Bis zu 60.000 Besucher bei adventistischer Weltsynode in Atlanta/USA

Atlanta, Georgia/USA | 5. Juli 2010 | APD |

Atlanta, Georgia/USA, 05.07.2010/APD   Mit der "Parade der Nationen“ endete am 3. Juli traditionsgemäß die elftägige 59. Generalkonferenz-Vollversammlung (Weltsynode) der Siebenten-Tags-Adventisten in Atlanta, Georgia/USA. Dazu zogen aus jedem der 205 Länder, in denen es Adventisten gibt, Vertreter in Landestracht und mit ihrer Nationalfahne in den Georgia Dome ein, eine Sportarena mit über 70.000 Plätzen, in der sonst die Atlanta Falcons ihre Football-Spiele austragen. Unter dem Leitwort "Proclaiming God‘s Grace“ (Gottes Gnade verkündigen) war hier für über eine Woche der Tagungsort der adventistischen Weltsynode für 2.222 Delegierte aus rund 200 Ländern.

Während dieser Zeit befassten sich die Abgeordneten mit der Arbeit der weltweiten Kirche. Sie nahmen die Rechenschaftsberichte der vergangenen fünf Jahre entgegen, beschlossen Verfassungsänderungen und wählten die Verantwortungsträger der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) und der 13 Kirchenleitungen auf kontinentaler Ebene. Die nur alle fünf Jahre stattfindende Weltsynode ist das oberste Entscheidungsgremium der evangelischen Freikirche. Die Delegierten tagten öffentlich und vertraten 16,3 Millionen erwachsen getaufte Adventisten.

Im angrenzenden Georgia World Congress Center stellten 1.818 adventistische Kirchenleitungen, Verlage, Hochschulen, Krankenhäuser, Fernseh- und Radiostationen sowie kirchliche Organisationen und Sozialwerke ihre Aktivitäten vor. Darunter waren aus Deutschland das Medienzentrum "Stimme der Hoffnung“ (Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt), die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA (Weiterstadt bei Darmstadt), die Theologische Hochschule Friedensau bei Magdeburg und das Religionspädagogische Institut (Hannover und Zürich). Neben den Delegierten nahmen an der Weltsynode bis zu 60.000 Personen, davon 15.000 Dauergäste, teil. Für die Verständigung der Delegierten und Besucher sorgten 150 ehrenamtliche Dolmetscher durch Simultanübersetzungen in zwölf Sprachen, darunter Deutsch, Französisch, Rumänisch, Russisch, Spanisch, Portugiesisch und Tschechisch.

Die Delegierten wählten mit dem US-amerikanischen Pastor Ted N. C. Wilson (60) einen neuen Präsidenten der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung). Er war bisher einer der neun Vizepräsidenten der Generalkonferenz und löst den norwegischen Pastor Jan Paulsen (75) ab, der seit 1999 als oberster Repräsentant der weltweiten Adventisten fungierte. Wilson ist der 20. Präsident seit Gründung der Generalkonferenz im Jahr 1863. Er begann seinen Dienst als Pastor in New York und hat Erfahrungen in der Kirchenleitung in den USA, in Afrika sowie in Europa gesammelt. Nach der politischen Wende in der ehemaligen Sowjetunion leitete er vier Jahre lang die dortigen Adventisten. Sein Vater, Neal C. Wilson, war bereits von 1979 bis 1990 Generalkonferenz-Präsident.

Der scheidende Generalsekretär der Weltkirchenleitung, der ghanaische Pastor Matthew A. Bediako (68), legte den Delegierten seinen Rechenschaftsbericht für die vergangenen fünf Jahre vor. Demnach stieg die Mitgliederzahl der erwachsen getauften Siebenten-Tags-Adventisten weltweit von Anfang 2005 mit 13,9 Millionen auf 16,3 Millionen Ende 2009. Am stärksten sei das Wachstum in den letzten fünf Jahren mit 55 Prozent in Indien gewesen, gefolgt von Sambia (30 Prozent) und Simbabwe (21 Prozent). Weltweit gebe es derzeit etwa 30 Millionen Gottesdienstbesucher.

