Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt, 13.10.2014/APD   Auf 50 Jahre Tätigkeit blicken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Blindenhörbücherei des Medienzentrums „Stimme der Hoffnung“ der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zurück. Seit 1964 können bei ihr kostenlos Hörbücher ausgeliehen werden. Heute verschicken die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der in Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt ansässigen Blindenhörbücherei jährlich 24.000 CDs und 6.000 Kassetten an 2.430 Hörerinnen und Hörer in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie nach Übersee.

Von Anfang an war Literatur mit christlichem Hintergrund der Schwerpunkt des Programms. „Das wird von unseren Hörerinnen und Hörern sehr geschätzt, auch von denen, die keiner Kirche angehören“, betonte der Leiter der Blindenhörbücherei, Pastor Andre Thäder. Als Tonträger dienten überwiegend CDs im für Blinde entwickelten DAISY-Format, Audio-CDs sowie Tonbandkassetten, die meist von älteren oder mehrfach behinderten Menschen genutzt würden. Die Blindenhörbücherei arbeite überkonfessionell, denn ihre Hörer kämen aus allen Kirchen und Glaubensgemeinschaften.

Für den persönlichen Kontakt zu Betroffenen und um mit deren Anliegen vertraut zu bleiben, führe die Blindenhörbücherei jährliche Veranstaltungen durch. Dazu zählten laut Thäder regionale Begegnungstage und die Durchführung einer Blindenfreizeit im Auftrage des Advent-Wohlfahrtswerkes. Auch die Mitgliedschaft in der „Mediengesellschaft für blinde und sehbehinderte Menschen e.V.“ (Medibus) und die regionale Zusammenarbeit mit dem „Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen“ (Landesstelle und Bezirksgruppe Darmstadt-Südhessen), der „Blindenseelsorge der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau“ sowie der Seniorenbetreuung der Stadt Darmstadt fördere das Verständnis für die Bedürfnisse der Betroffenen bei der Blindenhörbücherei.

Es begann mit einem Tonband
Schon 1953 hatte Pastor Tristan Böttcher damit begonnen, Literatur des Adventverlages für ein blindes Mitglied seiner Ortsgemeinde auf Tonband zu lesen. Bald kamen andere dazu. Auch als er 1962 frühzeitig in Rente ging, machte er an seinem neuen Wohnort weiter. Weil die Arbeit immer mehr anwuchs, musste er diesen Dienst abgeben. Etwa 1966 übernahm zunächst die Mitteleuropäische Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Darmstadt die Aufgabe, 1970 dann das damals noch kleine Radiostudio der „Stimme der Hoffnung“.

Offizieller Beginn 1964 in der DDR
Parallel dazu wurde in der DDR ein ähnlicher Dienst begonnen. Pastoren erstellten Tonbandaufnahmen von Zeitschriften und Büchern für ihre Gemeindemitglieder. Pastor Manfred Böttcher, der Sohn von Tristan, war damals Präsident der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der DDR. Er unterstützte die Idee, im Ort Friedensau bei Magdeburg einen zentralen Blindenhördienst einzurichten. Er sollte die Möglichkeiten der dort schon existierenden Bildstelle nutzen. Am 12. Oktober 1964 wurde der offizielle Beschluss dafür durch die Kirchenleitung gefasst, sodass die Blindenhörbücherei seitdem 50 Jahre besteht. Pastor Hermann Kobs übernahm die Leitung des Dienstes.

Bereits 1963 wurde der von Adventisten getragene „Verein Blindendienst“, damals in Basel, heute in Zug/Schweiz, gegründet, der christliche Literatur in Punktschrift anbietet und damit einen anderen Interessentenkreis anspricht. Bis heute bestehe eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Diensten in Deutschland und der Schweiz, so Andre Thäder.

In Darmstadt wurde 1987 mit der Berufung von Pastor Helmut Kraus eine offizielle Abteilung innerhalb des Medienzentrums der „Stimme der Hoffnung“ geschaffen. Davor organisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses die Aufnahmen, das Kopieren und den umfangreichen Versand. Vor allem Schüler des nahegelegenen adventistischen Schulzentrums Marienhöhe lasen Bücher und Zeitschriften.

Sowohl von Friedensau als auch von Darmstadt aus wurden Tonbänder an einen wachsenden Hörerkreis geschickt. In Friedensau boten Helfer ab 1981 auch 2-wöchige Rüstzeiten für Blinde und Sehbehinderte an. Eine Idee, die dann 1988 auch für die Hörer in der Bundesrepublik umgesetzt wurde. Die Wende im Jahr 1989 sowie die spätere Zusammenlegung der Hörbüchereien im Jahr 1992 führten Menschen aus beiden Teilen Deutschlands sowie aus Österreich und der Schweiz zusammen.

Mit kleinem Team eine große Arbeit
Von 1976 bis 2011 waren in Darmstadt und später am neuen Standort in Alsbach-Hähnlein insgesamt 125 Zivildienstleistende im Einsatz und ein wichtiger Teil des Teams, betonte Pastor Andre J. Thäder, der seit 2006 die Blindenhörbücherei leitet. Inzwischen habe sich die Technik verändert, vom Tonband ging es über die Kassette zur CD. Mittlerweile nutzten viele Hörer die aktuellen DAISY-CDs. Diese Technik erleichtere besonders das Hören von Büchern mit langen Laufzeiten oder von Abonnements mit vielen Artikeln.

Zurzeit bestehe das Team aus einem vollzeitlich angestellten Abteilungsleiter, einer Sachbearbeiterin, die auch Aufgaben in anderen Bereichen des Medienzentrums wahrnehme, einem Tontechniker mit einer halben Stelle, zwei Leserinnen mit je zehn Stunden pro Woche, die auch beim Versand mit anpackten. Drei Damen seien ehrenamtlich an je einem Vormittag in der Woche mit den Aufnahmen beschäftigt. Das kleine Team verleihe zurzeit mehr als 500 Buchtitel und verschicke regelmäßig elf Zeitschriften-Abonnements an 2.430 Hörerinnen und Hörer.

Zusätzliche Dienstleistungen
Zusätzlich zu den eigenen Produktionen und Angeboten der Blindenhörbücherei in Darmstadt würden auch Dienstleistungen für andere Einrichtungen erbracht, so Thäder. Das habe im September 1988 mit Kopier- und Versandarbeiten für die Stadt Darmstadt begonnen. Die Info-Kassette „Darmstadt aktuell“ werde von den Darmstädter Tonband- und Stereofreunden e.V. wöchentlich erstellt sowie von der Blindenhörbücherei kopiert und verschickt. Seit Juli 2001 gebe es einen ähnlichen Dienst mit dem vierteljährlichen „Gemeinsam“ der Bezirksgruppe Darmstadt/Südhessen des Blindenbundes. Von Dezember 2002 bis Juli 2013 sei die zweimonatliche Ausgabe des „Hessenecho“ der Landesstelle des Blinden- und Sehbehindertenbundes Hessen e.V. dazugekommen. Für die Sehbehinderten- und Blindenseelsorge der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau würden seit 2005 jährlich drei bis vier gesprochene Rundbriefe kopiert. Weitere Informationen unter www.blindenhoer-buecherei.de

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