Vancouver/Kanada, 29.09.2011/APD Am Sonntag,25. September, feierte die St. Johns Kirche in Vancouver, die größte anglikanische Gemeinde Kanadas, nach fast hundert Jahren in der angestammten Kirche, den ersten Gottesdienst in der nahe gelegenen Oakridge Adventkirche der Siebenten-Tags-Adventisten, wie der Onlinedienst „Canadian Christianity“ mitteilte.

Kontroversen bezüglich der Ordination von Frauen, Weihe eines homosexuellen Bischofs und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare hätten die 80 Millionen anglikanischen Gläubigen weltweit in zwei Lager gespalten, die kirchenintern als „orthodox“ und „liberal“ bezeichnet würden. Dabei seien jene, die an historischen sowie biblisch fundierten Werten und Überzeugungen festhielten, in der Mehrheit. Die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren sei, laut „Canadian Christianity“, einer der konkreten Punkte gewesen, bei dem die Mehrheit der Kirchenmitglieder opponiert habe.

Die St. John Gemeinde hätte nicht weiterhin Teil der als eher liberal geltenden Diözese von New Westminster sein wollen, sondern sich nach der Mehrheit der weltweiten anglikanischen Kirchengemeinden ausgerichtet, so der Onlinedienst. Daraufhin seien die Bankkonten der St. John‘s Gemeinde eingefroren worden. Der Oberste Gerichtshof von Kanada habe entschieden, dass der Diözese von New Westminster als Teil der Anglikanischen Kirche von Kanada die St. John Kirche in Vancouver gehöre. Die große Mehrheit der Kirchenmitglieder von St. John hätte deshalb neue Räumlichkeiten suchen müssen.

„Da wir glauben, dass es wichtiger ist, der Autorität Gottes in seinem Wort zu folgen, als der institutionellen Autorität einer Kirche, die den Kern des christlichen Glaubens aufgegeben hat“, so David Short, Pfarrer der Kirchengemeinde St. John, „mussten wir unser angestammtes Gebäude verlassen. An unserem Engagement hat sich nichts geändert. Was sich verändert hat, sind unsere administrative Ausrichtung und unser neuer Standort.“ Die weggezogenen Mitglieder der Gemeinde St. John würden weiterhin von den bisherigen Geistlichen und dem 15-köpfigen Mitarbeiterstab betreut.

Laut „Canadian Christianity“ sei der Abschiedsgottesdienst am 18. September in der Kirche St. John von rund 1.100 Menschen besucht worden. Dabei sei um den Segen für die Diözese New Westminster und auch für die verbleibenden Kirchenmitglieder gebetet worden. Die wegziehenden Gläubigen hätten ihre Kirche mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen und sich in die zwei Kilometer entfernte Oakridge Adventkirche begeben, die zukünftig ihr neuer Versammlungsort sein werde, so der Onlinedienst.

Die Mitglieder der evangelischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten von Vancouver versammeln sich weiterhin am Sabbat (Samstag), dem biblischen Ruhetag, zum wöchentlichen Gottesdienst in der Oakridge Adventkirche und die aus der St. John Kirche weggezogenen anglikanischen Gläubigen jeweils am Sonntag. Da die Adventkirche ein Fassungsvermögen von 500 Personen habe, würden laut Gloria R. Cruz, Leiterin des Sekretariats der Oakridgekirche, ab dem 2. Oktober am Sonntag jeweils drei anglikanische Gottesdienste gefeiert.

In Kanada leben rund 61.000 erwachsen getaufte Adventisten, die in 352 Kirchengemeinden und 80 Gruppen Gottesdienste feiern. Die Freikirche der Siebenten-Tags-Ad¬ventisten unterhält dort 39 Grundschulen und Gymnasien mit 2.655 Schülerinnen und Schülern, zwei Hochschulen, neun Alten- und Pflegeheime, ein Medienzentrum sowie einen Blindendienst mit Literatur in Brailleschrift, einer Brailledruckerei und vier Campingplätze in Kanada, um blinden und sehbehinderten Menschen Ferien zu ermöglichen. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Kanada gab 2009 für Projekte über zwei Millionen Euro aus.

In Kanada gibt es mehr als zwei Millionen Anglikaner. Das sind 6,9 Prozent der Bevölkerung.
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