Sich schützend vor Minderheiten stellen

Friedensau bei Magdeburg | 12. Oktober 2015 | APD |

In einer Feierstunde am 11. Oktober erhielten 38 Absolventen der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg die Urkunden über die ihnen verliehenen akademischen Grade. In der Festansprache rief der Principal (Rektor) des adventistischen Newbold College in Bracknell (westlich von London), Dr. John Baildam, die Absolventen auf, für andere da zu sein.

Baildam betonte, dass die Friedensauer Hochschule sich zwar als „theologisch“ bezeichne, aber nicht nur Theologen, sondern im Fachbereich „Christliches Sozialwesen“ auch Studierende für soziale Berufe ausbilde. Wobei auch Theologen in ihrer Tätigkeit für den Menschen da sein sollten. Er erinnerte daran, dass in Friedensau Studierende aus über 30 Ländern eingeschrieben seien. Das lasse eine große kulturelle Vielfalt erkennen.

Sich gegen Ausländerfeindlichkeit wehren
Gerade Christen sollten sich, so Baildam, gegen Ausländerfeindlichkeit wehren und helfen, kulturelle Missverständnisse aufzuklären. Sie könnten sich keine Vorurteile gegen andere leisten, nur weil sie anders seien: anders durch eine andere Hautfarbe, Sprache und Kultur sowie durch einen anderen Gott oder ein anderes Verhalten. Niemand sollte sich über den andern erheben, sondern den andern höher achten als sich selbst, wie schon der Apostel Paulus in seinem Philipperbrief schreibt.

„Wir dürfen nie vergessen, dass wir nicht immer Recht haben“, gab Baildam zu bedenken. Deshalb gelte es, Verständnis gegenüber jenen zu zeigen, die andersartig oder auch anderer Meinung seien. Fanatiker, die an ihrem Glauben derart festhielten, dass sie Andersgläubige nicht tolerierten, handelten nicht menschlich. Doch Christen müssten in ihrem Land durch Menschlichkeit auffallen. Sie sollten am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und sich schützend vor Minderheiten stellen.

Bachelor- und Mastergrade verliehen
Insgesamt wurden 38 Studierende aus neun Ländern in den Bereichen Theologie und Sozialwesen mit einem Bachelor (B.A.) oder Master (M.A.) graduiert. Dr. Stefan Höschele, Dekan des Fachbereichs Theologie, übergab Urkunden an zwei B.A. und sieben M.A. in Theologie sowie an vier Master of Theological Studies (M.T.S.). Letztere stammen aus Kenia, Tansania und Nigeria. Dr. Horst Rolly, Dekan des Fachbereichs Christliches Sozialwesen, übergab Diplome an neun B.A. in Soziale Arbeit und vier B.A. in Gesundheits- und Pflegewissenschaften. M.A. erhielten zwei Graduierte in Counseling (Beratung), eine in Musiktherapie, drei in Sozial- und Gesundheitsmanagement sowie sechs in International Social Sciences. Von den letztgenannten Absolventen stammt nur einer aus Deutschland, die anderen kommen aus Äthiopien, Kenia, der Republik Moldau und Tansania.

DAAD-Preis an Absolvent aus Tansania verliehen
Der Prorektor der Theologischen Hochschule Friedensau, Dr. phil. habil. Thomas Spiegler, verlieh den diesjährigen Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an Peter Joseph Bulengela. Er stammt aus Tansania und ist Absolvent des Masterstudiengangs Counseling an der Theologischen Hochschule Friedensau. Er erhält diesen mit 1.000 Euro dotieren Preis für besondere akademische Leistungen und sein interkulturelles Engagement. Bulengela arbeitete bereits neben seinem Studium als Sozialarbeiter in der Migrationsberatungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Burg bei Magdeburg. Seine hervorragenden Sprachkenntnisse in Deutsch, Englisch, Swahili und Sukuma leisten ihm, der als Kind mit seinen Eltern bereits fünf Jahre in Deutschland verbracht hatte, sehr gute Dienste. Beim DRK ist er in der Betreuung von Flüchtlingen tätig, die überwiegend aus dem Nahen Osten, insbesondere aus Syrien und Afghanistan kommen. Der DAAD-Preis, der seit mehr als zehn Jahren vergeben wird, ist dafür eingerichtet worden, um die Leistungen der ausländischen Studierenden an deutschen Hochschulen zu würdigen.

Konzert zum Studienjahresbeginn
Bereits am Vortag wurden in Friedensau in einem Gottesdienst etwa 40 neue Studierende willkommen geheißen. Außerdem gab es am Nachmittag das traditionelle Konzert zum Studienjahresbeginn der Theologischen Hochschule Friedensau. Die Ausführenden waren das Kammerorchester der Hochschule unter der Leitung von Jürgen Hartmann (Berlin). Auf dem Programm standen „Schwedische Kostbarkeiten“; gemeint war damit die Musik der Komponisten Per Brant (1714–1767) und seine Sinfonia in D, Hinrich Philip Johnsen (1717–1779), mit dem Konzert in F für 2 Fagotte und Streicher, sowie Ludvig Norman (1831–1885), mit der Konzert-Ouvertüre Es-Dur op. 21. Die Schwedischen Tänze op. 63 von Max Bruch (1838–1920) beschlossen die musikalische Hommage an den Norden Europas. Vor über 50 Jahren wurde das Orchester von Professor Wolfgang Kabus ins Leben gerufen, der es bis 1999 leitete. Es setzt sich aus Berufsmusikern, Musiklehrern und Laien zusammen, die in musikalisch vielfältigen Konzerten ihr Können unter Beweis stellen.

Die 1899 gegründete staatlich anerkannte Theologische Hochschule Friedensau umfasst die beiden Fachbereiche Christliches Sozialwesen und Theologie mit einer Anzahl wissenschaftlicher Institute. Hier können die Studiengänge B.A. Soziale Arbeit und B.A./M.A. Theologie, M.A. Sozial- und Gesundheitsmanagement, M.A. Counseling, Master of Theological Studies, M.A. Musiktherapie sowie M.A. International Social Sciences belegt und ein duales B.A.-Studium Gesundheits- und Pflegewissenschaften sowie ein Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ absolviert werden. An der Hochschule sind rund 200 Studierende aus über 30 Ländern eingeschrieben.

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