der Außenminister in einer Pressekonferenz als „extrem unglückliche Metapher“. In der Türkei habe es nie Kreuzigungen gegeben und werde es nie geben. Er könne nicht verstehen, wie diese „reife Persönlichkeit“ und eine solche Formulierung zusammenpassten, betonte Davutoglu. Er verwies darauf, dass die Geschichte der türkischen Nation auf religiöser Toleranz basiere.
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