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Gibt es Gott?

Die Ausführungen von William Lane Craig gründeten auf zwei Kernthesen. Erstens: „Es gibt gute Argumente für die Existenz Gottes“ und zweitens: „Es gibt keine vergleichbar guten Argumente gegen die Existenz Gottes“. Die erste Grundannahme untermauerte Craig mit der Aussage, Gott sei die beste Erklärung für die Frage, warum überhaupt etwas existiere. Ferner sei er die beste Erklärung für den Ursprung des Universums, die Feinabstimmung des Universums zur Ermöglichung intelligenten Lebens, für objektive moralische Werte und Pflichten und für die historischen Fakten über Jesus von Nazareth.

Ansgar Beckermann verfolgte mit seinen Ausführungen zwei Ziele. Zum einen wollte er durch kritische Anfragen an Craigs Thesen zeigen, dass sie nicht so gut begründet seien, wie behauptet. Zum zweiten zeige das Problem des Übels laut Beckermann, dass es einen guten und allmächtigen Gott im Sinne des Christentums nicht geben könne. Das immense Leid in der Geschichte dieser Welt lasse eher den Schluss zu, dass ihr „Schöpfer“ ein Gott zweiter Klasse sei, der sein Handwerk nicht gut verstanden habe – ein „Demiurg“. Er optiere jedoch für eine Sichtweise, die ganz ohne einen übernatürlichen Ursprung des Universums auskomme. „Was spricht für die Existenz Gottes oder anderer übernatürlicher Kräfte? Nüchtern gesehen nichts“, schreibt Beckermann in seinem jüngsten Buch „Glaube“.

In Eröffnungsstatement, zweimaliger Erwiderung und Abschlussrede versuchten beide Professoren, die Argumente des jeweiligen Kontrahenten aufzugreifen und kritisch zu hinterfragen. Im Anschluss an die engagierte, aber dennoch faire und sachliche Debatte, gab es die Möglichkeit, aus dem Publikum Fragen an die Referenten zu stellen.

Dr. Ansgar Beckermann war von 1995 bis 2010 Professor für Philosophie an der Universität Bielefeld. Von 2000 bis 2006 war er Präsident der Gesellschaft für Analytische Philosophie. Sein Buch „Glaube“ erschien im Jahr 2013 im De Gruyter Verlag.

Dr. William Lane Craig ist Professor für Philosophie an der Talbot School of Theology der Biola University in La Miranda, Kalifornien/USA. Von 1999 bis 2006 war er Präsident der Philosophy of Time Society. Sein Buch „On Guard: Mit Verstand und Präzision den Glauben verteidigen“ ist vor kurzem auch auf Deutsch erschienen.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Christlichen Veranstaltungs- und Mediendienst e.V. mit Sitz in Neuried bei München. Die Debatte soll demnächst auf www.cvmd.eu als Online-Video erscheinen.

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Bericht zur Religionsfreiheit 2015 in 223 Ländern und Territorien

Der seit 1999 neunte erschienene und nach 223 Ländern und Territorien gegliederte globale Bericht zur Religionsfreiheit sei aus dem Blickwinkel einer religiösen Minderheit verfasst worden, zu der die weltweit 18,8 Millionen Siebenten-Tags-Adventisten in vielen Ländern gehörten, teilte Adventist Review (AR, nordamerikanische Kirchenzeitschrift) mit.

Da die evangelische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten den biblischen Ruhetag, den Sabbat (Samstag), feiert, gehe es im Bericht auch um die Gewährung der Sabbatfreiheit für adventistische Schüler, Studenten und Angestellte in allen Ländern der Welt.

Religiöser Fundamentalismus schränkt oft Religionsfreiheit ein
Laut dem Bericht litten Adventisten und andere religiöse Minderheiten in Zentralasien sowie in Ländern mit starkem religiösem Fundamentalismus, egal ob hinduistischer, buddhistischer oder moslemischer Ausprägung, unter besonders bedrückenden Verhältnissen.

Düstere Situation trotz weltweiter Förderung der Religionsfreiheit
„Trotz einer beispiellosen globalen Mobilisierung zur Förderung der Religionsfreiheit bleibt der Zustand der Religionsfreiheit in der Welt düster“, und es gebe Millionen von Menschen, die darunter litten, sagte Pastor Ganoune Diop, Direktor der Abteilung für Außenbeziehungen und Religionsfreiheit der adventistischen Weltkirchenleitung bei der Präsentation des Berichts. „Es sind dies Männer und Frauen, die sich bewusst entschieden haben, treu zu ihrem Glauben und Gewissen zu stehen, sowie keine Kompromisse einzugehen“.

Nichtstaatliche Akteure bedrohen Religionsfreiheit
Ernüchternd sei laut Diop auch die in vielen Regionen schnell zunehmende Bedrohung der Religionsfreiheit durch nichtstaatliche Akteure wie Terrororganisationen und Milizen.

