Florenz/Italien, 23.09.2012/APD   „Wir wollen nicht Flüchtlinge sein, sondern in Frieden und mit vollen Rechten und Pflichten in unserem Land leben“, sagte die aus der syrischen Stadt Homs stammende Generalsekretärin der Evangelischen Kirchen im Nahen Osten, Rosangela Jarjour, in Florenz vor der 7. Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Noch nie hätten Christen eine „so schlimme Situation“ erlebt. Die Zukunft der Christen im Nahen Osten sei massiv gefährdet und von Angst bestimmt. Christen, die vorher in Sicherheit lebten, müssten nun erfahren, dass sie nicht mehr ihre Religion ausüben könnten und ihnen persönliche Freiheitsrechte oder das Rederecht „weggenommen werden. Alles was vorher säkular war, wird nun islamisiert“. Allein in Ägypten seien über 50.000 Christen seit Beginn der Revolution geflohen. In Homs sei ihre Familie gezwungen worden, die Heimatstadt zu verlassen. „Christen haben ihre Häuser, Geschäfte und Kirchen verloren. Es wurde geplündert, vieles ruiniert oder verbrannt“, berichtete Jarjour, die den Delegierten auch Bilder von zerstörten Kirchen in Syrien zeigte.

An die Kirchen im Westen appellierte Jarjour, „ihre prophetische Stimme zu erheben und nicht einfach ihren Regierungen zu folgen“. Es gehe darum, „auch in Syrien nach der Wahrheit zu forschen und mehr zu sehen als das, was im Fernsehen gezeigt wird“, meinte die Generalsekretärin der „Fellowship of Middle East Evangelical Churches“, die rund zwei Millionen Mitglieder aus 17 lutherischen, reformierten und anglikanischen Kirchen repräsentiert. Im Nahen Osten hätten Christen das Gefühl, „dass der Westen sie vergisst“. Doch „der Rest der Christen wird ausgelöscht, wenn das so weitergeht“, warnte Jarjour.

Die in Syrien friedlich begonnenen Proteste seien schnell in Gewalt übergegangen. „Viele von uns glauben nicht, dass dies von Menschen innerhalb des Landes kommt.“ Anfangs wären Christen und Muslime gemeinsam auf die Straße gegangen, doch als die Gewalt zunahm, hätten sich viele Christen von der Straße zurückgezogen. „Das war keine Bewegung des Volkes mehr. Syrien wurde zum Spielfeld für alle möglichen Kräfte von außen“, stellte die Generalsekretärin fest. Sie zeigte sich überzeugt, dass „Demokratie nicht durch Waffen und Geld aus Saudiarabien oder Quatar geschaffen werden kann“.

„Kein einziger Christ“ sei mit den Entwicklungen in Syrien einverstanden. Persönlich stehe sie „für eine friedliche Lösung. Wer immer auch Syrien regieren wird, soll uns Christen einfach Freiheit einräumen, Sicherheit geben und Frieden ermöglichen“. Eindringlich unterstrich die gebürtige Syrerin, die nun am Sitz der „Fellowship of Middle East Evangelical Churches“ in Beirut/Libanon tätig ist, den Wunsch vieler Christen, im Land zu bleiben. Bevor die Christen nicht „die Agenda der neuen Regierenden kennen, wie sie zukünftig behandelt werden“, würden sich viele, die unter Assad unbeeinträchtigt lebten , nicht auf ungewisse Verhältnisse einlassen wollen.

Zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) – Leuenberger Kirchengemeinschaft haben sich 106 protestantische Kirchen in Europa zusammengeschlossen. Lutherische, reformierte, unierte, methodistische und vorreformatorische Kirchen gewähren einander durch ihre Zustimmung zur Leuenberger Konkordie von 1973 Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft.
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