Adventistische Theologieprofessoren geben Legitimation als „ordinierte“ Pastoren zurück

Roseville, Kalifornien/USA | 19. Oktober 2015 | APD |

Neun Theologieprofessoren der adventistischen Andrews-Universität in Michigan/USA haben als Reaktion auf den ablehnenden Beschluss der Weltsynode 2015 (Generalkonferenz-Vollversammlung) der Siebenten-Tags-Adventisten zur Frauenordination ihre Legitimationen (Beglaubigungen) als „ordinierte“ Pastoren an die Weltkirchenleitung zurückgegeben. Die Professoren haben gebeten, Legitimationen als „beauftragte“ Pastoren wie adventistische Pastorinnen ausgestellt zu erhalten. Dies berichtete SPECTRUM, Zeitschrift der Vereinigung adventistischer Foren (AF).

Am 8. Juli hatten es die rund 2.300 Delegierten der adventistischen Weltsynode 2015 (Generalkonferenz-Vollversammlung) in San Antonio, Texas/USA mit rund 40 zu 60 Prozent abgelehnt, den weltweit dreizehn teilkontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen) die Kompetenz zu erteilen, adventistische Pastorinnen in ihrem Verwaltungsgebiet zum Pastorendienst zu ordinieren.

Jeder der neun Professoren habe nach Angaben von Pastor Jiří Moskala, Dekan des Theologischen Seminars, individuell ein entsprechendes Schreiben an den Generalsekretär der Weltkirchenleitung, G. T. Ng, gerichtet, da die Andrews University, das „Flaggschiff“ adventistischer Ausbildungsstätten, eine Institution der Weltkirchenleitung ist. Die zurückgesandten Legitimationen laufen Ende Dezember 2015 aus und müssen erneuert werden.

Die in den Schreiben angegebenen Gründe variierten, so Moskala. Die Professoren erlebten die gegenwärtige Ordinationspraxis als eine sakramentale Ermächtigung, die das männliche Geschlecht voraussetze und nicht als Segnung für geschelchtsunabhängige, geistliche Gaben, wie dies die Adventisten immer gelehrt hätten.

Einige Theologen hätten laut Jiří Moskala darauf hingewiesen, dass Ordination Teil der Arbeitsrichtlinien der Kirche sei und kein Artikel der 28 adventistischen Glaubensüberzeugungen, wie dies heute den Anschein habe. Für sie sei dieser Antrag auf Auswechslung der Legitimationsbezeichnung eine Frage des Gewissens sowie der Aufrichtigkeit und ergebe sich aus einem tiefen Gefühl der Ungerechtigkeit und Unfairness Kolleginnen gegenüber, die als Pastorinnen dienten.

Adventistische Pastorinnen: Segnung aber keine Ordination
Adventistische Frauen können nach der Entscheidung der Weltsynode weiterhin nach ihrem mehrjährigen Theologiestudium in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorinnen „gesegnet“ und damit beauftragt werden, Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vorzunehmen; doch ist diese Vollmacht örtlich begrenzt. Während die Ordination von Pastoren innerhalb der Freikirche weltweit Gültigkeit hat, dürfen gesegnete Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung auch praktiziert. Ordiniert zum weltweiten Dienst werden lediglich männliche Geistliche. Nur sie dürfen in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes“/“Union“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung) berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig ist.

Reaktionen auf Beschluss der Weltsynode in Europa
Nach der Entscheidung der adventistischen Weltsynode 2015 zur Kompetenzregelung bezüglich der Frauenordination haben die überregionalen Kirchenleitungen (Unionen) in Dänemark, Italien, den Niederlanden und Norwegen auf unterschiedliche Weise reagiert.

Norwegen
Am 20. September hat der Exekutivausschuss der nationalen, adventistischen Kirchenleitung in Norwegen (NORUC) beschlossen, zukünftig keine Pastoren mehr zu ordinieren. Sowohl Pastoren als auch Pastorinnen sollen mit einem Fürbittgebet in den vollen Pastorendienst eingeführt werden.

Dänemark
Der Exekutivausschuss der Adventisten in Dänemark (DUChC) hat am gleichen Tag beschlossen, nach Abschluss der Pastoralassistenzzeit ausschließlich den Begriff „Pastor/Pastorin“, ohne die Bezeichnung „ordiniert“ oder „gesegnet“, gleichermaßen für Männer und Frauen zu verwenden.

Niederlande
Adventisten in den Niederlanden wollen Frauen auch in Zukunft ordinieren. In einer Erklärung nach dem Beschluss der Weltsynode hält die niederländische Kirchenleitung fest: „Die Delegierten der adventistischen Kirchgemeinden in den Niederlanden haben im Herbst 2012 beschlossen, Frauen in gleicher Weise wie ihre männlichen Kollegen zum Pastorendienst zu ordinieren. Dieser Beschluss trat im Juni 2013 in Kraft und bleibt es weiterhin. Die Entscheidung der Generalkonferenz-Vollversammlung von San Antonio ändert daran nichts.“

Italien
Die Kirchenleitung der Adventisten in Italien (UICCA) hat am 16. September „ein respektvolles, aber starkes Zeichen des Dissenses und des Protests“ gegenüber der Entscheidung der adventistischen Weltsynode 2015 (Generalkonferenz-Vollversammlung) zur Frauenordination publiziert und geeignete administrative Maßnahmen angekündigt.

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