223 Länderberichte zur Religionsfreiheit
Der Bericht enthält in der Einleitung zu jedem Land eine Übersicht zur politischen und sozialen Lage, sowie der entsprechenden Gesetzgebung, den Vorkehrungen zum Schutz der Religionsfreiheit und eine Zusammenfassung der Erfahrungen der Siebenten-Tags-Adventisten im entsprechenden Zuständigkeitsbereich.

Deutschland
Nach Angaben des Berichts könnten die 560 Kirchgemeinden der Adventisten in Deutschland, sowie deren Institutionen (Krankenhäuser, Schulen, Medienzentrum) im Allgemeinen ungehindert arbeiten. Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten könne in aller Freiheit evangelisieren und sei Gastmitglied in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland. Das Einhalten des Sabbats (Samstag) biete werktätigen Adventisten dennoch teilweise Probleme.

Österreich
Obwohl die österreichische Regierung die Ausübung der Religionsfreiheit respektiere, beklagen sich nach Angaben des Berichts religiöse Minderheiten über einen zweitklassigen Status als „religiöse Bekenntnisgemeinschaft“. Die 50 adventistischen Kirchgemeinden mit rund 4.100 Mitgliedern in Österreich sowie die Institutionen der Kirche könnten ungehindert funktionieren. Da die adventistische Kirche in Österreich aber als „religiöse Bekenntnisgemeinschaft“ eingestuft sei und nicht als eine der vierzehn „gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften“, erhalte sie für ihre Privatschulen keine staatliche Finanzierung, wie die anerkannten Kirchen. Adventisten in Österreich haben laut dem globalen Bericht zur Religionsfreiheit 2015 in der Vergangenheit des Öfteren ihre Arbeitsstelle wegen dem Einhalten des Sabbats als Ruhetag verloren. Es hätten aber auch Lösungen getroffen werden können, welche die Anliegen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer befriedigt hätten.

Schweiz
Auch in der Schweiz könnten die rund 4.500 Adventisten in 51 Kirchgemeinden ungehindert Gottesdienste feiern und ihre Institutionen führen, heißt es im Bericht zur Religionsfreiheit 2015. Bei der Organisation von öffentlichen Evangelisationen gebe es manchmal Probleme, passende Veranstaltungsräume mieten zu können.

Der adventistische globale Bericht zur Religionsfreiheit 2015 wolle die gegenwärtigen Herausforderungen dokumentieren, so Ganoune Diop, sei aber auch Ausdruck der langjährigen Anerkennung der Religionsfreiheit durch die Adventisten als grundlegendem Menschenrecht, das die Basis für alle anderen Freiheiten bilde.

Der englische Bericht zur Religionsfreiheit 2015 in 223 Ländern der Welt steht als PDF kostenlos zum Download bereit: irla.org/world-report-2015.pdf

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Erstmals ein Adventist Staatsoberhaupt der Fidschi-Inseln

Der pensionierte Generalmajor der Streitkräfte Fidschis kommt von der Insel Rotuma und erhielt seine Ausbildung unter anderem an Militärakademien in Neuseeland und Australien. Er studierte an der Harvard Kennedy School in Cambridge, Massachusetts/USA, auch Politik- und Staatswissenschaft. Die Streitkräfte der Inselgruppe umfassen 3.500 Soldaten, davon etwa 300 Marienangehörige mit einigen Patrouillenbooten. Von den drei regulären Bataillonen war das erste an Friedensmissionen der UNO im Libanon, im Irak und in Ost-Timor beteiligt, das zweite ist als Teil der internationalen UN-Friedenstruppe zur Sicherung des Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel (MFO) auf dem Sinai stationiert, während sich das dritte Bataillon stets in der Fidschi-Hauptstadt Suva befindet. Konrote befehligte UN-Friedenstruppen und war 1978 Kommandeur der UNIFIL, damals eine Beobachtermission, um den Abzug der israelischen Truppen aus dem Libanon zu bestätigen sowie dem libanesischen Staat zu helfen, die Autorität in seinem südlichen Landesteil wieder zu erlangen.

Von 2001 bis März 2006 war Konrote als Diplomat Fidschis Hochkommissar (Botschafter) in Australien und Singapur. 2006 gehörte er bis zum Militärputsch am 5. Dezember für kurze Zeit als Staatsminister für Einwanderung dem Kabinett von Laisenia Qarase an. 2014 wurde er erneut ins Parlament gewählt und amtierte bis zu seiner Berufung zum Staatspräsidenten als Minister für Arbeit, Produktivität und Sozialpartnerschaft. Die Aufgaben von Fidschis Staatoberhaupt sind hauptsächlich repräsentativer Art. Konrote löst Ratu Epeli Nailatikau ab, der seit 2009 amtierte. Der Präsident wird jeweils für drei Jahre gewählt. Regierungschef ist seit 2007 Premierminister Voreqe (Frank) Bainimarama.

