Kirchenrechtsexperten für Reform des österreichischen Religionsrechts

Wien/Österreich, 31.10.2010/APD   Juristische Kritik an dem seit 1998 in Österreich geltenden „Zweistufensystem“, das den gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften und den religiösen Bekenntnisgemeinschaften, darunter den Freikirchen, unterschiedliche Rechte zumisst, stand im Mittelpunkt einer Tagung zum Thema „Religionsfreiheit in Österreich – Zwischen Privilegierung und Diskriminierung“ im Juridicum der Universität Wien. Die Bekenntnisgemeinschaften besitzen zwar eine eigene Rechtspersönlichkeit, jedoch nicht die Privilegien und Pflichten anerkannter Religionsgemeinschaften, etwa im Arbeits- und Sozialrecht, im Schulwesen oder im Steuerrecht.

Zu den Veranstaltern der Tagung zählten das Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht der Universität, die Österreichische Gesellschaft für Kirchenrecht und die Österreichische Kommission „Iustitia et Pax“. Verschiedene Kirchenrechtsexperten plädieren für eine Reform des derzeit gültigen staatlichen Religionsrechts. So sprach sich Rechtsanwalt Dr. Peter Krömer für eine „Anpassung“ des Zweistufensystems aus, das dem europäischen Standard in der Religionsgesetzgebung nicht entspreche. Der Rechtsbeistand mehrerer Freikirchen und freikirchlicher Organisationen, der zugleich Präsident der evangelischen Synode A.B. und der Generalsynode ist, nannte zahlreiche Beispiele für gesetzliche Regelungen, die nicht gesetzlich anerkannte Kirchen und Religionsgesellschaften gegenüber den gesetzlich anerkannten benachteiligten. Der Wiener Kirchenrechtler Professor Richard Potz wies gegenüber „Kathpress“ darauf hin, dass für die Bekenntnisgemeinschaften derzeit keine faire Möglichkeit bestehe, den Status einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft zu erreichen. Er kritisierte unter anderem die Mindest-Mitgliederzahl von 16.000, was zwei Promille der österreichischen Bevölkerung entspricht, die viel zu hoch angesetzt sei. Die österreichische Regelung sei auch vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg mehrmals verurteilt worden, erinnerte Potz. Deshalb sei eine Revision des derzeitigen Gesetzes notwendig. Die anerkannten Kirchen, allen voran die römisch-katholische und die evangelische Kirche, sollten von sich aus aktiv werden und grundrechtskonforme Lösungen erarbeiten.

Die Kirchenrechtler Professor Raoul Kneucker, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kirchenrecht, und Professor Heinrich Schneider von „Iustitia et Pax“ schlugen bei der Tagung in dieselbe Kerbe wie Professor Potz. Vor allem die in Österreich vertretenen Freikirchen fühlten sich diskriminiert, so Schneider, und diese Situation sollte für alle Kirchen Anlass sein, sich aktiv für eine Verbesserung einzusetzen.

Die Juristin Brigitte Schinkele vom Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht betonte, dass es für die Benachteiligung der religiösen Bekenntnisgemeinschaften in vielen Bereichen keine sachliche Rechtfertigung gebe. Grundsätzlich sei eine Unterscheidung zwischen Religionsgemeinschaften mit öffentlich-rechtlicher Stellung und solchen mit nur privatrechtlicher Stellung ein durchaus tragfähiges Konzept. Es brauche aber rechtlich klare Regelungen hinsichtlich der Zugangsbestimmungen wie auch bezüglich der mit dem jeweiligen Status verbundenen spezifischen Rechtsfolgen.

Pastor Walter Klimt, Generalsekretär der Baptistengemeinden in Österreich, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass seine Freikirche mit weltweit rund 120 Millionen Mitgliedern zu den größten reformatorischen Kirchen der Welt gehöre. Die Baptisten seien zudem seit 141 Jahren in Österreich tätig. Trotzdem gebe es wegen der vom Staat geforderten Mitgliederzahl von mindestens 16.000 keine Chance auf den Status als staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft.

Professor Karl Schwarz vom österreichischen Kultusamt schlug in seinem Votum ein Bundesgesetz über die Rechtsstellung der evangelikalen Freikirchen vor. Anknüpfungspunkte dafür seien die 1880 erfolgte gesetzliche Anerkennung der Herrnhuter Brüderkirche sowie die Anerkennung der Evangelisch-methodistischen Kirche im Jahr 1951.

Derzeit gibt es 14 anerkannte Religionsgemeinschaften in Österreich: römisch-katholische Kirche, evangelische Kirche A.B. und H.B., griechisch-orthodoxe Kirche, Israelitische Kultusgemeinde, Islamische Glaubensgemeinschaft, koptisch-orthodoxe Kirche, alt-katholische Kirche, methodistische Kirche, Mormonen, armenisch-apostolische Kirche, Neuapostolische Kirche, syrisch-orthodoxe Kirche, buddhistische Religionsgemeinschaft sowie Zeugen Jehovas. Als Bekenntnisgemeinschaften sind gegenwärtig unter anderem die Bahais, Baptisten, die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten und Evangelikale registriert.
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Adventistisches Hilfswerk auf einen Blick

ADRA Deutschland legt Tätigkeitsbericht 2009 vor

Weiterstadt bei Darmstadt, 30.10.2010/APD   „Auf einen Blick“ ist der Tätigkeitsbericht 2009 der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland in Weiterstadt bei Darmstadt betitelt. Danach führte das Hilfswerk im letzten Jahr 50 Projekte in 29 Ländern durch. Dafür wurden 8,45 Millionen Euro ausgegeben, die unter anderem von privaten Spendern, der Europäischen Union (EU), dem Amt für Humanitäre Hilfe der Europäischen Union (ECHO), dem Auswärtigen Amt der Bundesregierung (AA), dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und der „Aktion Deutschland Hilft“ (ADH) stammten.

Bei den Projekten ging es beispielsweise um Aidsaufklärung in Afrika, Asien und Osteuropa, Erstversorgung bei einem Cholera-Ausbruch in Kenia, Lebensmittel für Hungernde in Athiopien, sauberes Trinkwasser und Latrinen in laotischen Dörfern, Beseitigung von Schäden des Zyklons „Nargis“ in Myanmar sowie Trinkwasseraufbereitung für 12.000 Menschen nach Überschwemmungen auf den Philippinen. Durch die „Aktion „Kinder helfen Kindern“ gingen auch im letzten Jahr wieder über 37.500 Weihnachtspakete an bedürftige Heim- und Waisenkinder in Ost- und Südosteuropa. 2009 entsandte ADRA Deutschland im Rahmen der entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes „weltwärts“ des BMZ 22 Jugendliche in sieben Länder. Außerdem wirkten 13 weitere Freiwillige in Mexiko, Moldawien, Tansania und Kirgisien. Der Geschäftsbericht 2009 von ADRA Deutschland kann im Internet unter www.adra.de heruntergeladen werden.
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Arche Abenteuer – Wir sitzen alle im selben Boot

Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt, 29.10.2010/APD   In der neuen „Hope Channel“-Fernsehsendereihe „Arche Abenteuer“ des Medienzentrums „Stimme der Hoffnung“ der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten erfahren Kinder auf spielerische Art und Weise Wissenswertes über Gott und das Leben. In zehn Episoden erschließt sich ihnen, mit tierischem Humor gewürzt, die Bedeutung der biblischen Zehn Gebote.

In den Geschichten verbringen Stinktier, Affe, Löwe, Krokodil, Schaf und viele andere Tiere Tag für Tag im selben Boot, nämlich in der Arche. Laut Drehbuchautorin Ulrike Müller herrsche dort nicht ständig eitel Sonnenschein. Viele Dinge würden sehr kontrovers diskutiert und „am Ende erfolgt immer eine Übertragung in unsere heutige Situation, denn wir sitzen alle im selben Boot“. Es gehe dabei um die Verantwortung für diese Welt und um menschliches Miteinander.

Ulrike Müller, Diplom-Sozialpädagogin sowie Erziehungs- und Familienberaterin, arbeitet hauptsächlich an der Erstellung biblischen Studienmaterials für Kinder. „Viele Kinder haben schon von den Zehn Geboten gehört, aber den Inhalt kennen sie nicht. Ziel war es, ihnen spielerisch zu zeigen, wie spannend die biblischen Gebote sind“, so Müller. Dabei habe sie vor den Fragen gestanden: Was fesselt Kinder heutzutage, und wie vermeide ich „moralische Duschen“? Die biblische Geschichte der Arche und die Zehn Gebote zusammenzubringen sei für sie eine interessante Herausforderung gewesen.
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Schweiz: "Nicht übereinander, sondern miteinander reden"

Erste gemeinsame Erklärung von Juden und Christen

Zürich/Schweiz, 29.10.2010/APD   Als „Meilenstein im jüdisch-christlichen Dialog“ haben der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) die erste offizielle Erklärung von Juden und Christen in der Schweiz bezeichnet. Das gemeinsame Dokument mit dem Titel: „In gegenseitiger Achtung auf dem Weg“, wurde nach mehr als 20 Jahren des interreligiösen Dialoges veröffentlicht.

„Mit dieser Erklärung glauben wir, dass ein wahrhafter Dialog, der auf Augenhöhe geführt wird, den Respekt gegenüber der Glaubenshaltung des anderen und den Verzicht auf die Absicht voraussetzt, den anderen zu überzeugen. Dabei ist die Einsicht leitend, dass die Wahrnehmung der Differenz erst gemeinsame Sichtweisen ermöglicht“, stellen SEK und SIG fest. „Die gemeinsame Auseinandersetzung mit der biblischen, jüdischen und christlichen Überlieferung war nicht nur vom Wunsch geprägt, vom anderen mehr zu wissen, sondern auch zu lernen. Wichtig war auch, über gesellschaftliche Fragen nachzudenken, insbesondere im Zusammenhang mit dem Minderheitenschutz.“

Die Erklärung thematisiere zuerst den Dialog selbst, also die Art und Weise, wie er geführt wurde und behandle erst dann die Inhalte des Dialogs, so Dr. Thomas Wipf, Präsident des SEK. „Damit werden der gewonnene gegenseitige Respekt sowie das zwischen Juden und Christen Gewachsene in den Vordergrund gestellt, ohne dass das Trennende verschwiegen wird“, erläuterte Wipf.

„Den Anderen mit dessen eigenen Augen sehen zu lernen“, so bezeichnete Michel Bollag, Co-Präsident der Evangelisch-Jüdischen Gesprächskommission (EJGK), das Ziel der Erklärung und des damit angestoßenen gegenseitigen Lernprozesses.

Inhaltlich befasse sich die Erklärung mit drei Begriffen, die sowohl für den jüdischen als auch für den christlichen Glauben eine zentrale Bedeutung haben: Freiheit, Heilige Schrift, und Verantwortung.

Der jüdisch-christliche Dialog in der Schweiz wurde vor über 60 Jahren auf dem Seelisberg mit der internationalen „Dringlichkeitskonferenz gegen Antisemitismus“ gestartet. Die damalige Tagung habe das „Verhältnis der evangelisch-reformierten und römisch-katholischen Kirche zum Judentum grundlegend verändert“, so Dr. Herbert Winter, Präsident des SIG, in der Medienkonferenz zur Präsentation der Erklärung.

Gemäß Wipf begann der „Dialogprozess zwischen SEK und SIG 1987 im Vorfeld des 50. Jahrestags der Reichspogromnacht. Aus der gemeinsamen Erinnerungsarbeit ging die Evangelisch-Jüdische Arbeitsgruppe (EJAG), die spätere Evangelisch-Jüdischen Gesprächskommission (EJGK), hervor“.

Die Broschüre „In gegenseitiger Achtung auf dem Weg“, kann auf der SEK Website als PDF-Datei bei http://www.sek-feps.ch/shop/product_info.php/info/p450_Gemeinsame-Erkl-rung.html heruntergeladen werden und ist auch auf Französisch erhältlich.
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34.000 Unterschriften für Kampagne "enditnow“

Ostfildern bei Stuttgart, 28.10.2010/APD   Listen mit über 34.000 Unterschriften für die Aktion „enditnow – Sag NEIN zur Gewalt gegen Frauen“ überreichten die Beauftragten der Abteilung Frauen der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz Denise Hochstrasser (Bern), Frauenbeauftragte für den Bereich West- und Südeuropa der Freikirche. 27.000 Unterschriften wurden in Deutschland, 3.500 in der Schweiz und 2.500 in Österreich gesammelt.

