Süddeutsche Adventisten wählen Freikirchenleitung

Darmstadt | 8. Mai 2012 | APD |

Darmstadt, 08.05.2012/APD   Pastor Günther Machel (63) bleibt Präsident des Süddeutschen Verbandes der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Er übt das Amt seit 2002 aus. Die in Darmstadt am 6. Mai tagenden 265 Delegierten der drei regionalen Freikirchenleitungen Bayern, Baden-Württemberg und Mittelrhein (Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) wählten Machel mit 228 Ja- und 36 Nein-Stimmen. Zum Süddeutschen Verband mit Sitz in Ostfildern bei Stuttgart gehören 15.384 erwachsen getaufte Mitglieder in 219 Kirchengemeinden.

Stellvertretender Präsident und Sekretär (Geschäftsführer) wurde mit 228 Ja- und 25 Nein-Stimmen Pastor Jochen Streit (46), bisher Jugendabteilungsleiter im Süddeutschen Verband. Er löst Pastor Dietrich Müller (58) ab, der nach 18 Jahren als Sekretär darum bat, ihn von dem Amt zu entbinden. Mit 237 Ja- und 23 Nein-Stimmen wurde der Schatzmeister Pastor Werner Dullinger (49) wiedergewählt. Neuer Abteilungsleiter für Kinder, Pfadfinder und Jugend ist Pastor Ruben Grieco (39), bisher Seelsorger der adventistischen Jugendkirche "Livingroom" in Mainz. Neu ist auch Pastor Stephan Igler (47) in der Leitung der Abteilung Predigtamt. Er tritt die Nachfolge des neuen Vorstehers der Freikirchenleitung Mittelrhein, Pastor Norbert Dorotik, an. Angelika Pfaller (56) löst Ingrid Naumann ab, die 19 Jahre der Abteilung Frauen vorstand und in den Ruhestand ging. Heinz Schlumpberger übernimmt ehrenamtlich die Abteilung Erziehung und Bildung. Zudem beschlossen die Delegierten die Gründung einer Abteilung Familie.

Die Delegierten des Norddeutschen Verbandes mit Sitz in Hannover, der die Adventisten in Nord- und Ostdeutschland umfasst, hatten bei ihrer Abgeordnetenversammlung am 22. und 23. April in Geseke bei Paderborn beschlossen, darauf hinzuwirken, dass sich bis 2017 der Nord- und Süddeutsche Verband zu einem einzigen deutschen Verband vereinigen solle. Die Delegierten des Süddeutschen Verbandes beschlossen jedoch in Darmstadt mit 135 Ja- und 129 Nein-Stimmen, dieses Anliegen nicht auf ihre Tagesordnung zu nehmen. 1992 hatte sich der damalige West- und Ostdeutsche Verband der Adventisten zum Norddeutschen Verband zusammengeschlossen. Bemühungen, einen gesamtdeutschen Verband zu bilden, sind bis heute gescheitert.

Die Delegierten des Norddeutschen Verbandes hatten in Geseke mit 160 Ja- und 47-Nein-Stimmen außerdem den Beschluss gefasst, Pastorinnen, wie ihre männlichen Kollegen zu ordinieren. Auch den Delegierten des Süddeutschen Verbandes lag ein diesbezüglicher Antrag vor. Er wurde jedoch mit 101 Ja- und 128 Nein-Stimmen abgelehnt. Vor der Abstimmung hatte Tagungsleiter Tobias Koch, der an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg Rechtswissenschaften lehrt, die Delegierten in Darmstadt darauf hingewiesen, dass die Ordination von Geistlichen in der Freikirche weltweit gültig sei und darüber deshalb auch nur eine adventistische Weltsynode entscheiden könnte. Ein positiver Beschluss in dieser Sache würde daher durch die süddeutschen Delegierten nichts am Status von Pastorinnen ändern.

Frauen können nach ihrem Theologiestudium in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorin "gesegnet" werden und damit fast alle Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vornehmen; doch ordiniert werden nur männliche Geistliche. Damit ist Pastorinnen auch das Amt des Präsidenten und seines Stellvertreters einer regionalen oder überregionalen Freikirchenleitung verwehrt, das eine Ordination erfordert.

Während die Ordination von Pastoren weltweit innerhalb der Freikirche Gültigkeit hat, können Frauen als Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung praktiziert. Die Weltsynoden der Adventisten 1990 in Indianapolis/USA und 1995 in Utrecht/Niederlande hatten die Ordination von weiblichen Geistlichen mehrheitlich abgelehnt. Die Zulassung von Frauen, die als ordinierte Pastorinnen amtieren, ist außerhalb von Nordamerika, Westeuropa, China und Australien/Ozeanien, wo nur etwa 13 Prozent der weltweit rund 17 Millionen erwachsen getauften Mitglieder leben, äußerst umstritten.

Wie die norddeutschen Delegierten beschlossen aber auch die süddeutschen Abgeordneten, der Theologischen Hochschule der Siebenten-Tags-Adventisten Friedensau bei Magdeburg den Auftrag zu erteilen, eine Übersicht der adventistischen Forschung der letzten Jahre wegen der Ordination von Frauen zu erarbeiten. Ähnlich hatte bereits 2010 die Weltsynode in Atlanta/USA gehandelt. Sie erteilte der adventistischen Andrews Universität in Berrien Springs, Michigan/USA, einen Forschungsauftrag zum Begriff Ordination. Es solle geklärt werden, wie die Freikirche in einer sich ändernden Welt mit Ordinationen umgehen müsse. Im Hintergrund steht die Frage, ob die bisherige Praxis, nur Männer zum Pastorenamt zu ordinieren, die Bibel im vollen Umfang abdecke. Die Ordinationsfrage soll daher ein Thema der nächsten Weltsynode im Jahr 2015 sein.

Die Delegierten des Nord- und Süddeutschen Verbandes tagen nur alle fünf Jahre. Sie nehmen die Rechenschaftsberichte über die Arbeit der letzten fünf Jahre entgegen und erteilen den Verantwortungsträgern Entlastung. Sie wählen die künftige Freikirchenleitung und beschließen über Anträge. Außerdem erstellen sie Rahmenrichtlinien für die Arbeit in den kommenden fünf Jahren.

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