Der wiedergewählte Schatzmeister der Generalkonferenz, der Kanadier Robert E. Lemon, berichtete, dass trotz Finanzkrise die freiwilligen Spenden der Adventisten in den letzten fünf Jahren weltweit um 38 Prozent gestiegen seien. Allerdings wäre das Spendenaufkommen aufgrund der Wirtschaftskraft global sehr ungleichmäßig verteilt. Nach wie vor kämen 50 Prozent aller Spenden aus Nordamerika, wo jedoch nur 1,1 Millionen der weltweit 16,3 Millionen Mitglieder lebten. In Afrika gebe es zwar 5,8 Millionen Adventisten, doch sie könnten nur vier Prozent zum Spendenaufkommen beitragen. Europa mit lediglich 400.000 Mitgliedern liege bei zehn Prozent der weltweiten Spenden, Lateinamerika (5,39 Millionen Adventisten) bei 24 Prozent, Asien (3,3 Millionen) bei acht Prozent und Australien/Ozeanien (410.000 Adventisten) bei vier Prozent.

Obwohl schon die Delegierten der Weltsynoden in St. Louis/USA (2005) und in Toronto/Kanada (2000) bemängelten, dass unter den Delegierten zu wenige junge Menschen unter 30 Jahren seien, hat sich daran auch in Atlanta nichts geändert. Nur 46 Delegierte dieser Altersgruppe waren für die Weltsynode 2010 nominiert worden. Am stärksten waren die Delegierten mit einem Alter von 50 bis 59 (39,8 Prozent) vertreten, gefolgt von den 40- bis 49-jährigen (28,9 Prozent). Dabei zählen von den weltweit 16,3 Millionen Mitgliedern etwa 70 Prozent zur Generation bis 30.

Der niederländische Delegierte Jurrien Den Hollander kritisierte, dass obwohl etwa 60 Prozent der weltweiten Adventisten Frauen wären, sie in der Generalkonferenz und in den 13 Kirchenleitungen auf kontinentaler Ebene ("Divisionen“) jedoch unterrepräsentiert seien. Wiedergewählt wurde die Afroamerikanerin und Pädagogin Dr. Ella Louise Smith Simmons als eine der neun Vizepräsidenten der Generalkonferenz. Während der Weltsynode 2005 in St. Louis/USA wurde sie als erste Frau in dieses hohe Kirchenamt gewählt. Von den 14 Abteilungsdirektoren der Weltkirchenleitung, die als mittlere Führungsebene gelten, sind lediglich vier Frauen: Heather-Dawn Small (Abteilung Frauen), Linda Koh (Kinder), Lisa M. Beardsley (Bildung) und Elaine Oliver zusammen mit ihrem Ehemann Willie (Familie).

Die Delegierten beschlossen während der Weltsynode eine "Resolution zur Bibel“. Danach sei die Heilige Schrift grundlegend für "Glaube, Lehre und Verhalten“ und sollte deshalb täglich die "Quelle des persönlichen Studiums“ sein. Untersuchungen hätten ergeben, dass nur 51 Prozent der weltweit 16,3 Millionen Adventisten ein regelmäßiges Bibelstudium betreiben würden. Außerdem gab der Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung Stellungnahmen zur weltweiten Armut, für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen, zur Fürsorge und zum Schutz von Kindern sowie zur Meinungsfreiheit heraus.

Wie bei vorangegangenen Generalkonferenz-Vollversammlungen konnten auch diesmal wieder Ehrengäste begrüßt werden. Unter anderen waren Pfarrer Dr. Setri Nyomi, Generalsekretär der neu geschaffenen Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WRK), Pastor Dr. George Freeman, Generalsekretär des Weltrates der Methodisten (WMC), Dr. Neville Callam, Generalsekretär des Baptistischen Weltbundes (BWA), Pfarrer Dr. Larry Miller, Generalsekretär der Mennonitischen Weltkonferenz (MWC) und Dr. Geoff Tunnicliffe, Internationaler Direktor der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), nach Atlanta gekommen. Erstmals nahm auch eine Gastdelegation aus der Volksrepublik China mit Vertretern der "Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung der Protestantischen Kirche“ (TSPM) und des "Chinesischen Christenrates“ (CCC) an einer adventistischen Weltsynode teil.

Abendprogramme, Nachrichten und Einblicke in die Arbeit der Delegierten der 59. Generalkonferenz-Vollversammlung der Siebenten-Tags-Adventisten in Atlanta, waren im adventistischen Fernseh- und Radioprogramm "Hope Channel“ in deutscher Sprache über den Satelliten ASTRA zu sehen und zu hören. Die nächste turnusmäßige Weltsynode findet im Juli 2015 in San Antonio, Texas/USA, statt.

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