Die adventistische Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) hatte im Oktober letzten Jahres die Aufklärungskampagne „enditnow – Sag Nein zur Gewalt gegen Frauen“ gestartet. Sie erstreckte sich in Zusammenarbeit zwischen der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA und der Abteilung Frauen der weltweiten Kirche auf rund 200 Länder. Zum einen ging es darum, jeden einzelnen der weltweit über 16 Millionen Adventisten für diese Problematik zu sensibilisieren und zur Teilnahme an verschiedenen Aktionen zu ermutigen. Zum anderen wurde das Ziel verfolgt, eine Million Unterschriften zu sammeln und der UNO vorzulegen, damit neue und effektive Schutzmaßnahmen für Frauen und Mädchen entwickelt würden.

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Österreichs Adventisten im Spannungsfeld zwischen christlicher Hoffnung und säkularer Gesellschaft

Silver Spring (Maryland/USA)/Wien, 27.10.2010/APD   Österreich hat nach Ansicht des Präsidenten der dortigen Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Pastor Herbert Brugger, „eine säkulare Gesellschaft mit einem säkularen, kirchlichen Leben“. Brugger äußerte sich während der Herbstsitzung der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) in Silver Spring, Maryland/USA, zum Spannungsfeld zwischen der christlichen Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu und der säkularen Gesellschaft in seinem Land. „Manchmal suchen wir auf Grund dieser Situation nach Ausreden, warum wir als Kirche keinen Einfluss in der Gesellschaft haben,“ so Brugger. Der Freikirchenleiter bat den Generalkonferenz-Ausschuss, für die Weiterentwicklung seiner Kirche in Österreich zu beten.

Die Adventisten, ab 1903 in Österreich tätig, haben dort seit 1998 den Status einer religiösen Bekenntnisgemeinschaft und bereits 2008 einen Antrag auf volle staatliche Anerkennung eingereicht. „Wir streben diese Anerkennung an, sehen sie aber in einem größeren Zusammenhang. Wir wissen auch, dass die Anerkennung und Akzeptanz in der Bevölkerung immer wieder durch Fleiß, Ausdauer und gezieltes Eingehen auf die Bedürfnisse der Menschen erarbeitet werden muss. Adventisten wissen sich in ihrem humanitären, sozialen und pädagogischen Engagement dem Vorbild Jesu und den Prinzipien der Heiligen Schrift verpflichtet,“ so Brugger zum eingereichten Antrag.

Nach wie vor skeptisch äußerte sich der Freikirchenleiter über die Beziehungen zu anderen Kirchen: „Wir wollen Menschen für Jesus gewinnen. Das kann aber unter anderem nur geschehen, wenn biblische Wahrheit auch Wahrheit bleibt und nicht aufgeweicht und verändert wird.“ Bereits 2008 gab der Kirchenpräsident im Gemeindeblatt „Adventecho (heute „Adventisten heute“) zu bedenken, dass ökumenische Zusammenschlüsse nicht zur wahren Einheit unter Christen im biblischen Sinne führen könnten. Brugger wörtlich: „Es hat noch nie zum Erfolg geführt, auf Kosten der biblischen Wahrheit Brücken zu anderen Kirchen zu bauen. Diese Brücken werden aber bald wieder einstürzen.“

Während der diesjährigen Herbstsitzung der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten, die vom 8. bis 13. Oktober in Silver Spring (Maryland/USA) stattfand, befassten sich über 300 Delegierte des Generalkonferenz-Ausschusses unter anderem mit Planungsaufgaben für die nächsten fünf Jahre, Neustrukturierung der weltweiten Missionsprogramme und Personalentscheidungen. Zum Abschluss der Tagung wurde ein Aufruf an die Adventisten in aller Welt zur Reformation, Nachfolge Jesu und Evangelisation verabschiedet. Das solle durch Fürbitte, Bibelstudium und Nutzung moderner Technologie zur weltweiten Vernetzung geschehen.

In Österreich leben nach eigenen Angaben 3.883 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 49 Kirchengemeinden, die von 29 Pastoren betreut werden. Sie unterhalten das Theologische Seminar und Oberstufen Realgymnasium Schloss Bogenhofen bei Braunau am Inn, insgesamt fünf Grundschulen in Wien, Linz, St. Peter/Hart, Herrnberg und Lustenau, die überkonfessionellen „Sozialen Dienste der Adventmission“ (Wien), das Pensionisten- und Erholungsheim „Haus Stefanie“ auf dem Semmering, den „Wegweiser-Verlag“ in Spillern, das Internationale Bibelstudien-Institut (IBSI) und „Adventist World Radio Österreich/AWR“ (beide in Wien). Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Österreich führt humanitäre Maßnahmen in aller Welt durch.

Adventistische Christen gab es bereits seit 1890 in der damaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Seit 1903 ist die Freikirche auf dem Gebiet der heutigen Republik Österreich präsent.

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Aufruf zur Reformation unter den Evangelikalen

Kongress für Weltevangelisation: Christentum glaubwürdig leben

Kapstadt/Südafrika, 27.10.2010/APD   Mit einem Aufruf, das Christentum glaubwürdig zu leben, schloss der dritte Lausanner Kongress für Weltevangelisation in Kapstadt/Südafrika. An der Tagung vom 16. bis 25. Oktober nahmen rund 4.200 evangelikale Führungskräfte und Missionsexperten aus 198 Ländern teil. Zum Abschluss wurde der erste Teil der sogenannten „Kapstadt-Verpflichtung“ präsentiert. In diesem Text wird die umfassende und weitreichende Wirkung des Evangeliums erläutert. Ausgehend von der Liebe Gottes spricht das Dokument von der Bedeutung der Liebe im Christentum: der Liebe zum Nächsten, zur Bibel, zur Welt und zur Mission. Das 20-seitige Dokument soll bis Ende 2010 ergänzt werden und die Prioritäten der Kirche in der Mission erläutern.

Der internationale Direktor der Lausanner Bewegung, Lindsay Brown, forderte in seiner Predigt am Ende des Kongresses, dass die Verkündigung der Christen mit ihrem Lebensstil in Übereinstimmung sein müsse. Der britische Theologe und Vorsitzende der theologischen Arbeitsgruppe der Lausanner Bewegung, Chris Wright, sprach in seinem Vortrag sogar von einer notwendigen „neuen Reformation“ der Evangelikalen, damit die Glaubwürdigkeit des Evangeliums wieder gestärkt werde. Er beklagte, dass es manchen Leitern evangelikaler Missionswerke mehr um Einfluss, Erfolg und Geld, als um die Evangeliumsbotschaft Jesu gehe. Um Spenden zu erhalten, schönten einige Missionswerke ihre Statistik, so Wright. Zwar komme die Botschaft, dass der Glaube an Jesus zu materiellem Besitz, Erfolg und Gesundheit führe, besonders in Afrika gut an, stellte Femi Adeleye, Generalsekretär der Internationalen Gemeinschaft evangelikaler Studenten, fest, doch dieses „Wohlstandsevangelium“ habe nichts mit dem eigentlichen Anliegen Christi zu tun. Es grenze vielmehr die Leidenden, Kranken und Armen aus, um die sich Jesus in besonderer Weise gekümmert habe.

Der Kongress für Weltevangelisation wurde in Kapstadt von der Lausanner Bewegung und der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) veranstaltet. Die Lausanner Bewegung geht auf den Internationalen Kongress für Weltevangelisation 1974 in Lausanne/Schweiz zurück, bei dem es unter der Führung des US-amerikanischen Evangelisten Billy Graham zur „Lausanner Verpflichtung“ kam, die „unvollendete Aufgabe“ der weltweiten Evangeliumsverkündigung zu Ende zu führen. Beim zweiten Kongress für Weltevangelisation 1989 in der philippinischen Hauptstadt Manila ging es in dem dort verabschiedeten „Manifest“ neben der Evangelisation auch um die soziale Verpflichtung der Christen. Auch in Kapstadt standen Themen, wie Bekämpfung der Armut, Bewahrung der Schöpfung, Umgang mit Aids, Kampf gegen Menschenhandel und Einsatz für die Religionsfreiheit, auf dem Programm. Die Weltweite Evangelische Allianz ist ein evangelikal ausgerichtetes Netzwerk von 128 nationalen und regionalen Evangelischen Allianzen, die jeweils aus verschiedenen reformatorischen Kirchen, Organisationen und Einzelpersonen gebildet werden. Sie vertritt nach eigenen Angaben weltweit rund 420 Millionen Christen und geht auf das Jahr 1846 zurück.

Am dritten Lausanner Kongress für Weltevangelisation in Kapstadt beteiligten sich Anglikaner, Lutheraner, Reformierte, Methodisten, Baptisten, Pfingstler und kleinere unabhängige Freikirchen. Als Beobachter nahmen Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), der römisch-katholischen Kirche, verschiedener orthodoxer Kirchen und der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten teil.

Die Adventisten entsandten Pastor A. Ganoune Diop , Direktor der Studienzentren für Globale Mission, und Linda Koh, Direktorin der Abteilung Kinder der adventistischen Weltkirchenleitung, nach Kapstadt. Diop war bereits Mitglied im Vorbereitungsausschuss der Jubiläumsveranstaltung „Edinburgh 2010“, die im Juni in der schottischen Hauptstadt zur Erinnerung an die dortige Weltmissionskonferenz 1910 stattfand. Schon vor einhundert Jahren habe seine Kirche mit Ludwig Richard Conradi, dem Präsidenten der Adventisten in Europa, W. J. Fitsgerald, dem Präsidenten der Freikirche in Großbritannien und William A. Spicer, dem Generalsekretär der adventistischen Weltkirchenleitung, hochrangige Vertreter nach Edinburgh delegiert, teilte Diop mit.

Der Auftrag Jesu, das Evangelium in aller Welt zu verkündigen, sei laut Pastor Diop für Adventisten immer ein sehr dringliches Anliegen gewesen. Im vergangenen Jahrhundert habe es innerhalb der Kirchen viele Auseinandersetzungen über die Beziehung zwischen Evangelisation und sozialem Engagement in der Mission gegeben. Häufig seien dabei extreme Positionen vertreten worden. „Adventisten haben sich in der Regel an diesen Debatten nicht beteiligt, da sie der Überzeugung sind, dass Missionsbemühungen nach dem Vorbild Christi die sozialen, menschlichen Bedürfnisse ansprechen und dann zur Umkehr aufrufen müssen.“ Diese ganzheitliche Sicht der Mission werde heute auch von vielen anderen Christen vertreten, hob Diop hervor.

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"relimaXx“ – adventistisches Religionsunterrichtsmaterial für 12- bis 15-Jährige

Lüneburg, 26.10.2010/APD   „relimaXx“ heißt das neue Material für den Religionsunterricht der 12- bis 15-Jährigen, das vom Religionspädagogischen Institut der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland und in der Schweiz herausgegeben wird. Im Religionsunterricht für diese Altersgruppe gehe es weniger um Wissensvermittlung als vielmehr um das Suchen und Finden von Antworten auf lebensrelevante Fragen, betonte der Leiter des Instituts, Pastor Jochen Härdter. „Teenager sind in einer Phase der Orientierung“.

Die Stundenentwürfe folgten laut Härdter einem ganzheitlichen Ansatz, der „Kopf, Herz und Hand“ berücksichtige und anspreche. Wer Religionsunterricht erteile, könne die Stundenentwürfe so umsetzen, wie sie sind. Es sei aber auch möglich, sich unter der Rubrik „Alternative Vorschläge“ vom Stundenentwurf abweichende Elemente zu holen und die Unterrichtseinheit den jeweiligen Bedürfnissen anzupassen. Man könne ein und dieselbe Thematik mehrfach anbieten und dann einen anderen Zugang, einen neuen Schwerpunkt oder eine andere Vorgehensweise wählen; immer mit dem Ziel, den Religionsunterricht in Bezug auf die Schülerinnen und Schüler lebendig und relevant zu gestalten.