George Konrote ist Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten und ehrenamtlicher Ältester der adventistischen Rotuman Kirchengemeinde in Fidschis Hauptstadt Suva. Der erste adventistische Missionar kam bereits 1891 auf die Inselgruppe. Heute gibt es dort rund 24.000 erwachsen getaufte Adventisten in 154 Kirchengemeinden. Die Freikirche unterhält in der Republik Fidschi eine Hochschule, ein Gymnasium, eine Mittelschule und mehrere Grundschulen.

Etwa 55 Prozent der Bevölkerung auf den Fidschi Inseln bezeichnet sich als evangelische Christen, in der Mehrzahl Methodisten (35 Prozent). Römisch-katholisch sind neun Prozent, Hindus 28 Prozent und Muslime sechs Prozent.

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Evangelische Allianz fordert verstärkten Schutz von Christen und Jesiden in Flüchtlingsunterkünften

Baake schreibt: „Die Christen, die aufgrund ihres Glaubens ihre Heimatländer verlassen mussten und nun in Deutschland sind, erleben hier wieder Verfolgung auf schrecklichste Weise“. Baake fordert die Innenminister auf, die Sicherheitsbehörden anzuweisen, „sich dem Schicksal der Christen in den Flüchtlingsheimen viel stärker als bisher anzunehmen“. Der DEA-Beauftragte verwies auf vielfältige Berichte in den Medien, die bereits seit Juli 2014 auf Beispiele für diese Übergriffe aufmerksam gemacht hätten.

Baake nannte es einen „Schlag ins Gesicht der Christen“, die in Deutschland Zuflucht suchten, wenn sie auch jetzt nicht vor „An- und Übergriffen“ geschützt würden. Die Angriffe auf Christen und Jesiden seien ebenso ein Schlag ins Gesicht der vielen Christen aus Kirchen, christlichen Werken, Verbänden und Privatorganisationen, die seit vielen Wochen und Monaten „großartige Hilfe“ leisteten, wenn sie erfahren, dass ihre Glaubensgeschwister in den Flüchtlingsunterkünften wieder „benachteiligt, vergewaltigt und verfolgt“ würden.

Der Beauftragte forderte die Innenminister zusätzlich auf, alles zu tun, um die Täter „dingfest“ zu machen. So könnten sie rasch verurteilt und dann einer möglichen „unverzüglichen“ Abschiebung zugeführt werden.

Informationen zur Deutschen Evangelischen Allianz im Internet unter www.ead.de

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ADRA Deutschland legt Jahresbericht 2014 vor

„Als Teil eines global agierenden Netzwerks in mehr als 130 Ländern hilft ADRA Deutschland jährlich Millionen Menschen“, so der Bericht. Nach dem Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“ verbessere ADRA die Chancen dieser Menschen auf ein würdiges Leben gemäß der allgemeinen Menschenrechte. Im Jahr 2014 seien die humanitären Krisen auf ein seit Jahrzehnten beispielloses Niveau angestiegen, teilte Geschäftsführer Christan Molke mit. Die Vielzahl der Krisen hätte immense Herausforderungen für die Arbeit von ADRA mit sich gebracht.

Als Beispiele der Projektarbeit für das Jahr 2014 nennt der Geschäftsbericht den Neubau von zwei Schulen mit Solarenergie in Somalia und Somaliland, eine Initiative gegen Mangelernährung in Burkina Faso, medizinische Grundversorgung für Binnenvertriebene im Jemen, humanitäre Hilfe für Vertriebene und Flüchtlinge in Kurdistan, die Eröffnung eines Gesundheits- und Familienzentrums in der Ukraine, die entwicklungspolitische Aktion „Kinder helfen Kindern!“, durchgeführte Freiwilligenprogramme und die in Deutschland betriebenen ADRAshops.

Fast 8,3 Millionen Euro hat das Hilfswerk im Jahr 2014 laut Bericht für seine Aufgaben ausgegeben. Dabei schlugen die allgemeinen Verwaltungskosten mit knapp 20 Prozent zu Buche, während 78 Prozent des Budgets den Entwicklungs- und Hilfsprojekten sowie entwicklungspolitischer Bildung zugutekamen.

Den Ausgaben standen eingenommene Mittel in folgender Höhe gegenüber (gerundet): 2,7 Millionen Euro aus privaten Spenden; 2,3 Millionen Euro seitens des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland; knapp eine Million Euro von der Europäischen Kommission Humanitäre Hilfe (ECHO); 3,5 Millionen Euro von der Europäischen Union; 0,05 Millionen Euro von der ADRA Stiftung; 1,5 Millionen Euro seitens der „Aktion Deutschland Hilft“; 0,6 Millionen Euro von ADRA-Partnerorganisationen, 0,5 Millionen Euro vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie 0,02 Millionen Euro vom Bundesfamilienministerium.

