"Wir gehören alle irgendwo zu einer Minderheit“

Washington, D. C. | 18. August 2010 | APD |

Experte für Religionsfreiheit zur Diskussion um die Moschee beim "Ground Zero“

Washington, D. C., 18.08.2010/APD   Die geplante Moschee in der Nähe des "Ground Zero“ in New York erhitzt seit Wochen die Gemüter in den USA. Es war die Rede von einer "Sieges Moschee“, die wie eine Zitadelle über der Gedenkstätte für die Opfer des Anschlags vom 11. September 2001 throne, oder die Moschee sei das Lieblingsprojekt eines Imams, der mit den Terroristen sympathisiere.

Präsident Obama erklärte am 13. August, dass die Religionsfreiheit in den USA auch für die Muslime gelte. Das wurde von vielen als Unterstützung für den Moscheebau gedeutet. Am nächsten Tag präzisierte das Staatsoberhaupt seine Aussage dahingehend, dass er den Bauentscheid an diesem Ort weder kommentiert habe noch kommentieren werde, sondern grundsätzlich zur Religionsfreiheit als Recht für alle in den Vereinigten Staaten Stellung genommen habe.

Rechtsanwalt James Standish, Vertreter der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten bei den Vereinten Nationen (UNO) in New York und stellvertretender Sekretär der International Religious Liberty Association (Internationale Vereinigung für Religionsfreiheit), nahm am 15. August in einem Beitrag in der Tageszeitung "Washington Post“ zur Diskussion im Zusammenhang mit dem Moscheebau Stellung und gab dabei folgendes zu bedenken:

"Es gibt keine Ground Zero-Moschee“, schrieb der Jurist. Der geplante Sakralbau werde durch zwei hohe Häuserblocks vom Anschlagsort getrennt. Zudem sei er in eine bestehende Häuserfront eingebettet, sodass er auch optisch nicht zum "Ground Zero“ gehöre. Auf der Karte sehe man, dass die Moschee am Park Place 45 – 47, also gut 200 Meter von den ehemaligen Twin Towers entfernt, entstehen solle.

"Es wird dort auch keine ‚Sieges-Moschee‘ geben“, so der adventistische UNO-Vertreter. Das erklärte Ziel hinter der Errichtung des muslimischen Zentrums in Manhattan sei, den Geist des gegenseitigen Respekts zwischen Judentum, Christentum und dem Islam wiederherzustellen. "Das ist genau das gegenteilige Ziel dessen, was die Terroristen mit dem Anschlag vom 11. September 2001 bezwecken wollten“, so Standish.

"Es gibt auch keinen den Terror befürwortenden Imam hinter der Mosche“, unterstrich er weiter. Von dem zuständigen Imam, Feisal Abdul Rauf, sei bekannt, dass er gute Kontakte zur jüdischen Gemeinde pflege und den Terrorismus verurteile. Er gehöre zu den Imamen, die von den radikalen Islamisten am meisten verachtet werden.

Neben diesen Klarstellungen im Zusammenhang mit dem geplanten Bau der Moschee, schrieb Standish in seinem Beitrag, dass das Sündenbockspiel der Mehrheit mit einer unbeliebten Minderheit sehr durchsichtig sei und nur dem Zweck diene, dadurch Macht und Einfluss zu gewinnen.

Hinsichtlich der Errichtung von Sakralbauten gab Standish zu bedenken: "Wollen wir wirklich der Regierung das Recht zugestehen, dass sie entscheidet, welche Religion bauen darf und gegebenenfalls wo? Wollen wir, dass Evangelikalen verboten wird, neue Kirchen in Gegenden zu bauen, wo sie eine unbeliebte Minderheit sind? Wollen wir, dass die Mehrheit darüber entscheiden soll, wo Mormonentempel, Synagogen, adventistische oder katholische Kirchen gebaut werden dürfen? In diesem Land gehören wir alle irgendwo zu einer Minderheit.“

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