„relimaXx“ biete keinen linearen Themenplan, sondern ein Netz aus insgesamt 70 Themen, die sich in zehn Themenblöcken entfalteten, erläuterte Härdter. Jeder Themenblock bietet jeweils drei überblickartige Basisthemen und weitere eigenständige Aufbauthemen. Die insgesamt 30 Basisthemen würden mit jeweils einem achtseitigen Magazin bestückt. Zusätzlich gebe es weitere fünf Spezial-Magazine, die im Sinne von „Nachschlagewerken“ konzipiert seien. Lediglich die Magazine würden als Unterrichtsmaterial gedruckt und ausgeliefert. Alle weiteren Materialien seien nach dem rechtmäßigen Erwerb der jeweiligen „relimaXx“-Ordner per kostenfreiem Download zu beziehen. Ausgedruckt würden nach dem Download von den Lehrkräften nur die Unterlagen, die im Unterrichtsverlauf wirklich eingesetzt würden.

Die zehn Themenblöcke tragen die Titel „Die längste Liebesgeschichte aller Zeiten – Gottes XXL-Rettungsplan“, „Einer hat den Durchblick! Gott redet“, „Kaputtes kann heilen! Die Menschen und Gott“, „Anvertraute Schätze! Die Schöpfung und der Schöpfer“, „Du bist wertvoll – dein Nächster auch! Biblische Menschenbilder“, „Lebendig glauben! Frömmigkeit und Spiritualität“, „Du darfst dich einmischen, du darfst gestalten! Verantwortlich leben“, „Die Zukunft packen! Das Beste kommt noch“, „Jeder ist wichtig! Die Geschichte der Gläubigen durch die Jahrtausende“ und „Was denken und glauben die anderen? Die Erde, ein Planet der Glaubenden“.

Pastor Härdter wies darauf hin, dass die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland eine Körperschaft des öffentlichen Rechts sei und daher an staatlichen Schulen einen eigenen Religionsunterricht anbieten könnte. Darauf werde jedoch verzichtet, da es zu wenig adventistische Schülerinnen und Schüler an den einzelnen Schulen gebe. An öffentlichen Schulen nähmen in Deutschland Kinder von Adventisten am evangelischen Religionsunterricht oder am Ethikunterricht und in der Schweiz von Fall zu Fall am reformierten Religionsunterricht teil. Darüber hinaus erteile in beiden Ländern die Freikirche außerhalb der Schule einen eigenen Religionsunterricht, wobei adventistische Kinder und Jugendliche aus bestimmten Gebieten zusammengefasst würden.

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Weltweit 16,6 Millionen Adventisten

Silver Spring, Maryland/USA, 25.10.2010/APD   „Zum 30. Juni 2010 gab es weltweit genau 16.641.357 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten“, teilte der Direktor des Büros für Archiv und Statistik der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz), Bert Haloviak, Silver Spring, Maryland/USA, mit. Von Juli 2009 bis Juni 2010 haben sich zum siebten Mal hintereinander über eine Million Menschen der Freikirche angeschlossen. Die Mitgliederzahl sei aber nur um 3,69 Prozent gestiegen, da im gleichen Zeitraum fast 400.000 Adventisten ihre Kirche verlassen hätten.

Von den 16,6 Millionen Mitgliedern lebten laut Haloviak 37 Prozent in Afrika, 32,5 Prozent in Lateinamerika und 19 Prozent in Asien. In Nordamerika, wo die Freikirche 1863 entstand, gebe es 6,8 Prozent der Adventisten, in Australien/Ozeanien 2,5 Prozent und in Europa 2,2 Prozent.

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Vatikan: Appell der Nahostsynode für Frieden und Dialog

Rom/Italien, 25.10.2010/APD   Mit einem dringenden Aufruf für Frieden, Gerechtigkeit und Dialog im Nahen Osten hat sich die im Vatikan tagende Bischofssynode an die Öffentlichkeit gewandt. In einer Schlussbotschaft vom 23. Oktober verurteilen die Synodalen Gewalt und Terrorismus von allen Seiten sowie jede Form von religiösem Extremismus. Insbesondere wenden sie sich gegen Rassismus und Antisemitismus wie auch gegen Christenhass und Islamphobie.

Wie Kathpress berichtet, ruft die Kirchenversammlung gleichzeitig zu mehr zwischenkirchlicher Zusammenarbeit mit den getrennten christlichen Kirchen, aber auch zu Dialog und Kooperation mit jüdischen und islamischen Mitbürgern auf. Die Nahostsynode im Vatikan, an der fast alle katholischen Patriarchen und Bischöfe der Region mit dem Papst und Vertretern der Weltkirche konferierten, ging am 24. Oktober nach zweiwöchiger Dauer zu Ende.

Die Synode appelliert in ihrer Schlussbotschaft an die internationale Gemeinschaft und vor allem an die UNO, sich mit Nachdruck um gerechte Friedenslösungen für die Region zu bemühen. Auf Grundlage der Resolutionen des Sicherheitsrates müsse die „Besetzung der verschiedenen arabischen Territorien beendet werden“.

Die katholischen Kirchenführer fordern ein unabhängiges und souveränes Heimatland der Palästinenser sowie Frieden und Sicherheit für Israel in international anerkannten Grenzen. Zugleich plädieren sie für ein „gerechtes Statut“, das der Bedeutung der Heiligen Stadt Jerusalem Rechnung trägt.

Mit Nachdruck verlangt die Nahostsynode auch ein Ende der Gewalt im Irak und eine Wiederherstellung von Sicherheit zum Schutz aller Bürger und aller sozialen, religiösen und nationalen Sektoren. Auch für den Libanon mahnen die um den Papst versammelten Kirchenführer „Souveränität auf seinem ganzen Territorium“ und nationale Einheit ein. Das Land sollte weiterhin „das Modell für ein Zusammenleben von Christen und Muslimen im Dialog der Kulturen und Religionen sein“.

In ihrer Botschaft danken die Synodalen dem Papst für die Einberufung der Nahostsynode. Von Rom aus fordern sie ihre Ortskirchen, Priester, Ordensleute und Laien zur Stärkung des Glaubens und zur Zusammenarbeit mit den übrigen Katholiken, mit den anderen Kirchen sowie allen Mitbürgern auf. Sie würdigen den wichtigen Beitrag der katholischen Bildungs- und Sozialeinrichtungen zum Wohl der gesamten Gesellschaft. Sie appellieren an ihre Gläubigen, die aufgrund der schwierigen Situation auswanderten, auch in ihrer neuen Heimat ihre Traditionen und religiöse Bildung zu bewahren. Zugleich verlangen sie mehr Initiativen und Betreuung für die christlichen Einwanderer in arabischen Staaten.

Die Bischofssynode habe gründlich die Situation der Christen im Nahen Osten untersucht, heißt es in der Botschaft. Der israelisch-palästinensische Konflikt habe schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben aller Menschen. Vor allem das palästinensische Volk leide unter Besatzung, Einschränkung der Bewegungsfreiheit, Trennungsmauer, Checkpoints und Häuserzerstörungen. Man habe aber auch über die „Leiden und die Unsicherheit reflektiert, unter der die Israelis leben“, betont die Botschaft.

Nachdrücklich fordern die Synodalen ein besseres Verhältnis zu Juden und Muslimen. Man hoffe, dass der vom Konzil eingeleitete Dialog mit dem Judentum auch dazu beitrage, den politischen Konflikt zu beenden. Man müsse gemeinsam für einen sicheren, gerechten und definitiven Frieden eintreten. Auf keinen Fall dürfe man die Bibel missbrauchen, um Unrecht zu rechtfertigen. Aber auch mit den Muslimen fordert die Synode einen Dialog und ein friedliches Zusammenleben auf der Grundlage von Religions- und Gewissensfreiheit. Gemeinsam müsse man für Gerechtigkeit, Frieden, Menschenrechte und Werte etwa der Familie eintreten. Bestehende Probleme im Zusammenleben mit den Muslimen müssten im Dialog erörtert und Missverständnisse ausgeräumt worden, so die Synodenbotschaft.

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20 Jahre "Globale Mission" der Adventisten

Silver Spring, Maryland/USA, 24.10.2010/APD   Als 1990 die Delegierten der 55. Vollversammlung der Generalkonferenz (Weltsynode) der Siebenten-Tags-Adventisten in Indianapolis/USA die Initiative „Globale Mission“ beschlossen, war es das Ziel, bis zum Jahr 2000 die damals weltweit 1.800 Volksgruppen, von denen jede mindestens eine Million Menschen umfasste und in denen es keine Adventisten gab, missionarisch zu erreichen. Dieser Beschluss sei mit einem Umdenken verbunden gewesen, heißt es in dem Artikel „Mission ist wichtig“ der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) „Adventist World“.

Laut Pastor Gary D. Krause, Direktor der Abteilung Adventistische Mission der Generalkonferenz, hätten Adventisten, wie andere christliche Kirchen auch, ihr Geld und Personal hauptsächlich dort eingesetzt, wo sie am stärksten vertreten waren, da dort die meisten Taufen zu erwarten gewesen seien. Jetzt sollten Ressourcen gezielt in Gegenden fließen, in denen es keine Adventisten und oft auch keine Christen anderer Konfessionen gab.

Während früher Pastoren als Missionare in bereits etablierte Gemeinden ausgesandt worden wären, seien jetzt die „Missionspioniere“ hinzugekommen, berichtete Krause. Diese wären Laien, die für ein geringes Entgelt von der Kirche angestellt würden, um eine neue Gemeinde zu gründen. „Ein Missionspionier sieht aus wie alle anderen, lebt wie alle anderen, dient den Menschen als einer der ihren, freundet sich mit Menschen an und baut Brücken.“ Es gehe nicht nur darum, an einen Ort zu ziehen, um das Evangelium zu vermitteln, sondern gleichzeitig auch christliche Werte vorzuleben, so Krause. Diese Missionspioniere würden heute mindestens drei bis fünf Jahre in ihrem Einsatzgebiet bleiben, um neue Gläubige und Gemeinden in ihrem Christsein zu festigen.

Um Kultur und Sitten anderer Völker besser verstehen zu können, habe die Generalkonferenz im Rahmen von „Globale Mission“ Studienzentren mit dem Ziel eingerichtet, sich intensiv mit verschiedenen Religionen und Weltanschauungen vertraut zu machen. Neben dem Zentrum für adventistisch-muslimische Beziehungen auf Zypern, gebe es das „Jüdisch-Adventistische Freundschaftszentrum“ in Jerusalem, um das weltweite Judentum näher kennenzulernen. Weitere Studienzentren befänden sich für den Hinduismus in Hosur/Indien, für den Buddhismus in Nakhon Luang/Thailand und für den postmodernen sowie säkularen Menschen in St. Albans/England. In den Instituten würden laut Krause Missionspioniere ausgebildet und Materialien zur Kontaktaufnahme mit bestimmten Volksgruppen erarbeitet.

Die ersten finanziellen Mittel für „Globale Mission“ wären 1990 aus dem Verkauf des kircheneigenen Gesundkostwerkes „Loma Linda Foods“ in den USA gekommen, teilte Krause mit. Von 2005 bis 2009 seien 6.765 Projekte mit 9.702 Missionspionieren für 163 Länder bewilligt worden. Die Gesamtkosten hätten dafür 68,3 Millionen US-Dollar (49,5 Millionen Euro) betragen. Die Gebetstagsgaben, welche in den adventistischen Gemeinden weltweit am Ende der jährlichen Gebetswoche im Herbst gegeben würden, kämen Projekten von „Globale Mission“ zugute. Darüber hinaus gebe es größere Einzelspenden.

Trotzdem sei das Ziel von 1990, bis zum Jahr 2000 die damals 1.800 Volksgruppen missionarisch anzusprechen, bis heute nicht erreicht worden, stellte Pastor Krause fest. Zwar habe sich die Mitgliederzahl der Adventisten in den letzten 20 Jahren weltweit von sechs Millionen auf 16,6 Millionen erhöht, doch es gebe immer noch 1.400 Volksgruppen ohne adventistische Präsenz. Das liege auch daran, dass seit 1990 die Weltbevölkerung um zwei Milliarden Menschen gewachsen sei. Ohne die Initiative „Globale Mission“ hätte es allerdings 3.600 noch unerreichte Gruppen gegeben.

