USA: Häufiges Bibellesen hat Tendenz, aus "Rechten" "Linke" zu machen

Houston, Texas/USA | 8. November 2011 | APD |

Houston, Texas/USA, 08.11.2011/APD   Je öfter jemand in den USA ganz persönlich in der Bibel lese, desto wahrscheinlicher sei es, dass diese Person sich dem "Patriot Act" widersetze, einem 2001 zur Stärkung der Einheit der USA und des Kampfs gegen den Terrorismus verabschiedeten Gesetz. Zudem seien häufige Bibelleser tendenziell gegen die Todesstrafe, betrachteten Wissenschaft und Religion prinzipiell als vereinbar und unterstützten Initiativen zur sozialen Gerechtigkeit, wie der "Houston Chronicle" mitteilt.

Es habe den Anschein, dass Kirchgang und Kirchenzugehörigkeit in den USA mit konservativen politischen Positionen zusammenhingen, wie die Ergebnisse der umfangreichsten Religionsumfrage in Nordamerika des "Baylor Religion Survey" zeigten. Häufiges Bibellesen könne aber laut Analyse der Religionsumfrage durch "Christianity Today" dazu führen, dass man vermehrt zu liberalen oder linken politischen Auffassungen tendiere.

Im Gegensatz zu einigen anderen religiösen Praktiken, habe das häufige Bibellesen das Potential liberaler zu machen oder die Leser für linke politische Positionen zu öffnen. Das sei auch dann der Fall, so das Magazin "Christianity Today", wenn man Faktoren, wie politische Überzeugung, Bildungsstand, Einkommen, Geschlecht, Rasse und religiöse Einbindung oder die eigenen Ansichten über Bibelauslegung, in Betracht ziehe.

Laut Magazin habe die Umfrage ergeben, dass mit zunehmender Bibellektüre die Zustimmung zum "Patriot Act" um 13 Prozent zurückgehe, die Zustimmung zur Abschaffung der Todesstrafe um 45 Prozent zunehme, die Ansicht, dass Religion und Wissenschaft unvereinbar seien, um 22 Prozent abnehme und die Zustimmung zur Auffassung um 35 Prozent steige, dass ein guter Mensch sich aktiv für soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit einsetze.

Warum fördert das Bibellesen eine liberale oder linke Sichtweise?
Laut "Christianity Today" werde die Fragestellung noch interessanter, wenn deutlich werde, wer in den USA am ehesten die Bibel lese. Es seien Evangelikale und Gläubige, die ein wörtliches Bibelverständnis hätten und eher zu konservativen oder politisch rechten Ansichten neigten.

Eine mögliche Erklärung für den Gesinnungswandel bestehe darin, dass die Leserinnen und Leser eine vorgefasste Meinung von der Bibel hätten. Da in der amerikanischen Gesellschaft das Bibellesen einen hohen Stellenwert habe, gingen viele davon aus, sie wüssten, was in der Bibel stehe, bevor sie diese öffneten, so "Christianity Today". Sobald sie dann aber persönlich in der Bibel lesen würden, seien sie meist überrascht von dem, was dort stehe, und übernähmen die neue Sichtweise.

Das könne aber auch mit Bibelstellen geschehen, die dem Leser tatsächlich bekannt seien. Viele läsen die Bibel mit der Erwartung, dass Gott ihnen durch den gelesenen Text persönlich etwas sagen wolle und würden dann von gewissen Bibelaussagen wie von einem "Donnerschlag" getroffen. Das könne für ihr Leben eine enorme Bedeutung bekommen.

Hinzu komme, dass viele Bibelleser in Nordamerika die Heilige Schrift nicht nur für ihre Andacht oder spirituelle Erbauung verwendeten. Sie sähen in der Bibel eine Autorität für ihr Leben, der sie im Alltag entsprechen wollten.

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