"Wenn eine Frau länger als zwei Nächte bleibt, sprechen wir sie an“

. | 22. Juli 2010 | APD |

Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen in Leipzig

Leipzig, 22.07.06.2010/APD   "Ein Problem mancher unserer Bewohnerinnen für deren Obdachlosigkeit sind psychische Erkrankungen“, stellte die Leiterin des Übernachtungshauses für wohnungslose Frauen in Leipzig, Blanka Schuchardt, fest. Es gebe Frauen, die aufgrund von Verfolgungswahn ihre Wohnung selbst kündigten oder nach der Entlassung aus der Psychiatrie ins Übernachtungshaus kämen. Je nach Verfassung der psychisch kranken Frauen könne das schon eine Herausforderung für die Leiterin und deren Mitarbeiterinnen sein.

1994 hatte das Advent-Wohlfahrtswerk der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten das Übernachtungshaus von der Stadt übernommen. Hauptaufgabe sei, so Schuchardt, die Notunterbringung von wohnungslosen Frauen und die Bereitstellung einer würdevollen Unterkunft. Das Haus öffne immer am Nachmittag. Dann gebe es Kaffee und Kuchen, anschließend Freizeitangebote, wie Spiele und kreative Arbeiten. In der wärmeren Jahreszeit werde auch der Garten genutzt. Nach dem Abendessen könnten sich die Frauen im Gemeinschaftsraum aufhalten, spielen oder fernsehen, aber auch den Abend in Ruhe auf dem Zimmer verbringen. Morgens um acht Uhr müssen alle Frauen das Übernachtungshaus wieder verlassen. Um die durchschnittlich 18 bis 20 Bewohnerinnen kümmern sich von nachmittags bis zum Morgen neben Blanka Schuchardt fünf weitere Mitarbeiterinnen. In der Regel dürfen die Frauen nur einen Monat im Haus bleiben.

"Wenn eine Frau länger als zwei Nächte bleibt, sprechen wir mit ihr und bieten Hilfe an“, berichtete die Leiterin. Manche seien sehr selbständig und benötigten nur bestimmte Informationen. Andere seien auf Hilfe bei ganz praktischen Dingen angewiesen, etwa beim Lesen von Briefen oder beim Ausfüllen von Formularen. Im Jahr wohnten rund 70 bis 80 Frauen im Übernachtungshaus. Einem Drittel von ihnen könne eine Wohnung vermittelt werden, ein Drittel sei auf der Durchreise, und die Verbleibenden könnten in anderen sozialtherapeutischen Einrichtungen, etwa betreutes Wohnen, Pflegeheime, Frauenhäuser oder Wohnprojekte für psychisch Kranke, untergebracht werden. Die Altersgruppen der 18- bis 25- und der 55- bis 65-Jährigen seien am stärksten vertreten. Die Jüngeren hätten in der Regel die Schule oder Lehre abgebrochen, und die Älteren seien arbeitslos geworden oder hätten nichts gelernt.

"Natürlich freuen wir uns, wenn wir einer Frau eine Wohnung vermitteln können“, betonte Blanka Schuchardt. "Doch kann es sein, dass diese Frau nach einiger Zeit wieder an unserer Tür klingelt.“ Es gebe aber auch durchaus ehemalige Bewohnerinnen, die es geschafft und aus der Obdachlosigkeit herausgefunden hätten. Bei anderen könne nur versucht werden, eine Verschlimmerung ihrer Situation zu verhindern. Dazu wolle das Übernachtungshaus mit einer gemütlichen und freundlichen Atmosphäre beitragen.

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