Die größte Herausforderung jeder christlichen Mission stelle heute das sogenannte 10/40-Fenster dar, betonte Krause. Das Gebiet erstrecke sich vom 10. bis 40. nördlichen Breitengrad, also von Nordafrika bis nach China. Dort lebten 60 Prozent der Weltbevölkerung, von denen die große Mehrheit keine Christen seien. Gerade in diesem Gebiet habe die Zuwachsrate der adventistischen Kirche in den letzten 20 Jahren 270 Prozent gegenüber 90 Prozent im Rest der Welt betragen. Neben dem 10/40-Fenster nannte Krause als weitere Herausforderung für die adventistische Mission die Megastädte dieser Welt, in denen es nur vergleichsweise wenige Adventisten gebe. Eine dritte Herausforderung bestehe in der wachsenden Zahl säkularer und postmoderner Bevölkerungsgruppen in Westeuropa und Nordamerika.
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Eine neue Mission durch einen neuen päpstlichen Rat

Kommentar zum Motu Proprio (Apostolischen Schreiben) „Ubicumque et semper“ (Überall und immer) von Papst Benedikt XVI. vom 12. Oktober 2010 zur kirchenrechtlichen Errichtung des „Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung“.

Bensheim, 23.10.2010/APD   Papst Benedikt XVI. ist nicht zufrieden. Die Welt hat sich verändert und die Moderne ist dabei nicht spurlos an den alten christlichen Landschaften vorbeigegangen. Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Veränderungen, individuelle Freiheit und wissenschaftliche Entwicklung haben die alten Lande des Christentums vom römisch-katholischen Glauben entfernt. Die religiöse Dimension des menschlichen Lebens verläuft nicht länger in den Bahnen, die das römische Lehramt vorgibt, sondern sucht sich eigene Wege und macht dabei auch vor den Fundamenten der römisch-katholischen Kirche nicht Halt. Was manche Menschen als Befreiung ansähen, so der Papst, offenbare in Wirklichkeit die innere Wüste des Menschen, der sich selbst als Maßstab aller Dinge ansehe. Deshalb sei es an der Zeit zu reagieren. Mit dem am 12. Oktober 2010 veröffentlichten Motu proprio „Ubicumque et semper“ („Überall und immer“) ordnet Benedikt XVI. die Gründung eines neuen päpstlichen Rates an und setzt damit eine Forderung in die Praxis um, die bereits Johannes Paul II. 1990 in seiner Enzyklika „Redemptoris Missio“ (Über die fortdauernde Gültigkeit des missionarischen Auftrages) erhoben hatte. Dieser erkannte damals, dass sich die Kirche „vor allem in Ländern mit alter christlicher Tradition“ mit einer Situation konfrontiert sehe, in der „ganze Gruppen von Getauften den lebendigen Sinn des Glaubens verloren haben oder sich gar nicht mehr als Mitglieder der Kirche erkennen, da sie sich in ihrem Leben von Christus und vom Evangelium entfernt haben“ – deshalb müsse die Kirche eine „neue Evangelisierung“ oder eine „Wieder-Evangelisierung“ anstreben (RM 33).

Der von Benedikt XVI. initiierte „Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung“ bewegt sich also genau auf dieser Linie, wenn er versucht, in Zusammenarbeit mit Ortskirchen und Orden den katholischen Katechismus als Grundlage des modernen Lebens zu etablieren. Er soll dazu eine neue Mission der alten Lande in Gang setzen und dabei mit Hilfe neuer Mittel und Wege der Kommunikation die zunehmende Säkularisierung der christlichen Länder aufhalten. Speziell sind dabei die Menschen im Blick, die zwar getauft sind, aber keinen inneren Bezug zum Christentum haben. Diesen soll die katholische Lehre wieder nahegebracht werden. Dass dabei anscheinend besonders auf Fragen der Moral geachtet werden soll, zeigt zum einen die Ernennung von Erzbischof Rino Fisichella, dem früheren Präsidenten der Päpstlichen Akademie für das Leben, deutlicher aber zum anderen das Motu proprio selbst, das Fragen zu Anfang und Ende des menschlichen Lebens und zum Naturrecht, also explizit ethisch umstrittene Themen, zu den nicht diskutierbaren Fundamenten des Glaubens zählt.

Mit modernen Mitteln soll der moderne Mensch demnach wieder an die Fundamente seiner selbst geführt werden, wobei diese für Benedikt XVI. freilich mit denen der römisch-katholischen Kirche identisch sind.
Dr. Paul Metzger

Hinweis der APD-Redaktion: Dr. Paul Metzger ist Catholica-Referent am Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim.




Castros Tochter spricht an adventistischer Universität über ihr Land

Collegedale, Tennessee/USA, 22.10.2010/APD   Alina Fernandez erinnert sich noch an ihre Kindheit, als an einem Vormittag im Januar 1959 auf dem Fernsehschirm in Kuba die Zeichentrickfilme mit Mickymaus und Donald Duck verschwanden und stattdessen Männer in Uniformen auftauchten. Die uneheliche Tochter des früheren kubanischen Staatschefs Fidel Castro äußerte sich vor über 1.500 Studenten der Southern Adventist University in Collegedale, Tennessee/USA, kritisch über ihren Vater und das dortige kommunistische Regime.

Ihre Mutter Natalia sei nicht die erste aus ihrer Familie gewesen, die Kuba verlassen habe. 1964 wären ihr Stiefvater und ihre Stiefschwester in die Vereinigten Staaten geflohen, berichtete Alina Fernandez. Wer dem Inselstaat den Rücken kehrte, sei von dem Regime als „Verräter“ angesehen worden. „Eine von Kubas Tragödien ist, dass jeder zum Feind wird, der nicht so denkt, wie er denken soll; und er wird dann auch als Feind behandelt.“ Als sie heranwuchs, sei ihr bewusst geworden, wie sehr sich ihr Land verändert habe. „Die Religion verschwand und das kulturelle Leben erhielt einen schweren Schlag“, beklagte Fernandez.

1989 habe sie dann offen bekannt, dass sie mit der herrschenden politischen Meinung nicht einverstanden wäre. Vier Jahre später sei ihr die Flucht gelungen. Sie habe aber ihre 16-jährige Tochter zurücklassen müssen. Doch aufgrund des Medienechos und internationalem Druck hätte ihre Tochter einige Wochen später zu ihr ausreisen dürfen. Für Fernandez, die jetzt in Florida lebt, sei es ermutigend, dass es Menschen gebe, die sich für Kuba interessierten. „Denn wir brauchen alle Solidarität und Hilfe, die wir nur bekommen können.“ Sie habe keinen Zweifel, dass sich die Verhältnisse in ihrem Land ändern würden, sie wisse allerdings nicht, wann.
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Wintersemester mit 39 neuen Studenten in Friedensau

Friedensau bei Magdeburg, 21.10.2010/APD   39 neue Studentinnen und Studenten nahmen im Wintersemester 2010/2011 ihr Studium an der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg auf. Damit sind dort insgesamt 161 Studierende, 19 mehr als im Vorjahr, eingeschrieben. 56 haben Theologie und 105 Sozialwissenschaften belegt. Zusätzlich gibt es noch 22 im Studienvorbereitungskurs „Deutsch für Ausländer“ und einen Gasthörer. Von den 161 Studierenden kommen 43 aus insgesamt 23 Ländern. Aufgrund der Bemühungen um die Integration von ausländischen Studenten und Wissenschaftlern erhielt die Hochschule den Integrationspreis 2010 der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt.

Die 1899 gegründete Theologische Hochschule Friedensau bietet im Zuge des Bologna-Prozesses europaweit vergleichbare Bachelor- und darauf aufbauende Masterstudiengänge an. An der Hochschule sind folgende Studiengänge möglich: Bachelor of Arts Theologie (B.A. – sechs Semester), Master of Arts Theologie (M.A. – vier Semester), Master of Arts Theological Studies (M.T.S. – englischsprachig vier Semester), Bachelor of Arts Soziale Arbeit (B.A. – sechs Semester), Bachelor of Arts Gesundheits- und Pflegewissenschaften (B.A. – neun Semester), Master of Arts Beratung (M.A. – vier Semester), Master of Arts International Social Sciences (M.A. – englischsprachig vier Semester) und Master of Arts Sozial- und Gesundheitsmanagement (M.A. – berufsbegleitend sechs Semester).

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Freikirchen: Kinder sind vor Gewalt zu schützen

Frankfurt am Main/Ostfildern bei Stuttgart, 20.10.2010/APD   In der am 17. Oktober ausgestrahlten Fernsehtalkshow „Tacheles“ sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Professor Dr. Christian Pfeiffer, unter Bezug auf eine Studie aus seinem Haus, dass Kinder aus evangelischen Freikirchen besonders häufig körperliche Züchtigung erlitten. Auf Rückfrage der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), die zum breiten Spektrum der evangelischen Freikirchen gehöre, habe Professor Pfeiffer bestätigt, dass aufgrund der Studie des KFN keine spezifischen Aussagen über die zur VEF gehörenden Freikirchen möglich seien. Die Größenordnung, in der die Mitgliedskirchen der VEF hier betroffen sein könnten, bleibe daher vage, teilte die VEF mit.

Rosemarie Wenner, Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche und Vorsitzende der VEF brachte ihre Betroffenheit zum Ausdruck: „Wir sorgen uns darum, wie es Kindern und Jugendlichen in unseren Kirchen und Familien ergeht. Wenn Eltern in unseren Gemeinden die Treue zur Bibel derart missverstehen würden, dass sie Kinder prügeln, gäbe es dringend Handlungsbedarf, zumal unsere evangelischen Freikirchen sich sehr stark in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien engagieren.“

Einige der VEF-Mitgliedskirchen hätten, laut Bischöfin Wenner, bereits seit längerer Zeit für alle Mitarbeiter in Kinder- und Jugendgruppen einen Verhaltenskodex in Verbindung mit einer Selbstverpflichtung formuliert, die jede Art von Gewalt ausdrücklich ausschließe. Handreichungen, Schulungen und Beratungsstellen ergänzten diese Initiativen. Auch wenn in keiner der VEF-Kirchen Gewalt legitimiert und als Erziehungsprinzip oder zum Lösen von Konflikten theologisch begründet werde, müsste alles getan werden, um für Transparenz und Aufklärung zu sorgen, wo es in Einzelfällen Verstöße gegen das Prinzip der Gewaltfreiheit gebe. Das Präsidium der VEF habe dazu erklärt: „Der Prozess der selbstkritischen Überprüfung hat zu jeder Zeit in allen VEF-Kirchen zu erfolgen, um dem unbedingten Schutz aller Kinder und Jugendlichen vor jeder Form von Gewalt mit aller Aufmerksamkeit zu entsprechen.“

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen wolle, so Rosemarie Wenner, Fehlinterpretationen der Bibel entgegenwirken, wonach körperliche Züchtigung ein zeitlos gültiges Mittel zur Erziehung sei. Hierzu wären genauere Studien notwendig, die von der VEF unterstützt würden.

Pastor Günther Machel (Ostfildern bei Stuttgart), Vorsitzender der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, wies darauf hin, dass beim Thema Missbrauch meist nur an sexuelle Gewalt gedacht werde. Doch es gebe zudem einen körperlichen und emotionalen Missbrauch, der die von Gott gegebene Würde des Menschen verletze. „Auch Kinder werden durch Schläge in ihrer Persönlichkeit herabgesetzt.“ Körperliche Züchtigung sei ein billiges und fragwürdiges Mittel der Erziehung. Aufwändiger, aber wirksamer und anhaltender, wären dagegen Gespräche, um ein Kind zur Einsicht zu führen. Gewalt erzeuge Gegengewalt und löse Probleme nicht. Deshalb wende sich die Freikirche auch gegen den Missbrauch von Kindern durch prügeln.

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Adventisten wollen in Australien Alkoholverkauf an Jugendliche erst ab 21

Melbourne/Australien, 19.10.2010/APD   Da der Alkohol in Australien das größte Drogenproblem und der Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen weit verbreitet ist, fordert die evangelische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten das Jugendschutzalter auf 21 statt 18 Jahre heraufzusetzen. Die 174 Delegierten der 55.000 Adventisten in Australien beauftragten ihre Kirchenleitung, sich bei den staatlichen Behörden für die Erhöhung des Jugendschutzalters einzusetzen, sodass alkoholische Getränke nur an Personen über 21 Jahre verkauft werden dürften.

Shane Varcoe, Direktor des Dalgarno-Instituts, das seit 150 Jahren in der Alkoholprävention tätig ist, informierte die Delegierten vor der Abstimmung über Studien, die zeigten, dass Alkoholkonsum vor dem Abschluss der Gehirnentwicklung mit ungefähr 25 Jahren gefährlich sei.

