Benedikt XVI., „Licht der Welt – Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit – Ein Gespräch mit Peter Seewald“, Herder Verlag, Freiburg, 2010, gebunden, 256 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-451 – 32537-3.

Ostfildern, 28.01.2012/APD   Im Interview mit dem Journalisten Peter Seewald sprach Benedikt XVI. über seine persönliche Sicht auf das Papstamt und die gegenwärtige Situation von Glaube und Kirche. Noch niemals vorher hat ein Papst auf kritische Fragen zu den drängenden Problemen in Kirche und Gesellschaft in dieser Form und so offen Rede und Antwort gestanden.

So erwartet er von seiner Kirche mit 1,2 Milliarden Gläubigen, dass sie sich nach den schrecklichen Missbrauchsfällen und Verirrungen einer Grundreinigung unterzieht. Es sei außerdem unerlässlich, endlich wieder das Geheimnis des Evangeliums, Jesus Christus, in seiner ganzen kosmischen Größe kennenzulernen. Benedikt XVI. sieht zudem in der Krise der Kirche eine riesige Chance, die Wiederentdeckung des eigentlich Katholischen. Die Aufgabe der Kirche heiße nun, den Menschen Gott zu zeigen und ihnen die Wahrheit über die Geheimnisse der Schöpfung, über die menschliche Existenz und über unsere Hoffnung, die über das rein Irdische hinausgeht, zu sagen.

Es gebe so viele Probleme, die aber nicht gelöst würden, wenn nicht im Zentrum Gott stehe und in der Welt neu sichtbar werde. An der Frage, ob der Gott Jesu Christi da ist und anerkannt werde, entscheide sich heute das Geschick der Welt, meint Benedikt XVI. Seewald empfindet ihn nicht als Kirchenfürst, sondern eher als Kirchendiener, als einen großen Gebenden. Die Frage Seewalds, ob der Papst Angst vor einem Attentat habe, lautet mit einem strikten Nein. Die Frage, ob er sich in einer Art Isolation befände, mußte Benedikt XVI. ebenfalls verneinen. Es fänden Besuche von Freunden aus alten Zeiten statt, und außerdem halte er die päpstliche Hausgemeinschaft für sehr wertvoll. Seine herzliche Beziehung zu den Juden – er spricht von Vätern im Glauben – ist für den Papst und seine Verkündigung des christlichen Glaubens sehr wesentlich. Nach Benedikt XVI. wird die Ökumene sehr bald das auffälligste Zeichen dieses Pontifikats.

Dr. Wolfgang Tulaszewski
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