Silver Spring/USA, St. Albans/Großbritannien, 23.11.2011/APD   Ungeachtet der negativen Entscheidung des Exekutivausschusses der adventistischen Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) Anfang Oktober, bekräftigten die Mitglieder des Exekutivausschusses der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Nordamerika (NAD) am 31. Oktober, an ihrer im Jahr 2010 eingeführten Praxis festzuhalten: Auf dem Gebiet der Nordamerikanischen Kirchenverwaltung dürfen auch nichtordinierte Personen in die Leitungsposition eines „Vereinigungsvorstehers“ gewählt werden, berichtete der Onlinedienst „Adventisten heute“. Dieser Beschluss der Delegierten der Nordamerikanischen Kirchenregion sei mit 162 zu 61 Stimmen gefasst worden.

Zwei Wochen später, am 16. November, befassten sich die Mitglieder des Exekutivausschusses der Länder, die zur Trans-Europäischen Division (TED) der Kirche gehören, ebenfalls mit dem Thema, Frauen in ihrem Kirchenverwaltungsgebiet als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes/Union“ wählen zu können. Sie bedauerten die Ablehnung ihres Antrags durch den Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung, denn die Siebenten-Tags-Adventisten lehrten gemäß der Heiligen Schrift das „allgemeine Priestertum“ und somit die Tatsache, dass „der Heilige Geist Frauen und Männer mit unterschiedlichen Gaben beruft und ausstattet, zu denen auch die Gabe der Leitung (leadership) gehört“. Für viele Adventisten im Bereich der TED sei dies ein ethisches sowie auch ein rechtliches Anliegen, das ihr Gewissen stark berühre, heißt es im TED-Sitzungsbericht.

91 Prozent der Delegierten des Exekutivausschusses der Trans-Europäischen Region votierten in geheimer Abstimmung dafür, dass jede nationale Kirchenverwaltung das Recht habe, Frauen und Männer gleich zu behandeln. Es könnten damit sowohl ordinierte Pastoren, wie auch Personen mit einer Beauftragung für geistliche Aufgaben, also auch Frauen, für die Leitungsposition eines Vereinigungs- oder Verbandsvorstehers im TED-Kirchenverwaltungsgebiet gewählt werden.

Die Nordamerikanische und die Trans-Europäische Kirchenverwaltung der Adventisten sind mit diesen Beschlüssen nicht mehr in Übereinstimmung mit ihrer Weltkirchenleitung, die keine nicht ordinierten Personen in derartige Leitungspositionen zulässt. In einem mehrjährigen globalen Prozess soll bis 2015 kirchenintern die Ordinationsfrage an Hand der Aussagen der Bibel geklärt werden.

Pastor Dr. Bertil Wiklander, Präsident der TED, unterstrich die Bemühungen, sich in seinem Kirchenverwaltungsbereich für Frauen als Pastorinnen und Führungskräfte einzusetzen. Außerdem wolle er gemeinsam mit anderen Kirchenleitern seiner Region nach Möglichkeiten suchen, „die Frauen zu befähigen und zu unterstützen, die der Heilige Geist deutlich in Leitungsaufgaben beruft“, betonte Wiklander.

Zum Nordamerikanischen Kirchenverwaltungsgebiet (NAD) der Adventisten gehören 1,12 Millionen erwachsen getaufte Adventisten in Kanada und den USA sowie auf Bermuda, der Johnston Insel, den Midway- und einigen weiteren Pazifikinseln.

Zum Trans-Europäischen Kirchenverwaltungsgebiet (TED) zählen rund 82.000 Adventisten in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Dänemark, Estland, Färöer Inseln, Finnland, Griechenland, Grönland, Grossbritannien, Irland, Island, Kanalinseln, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Polen, Schweden, Serbien, Slowenien, Ungarn und Zypern.

Die Adventisten sind als weltweite Kirche folgendermaßen organisiert: Mehrere Ortsgemeinden bilden eine „Vereinigung“ (etwa Deutschschweizerische Vereinigung) und mehrere Vereinigungen einen „Verband“ (etwa Norddeutscher Verband). Die Verbände, auch „Unionen“ genannt, vereinigen sich in der „Generalkonferenz“ als Weltkirchenleitung, die für geografische Gebiete auf kontinentaler Ebene Abteilungen, „Divisionen“ genannt, unterhält. Zurzeit gibt es weltweit 575 Vereinigungen, 114 Verbände und eine Generalkonferenz mit 13 Divisionen. Jede Division hat eine eigene Kirchenleitung samt Exekutivausschuss.

Frauen können nach ihrem Theologiestudium in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorin „gesegnet“ werden und damit fast alle Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vornehmen; doch ordiniert werden nur männliche Geistliche. Während die Ordination von Pastoren weltweit innerhalb der Freikirche Gültigkeit hat, können Frauen als Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung vornahm. Die Weltsynoden der Adventisten 1990 in Indianapolis/USA und 1995 in Utrecht/Niederlande hatten die Ordination von weiblichen Geistlichen mehrheitlich abgelehnt. Die Zulassung von Frauen, die als ordinierte Pastorinnen amtieren, ist außerhalb von Nordamerika, Westeuropa, China und Australien/Ozeanien, wo nur etwa 13 Prozent der weltweit rund 17 Millionen erwachsen getauften Mitglieder leben, äußerst umstritten.

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