Der im August veröffentlichte Bericht „Umfang und Ausmaß des Leids, das Alkohol andern zufügt“ der Stiftung für Umgang mit Alkohol und Rehabilitation (Alcohol Education and Rehabilitation Foundation), belege das Ausmaß des Schadens, den der Alkoholkonsum in der australischen Gesellschaft verursache, sagte David Gibbons, Kommunikationsabteilungsleiter der Freikirche in Australien.

Viele Studien, die in den vergangenen zehn Jahren durchgeführt wurden, hätten ergeben, dass 22 Prozent der dortigen Teenager mindestens wöchentlich trinken würden. Über ein Viertel der 14 bis 19-Jährigen habe sich während der letzten zwölf Monate durch Alkoholkonsum mindestens monatlich dem Risiko von alkoholbedingten Schäden ausgesetzt, wobei Mädchen anteilmäßig mehr betroffen wären als Jungen. Untersuchungen hätten ergeben, so Gibbons, dass gerade bei Jugendlichen der Erwerb von Alkohol und dessen Konsum mit den alkoholbedingten Problemen zusammenhingen. Verkaufseinschränkungen seien daher eine wirksame Präventionsmaßnahme.

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten rät ihren Mitgliedern vom Alkoholkonsum ab. Adventisten leben seit mehr als 100 Jahren überwiegend abstinent.

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Die Zukunft im Blick

Mainz/Alsbach-Hähnlein, 18.10.2010/APD   In der Sendereihe des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) „Menschen – das Magazin“ stellt Bettina Eistel am 23. Oktober von 17.45 bis 18 Uhr zwei Menschen mit einer Behinderung vor, die ihre Zukunft fest im Blick haben.

Katharina Kirch ist ehrgeizig. Sie studiert Kultur und Medienpädagogik an der Fachhochschule Merseburg, hat bereits ein Fernseh-Praktikum absolviert und macht jetzt ein sechsmonatiges Praktikum im Bundestag. Dabei ist sie ständig auf Assistenz angewiesen. Denn die angeborene Stoffwechselerkrankung Mukopolysaccaridose führt bei ihr zu zahlreichen körperlichen Einschränkungen.

Auch Carina Kühne versucht trotz ihrer Behinderung den erfolgreichen Start ins Arbeitsleben. Die 25-Jährige mit Down-Syndrom macht derzeit ein Praktikum bei der International Preschool in Seeheim bei Darmstadt. Nebenbei liest sie für die Blindenbücherei des Medienzentrums „Stimme der Hoffnung“ der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt.

Vor Jahren hatte Carina Kühne bereits mit ihrem Onkel und damaligen Leiter der Blindenhörbücherei, Pastor Helmut Kraus, mit viel Kreativität den regelmäßigen Oster- und Weihnachtsgruß mitgestaltet. Für die ZDF-Sendereihe las sie im Aufnahmestudio der „Stimme der Hoffnung“ einen eigenen Text vor. „Leiden tue ich eher unter der Ablehnung meiner Mitmenschen als unter der Chromosomenanomalie“, gab sie zu bedenken.

Seit Gründung der Blindenhörbücherei im Jahr 1964 will die Einrichtung Menschen mit Sehbehinderung eine Hilfe sein und deren Alltag bereichern. Täglich werden in den Studios des Medienzentrums christliche Zeitschriften und Bücher auf unterschiedliche Tonträger gesprochen. Über 42.000 CDs und Tonbandkassetten gehen jährlich ohne Ausleihgebühren oder Mitgliedsbeitrag portofrei an mehr als 3.500 sehbehinderte und blinde Abonnenten.

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In Österreich werden Kirchen künftig leichter anerkannt

Wien/Österreich, 17.10.2010/APD   Der österreichische Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat die bisher vorgeschriebene 20-jährige Wartezeit für Religionsgemeinschaften gekippt. Nach den bisher geltenden Bestimmungen muss eine religiöse Gruppe oder Gemeinschaft 20 Jahre lang eine Religion ausüben und seit zehn Jahren als religiöse Bekenntnisgemeinschaft registriert sein, bevor sie in Österreich als Religionsgemeinschaft anerkannt wird.

Der Verfassungsgerichtshof hat jetzt die Bestimmungen des § 11 Absatz 1 des Bundesgesetzes über die Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekenntnisgemeinschaften (BGBl. I 19/1998) als verfassungswidrig aufgehoben, die ohne Ausnahme zwanzig- beziehungsweise zehnjährige Fristen vorsehen bevor es überhaupt zu einer Anerkennung als gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaft kommen kann.

Solche ausnahmslosen Wartefristen widersprächen dem Recht auf Nichtdiskriminierung im Bereich der Religionsausübung. Der VfGH hat dem Gesetzgeber eine Reparaturmöglichkeit bis zum 30. September 2011 eingeräumt.

Die Klage hatten der „Bund Evangelikaler Gemeinden“ und die „Mennonitische Freikirche“ eingebracht. Beide Religionsgemeinschaften können dennoch von dieser Änderung nicht profitieren, denn eine weitere Bestimmung, wonach eine Mindestzahl an Anhängern – zwei Promille der Bevölkerung, also rund 16.000 Menschen – für die Anerkennung notwendig ist, bleibt bestehen. Diese Hürde könnten zahlenmäßig nur die Aleviten schaffen. Für die rund 60.000 Aleviten in Österreich vergrößert das Urteil des VfGH die Chancen, bald als eigenständige Religionsgemeinschaft in Österreich anerkannt zu werden.
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Predigtpreis 2010 geht an Vikarin

Bonn, 16.10.2010/APD   Der zum 11. Mal vergebene ökumenische Predigtpreis des Verlags für die Deutsche Wirtschaft AG (Bonn) geht 2010 in der Kategorie „Beste Predigt“ an Anja Siebert (35). Die Vikarin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) wird für eine Predigt über Johannes 12,12-19 ausgezeichnet, die sie am Palmsonntag 2009 in der Matthäuskirche in Berlin-Steglitz gehalten hat. Frau Siebert ist auch Theologische Referentin des Präsidiums der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie von Katrin Göring-Eckardt, Präses der Synode.

Den Sonderpreis in der Kategorie „Beste Predigt für nichtkirchliche Anlässe“ erhalten Emilia Handke (24), die in Halle Theologie studiert, und Monika Lehmann-Etzelmüller (41), Pfarrerin der Evangelischen Kirche in Baden in Hemsbach an der Bergstraße. Frau Handke hielt ihre Predigt über Engel in Anlehnung an Matthäus 1,18-23 im Rahmen des Homiletischen Hauptseminars „Erzählend predigen“ an der Universität Halle. Frau Lehmann-Etzelmüller predigte am Volkstrauertag 2009 anlässlich der Kranzniederlegung am Ehrenmal in Hemsbach über Psalm 56,9.

Die Entscheidung in der Kategorie Lebenswerk war bereits im Frühjahr bekannt gegeben worden: Ausgezeichnet wird der langjährige römisch-katholische Bischof von Innsbruck, Dr. Reinhold Stecher. Der 1921 in Innsbruck geborene Theologe war unter anderem Religionsprofessor an der Lehrerbildungsanstalt Innsbruck, Professor für Religionspädagogik an der Pädagogischen Akademie des Bundes in Wien sowie Spiritual am Priesterseminar der Diözesen Innsbruck und Feldkirch. 1981 wurde er in Innsbruck zum Bischof geweiht. Dieses Amt hatte er bis 1997 inne.

Mit dem 2000 erstmals ausgelobten Predigtpreis will der Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG die Redekunst in den Kirchen fördern. Die Preisverleihung findet am Buß- und Bettag, Mittwoch, 17. November 2010, in der Bonner Schlosskirche (Universitätskirche) statt. Die nicht dotierte Auszeichnung besteht aus einer Bronzeskulptur.
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Neuer Präsident des adventistischen Hilfswerkes ADRA International

Silver Spring, Maryland/USA, 15.10.2010/APD   Der Vorstand der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA International wählte am 12. Oktober Dr. Rudi Maier zum neuen Präsidenten und Geschäftsführer des internationalen Hilfswerks der Siebenten-Tags-Adventisten. Er löst Charles Sandefur ab, der über acht Jahre lang die kirchliche Hilfsorganisation leitete.

Maier ist seit der Gründung von ADRA International im Jahr 1984 deren vierter Präsident und bringt eine breite Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit mit. Als Professor für internationale Entwicklungsprogramme war er über 20 Jahre an der adventistischen Andrews Universität, Berrien Springs, Michigan/USA, tätig. Dort führte er als Spezialist für Dorfentwicklung und interkulturelle Zusammenarbeit entsprechende Studien durch. Gleichzeitig hat er Hilfswerke und Nichtregierungsorganisationen in Asien, Afrika, Lateinamerika und der früheren Sowjetunion in der Entwicklungszusammenarbeit beraten und entsprechende Programme evaluiert. Von 1981 bis 1988 war er bereits für ADRA tätig und baute die Monitoring- und Evaluationsstruktur zur Projektkontrolle auf.

Der in Deutschland geborene Rudi Maier wirkte unter anderem in Pakistan und Sri Lanka, promovierte in Soziologie und Entwicklungszusammenarbeit und erlangte einen Master of Arts (MA) an der Universität Chicago für südasiatische Sprachen und Kulturen. Er ist mit Ehefrau Hille verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA (Adventist Development and Relief Agency) ist die weltweite Organisation der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten im Bereich der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit. ADRA unterhält ein Netzwerk von etwa 110 regionalen und nationalen Büros und gewährt Hilfe ohne Rücksicht auf politische und religiöse Anschauung oder ethnische Herkunft. 2008 führte ADRA weltweit 2.242 Projekte im Gesamtwert von 229 Millionen Euro durch, die über 35 Millionen Menschen zugute kamen.
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Weltweit 430 Millionen biblische Schriften verbreitet

Reading/Stuttgart, 14.10.2010/APD   Die Bibelgesellschaften haben im Jahr 2009 weltweit über 430 Millionen Bibeln, Neue Testamente und andere biblische Schriften verbreitet. Das bedeutet für das Vorjahr eine Steigerung um 10,25 Prozent gegenüber 2008, teilte der Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies/ UBS) in Reading/England im jährlichen „Scripture Distribution Report“ mit.

Die Zahl der verbreiteten Bibeln stieg weltweit von 28,4 Millionen auf 29,3 Millionen. Außerdem verbreiteten die Bibelgesellschaften 11,2 Millionen Neue Testamente und 15 Millionen Einzelschriften, wie Evangelien oder Psalmen. Verbreitet wurden außerdem unter anderem 28 Millionen biblische Auswahlschriften in einfacher Sprache für Leselern-Projekte mit der Bibel.

Mit 335 Millionen biblischen Schriften führen die Länder Nord- und Südamerikas die Statistik an, gefolgt von Asien und Australien mit gemeinsam 78 Millionen. Auf Afrika entfallen rund 14 Millionen Bibeln, Neue Testamente und andere biblische Schriften. An vierter Stelle stehen Europa und der Nahe Osten. Dort wurden insgesamt 5,8 Millionen Schriften verbreitet.

Ein großer Teil der Bibeln, Neue Testamente und Schriften wird nach Angaben der UBS kostenlos oder vergünstigt abgegeben. Dies wird in Deutschland durch Spenden für die Aktion Weltbibelhilfe der Stiftung Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, gefördert. Zusätzlich verbreiteten die Bibelgesellschaften die Heilige Schrift in elektronischen Medien, wie Hörbüchern, Filmen oder Computer-Software. Der Vertrieb von 528.000 Exemplaren dieser neuen Medien 2009 bedeutete gegenüber 2008 eine Steigerung um 31 Prozent.

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Volkszählung 2011 mit Detailfragen zur Religion

Erfasst wird nicht nur die Religionszugehörigkeit, sondern auch das Bekenntnis zu einer Glaubensrichtung

Berlin, 13.10.2010/APD   Die Volkszählung in Deutschland erfasst im Mai 2011 nicht nur die Religionszugehörigkeit, sondern auch das Bekenntnis zu einer Glaubensrichtung. Die Angabe, zu welcher Religion, Glaubensrichtung oder Weltanschauung sich der Befragte bekenne, sei allerdings als einzige in dem Fragebogen freiwillig, berichtet die Agentur Kathpress.