Der Jahresbericht 2014 von ADRA Deutschland e. V. kann im Internet unter www.adra.de/geschaeftsberichte heruntergeladen werden.

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Aktion „1000 Bibeln für Flüchtlinge“

„Die Bibel in der Muttersprache ist für viele Menschen ein Stück Heimat in der Fremde“, sagt der DBG-Generalsekretär Dr. Christoph Rösel. „Für einige Flüchtlinge wäre es aber ein großes Risiko gewesen, sie auf der Flucht bei sich zu tragen. Wir freuen uns, wenn wir jetzt mit diesen Bibelausgaben helfen können.“ Für die Aktion wählte die DBG Sprachen aus, die besonders häufig unter den Flüchtlingsgruppen vertreten sind. Es handelt sich um Arabisch, Serbisch, Albanisch, Tigrina, Urdu und Englisch. Die Bibelausgaben bezieht die DBG über die jeweiligen nationalen Bibelgesellschaften.

Einrichtungen, Arbeitsgruppen, Werke oder Kirchengemeinden ermitteln für die Aktion in den Asylbewerber- und Flüchtlingsunterkünften den konkreten Bedarf. Die einzelne Bestellung ist auf 50 Bibeln beschränkt. Die Besteller übergeben die Bibeln dann persönlich. Zunächst stellt die DBG für die kostenlose Verteilung insgesamt 1000 fremdsprachige Bibeln bereit. Weitere Informationen unter: www.dbg.de

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Rekordergebnis für die Bibelverbreitung

Gegenüber 2013 stieg die Zahl der verbreiteten Bibeln um sechs Prozent. Die Verbreitungszahl für biblische Schriften insgesamt um sieben Prozent. Zusätzlich zu den gedruckten Bibeln verbreiteten die Bibelgesellschaften zwei Millionen Bibelausgaben als Hörbibeln und als Text-Download digital im Internet.

Brasilien bleibt das Land mit der höchsten Verbreitungszahl, im Jahr 2014 auch befördert durch Aktionen zur Fußball-Weltmeisterschaft. „Brasilianer sind fußballverrückt“, sagt der Direktor der Brasilianischen Bibelgesellschaft, Rudi Zimmer, „und die Weltmeisterschaft war eine wunderbare Gelegenheit während des Turniers das Wort Gottes mit den feiernden Fans zu teilen“.

Nigeria und Südafrika bleiben auf dem afrikanischen Kontinent die Länder mit den höchsten Bibelverbreitungszahlen. Laut UBS gab es aber auch Zuwächse in kleineren Ländern Afrikas. In der UBS-Region Europa und Naher Osten erhöhte sich vor allem die Zahl der verbreiteten Neue Testamente. „Der Anstieg vollzog sich an einigen überraschenden Orten“, erläutern die Bibelgesellschaften und nennen als Beispiele Syrien und die Ukraine. Die Verbreitungszahlen in Asien wuchsen um durchschnittlich sechs Prozent. Länder mit den höchsten Zahlen sind Indien, China und die christlich geprägten Philippinen.

Zahlen von Verlagen und Organisationen, die nicht dem Weltverband angehören, blieben bei der UBS-Statistik unberücksichtigt. Der Weltverband der Bibelgesellschaften ist der internationale Zusammenschluss von 146 nationalen Bibelgesellschaften, zu denen auch die Deutsche Bibelgesellschaft gehört. Die Bibelgesellschaften sind in rund 200 Ländern aktiv.

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Freiheitsimpulse der Reformation durch freikirchliche Minderheiten umgesetzt

Mit dieser These bezog sich die vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden mitveranstaltete Tagung auf die Jubiläumsaktivitäten im Vorfeld von 2017, deren Leitmotiv der Zusammenhang von Reformation, Freiheit und Demokratie ist.

Religiöse Abweichler waren auch politische Oppositionelle
Der Begriff „Nonkonformismus“ hat seinen Ursprung im England des 16. und 17. Jahrhunderts, als von allen Untertanen „Konformität“ mit der Staatskirche gefordert wurde. Religiöse Abweichler waren daher automatisch immer auch politische Oppositionelle. Der religiöse Nonkonformismus sei der „Subtext sozialer Reformbewegungen“, hieß es auf der Tagung. Die Kirchengeschichtsprofessorin Andrea Strübind (Universität Oldenburg) eröffnete das Symposium mit einem Vortrag über die maßgebliche Rolle, die Max Weber und Ernst Troeltsch, die Pioniere der deutschen Soziologie um 1900, den englischen und amerikanischen Nonkonformisten (Baptisten, Quäkern und Methodisten) an der Entstehung der modernen freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft zuschrieben. David Bebbington, Professor für Geschichte an der Universität Stirling (Schottland), zeigte auf, dass die Nonkonformisten oder „Dissenter“ im 17. und 19. Jahrhundert treibende Kraft der Liberalisierung und Demokratisierung der englischen Gesellschaft gewesen seien.

