Bensheim/Deutschland, 16.09.2011/APD   Zum bevorstehenden Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. hat die Präsidentin des Evangelischen Bundes (EB), Professorin Dr. Gury Schneider-Ludorff, eine „Ökumene des Respekts“ gefordert. Für die Kirchenhistorikerin ist die „Ökumene des Respekts“ der Königsweg einer selbstbewussten und doch entspannten ökumenischen Begegnung zwischen Katholiken und Protestanten. In einem Interview mit der am 21. September erscheinenden neuen Ausgabe der Zeitschrift „Evangelische Orientierung“, zieht die Professorin Bilanz: „Die große Euphorie der 1970er und 80er Jahre ist sicherlich dahin, aber uns ist der Respekt voreinander geblieben und der Dank für viel gemeinsam Erreichtes in der Ökumene.“ Angesichts der Herausforderungen der christlichen Kirchen in der Moderne seien die Christen „auf ein glaubwürdiges, gemeinsames Zeugnis angewiesen“. Das beginne im Respekt des Anderen, der ja auch Teil der einen Kirche Jesu Christi sei.

Bereits bei Übernahme der Präsidentschaft des Evangelischen Bundes vor zweieinhalb Jahren hatte Schneider-Ludorff eine „Ökumene des Respekts und der Anerkennung“ gefordert.

Auf die Interviewfrage, was sie sich denn vom Besuch des Papstes in Deutschland erwarte, meinte die Präsidentin des Evangelischen Bundes: „Zunächst können wir uns als Protestantinnen und Protestanten mitfreuen, wenn die römisch-katholischen Geschwister nach Kräften feiern. Wenn sich viele tausend Menschen treffen, um miteinander zu beten und sich als Christinnen und Christen zu begegnen, dann kann die erste Reaktion nicht Ablehnung sein.“

Auf den zweiten Blick dürfe man wohl schon einen differenzierteren Blick auf das zu erwartende Spektakel werfen, betonte Schneider-Ludorff. „Als Kirchenhistorikerin atme ich auch schon mal auf, dass die Trennung von Thron und Altar jedenfalls im deutschen Protestantismus seit 1919 so klar und endgültig war und eine Perspektivenvermischung von staatlichem und religiösem Auftritt bei uns nicht als Problem entsteht“, so die Präsidentin des Evangelischen Bundes.

Das vollständige Interview mit Professorin Dr. Gury Schneider-Ludorff sowie weitere Beiträge von Landesbischof Professor Dr. Friedrich Weber (lutherisch), Bischof Dr. Matthias Ring (alt-katholisch), Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein (uniert), Bischöfin Rosemarie Wenner (methodistisch), Metropolit Augoustinos (orthodox), Generalsekretärin Regina Claas (baptistisch) erscheinen am 21. September in der Zeitschrift „Evangelische Orientierung“ (EvO 2011|3).

Das Konfessionskundliche Institut, mit Sitz in Bensheim, wird vom Evangelischen Bund, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie Landeskirchen, wie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche der Pfalz, getragen. Vorsitzender des Kuratoriums ist Landesbischof Dr. Friedrich Weber (Wolfenbüttel). Ein Wissenschaftlicher Beirat aus acht Professorinnen und Professoren berät unter dem Vorsitz des Kirchenhistorikers Professor Dr. Karl Pinggéra (Marburg) das Institut. Neben der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin arbeiten die „Bensheimer“ mit ökumenischen Partnerinstituten in mehreren europäischen Ländern zusammen. Institutsleiter ist seit 2007 Pfarrer Dr. Walter Fleischmann-Bisten.
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