Frankfurt/Main, 27.05.2011/APD   Mit einem Tag der offenen Tür eröffnet das „Bibelhaus Erlebnis Museum“ in Frankfurt am Main am Sonntag, 29. Mai 2011, seine neugestaltete Ausstellung. Das Bibelhaus legt neben den Themenbereichen zu den Quellen und der Verbreitung der Bibel einen besonderen Schwerpunkt auf die Vermittlung der antiken Lebenswelt des Alten und Neuen Testaments. In einer in Europa einmaligen Kooperation stellte die Israelische Antiquitätenverwaltung 270 Originalfunde als Dauerleihgabe zur Verfügung, darunter einen der drei aus der Zeit Jesu ausgegrabenen Denare, römische Pfeilspitzen aus dem Jüdischen Krieg, die gegen zelotische Aufständische gerichtet waren, und Küchengeräte, die den jüdischen Reinheitsgeboten entsprachen.

Den Besuchern solle eine „originale Begegnung“ ermöglicht werden, erläuterte Pfarrer Veit Dinkelaker, Theologischer Referent für Religionspädagogik am Bibelhaus. Ziel der Konzeption sei es, die historischen Exponate nicht nur auszustellen, sondern die Beziehung zur Lebenswirklichkeit der antiken Menschen zu verdeutlichen. Dazu tragen ein römischer Legionär, ein Fischer am See Genezareth, eine Frau im Haushalt und weitere fiktive Repräsentanten der Welt des Neuen Testamentes bei, die an Hörstationen über ihre Lebenswirklichkeit sprechen. Die als Augenzeugenberichte formulierten Aussagen sollen die Erkenntnisse der sozialgeschichtlichen Forschung in subjektiver Perspektive wiedergeben.

Mit dem Bereich „Erwachsen mit 13“ geht die Ausstellung insbesondere auf Jugendliche und Konfirmanden ein. Während ein dreizehnjähriger jüdischer Junge zum Einhalten der Gebote verpflichtet wurde, stand ein gleichaltriges Mädchen bereits vor ihrer Hochzeit. Eine Tora-Rolle sowie ein Trau-Baldachin und Aussteuer-Gefäße verdeutlichen diesen Lebensabschnitt. Ausgehend von der nachempfundenen Lebenswirklichkeit stellt die Ausstellung den Bezug zu biblischen Texten her. Nach der biblischen Überlieferung hat Jesus sich selbst als jugendlicher Pilger auf den Weg zum Jerusalemer Tempel gemacht und war nach dem Johannesevangelium erstmals auf einer Hochzeit wundertätig, indem er bei der siebentätigen Hochzeitsfeier Wasser zu Wein wandelte. „Die Jugendlichen selbst kommen aus Anlass einer bevorstehenden Feier zu uns – der Konfirmation oder Firmung. Jugendliche dieser Altersgruppe stehen vor denselben Fragen: Verantwortung, Regeln, Erwachsenwerden, Sexualität und Partnerschaft“, erläuterte Dinkelaker die Didaktik der Ausstellung.

Als gesellschaftlich-politischer Bezugsrahmen verdeutlicht die Ausstellung die Spannung von römischer Besatzung und zelotischem Widerstand zur Zeit Jesu, in der vom erwarteten Messias die Befreiung aus römischer Herrschaft erhofft wurde. Darüber hinaus wurde der Jerusalemer Tempel, der als religiöses Zentrum des Judentums in das gesamte Römische Reich ausstrahlte, nach neuesten archäologischen Erkenntnissen der Israelitischen Antiquitätenverwaltung und der University of California in Los Angeles in einem umfangreichen Modell nachgestaltet. Ein virtueller Rundgang auf einem Großbildschirm ermöglicht eine detaillierte Vorstellung aus der Perspektive eines Tempelbesuchers.

In die Erweiterung und Neugestaltung des Bibelhauses wurden in den vergangenen elf Monaten 1,4 Millionen Euro investiert. Die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau finanzierte die Neugestaltung maßgeblich. „Das Bibelhaus beschäftigt sich mit dem grundlegenden Buch des christlichen Glaubens“, erläuterte Kirchenpräsident Dr. Volker Jung. „Der Kirche ist es aufgetragen, die Botschaft des Evangeliums weiterzugeben, in jeder Generation neu.“ Die Bedeutung der Bibel beschränke sich dabei nicht auf den Glauben, sondern sie sei auch Grundlage der europäischen Kultur. „Ob Leonardo da Vinci oder Rembrandt, klassische Musik oder selbst moderne Popkultur: Ohne Kenntnis der Bibel und ihrer Motive bleibt vieles unverständlich“, gab Jung zu bedenken. Die Bibel sei daher ein wichtiges Kulturgut und verbinde auch Menschen unterschiedlicher Glaubenstraditionen.
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