Wie Sabine Bechtold vom Statistischen Bundesamt kürzlich in Berlin erläuterte, gibt es im Zensus-Fragebogen folgende Ankreuzmöglichkeiten bei der Bekenntnisfrage: Christentum, Judentum, Islam (unterschieden nach sunnitisch, schiitisch und alevitisch), Buddhismus, Hinduismus, Sonstige sowie „Keiner Religion, Glaubensrichtung oder Weltanschauung“.

Das Statistische Bundesamt erhoffe sich durch die Frage nach dem religiösen Bekenntnis auch konkretere Angaben zur Zahl der Muslime in Deutschland. Da der Islam, anders als die rechtlich verfassten Kirchen und Religionsgemeinschaften, keine offizielle Mitgliedschaft kenne, sei er bislang nicht statistisch erfasst worden.

Entsprechend tauche er auch bei der Volkszählung nicht als eigenständiger Punkt unter der Frage „Welcher Religionsgesellschaft gehören Sie an?“ auf. Hier würden nur genannt: Römisch-katholische Kirche, Evangelische Kirche, Evangelische Freikirchen, Orthodoxe Kirchen, Jüdische Gemeinden und Sonstige öffentlich-rechtliche Religionsgesellschaft. Muslime müssten hier ankreuzen: „Keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaft“.

Im Rahmen der Volkszählung sollen erstmals nur zehn Prozent der Bevölkerung direkt befragt werden. Wer für die Stichprobe ausgewählt wurde, erhält vorab ein Informationsschreiben und ist verpflichtet, den Fragebogen auszufüllen.

Auch bei der Volkszählung 1987 hatte die deutsche Bundesregierung die Religionszugehörigkeit erheben lassen. Die Europäische Union, die verschiedene Fragen für den europaweit alle zehn Jahre laufenden Zensus vorgibt, schrieb das Merkmal Religion nicht verbindlich vor. Zuletzt fand eine Volkszählung in der Bundesrepublik 1987 statt, in der DDR 1981.

Nach Schätzungen der Bundesregierung entstehen für Vorbereitung und Durchführung des Zensus 2011Kosten von insgesamt 710 Millionen Euro.

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UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit: Religionen müssen Kritik aushalten

Nürnberg, 12.10.2010/APD   Religionsvertreter müssen nach Ansicht des deutschen Menschenrechtsexperten Heiner Bielefeldt die Kritik von Medien aushalten. „Ohne Meinungsfreiheit gibt es auch keine Religionsfreiheit“, sagte er gemäß epd Ende September während einer Tagung in Nürnberg, die sich mit der Thematik „Medien-Macht und Religionen“ befasste.

Religiöse Empfindlichkeiten dürften daher kein Grund für Einschränkungen der Medienfreiheit sein. Religionen hätten gegenüber Journalisten kein Anrecht auf besondere Schonung, wohl aber auf Fairness, betonte Bielefeldt. Er warnte davor, sensible Themen wie Zwangsverheiratung, Burka, Ehrenmord oder sexuellen Missbrauch zu tabuisieren.

Der 1958 geborene deutsche Theologe, Philosoph und Historiker ist Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und leitet das Deutsche Institut für Menschenrechte. Seit Juni 2010 ist Bielefeldt Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit des UN-Menschenrechtsrates, mit Sitz in Genf. Das Amt übt der Menschenrechtsexperte ehrenamtlich aus.

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) umfasse die Meinungsfreiheit auch Äußerungen, „die den Staat und einen Teil der Bevölkerung beleidigen, schockieren oder verstören“, erklärte Bielefeldt.. Seine Grenze finde dies nur bei Aufrufen zu Hass und Gewalt.

Muslimische Tagungsteilnehmer forderten die Journalisten auf, bei der Islam-Berichterstattung den Rat und die Erfahrung der islamischen Verbände in Anspruch zu nehmen. Journalisten seien lange Zeit mit vorgefassten Meinungen an die Arbeit gegangen, beklagte der Dialogbeauftragte der türkisch-islamischen Religionsvereinigung DITIB (Köln), Bekir Alboga. Erst die Islamkonferenz habe „eine Welle junger Journalisten geschaffen, die von uns ernsthaft etwas wissen wollen“.
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"Ohne Montagsdemonstration keine kirchlichen Hochschulen in der DDR“

Hochschule Friedensau verleiht 28 Absolventen akademische Grade

Friedensau bei Magdeburg, 11.10.2010/APD   „Was habe ich schon getan?“ Diese Frage stellte Professor Dr. Dr. Hans-Joachim Meyer als er gebeten wurde, die Festansprache zur Verleihung der akademischen Grade der Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten am 10. Oktober zu halten. Der Rektor der Hochschule, Professor Johann Gerhardt, erinnerte bei der Begrüßung des Festredners, dass Meyer von April bis Oktober 1990 im Kabinett de Maizière Minister für Bildung und Wissenschaft der DDR war. In dieser Eigenschaft habe er am 15. September 1990 die Urkunde zur staatlichen Anerkennung von Friedensau als Hochschule unterschrieben.

Außerdem hob Gerhardt hervor, dass der von 1990 bis 2002 amtierende Sächsische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst selbst 1958 als Christ wegen „mangelnder Verbindung zur Arbeiterklasse“ an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft in Potsdam exmatrikuliert wurde. Nachdem er im VEB Lokomotivbau Potsdam-Babelsberg gearbeitet hatte, konnte er an der Berliner Humbold-Universität Anglistik und Geschichte studieren und als Diplom-Philologe abschließen. 1971 promovierte er zum Dr. phil. und 1981 folgte die Habilitation. Seit 1985 war er außerordentlicher Professor für angewandte Sprachwissenschaften an der Humbold-Universität.

In seiner Festansprache betonte Professor Meyer, dass es ohne die große Leipziger Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989, welche die Sicherheitskräfte nicht gewaltsam beenden wollten, keine staatliche Anerkennung kirchlicher Hochschulen gegeben hätte. Durch das Zurückweichen des Staates und weiterer Großdemonstrationen sei der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 die Folge gewesen. Seit dieser Zeit habe in der DDR das Thema Bildung zu den stark diskutierten Bereichen gehört. Es sollte jetzt auch Schulen und Hochschulen in Freier Trägerschaft geben. Deshalb wäre es notwendig gewesen, eine vorläufige Hochschulordnung zu schaffen, da sich die neuen Bundesländer nicht sofort um das Hochschulwesen hätten kümmern können.

Als Minister für Bildung und Wissenschaft der DDR sei es für Meyer eine „Ehrenpflicht gewesen, das Unrecht zu beseitigen, welches den kirchlichen theologischen Ausbildungsstätten zugefügt worden war“. Obwohl diese Seminare ein mit den staatlichen Universitäten vergleichbares Bildungsniveau gehabt hätten, seien deren akademische Grade nicht vom DDR-Staat anerkannt worden. Deshalb stelle auch das Inkrafttreten der vorläufigen Hochschulordnung am 18. September 1990 ein wichtiges Datum dar; ebenso der 3. Oktober 1990 als Tag der Deutschen Einheit.

Warum werde nur in Friedensau an das 20-jährige Jubiläum der staatlichen Anerkennung als Hochschule gedacht?, fragte Meyer. Die Antwort: „Friedensau ist die einzige damals staatlich anerkannte theologische Einrichtung, die heute noch besteht.“ Die evangelischen und katholischen theologischen Seminare seien in der DDR als „Schöpfungen in der Not“ gegründet worden. Nach der Deutschen Einheit habe diese Not nicht mehr bestanden und sie hätten sich mit den staatlichen theologischen Fakultäten vereinigt und sie dadurch bereichert. Friedensau sei dagegen keine Notgründung in DDR-Zeiten gewesen, sondern bestehe bereits seit 1899. Die Bildungsstätte habe stets ihre Eigenständigkeit bewahren können. Wichtig sei jedoch, dass eine theologische Einrichtung in die Gesellschaft hineinwirke und nicht abgehoben von der Gesellschaft nur für sich existiere.

Rektor Gerhardt dankte Professor Meyer für seine Worte und betonte, dass es in Friedensau nicht nur einen Fachbereich gebe. Zur Hochschule gehöre von Anfang an neben Theologie der Fachbereich Christliches Sozialwesen, der heute die meisten Studenten umfasse. Es könne nicht darum gehen, in einem abgeschiedenen „Elfenbeinturm“ zu studieren, sondern eine Hochschulbildung müsse in der Gesellschaft verwurzelt sein. Hierbei würden sich in Friedensau Theologie und Sozialwesen gegenseitig bereichern.

Die Theologische Hochschule verlieh 28 Absolventen des Studienjahres 2009/2010 die akademischen Grade Bachelor of Arts in Theology, Master of Arts in Theology, Diplom-Theologe und erstmals den Master of Arts in Theological Studies. Außerdem: Bachelor of Arts in Social Work, Master of Arts in Counseling, Master of Arts in International Social Sciences und Master of Arts in Sozial- und Gesundheitsmanagement. Die Absolventen kommen aus Deutschland, Brasilien, Serbien, den Philippinen und Tansania. An der Hochschule sind rund 190 Studenten immatrikuliert.
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"Stimme der Hoffnung" Mitglied der TYPO3 Association

Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt, 10.10.2010/APD   Die Internetabteilung des Medienzentrums „Stimme der Hoffnung“ der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Alsbach-Hähnlein ist in die TYPO3 Association als Mitglied aufgenommen worden.

Im November 2004 hatte eine Personengruppe der TYPO3-Gesellschaft eine gemeinnützige Organisation unter dem Namen „TYPO3 Association“ mit dem Ziel gegründet, die Transparenz und Effizienz der verschiedenen Aspekte des TYPO3 Projektes zur Entwicklung von Internetseiten zu verbessern und deren Entwicklung auf eine kontinuierliche solide Basis zu stellen.

Die „Stimme der Hoffnung“ bringe eine langjährige Projekterfahrung mit TYPO3 in die Zusammenarbeit ein, habe sie doch bereits viele Webseiten mit dem Content Management System bis heute entwickelt, betonte Sascha Schuster, Leiter der Internetabteilung. „Mit der Mitgliedschaft hat sich das Medienzentrum zur Aufgabe gesetzt, die Weiterentwicklung des quelloffenen und lizenzkostenfreien TYPO3 zu unterstützen und zu fördern.“
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Kein Raum in der Herberge Europa?

Evangelische Kirche in Deutschland thematisiert Asylfrage zum Tag der Menschenrechte

Hannover, 08.10.2010/APD    Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat ein neues Materialheft zum „Tag der Menschenrechte“ am 10. Dezember herausgegeben. Unter dem Titel „Kein Raum in der Herberge Europa?“ wird in diesem Jahr die Situation an den Außengrenzen der Europäischen Union behandelt. Neben juristischen Hintergründen zu den menschenrechtlichen Problemen bietet das Heft liturgische Bausteine, die sowohl für einen eigenen thematischen Gottesdienst als auch zur punktuellen Gestaltung an einem der Adventssonntage geeignet sind.

Angesichts der angespannten humanitären Situation in den südlichen Grenzländern der EU fordere die EKD schon länger den Zugang zu einem fairen und effektiven europäischen Asylverfahren, das darüber hinaus solidarische Instrumente mit denjenigen Mitgliedstaaten bereithält, deren Asylsysteme überlastet seien, schreibt das EKD-Kirchenamt. Die neue Handreichung wolle ermutigen, sich im Advent mit einem unbequemen und erschütternden Thema zu beschäftigen – in der Zuversicht, dass sich dadurch auch Wege eröffnen zum Wunder der Menschwerdung Gottes, so der Referent für Menschenrechte und Migration im EKD-Kirchenamt, Oberkirchenrat Thorsten Leisser.