Zivilgesellschaftliches Engagement der Freikirchen
Professor Martin Rothkegel (Theologische Hochschule Elstal bei Berlin) erinnerte daran, dass Luther die Ableitung politischer Freiheitsforderungen aus der „Freiheit des Christenmenschen“ ausdrücklich abgelehnt habe. Dagegen fände sich die politische Forderung nach uneingeschränkter Religionsfreiheit bereits bei den Täufern des 16. Jahrhunderts. Der erste moderne demokratische Staat sei 1636 durch den (zeitweiligen) Baptisten Roger Williams im nordamerikanischen Rhode Island gegründet worden.

Der Theologe und Historiker William Brackney (Acadia University, Kanada) machte auf den maßgeblichen Anteil von Quäkerinnen, Methodistinnen und Unitarierinnen an den Anfängen der Frauenemanzipation aufmerksam. Erich Geldbach (Marburg), Massimo Rubboli (Genua), Karl Heinz Voigt (Bremen) und weitere Referenten referierten über Religionsfreiheit, Abschaffung der Sklaverei, Pazifismus, Bildungs- und Lebensreform als Schwerpunkte des zivilgesellschaftlichen Engagements englischer und amerikanischer Freikirchen vor allem im 19. Jahrhundert. Die Verwurzelung des amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King Jr. in den Traditionen des nonkonformistischen Protestantismus beleuchtete abschließend der Leiter der Evangelischen Akademie Neudietendorf, Michael Haspel.

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Adventistische Theologieprofessoren geben Legitimation als „ordinierte“ Pastoren zurück

Am 8. Juli hatten es die rund 2.300 Delegierten der adventistischen Weltsynode 2015 (Generalkonferenz-Vollversammlung) in San Antonio, Texas/USA mit rund 40 zu 60 Prozent abgelehnt, den weltweit dreizehn teilkontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen) die Kompetenz zu erteilen, adventistische Pastorinnen in ihrem Verwaltungsgebiet zum Pastorendienst zu ordinieren.

Jeder der neun Professoren habe nach Angaben von Pastor Jiří Moskala, Dekan des Theologischen Seminars, individuell ein entsprechendes Schreiben an den Generalsekretär der Weltkirchenleitung, G. T. Ng, gerichtet, da die Andrews University, das „Flaggschiff“ adventistischer Ausbildungsstätten, eine Institution der Weltkirchenleitung ist. Die zurückgesandten Legitimationen laufen Ende Dezember 2015 aus und müssen erneuert werden.

Die in den Schreiben angegebenen Gründe variierten, so Moskala. Die Professoren erlebten die gegenwärtige Ordinationspraxis als eine sakramentale Ermächtigung, die das männliche Geschlecht voraussetze und nicht als Segnung für geschelchtsunabhängige, geistliche Gaben, wie dies die Adventisten immer gelehrt hätten.

Einige Theologen hätten laut Jiří Moskala darauf hingewiesen, dass Ordination Teil der Arbeitsrichtlinien der Kirche sei und kein Artikel der 28 adventistischen Glaubensüberzeugungen, wie dies heute den Anschein habe. Für sie sei dieser Antrag auf Auswechslung der Legitimationsbezeichnung eine Frage des Gewissens sowie der Aufrichtigkeit und ergebe sich aus einem tiefen Gefühl der Ungerechtigkeit und Unfairness Kolleginnen gegenüber, die als Pastorinnen dienten.

Adventistische Pastorinnen: Segnung aber keine Ordination
Adventistische Frauen können nach der Entscheidung der Weltsynode weiterhin nach ihrem mehrjährigen Theologiestudium in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorinnen „gesegnet“ und damit beauftragt werden, Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vorzunehmen; doch ist diese Vollmacht örtlich begrenzt. Während die Ordination von Pastoren innerhalb der Freikirche weltweit Gültigkeit hat, dürfen gesegnete Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung auch praktiziert. Ordiniert zum weltweiten Dienst werden lediglich männliche Geistliche. Nur sie dürfen in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes“/“Union“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung) berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig ist.

Reaktionen auf Beschluss der Weltsynode in Europa
Nach der Entscheidung der adventistischen Weltsynode 2015 zur Kompetenzregelung bezüglich der Frauenordination haben die überregionalen Kirchenleitungen (Unionen) in Dänemark, Italien, den Niederlanden und Norwegen auf unterschiedliche Weise reagiert.

