Österreichs Adventisten im Spannungsfeld zwischen christlicher Hoffnung und säkularer Gesellschaft

Silver Spring (Maryland/USA)/Wien | 27. Oktober 2010 | APD |

Silver Spring (Maryland/USA)/Wien, 27.10.2010/APD   Österreich hat nach Ansicht des Präsidenten der dortigen Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Pastor Herbert Brugger, "eine säkulare Gesellschaft mit einem säkularen, kirchlichen Leben“. Brugger äußerte sich während der Herbstsitzung der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) in Silver Spring, Maryland/USA, zum Spannungsfeld zwischen der christlichen Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu und der säkularen Gesellschaft in seinem Land. "Manchmal suchen wir auf Grund dieser Situation nach Ausreden, warum wir als Kirche keinen Einfluss in der Gesellschaft haben," so Brugger. Der Freikirchenleiter bat den Generalkonferenz-Ausschuss, für die Weiterentwicklung seiner Kirche in Österreich zu beten.

Die Adventisten, ab 1903 in Österreich tätig, haben dort seit 1998 den Status einer religiösen Bekenntnisgemeinschaft und bereits 2008 einen Antrag auf volle staatliche Anerkennung eingereicht. "Wir streben diese Anerkennung an, sehen sie aber in einem größeren Zusammenhang. Wir wissen auch, dass die Anerkennung und Akzeptanz in der Bevölkerung immer wieder durch Fleiß, Ausdauer und gezieltes Eingehen auf die Bedürfnisse der Menschen erarbeitet werden muss. Adventisten wissen sich in ihrem humanitären, sozialen und pädagogischen Engagement dem Vorbild Jesu und den Prinzipien der Heiligen Schrift verpflichtet," so Brugger zum eingereichten Antrag.

Nach wie vor skeptisch äußerte sich der Freikirchenleiter über die Beziehungen zu anderen Kirchen: "Wir wollen Menschen für Jesus gewinnen. Das kann aber unter anderem nur geschehen, wenn biblische Wahrheit auch Wahrheit bleibt und nicht aufgeweicht und verändert wird.“ Bereits 2008 gab der Kirchenpräsident im Gemeindeblatt "Adventecho (heute "Adventisten heute“) zu bedenken, dass ökumenische Zusammenschlüsse nicht zur wahren Einheit unter Christen im biblischen Sinne führen könnten. Brugger wörtlich: "Es hat noch nie zum Erfolg geführt, auf Kosten der biblischen Wahrheit Brücken zu anderen Kirchen zu bauen. Diese Brücken werden aber bald wieder einstürzen.“

Während der diesjährigen Herbstsitzung der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten, die vom 8. bis 13. Oktober in Silver Spring (Maryland/USA) stattfand, befassten sich über 300 Delegierte des Generalkonferenz-Ausschusses unter anderem mit Planungsaufgaben für die nächsten fünf Jahre, Neustrukturierung der weltweiten Missionsprogramme und Personalentscheidungen. Zum Abschluss der Tagung wurde ein Aufruf an die Adventisten in aller Welt zur Reformation, Nachfolge Jesu und Evangelisation verabschiedet. Das solle durch Fürbitte, Bibelstudium und Nutzung moderner Technologie zur weltweiten Vernetzung geschehen.

In Österreich leben nach eigenen Angaben 3.883 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 49 Kirchengemeinden, die von 29 Pastoren betreut werden. Sie unterhalten das Theologische Seminar und Oberstufen Realgymnasium Schloss Bogenhofen bei Braunau am Inn, insgesamt fünf Grundschulen in Wien, Linz, St. Peter/Hart, Herrnberg und Lustenau, die überkonfessionellen "Sozialen Dienste der Adventmission“ (Wien), das Pensionisten- und Erholungsheim "Haus Stefanie“ auf dem Semmering, den "Wegweiser-Verlag“ in Spillern, das Internationale Bibelstudien-Institut (IBSI) und "Adventist World Radio Österreich/AWR“ (beide in Wien). Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Österreich führt humanitäre Maßnahmen in aller Welt durch.

Adventistische Christen gab es bereits seit 1890 in der damaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Seit 1903 ist die Freikirche auf dem Gebiet der heutigen Republik Österreich präsent.

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