Halle/Saale, 26.02.2012/APD   In ihrem Gottesdienst am 25. Februar gedachte die Adventgemeinde Halle/Saale mit einer Schweigeminute an die Opfer der Neonazimorde in Deutschland. „Bundeskanzlerin Merkel rief in ihrer Ansprache die Gesellschaft auf, gegen jede Form von Intoleranz und Ausgrenzung einzutreten, denn aus Worten können Taten werden“, betonte Gottesdienstleiterin Gabriele Rochotzki in ihren Einleitungsworten zum Gedenken. Ausländerfeindlichkeit sei keine Erscheinung der Neuzeit oder begrenzt auf Deutschland. Selbst in der Bibel gebe es Hinweise darauf. „Was können wir aber selbst dagegen tun?“, fragte sie. „Liebe Gott und liebe deinen Nächsten.“ Dieses Gebot Jesu hänge nicht von Hautfarbe oder Glauben des anderen ab, sondern gelte für alle Menschen.

Um dem Vergessen zu wehren, wurde der Gemeinde der Stolperstein für Johannes Hanselmann vorgestellt. Hanselmann war 1940 als Adventist wegen verbotener religiöser Betätigung von den Nazis in einem Sonderverfahren am Landgericht Halle verurteilt und ins KZ Sachsenhausen eingeliefert worden, wo er 1942 im Alter von 50 Jahren starb. Der Stolperstein soll demnächst verlegt werden.

Der Präsident der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Nord- und Ostdeutschland, Pastor Klaus van Treeck (Hannover), verwies im Gottesdienst auf seinen Großvater. Dieser habe sich geweigert, den „Deutschen Gruß“ mit „Heil“ zu verwenden, „da er sein Heil nur in seinem Heiland Jesus Christus sah“. Auch seinen heiligen Ruhetag, den Sabbat der Bibel, hätte er sich nicht nehmen lassen und deshalb am Samstag die Arbeit verweigert. „Dies brachte ihm eine Zuchthausstrafe ein mit Überstellung ins KZ Sachsenhausen, was er Gott sei Dank überlebte.“

Das Gedenken schloss mit einem Gebet für die Opfer des Terrors und ihrer Angehörigen.
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