Norwegen
Am 20. September hat der Exekutivausschuss der nationalen, adventistischen Kirchenleitung in Norwegen (NORUC) beschlossen, zukünftig keine Pastoren mehr zu ordinieren. Sowohl Pastoren als auch Pastorinnen sollen mit einem Fürbittgebet in den vollen Pastorendienst eingeführt werden.

Dänemark
Der Exekutivausschuss der Adventisten in Dänemark (DUChC) hat am gleichen Tag beschlossen, nach Abschluss der Pastoralassistenzzeit ausschließlich den Begriff „Pastor/Pastorin“, ohne die Bezeichnung „ordiniert“ oder „gesegnet“, gleichermaßen für Männer und Frauen zu verwenden.

Niederlande
Adventisten in den Niederlanden wollen Frauen auch in Zukunft ordinieren. In einer Erklärung nach dem Beschluss der Weltsynode hält die niederländische Kirchenleitung fest: „Die Delegierten der adventistischen Kirchgemeinden in den Niederlanden haben im Herbst 2012 beschlossen, Frauen in gleicher Weise wie ihre männlichen Kollegen zum Pastorendienst zu ordinieren. Dieser Beschluss trat im Juni 2013 in Kraft und bleibt es weiterhin. Die Entscheidung der Generalkonferenz-Vollversammlung von San Antonio ändert daran nichts.“

Italien
Die Kirchenleitung der Adventisten in Italien (UICCA) hat am 16. September „ein respektvolles, aber starkes Zeichen des Dissenses und des Protests“ gegenüber der Entscheidung der adventistischen Weltsynode 2015 (Generalkonferenz-Vollversammlung) zur Frauenordination publiziert und geeignete administrative Maßnahmen angekündigt.

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Italiens Adventisten opponieren gegen Beschluss zur Frauenordination der Weltkirche

Am 8. Juli hatten es die rund 2.300 Delegierten der adventistischen Weltsynode 2015 (Generalkonferenz-Vollversammlung) in San Antonio, Texas/USA mit rund 40 zu 60 Prozent abgelehnt, den weltweit dreizehn teilkontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen) die Kompetenz zu erteilen, adventistische Pastorinnen in ihrem Verwaltungsgebiet zum Pastorendienst zu ordinieren.

Die Kirchenleitung der Adventisten in Italien führt in ihrer Stellungnahme zum Beschluss der Weltsynode an, dass die Frage der Frauenordination kirchenintern bereits seit 1950 diskutiert werde. Sie sei auch auf den Weltsynoden 1990 und 1995 thematisiert worden. Im Weiteren hätten bereits 2013 die adventistischen Pastoren in Italien einstimmig für die Ordination von adventistischen Pastorinnen zum Pastorendienst votiert und auch die Studienkommission der Weltkirche zur Ordinationsfrage (TOSC) habe 2014 festgehalten, dass es weder biblische noch theologische Hindernisse zur Frauenordination gebe.

In der Stellungnahme heißt es: „Die UICCA (Italienische Union der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten) fühlt sich gezwungen, ein respektvolles aber auch starkes Signal an die Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) zu senden, um ihren Protest beziehungsweise ihren Dissens zur Abstimmung der Generalkonferenz-Vollversammlung (Weltsynode) zum Ausdruck zu bringen. Die Weltsynode hat in der jüngsten Generalkonferenz-Vollversammlung im Namen der Einheit der Kirche gegen das Grundprinzip der Freiheit sowie der Meinungsverschiedenheit im religiösen und kulturellen Kontext verstoßen. Im Namen der Würde der weiblichen Pastoren, die in unserem Gebiet ihren Dienst leisten, können wir nicht akzeptieren, dass ihre Mission weiterhin nicht vollständig anerkannt und damit diskriminiert wird. Die UICCA behält sich vor, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Meinungsverschiedenheit in offensichtlicher Weise, auch mit administrativen Maßnahmen, zum Ausdruck zu bringen.“

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Weltethos-Ausstellung in der Adventgemeinde Berlin-Köpenick lädt zu religionsübergreifender Mitmenschlichkeit ein

Bei der feierlichen Eröffnung der Ausstellung am Samstag, 17.10.2015, bezeichnete der Bezirksbürgermeister des Bezirks Treptow-Köpenick von Berlin, Oliver Igel, die Religion als den Anker des Lebens. Im Hinblick auf religiös motivierte Gewalt erklärte Igel: „Von einigen Dingen kann es nie genug geben. Dazu gehören der interreligiöse und der interkulturelle Dialog.“ Besonders angesichts der hohen Flüchtlings-zahlen böte der Dialog die Chance zum Dazulernen. Durch den Dialog könne es gelingen, die neu hinzugekommenen Menschen zu begrüßen und von ihnen zu profitieren.

