Sonntagsallianz: Experte fordert Ruhetagsschutz für alle Religionen

Silver Spring, Maryland/USA | 6. Juli 2011 | APD |

Auch Ruhetag der Juden, Adventisten und Muslime soll garantiert sein

Silver Spring, Maryland/USA, 06.07.2011/APD   "Der arbeitsfreie Sonntag sollte nicht in der EU-Arbeitszeitrichtlinie verankert werden. Es wäre besser, die Rechte der Mitglieder jeder Religionen zu schützen, an ihrem Ruhetag nicht arbeiten zu müssen", kommentierte Pastor Dr. John Graz (Silver Spring, Maryland/USA), Direktor für Öffentliche Angelegenheiten und Religionsfreiheit der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten, die Forderungen der Europäischen Sonntagsallianz gegenüber dem APD. "Sollte wieder ein entsprechender Vorschlag unterbreitet werden, müsste er dahingehend erweitert werden, dass er den Schutz auch für jene einschließt, die einen anderen Ruhetag halten", betonte Graz in einem Kommentar für Adventist News Network (ANN).

Am 20. Juni erhob die an diesem Tag gegründete Europäische Sonntagsallianz am Sitz des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA) in Brüssel die Forderung, den Sonntag in den EU-Staaten als arbeitsfreien Tag zu bezeichnen. Laut der Sonntagsallianz könnten damit gesündere Familien, ein ausgeglichenerer Lebensstil für alle und ein besserer Zusammenhalt in der Gesellschaft erreicht werden.

Neben diesen leicht nachvollziehbaren Zielen, könnten auch viele weitere traditionelle und historische Gründe angeführt werden, um den Sonntag in Europa als allgemeinen arbeitsfreien Tag zu begründen, so Graz. Die Festlegung eines Wochentages als "offizieller" arbeitsfreier Tag, berge aber schwerwiegende Probleme.

Der Experte für Religionsfreiheit führte die 13 Millionen Muslime in Europa an, die am Freitag die Moschee besuchten oder die Jüdische Glaubensgemeinschaft und die evangelische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die beide gemeinsam den siebten Wochentag, den Samstag (Sabbat), als biblischen Ruhetag feierten, der bereits im Schöpfungsbericht der Heiligen Schrift verwurzelt sei. Der Sonntag als offizieller arbeitsfreier Tag entfremde die Glaubensgemeinschaften voneinander und fördere schwerlich den Zusammenhalt im pluralistischen Europa, ganz zu schweigen von den absehbaren gerichtlichen Auseinandersetzungen, so Graz.

Er teile das grundsätzliche Anliegen der Europäischen Sonntagsallianz, so der Fachmann für Religionsfreiheit, wonach ein wöchentlicher Ruhetag für die Gesundheit und die sozialen Beziehungen förderlich sei. "Ebenso wichtig ist aber auch das Recht aller Menschen, ihr Leben so einzurichten, dass es mit ihren religiösen Überzeugungen übereinstimmt", sagte Graz. "Dieses Recht wird in verschiedenen internationalen Abkommen verbrieft. Es ist ein grundlegender, nicht verhandelbarer Aspekt der Menschenwürde." Er fordere deshalb die Mitglieder der Europäischen Sonntagsallianz auf, ihre Initiative dahingehend zu erweitern, dass nicht nur allen ein arbeitsfreier Ruhetag pro Woche garantiert werde, sondern dass auch alle das Recht hätten, so zu leben, anzubeten und zu ruhen, wie es ihrem Gewissen entspreche.

Die Europäische Sonntagsallianz ist ein Netzwerk bereits bestehender nationaler Sonntagsallianzen, Gewerkschaften, kirchlicher und zivilgesellschaftlicher Organisationen, die sich für gerechte und angemessene Arbeitsbedingungen, die Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Privatleben sowie die Stärkung des sozialen Zusammenhalts einsetzten.

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Der Text kann kostenlos genutzt werden. Veröffentlichung nur mit eindeutiger Quellenangabe "APD" gestattet!


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