Im Vorwort der Publikation heißt es weiter: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. So lautet der erste Satz der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Die besondere Menschenwürde ist unteilbar und gilt allen Menschen, auch denen auf der Flucht vor Hunger, Umweltkatastrophen und Kriegen. Und sie gilt denen, die sich aufmachen, ihre Heimat verlassen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben und auf Arbeit.“

Das Materialheft wurde in Kooperation mit verschiedenen evangelischen Landeskirchen und dem Hildesheimer Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst erarbeitet. Es steht im Internet zum Download bereit unter www.ekd.de/menschenrechte und kann kostenlos beim Kirchenamt der EKD, E-Mail: menschenrechte@ekd.de, bestellt werden.
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Das Erbe des Reformators Calvin in den Freikirchen

Erzhausen bei Darmstadt, 07.10.2010/APD   Die Herbsttagung des Vereins für Freikirchenforschung (VFF) im elsässischen Schloss Liebfrauenberg befasst sich am 22. und 23. Oktober mit dem Thema „Rezeption der oberdeutsch-schweizerischen Reformation in den Freikirchen“. Dabei geht es um das Erbe Calvins in den Freikirchen. Während in der mitteldeutschen Reformation Martin Luther auch als Person dominant im Mittelpunkt stand und sich spätere Entwicklungen immer an seiner Person orientierten, tritt Johannes Calvin als Mensch hinter seinem Werk weit zurück. Das mag einer der Gründe gewesen sein, warum sich der zweite Strang der Reformation nach dem Tod Calvins weitläufig ausbreitete und global gesehen in seiner Wirkung erfolgreicher als die Wittenberger Reformation war. Calvins Gedanken und Ideen fanden auch in den Freikirchen Verbreitung. Weitere Informationen zur Herbsttagung sind im Internet unter www.freikirchenforschung.de zu finden.

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Türkei will angeblich 16 christliche Kirchen für Gottesdienste öffnen

Ankara/Türkei, 06.09.2010/APD   Mit einer Lockerung der Genehmigungspflichten will die türkische Regierung offenbar die Freigabe der katholischen Paulus-Kirche (Pavlos Kilisesi) und anderer Gotteshäuser in der Türkei für Gottesdienste erleichtern, meldet die Nachrichtenagentur Kathpress. Nach einem Bericht der liberalen türkischen Tageszeitung „Milliyet“ sollen sich drei Ministerien bereits auf die Erleichterungen geeinigt haben, die für die Paulus-Kirche in Tarsus und 15 weitere Kirchen gelten sollen. Das Kulturministerium erklärte, eine endgültige Entscheidung stehe noch aus.

Laut Zeitungsbericht einigten sich Vertreter von Außen-, Innen- und Kulturministerium darauf, dass künftig keine ministerielle Genehmigung aus Ankara mehr notwendig sein soll, wenn Christen in den 16 Kirchen Gottesdienste wünschten; es müsse lediglich ein Antrag beim zuständigen Gouverneursamt gestellt werden.

Die Regierung hatte erst vor kurzem einen orthodoxen und einen armenischen Gottesdienst in alten Gotteshäusern Anatoliens genehmigt und dies als positive Geste an die Christen bezeichnet. Der Präsident des Amtes für religiöse Angelegenheiten (Diyanet), Ali Bardakoglu, sprach sich für eine dauerhafte Umwandlung der Paulus-Kirche von einem Museum in ein Gotteshaus aus, wie es von der katholischen Kirche seit langem gefordert wird.

Neben der Paulus-Kirche stehen laut „Milliyet“ Kirchen in Izmir und in Zentralanatolien auf der Liste der 16 Gotteshäuser, darunter die Peter-Kirche in Antakya und die Kirche des Heiligen St. Nikolaus bei Antalya.

Im ehemaligen orthodoxen Kloster Sümela in Nordostanatolien sowie in der alten armenischen Heilig-Kreuz-Kirche auf der Insel Akdamar am Van-See, wo vor kurzem Gottesdienste gefeiert wurden, soll künftig ein Gottesdienst pro Jahr erlaubt sein.

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Syrische Regierung schließt christliche Hausgemeinden

Damaskus/Syrien, 05.10.2010/APD   Die syrischen Behörden haben im Norden des Landes mindestens acht evangelikale Hausgemeinden geschlossen, meldet die Nachrichtenagentur idea. Sie befinden sich unter anderem in der Hafenstadt Latakia sowie in Tartus, Homs und Wadi Al-Nasara. Nach einem Bericht der in Washington D.C./USA ansässigen christlichen Menschenrechtsorganisation International Christian Concern (ICC) handle es sich unter anderem um baptistische Gemeinschaften.

Die staatlichen Stellen begründeten ihr Vorgehen gegen die Hausgemeinden juristisch: Nach geltendem Gesetz dürften Christen nur in Gebäuden Gottesdienste feiern, die als Kirchen zu erkennen seien.

Die evangelikalen Hausgemeinden seien jedoch meist zu klein und finanzschwach, um sich solche Häuser leisten zu können. Sie mieteten vielfach Wohnungen und nutzten sie als Gottesdienststätten. Viele Evangelikale befürchteten, dass die Durchsetzung des Gesetzes nur als Vorwand diene, um die Religionsausübung von Evangelikalen zu beschneiden.

Bisher habe die christliche Minderheit in Syrien laut ICC vergleichsweise große Religionsfreiheit genossen. Die Regierung gehe heute jedoch verstärkt gegen alle religiösen Aktivitäten vor, die sie als extrem einstufe. Das betreffe sowohl islamische als auch christliche Gruppierungen.

So ist beispielsweise die evangelische Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Syrien seit Mitte der siebziger Jahre offiziell verboten. Das Gemeindezentrum in Damaskus wurde damals geschlossen und einige Pastoren und Gemeindeglieder inhaftiert.

Das Verbot der Freikirche entstand aufgrund falscher Anschuldigungen im Rahmen staatlicher Repressionen gegen angeblich „israelfreundliche“ Organisationen. Der Sonderberichterstatter der UN-Kommission für Menschenrechte, Dr. Abdelfattah Amor, hatte 1999 in seinem Bericht an die Vollversammlung der Vereinten Nationen unter den Menschenrechtsverletzungen auch das immer noch bestehende Verbot der adventistischen Kirche in Syrien angeführt.

Die erste Adventistengemeinde wurde 1893 in Aleppo gegründet. Später kamen Kirchgemeinden in Bezaq und Damaskus hinzu. Das inzwischen 35 Jahre dauernde Verbot hat dazu geführt, dass heute keine adventistischen Christen mehr in dem vorderasiatischen Land leben.

Bei den kleinen, familiären Hausgemeinden handelt es sich um das älteste Modell christlicher Gemeinden. Das Urchristentum begann mit Hausgemeinden oder Hauskirchen. In den ersten Jahrhunderten waren Hauskirchen schon deshalb üblich, weil es noch keine Kirchengebäude gab. Eine große Rolle spielen die Hauskirchen heute vor allem im chinesischen Christentum.

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstand in der evangelikalen Tradition eine so genannte Hauskirchenbewegung, die Gemeinschaft von Christen in Alltagsnähe betont (Privathäuser) und dafür eine eigenständige Kirchenlehre entwickelt hat.

Die Arabische Republik Syrien wird sozialistisch-volksdemokratisch regiert; an der Spitze steht Präsident Bashar al-Assad. Etwa 72 Prozent der rund 20 Millionen Einwohner sind sunnitische Muslime, sechs Prozent Nusairier (Alawiten), vier Prozent Drusen und etwa 15 Prozent Christen. Das syrische Christentum setzt sich aus verschiedenen Gruppen zusammen: Griechisch-Orthodoxen, Melkiten, Armenisch-Gregorianischen, Syrisch-Orthodoxen, Syrisch-Katholischen, Armenisch-Katholischen, Maroniten, Assyrern, Chaldäern, Protestanten und Lateinern.

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Evangelische und Baptisten wollen in Europa enger zusammenarbeiten

Wien/Bern, 04.10.2010/APD   Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE und die Europäische Baptistische Föderation EBF wollen enger zusammenarbeiten und ihre Beziehungen verbessern. Dazu haben die Generalsekretäre der GEKE und der EBF, Michael Bünker und Tony Peck, am 24. September in Rocca di Papa bei Rom eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Die beiden europäischen Bünde sind nun „miteinander kooperierende Körperschaften“ (mutually cooperating bodies).

Die Europäische Baptistische Föderation umfasst 51 nationale Unionen in Europa sowie dem Nahen und Mittleren Osten. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen hat 105 lutherische, reformierte, unierte und methodistische Mitgliedskirchen in über dreißig Ländern in Europa und Südamerika. In vielen Ländern Europas bestehen bereits seit längerer Zeit formelle und informelle Beziehungen zwischen GEKE-Kirchen und EBF-Unionen; unter anderem in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Norwegen, Österreich, Schweden und der Tschechischen Republik.

In der während der Sitzung des EBF-Rates unterzeichneten Vereinbarung verpflichteten sich laut GEKE-Pressesprecher Thomas Flügge die beiden Körperschaften zu einer Reihe konkreter Schritte der Zusammenarbeit. So würden sich GEKE und EBF gegenseitig zu Ratssitzungen und Vollversammlungen einladen. Die Generalsekretäre und Stäbe sollen zu regelmäßigen Treffen zusammenkommen, ebenso werde der Informationsaustausch vertieft weitergeführt. Tagungen und Konsultationen sollten die verbindenden Elemente und Positionen weiter ausloten. Dazu gehöre auch die Fortsetzung des theologischen Dialoges, der bereits seit 1999 existiere. Die theologischen Unterschiede etwa in der Tauffrage seien bisher nicht ausgeräumt worden. Die Baptisten praktizieren die Glaubenstaufe und erkennen die Kindertaufe nicht an. Deshalb sei eine volle Mitgliedschaft der Baptisten in der GEKE nicht infrage gekommen, so Flügge.

EBF-Generalsekretär Tony Peck begrüßte die Vereinbarung als „klares Zeichen für eine tiefere Zusammenarbeit. Beide Zweige der Reformation können einander viel geben und viel voneinander empfangen.“ „Durch die Vereinbarung haben wir die gemeinsame Stimme des Protestantismus in Europa gestärkt“, bestätigte GEKE-Generalsekretär Michael Bünker. 

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Zur Freiheit befreit – 20 Jahre Deutsche Einheit

Alsbach-Hähnlein, 03.10.2010/APD   „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ (Galater 5,1) Diesen Bibeltext haben Christen und Nichtchristen in der DDR buchstäblich erlebt. „Ein Wunder biblischen Ausmaßes“ nennt Pfarrer Christian Führer (Nikolaikirche Leipzig) die friedliche Revolution, „die erste, die uns Deutschen wirklich gelungen ist“. 70.000 DDR-Bürger waren am 9. Oktober 1989 nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche in Leipzig auf die Straße gegangen, mit Kerzen in den Händen und dem Ruf „Keine Gewalt!“ auf den Lippen. Die in 40 Jahren DDR perfektionierte Einschüchterung funktionierte nicht mehr; und auf 70.000 Menschen zu schießen – diese Verantwortung mochten selbst die hartgesottenen Stasi-Kommandeure nicht auf sich nehmen.

Schnell wuchs die Zahl der Demonstranten ins Gigantische, und am 9. November 1989 fiel die Mauer in Berlin. Nun war die Politik am Zug. In einem Marathon aus Sitzungen, Gipfeltreffen, persönlichen Gesprächen und Abkommen gelang es in beispielloser Geschwindigkeit, bis zum 3. Oktober 1990 einen tragfähigen vertraglichen Rahmen für ein vereintes Deutschland zustande zu bringen. „Ohne Gottes Hilfe hätten wir es nicht geschafft“, stellte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl rückblickend tief beeindruckt fest, der eine wesentlich längere Übergangsphase angesetzt hatte.

Die Bilanz nach 20 Jahren Einheit: „Im Westen haben sich ein paar Postleitzahlen und Autokennzeichen geändert, im Osten das ganze Leben“, so Christian Führer. Pastor Ralf Schönfeld, heute Kassel, vermutet: „Vielleicht dauert es wieder 40 Jahre, bis wirklich zusammen ist, was 40 Jahre getrennt war.“ Er meint: „Das Bedrückendeste nach 20 Jahren ’sozialer‘ Marktwirtschaft ist, dass nun in Gesamtdeutschland die Armen immer noch ärmer und die Reichen immer noch reicher werden.“ Die deutsche Einheit war zweifellos ein Wunder, das niemand für möglich gehalten hätte. Aber damit wirklich zusammenwächst, was zusammen gehört, gibt es noch viel zu tun. Packen wir’s an!

Heidemarie Klingeberg

Hinweis der APD-Redaktion: Heidemarie Klingeberg ist Mitarbeiterin beim Internationalen Bibelstudien-Instituts des Medienzentrums „Stimme der Hoffnung“ der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt.