Der Bundestagsabgeordnete Matthias Schmidt dankte der Adventgemeinde für ihren gesellschaftlichen Beitrag, den sie mit der Ausstellungspräsentation leiste. Sie erinnere an die gemeinsamen Werte der Weltreligionen, die sich in der Wertschätzung des Menschen zeigten. In Anwendung auf die Flüchtlingsbewegungen betonte Schmidt: „Menschen abzuweisen, widerspricht dem Weltethos.“

Gunnar Scholz, Präsident regionalen Freikirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten, wies zur Ausstellungseröffnung darauf hin, dass ein Frieden dort un-möglich sei, wo man nur nach den Fehlern des Anderen suche. Stattdessen sei es wichtig, den Wert des Anderen zu entdecken und ihm Freiheit zuzugestehen. Diese Freiheit habe Jesus gelebt und den Fremden als Beispiel und zum Vorbild genommen. „Wo man aufeinander zugeht, kann so mancher Konflikt viel besser ausgeräumt werden, als wenn man Druck aufeinander ausübt“, hob Scholz hervor.

In der multireligiösen Welt sei es unverzichtbar, über ein Grundwissen über die Religionen zu verfügen, unabhängig ob man selbst religiös sei oder nicht. Darauf wies Dr. Martin Bauschke, Referent der Stiftung Weltethos, in seiner Einführung in das Anliegen der Weltethos-Ausstellung hin. Andernfalls könne man nicht zwischen Is-lam und Islamismus unterscheiden und halte den IS für typisch islamisch. Bauschke erinnerte an ein Schreiben von 125 muslimischen Gelehrten an die Führer des IS. Darin bekräftigten die muslimischen Gelehrten, dass es im Islam verboten sei, Unschuldige zu töten, Christen zu schaden, Menschen zur Konversion zu zwingen oder sie zu foltern.

Der Gedanke des Weltethos biete einen Mehrwert gegenüber reiner Menschlichkeit, nämlich die Mitmenschlichkeit, so Bauschke. Es sei nicht nur das Recht des Einzelnen, menschlich behandelt zu werden. Ebenso sei es dessen Pflicht, anderen Menschen gegenüber mitmenschlich zu sein. Diesen Leitgedanken könnten Glaubende der Weltreligionen und Nichtglaubende teilen.

Die Ausstellung „Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos“ kann bis zum 1. November dienstags, donnerstags und sonntags von 15 bis 19 Uhr kostenfrei im Gemeindezentrum der Adventgemeinde Berlin-Köpenick besucht werden. Begleitvorträge finden am 24. Oktober um 19 Uhr zur Religionsfreiheit mit Dr. iur. Harald Mueller, dem Leiter des Instituts für Religionsfreiheit an der Theologischen Hoch-schule Friedensau, sowie am 31. Oktober um 19 Uhr zum Islam mit der Sozialwissenschaftlerin Jana Kaufmann-Päschel statt.

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Weitgehende Einigung bei Vorbereitung des Panorthodoxen Konzils 2016

In einem vom serbisch-orthodoxen Patriarchat veröffentlichten Abschlussmitteilung heisst es, die Vertreter „aller orthodoxen autokephalen Kirchen“ hätten die endgültige Fassung der bereits 2009 bei der 4. Panorthodoxen Konferenz ausgearbeiteten Vorlage über „Die Autokephalie (Selbständigkeit) von Kirchen und die Art und Weise ihrer Proklamation“ sowie die beiden Vorlagen über das Verhältnis der Orthodoxie zu den anderen christlichen Kirchen und über die Bedeutung des Fastens akzeptiert.

Laut CBS KULTUR INFO sind die beiden letzteren Vorlagen bei der 2. bzw. bei der 3. Panorthodoxen Konferenz (in den Jahren 1982 bzw. 1986) erstmals erstellt und bei den drei Sitzungen des interorthodoxen Ad hoc-Komitees zur Vorbereitung des Panorthodoxen Konzils in den Jahren 2014/2015 überarbeitet worden.

