Schulleiter Gunter Stange zur Religionsfreiheit am Schulzentrum Marienhöhe

Friedensau bei Magdeburg, 28.02.2010/APD   „Wie steht‘s mit der Religionsfreiheit an Ihrer Schule?“, fragte in einem Interview Bianca Zimmer, Redakteurin der Zeitschrift „Dialog“ von der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg, den Leiter des Schulzentrums Marienhöhe Darmstadt, Gunter Stange. Das 1924 gegründete Schulzentrum der Siebenten-Tags-Adventisten mit Gymnasium, Kolleg und Realschule hat zur Zeit 684 Schülerinnen und Schüler, von denen nur 19 Prozent aus einem adventistischen Elternhaus stammen. 35 der 65 Lehrkräfte sind Adventisten.

Die Frage der Religionsfreiheit werde in Andachten und im Religionsunterricht thematisiert, betonte Stange. Da jedoch jeder neue Schüler nur nach einer persönlichen Vorstellung in die Schule aufgenommen werde, wüssten er und seine Eltern, die sich zuvor auf der Homepage der Marienhöhe informiert hätten, dass er sich bei einer christlichen Schule bewerbe. In den Gesprächen werde deutlich darauf hingewiesen, „dass wir eine Schule in freier Trägerschaft sind, das heißt, dass die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten der Schulträger ist“. Auch das Schulkonzept sei den Familien bekannt.

„Wir haben einige wenige Schülerinnen und Schüler, die aus nichtchristlichen Religionen kommen“, teilte der Schulleiter mit. Zwei stammten aus buddhistischen und fünf aus muslimischen Familien. Dass die Gesamtzahl so niedrig sei, habe aber nichts damit zu tun, dass aus religiösen Gründen jemand nicht aufgenommen werde. „Wir bieten einen Religionsunterricht an, an dem alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig von der eigenen Konfession, gemeinsam teilnehmen.“ Dabei würden alle Themen miteinander besprochen und diskutiert, sodass jeder Grundsätze und Gedanken anderer Glaubensbekenntnisse mitbekäme. „Es ist unser Ziel, jeder Schülerin und jedem Schüler etwas Positives für das eigene Leben mit auf den Weg zu geben.“

Das Fach Religion sei an der Schule ein Pflichtfach, sodass sich niemand davon abmelden könne, um als Alternative beispielsweise Ethik zu wählen. Die Basis des Religionsunterrichts sei die adventistisch-christliche Lehre, wofür es ein vom Staat und der Freikirche anerkanntes Curriculum gebe. In diesem würden die nicht christlichen Religionen genauso wie die christlichen besprochen.

„Es wäre fatal, für uns Religionsfreiheit zu fordern, anderen aber, die mit uns an unserer Schule leben, diese zu verweigern“, betonte Stange. Jede Konfession habe ihre besonderen Erziehungsziele, etwa den Konfirmandenunterricht mit den entsprechenden Freizeiten, von denen meistens auch der Schulunterricht betroffen sei. Es gehöre zu den Grundregeln der Marienhöhe, den Schülerinnen und Schülern die Teilnahme an diesen Freizeiten zu ermöglichen und sie vom Unterricht freizustellen. „Nur durch die Akzeptanz Andersgläubiger und die aktive Auseinandersetzung mit ihnen können wir unsere Religionsfreiheit ausüben.“

Stange wies darauf hin, dass sehr viele Eltern bewusst die Marienhöhe als Schule gewählt hätten. Für sie spiele gerade in einer pluralistischen Gesellschaft das christliche Profil der Marienhöhe die entscheidende Rolle. „Sie wissen, dass wir adventistisch-christliche Werte vermitteln, ohne religiöse Werte anderer Konfessionen zu diffamieren.“
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