Belgrad/Serbien, 25.08.2014/APD   Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Serbien eröffnete am 24. August gemeinsam mit andern NGOs ein Asyl-Informationszentrum im Stadtzentrum von Belgrad. Mittels mobilen Informationsteams sowie im täglich geöffneten Zentrum werden Flüchtlingen verlässliche Informationen über das serbische Asylverfahren und über Asylaufnahmezentren vermittelt. Sie erhalten dort psychosozialen Beistand und über frei zugängliche Computer auch kostenlosen Internetzugang. Das teilten die Hilfswerke ADRA Serbien und ADRA Schweiz mit. ADRA ist gemeinsam mit dem Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge UNHCR Trägerorganisation des Projekts.

Mit dem Start eines täglich geöffneten Asyl-Informationszentrums im Stadtteil Savski Venac in Belgrad wolle man den Flüchtlingen verlässliche Informationen zum Asylwesen und zu serbischen Asylaufnahmezentren vermitteln. Damit wolle man die Flüchtlinge von Schleppern und anderen Akteuren, die Profit aus dem Elend der Flüchtlinge schlagen wollten, unabhängig machen, teilte ADRA Serbien mit. Zusätzlich würden auch mobile Informationsteams an den Brennpunkten eingesetzt. Laut ADRA Schweiz werde im Informationszentrum auch psychosoziale Unterstützung angeboten, da ein Teil der Flüchtlinge traumatisiert sei.

„Die Informationsarbeit hat Anfang August begonnen“, sagte Igor Mitrovic, Geschäftsleiter von ADRA Serbien. „Wir haben bereits 2.000 Personen über ihre Rechte und das Asylverfahren informiert und sie bei Kontakten mit Ärzten, der Polizei und zu anderen Stellen begleitet“, so Mitrovic. Beim Informationszentrum könnten die Einwohner von Belgrad auch Hilfsgüter für die Flüchtlinge abgeben.

Das Zentrum umfasst nach Angaben von ADRA Serbien einen 120 Quadratmeter großen Raum mit umlaufender Galerie, welcher von den Behörden des Stadtbezirks Savski Venac zur Verfügung gestellt wird. Laut Mitrovic ist ein weiterer Informationsstützpunkt direkt beim stark frequentierten Park des Busbahnhofs geplant und später eine Tagesstruktur für Frauen und Kinder.

Sprachprobleme als größtes Hindernis
Laut ADRA Serbien sind die ersten Übersetzer aus den Herkunftsländern der Flüchtlinge rekrutiert worden, die auch fließend Serbisch sprechen. Alle relevanten Informationen sollen in sechs Sprachen zur Verfügung stehen: Arabisch, Urdu, Farsi, Paschtu, Englisch und Französisch. Viele Flüchtlinge übernachteten temporär in Wohnungen, welche sie sich teilten, so ADRA Schweiz. Das führe gelegentlich zu Spannungen mit den Anwohnern, da die Flüchtlinge die üblichen Gepflogenheiten nicht kennen und deshalb auch nicht respektieren würden. Die sechssprachigen Informationsblätter sollen helfen, die Spannungen mit der lokalen Bevölkerung abzubauen.

Immer mehr Flüchtlinge auf der Westbalkan-Route
2011 haben nach Angaben von ADRA Schweiz 3.139 Menschen Asyl in Serbien beantragt. 2014 seien es schon 16.490 Menschen gewesen und in den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 liege die Zahl der Asylanträge in Serbien bei 37.391. Es werde geschätzt, dass sich rund 30 Prozent der Flüchtlinge auf der Westbalkan-Route nicht in Serbien registrieren lassen, sondern möglichst bald über Ungarn in ein anderes EU-Land weiterreisen wollten.

Projektpartner
ADRA Serbien arbeitet laut eigenen Angaben bei diesem Projekt eng mit den Behörden des Stadtteils Savski Venac, dem Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge UNHCR, dem Belgrader Zentrum für Menschenrechte sowie mit der Nichtregierungsorganisation Klikaktiv zusammen. Ein Teil der Projektkosten wird von ADRA Schweiz getragen.

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