Papst ruft zu regelmäßigem Bibelstudium auf

„Bibel nicht Botschaft der Vergangenheit, sondern lebendiges Wort Gottes“

Rom/Italien, 02.10.2010/APD   Papst Benedikt XVI. hat die Gläubigen zur regelmäßigen und sorgfältigen Bibellektüre aufgerufen. Es sei von fundamentaler Bedeutung, dass jeder Christ persönlichen Kontakt zum Wort Gottes habe, sagte der Papst am 29. September während einer Audienz für die Angestellten der päpstlichen Villen in seinem Sommersitz in Castel Gandolfo. Man dürfe die Bibel nicht als eine Botschaft der Vergangenheit auffassen, sondern müsse sie als lebendiges Wort Gottes und Herausforderung für den heutigen Menschen lesen, hob das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche hervor.

Benedikt XVI. erinnerte an den heiligen Hieronymus (347-419), dessen Hochfest die katholische Kirche am 30. September begeht. Wer die Bibel ignoriere, ignoriere Jesus Christus, zitierte Benedikt XVI. aus dem Werk des Heiligen. Dieser habe das Wort Gottes zum Mittelpunkt seines Lebens gemacht.

Der in der Nähe von Aquileia geborene Hieronymus überarbeitete die alte lateinische Übersetzung des Neuen Testaments und übertrug große Teile des Alten Testaments aus dem Griechischen und Hebräischen ins Lateinische. Seine Übersetzungen sind großenteils in die sogenannte Vulgata eingegangen, die bis heute für die römisch-katholische Kirche maßgebliche lateinische Bibelübersetzung.

Bereits im Oktober letzten Jahres gab Papst Benedikt XVI. seiner Freude Ausdruck über das wachsende Interesse an der Bibel und über die vielen Bibelkreise in den Pfarreien. Anlässlich einer Audienz zum 100. Geburtstag des Päpstlichen Bibelinstituts (PIB) sagte er damals: „Dank dem Zweiten Vatikanischen Konzil und seiner Dogmatischen Konstitution ‚Dei Verbum‘ haben die Menschen viel stärker verstanden, wie wichtig das Wort Gottes im Leben und im Auftrag der Kirche ist. Das hat in den christlichen Gemeinschaften zu einer echten geistlich-pastoralen Erneuerung geführt – vor allem, was die Predigt betrifft, die Katechese, das Theologiestudium und den ökumenischen Dialog“.

Bibelwissenschaftler sollten „die Bibel dem Leben des Volkes Gottes näherbringen“, so der Papst weiter. Die Heilige Schrift könne „in dieser säkularisierten Welt mehr sein als die Seele der Theologie, nämlich eine Quelle der Spiritualität und des Glaubens für alle, die an Christus glauben“. Benedikt nannte die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung ausdrücklich „legitim und notwendig“, erinnerte aber auch an den „theologischen Charakter der Exegese“.

„Denn die Grundvoraussetzung für ein theologisches Verständnis der Bibel ist die Einheit der Schrift, und dieser Voraussetzung entspricht methodologisch die Analogie des Glaubens, also das Verständnis der einzelnen Texte vom Ganzen ausgehend. Das Konzil gibt auch einen weiteren Hinweis zur Methode: Das Volk Gottes, das in der Geschichte Träger der Schrift ist, ist eines, und eine einzige ist auch die Schrift. Wer sie also als Einheit liest, liest sie von der Kirche aus, ihrem Lebensort, und erkennt im Glauben der Kirche ihren wahren Interpretations-Schlüssel. Wenn die Exegese noch Theologie sein will, muss sie anerkennen, dass der Glaube der Kirche diese Form der ‚Sympathie‘ ist, ohne den die Bibel ein Buch mit sieben Siegeln bleibt,“ stellte das Kirchenoberhaupt fest.

Die Tradition verschließe nicht etwa den Zugang zur Schrift, sondern öffne ihn vielmehr. Das „entscheidende Wort bei der Interpretation der Schrift“ sei „Sache der Kirche,“ so der Papst.

Das Zweite Vatikanische Konzil verabschiedete im November 1965 die dogmatische Offenbarungskonstitution „Dei Verbum“ (DV) mit dem viel zitierten Appell zur Förderung der Bibelverbreitung: „Der Zugang zur Heiligen Schrift muss für die an Christus Glaubenden weit offen stehen“ (DV 22). Das Konzil mahnte im Dokument zum Bibellesen für die Gläubigen ganz allgemein (DV 25), die Priester (PO 13; 18), die Priesteramtskandidaten (OT 16), die Ordensleute (PC 6) und die Laien (AA 32).

Nach dem Zweiten Vatikanum entstanden in der römisch-katholischen Kirche zahlreiche biblische Initiativen, die versuchten, die Gläubigen mit der Heiligen Schrift vertrauter zu machen. Vor allem die Anerkennung der historisch-kritischen Methode zur Erforschung der Bibel löste in den Jahren nach dem Konzil einen wahren Boom an entsprechender erklärender Literatur und erwachsenenbildnerischen Veranstaltungen aus.
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"Tag der offenen Moschee" am 3. Oktober

Islamrats-Vorsitzender fordert religiöse Aufklärung durch gläubige Muslime

Berlin/Bonn, 01.19.2010/APD   Über 530 deutsche Moscheen laden am Sonntag, 3. Oktober, zum „Tag der offenen Moschee“ (TOM) ein. Nach Angaben des verantwortlichen Koordinierungsrates der Muslime in Deutschland (KRM) wird mit rund 100.000 Besuchern gerechnet. Die muslimischen Verbände vermuten angesichts der Sarrazin-Debatte einen großen Aufklärungsbedarf und haben den diesjährigen TOM der aktuellen Bedeutung des Korans, der Heiligen Schrift des Islams, gewidmet.

„Die meisten, die über den Islam urteilen, kennen kaum einen gläubigen Muslim“, erklärte Ali Kizilkaya, der Vorsitzende des Islamrats und derzeitige KRM-Sprecher, bei der Pressekonferenz zum diesjährigen TOM. In offensichtlicher Anspielung auf den (mit staatsanwaltlichen Untersuchungen begründeten) Ausschluss des Islamrates aus der Deutschen Islamkonferenz beklagte er, dass man „über uns, nicht mit uns“ spreche. Für Kizilkaya ist daher die Gesellschaft gefragt, wie weit sie „Ausgrenzung und Rassismus“ dulde.

Aus Sicht des Islamwissenschaftlers Carsten Polanz vom Bonner Institut für Islamfragen (IfI), einer Einrichtung der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), seien persönliche Begegnungen wichtig. Dazu gehöre aber auf beiden Seiten auch die Bereitschaft, sich kritischen Fragen zu stellen.

Muslimische Vertreter dürften nicht jeder kritischen Frage mit dem Vorwurf des Rassismus und der Diskriminierung ausweichen. Auch die weit verbreitete Skepsis in der Mehrheitsgesellschaft gegenüber den zunehmenden großen Moscheebauten mit hohen Minaretten dürfe nicht von vornherein als Islamfeindlichkeit gewertet werden. Es gebe die berechtigte Sorge vor einer im Mehrheitsislam bisher fehlenden Trennung von Staat und Religion.

Die Moschee habe in der islamischen Geschichte in der Regel nicht nur als Ort des gemeinschaftlichen Gebets, sondern auch als gesellschaftspolitisches Zentrum gedient. Außergewöhnlich hohe Minarette oder die Benennung zahlreicher Moscheen nach al-Fatih, dem osmanischen Eroberer des christlichen Konstantinopel, würden in Deutschland eher im Sinne eines politischen Machtanspruchs als im Sinne des Willens zur Integration verstanden. Gesprächsbedarf gebe es auch bei der Frage nach dem schariadefinierten Verständnis der Menschenrechte.

Die zum „Tag der offenen Moschee“ herausgegebene Broschüre mit dem Titel: „Der Koran – 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben“ werfe wichtige Fragen auf. Die Publikation beschreibe das koranische Verständnis der verschiedenen Verantwortungsbereiche des Menschen. Auf dem Einladungsplakat seien dazu Koranverse abgebildet, in denen es unter anderem heißt, dass „Allah gebietet, Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und die Nahestehenden zu beschenken. Und er verbietet das Schändliche und Unrechte und Gewalttätige. Er ermahnt euch, euch dies zu Herzen zu nehmen.“ (Sure 16,90) Laut Broschüre richte sich der Koran mit seinen Geboten und Verboten „an die Vernunft des Menschen […], um ihn ein würdiges und glückliches Leben im Diesseits zu ermöglichen und ihn vor den Konsequenzen im Jenseits zu bewahren.“ Zugleich werde betont, dass sich der Muslim „im Klaren darüber [sei], dass ihm die Entscheidung für sein persönliches Handeln freigestellt ist“. An anderer Stelle werde jedoch betont, dass der Einzelne gegenüber der muslimischen Gemeinschaft (Umma) und der gesamten Menschheit die Verantwortung habe, das Gute (nach diesem Verständnis: den Islam) zu gebieten und vor Schlechtem (hier wohl gemeint: allem Nicht-islamischen) zu warnen. Gerade bei der Vermittlung dieses Bewusstseins solle die Moschee zusammen mit der Familie die zentrale Rolle übernehmen.

Nach Einschätzung von Polanz bleibe somit die Schlüsselfrage offen: Ist die Freiheit des Einzelnen den islamischen Werten und den jeweiligen Interessen der muslimischen Gemeinschaft untergeordnet? Welche Interessen haben im Konfliktfall den Vorrang, wenn zum Beispiel der einzelne Muslim sich von der islamischen Religion abwenden möchte oder deren Grundlagen kritisiert. In der von 57 Außenministern islamischer Staaten unterzeichneten „Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam“ würden beispielsweise sämtliche Freiheiten des Menschen nur soweit garantiert, wie sie mit den Geboten und Verboten des islamischen Rechts übereinstimmten. Meinungsfreiheit bedeute dort beispielsweise „im Einklang mit den Normen der Scharia für das Recht einzutreten, das Gute zu verfechten und vor dem Unrecht und dem Bösen zu warnen.“

Die TOM-Broschüre formuliere teilweise auffallend ähnlich, wenn sie die Verantwortung des Einzelnen gegenüber der muslimischen Gemeinschaft hervorhebt. Kritische Rückfragen der Mehrheitsgesellschaft an die muslimischen Gemeinschaften sind gerade kein Hindernis für die Integration von Muslimen, sondern dringend notwendige Voraussetzung für das friedliche Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft – nicht zuletzt am Tag der offenen Moschee, so Polanz.

Der „Tag der offenen Moschee“ fand erstmals 1997 auf Initiative des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) statt. Dem heute verantwortlichen KRM gehören neben dem ZMD auch die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Islamrat und der Verband der Islamischen Kulturzentren an. In den letzten Jahren haben auch die Moscheegemeinden der Islamischen Gemeinschaft Mili Görüs am TOM teilgenommen.

Die Wilmersdorfer Moschee ist die älteste Moschee Deutschlands. Sie wurde zwischen 1924 und 1928 im Berliner Stadtteil Wilmersdorf erbaut.
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Bezug der ersten Übergangshäuser in Chile

Weiterstadt bei Darmstadt, 01.10.2010/APD   Über sechs Monate nach dem schweren Erdbeben in Chile konnte die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA in der Stadt Chillan die ersten einhundert Übergangshäuser übergeben. Damit endete für die Familien das Leben in Zelten und Notunterkünften. Die Holzhäuser sollen für die kommenden drei Jahre eine sichere Unterkunft auf 18 Quadratmetern bieten. Sie sind auf einer Betonplatte verankert und haben innen und außen verschalte Wände mit einer Isolierung. Das Dach ist mit Wellblech, Dachpappe und einer innenliegenden Holzverkleidung dreifach gedichtet. Zwei gleich große Zimmer lassen eine beschränkte funktionale Trennung zu. Insgesamt baut das ADRA-Netzwerk eintausend dieser Häuser.

„Damit die Häuser nicht zur dauerhaften Siedlung werden, muss in den kommenden Jahren der Wiederaufbau funktionieren“, betonte Heinz-Hartmut Wilfert (Weiterstadt bei Darmstadt), Pressesprecher von ADRA Deutschland. Auch dabei werde ADRA mithelfen, denn viele Familien hätten nicht die finanziellen Voraussetzungen, ihr Leben aus eigener Kraft wieder zu normalisieren.
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