Moskauer Patriarchat und Kirche von Georgien unterzeichneten dritte Vorlage nicht
Eine dritte Vorlage aus dieser Serie über „Die Mission der orthodoxen Kirche in der Welt von heute“ (ursprünglich 1986 unter dem Titel „Der Beitrag der orthodoxen Kirche zur Förderung von Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit, Geschwisterlichkeit und Liebe zwischen den Völkern und zur Überwindung von rassischer und sonstiger Diskriminierung“ entwickelt) fand keine allgemeine Zustimmung. Die Vertreter des Moskauer Patriarchats und der Kirche von Georgien hätten „nicht unterzeichnet“, so die Abschlussmitteilung. Das Spitzengremium (Heilige Synod) des Moskauer Patriarchats hatte bereits bei seiner Tagung im Juli festgestellt, dass das Dokument in der vorliegenden Form nicht akzeptabel sei. Die von Metropolit Hilarion (Alfejew) geleitete russisch-orthodoxe Delegation wurde beauftragt, bei der 5. Panorthodoxen Konferenz „prinzipielle Änderungsvorschläge“ einzubringen. Derzeit ist unklar, wie es mit dieser Vorlage für das Konzil weitergehen soll, dessen Eröffnung zu Pfingsten nächsten Jahres, am 19.6.2016, vorgesehen ist. Bei der Versammlung der Oberhäupter der orthodoxen Kirchen (Synaxis) im März 2014 in Konstantinopel war ausdrücklich vereinbart worden, dass sowohl in der Vorbereitungsphase als auch bei der Durchführung des Panorthodoxen Konzils das Konsens-Prinzip zu gelten hat.

5. Panorthodoxe Konferenz mit vielsprachigem Gottesdienst eröffnet
Die 5. Panorthodoxe Konferenz wurde zunächst vom emeritierten Metropoliten von Pergamon (Bergama), Ioannis (Zizioulas), geleitet; an den beiden letzten Tagen vom Pariser Metropoliten Emmanuel (Adamakis). Hauptzelebrant der Liturgie zum Konferenzauftakt war der zum Ökumenischen Patriarchat gehörende orthodoxe Metropolit für die Schweiz, Jeremias (Kaligiorgis), der auch Sekretär für die Vorbereitung des Panorthodoxen Konzils ist. Der vielsprachige Gottesdienst in griechischer, kirchenslawischer, arabischer, serbischer, tschechischer, albanischer, französischer und englischer Sprache brachte die übernationale Dimension der Orthodoxie zum Ausdruck.

Auseinandersetzungen um Katar und Ukraine überschatteten Vorbereitungen
Überschattet waren die Arbeiten der 5. Panorthodoxen Konferenz, welche eigentlich schon in der ersten Jahreshälfte 2015 hätte stattfinden sollen, von den Auseinandersetzungen um Katar und um die Ukraine. Das Fürstentum Katar gehört kirchlich zum kanonischen Territorium des Patriarchats von Antiochien. Die Einsetzung eines Metropoliten, der sich der vielen palästinensischen christlichen Immigranten in Katar annimmt, durch den Patriarchen von Jerusalem, hat zu einem heftigen Konflikt zwischen den Patriarchaten von Antiochien und Jerusalem geführt.

Besorgnis des Moskauer Patriarchats über „unkanonische Aktionen“ in der Ukraine
Metropolit Hilarion (Alfejew) übermittelte zunächst besonders herzlich gehaltene Glückwünsche des Moskauer Patriarchen an die 5. Panorthodoxe Konferenz. Kyrill I. erinnerte daran, dass die Arbeit der Konferenz der „Stärkung der kirchlichen Einheit“ dienen solle. Die Diskussion der Entwürfe für das Panorthodoxe Konzil werde die Repräsentanten der orthodoxen Kirchen einander näher bringen, um „im Geist Jesu“ einen Konsens zu erreichen. Zugleich betonte der Leiter des Aussenamts der russisch-orthodoxen Kirche die „tiefe Besorgnis” des Moskauer Patriarchats über „unkanonische Aktionen“ von Bischöfen aus der ukrainischen Emigration, die dem Ökumenischen Patriarchen unterstehen. Diese Bischöfe reisten in die Ukraine ohne den Primas der (autonomen) ukrainisch-orthodoxen Kirche zu verständigen, sie breiteten den „roten Teppich“ für „exkommunizierte und laisierte Priester“ aus, denen eine „autokephale“ ukrainische Kirche versprochen werde. Er appelliere an den Ökumenischen Patriarchen, diese für die „panorthodoxe Einheit“ zerstörerischen Vorgänge zu beurteilen und den beteiligten Bischöfen weitere Handlungen in dieser Richtung zu untersagen, so Metropolit Hilarion.

Die 1. Panorthodoxe Konferenz hatte bereits 1961 auf Rhodos stattgefunden. Damals hatte man auf Vorarbeiten für ein Panorthodoxes Konzil aufgebaut, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert im Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel, damals eine der bestorganisierten Ortskirchen Europas, in die Wege geleitet worden waren.

Quelle: Christian B. Schäffler mit News-Input der Stiftung Pro Oriente (poi), Wien

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Anleitung „Gemeinsam für Flüchtlinge“

In dem 24-seitigen Heft wird eingangs auf die „Erklärung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland zur aktuellen Flüchtlingssituation“ vom 22.9.2015 hingewiesen. Sie betont die christliche Verantwortung, für alle Menschen da zu sein, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter, Religion oder Weltanschauung. Motivation für die Zuwendung von Christen zu jedem Menschen, der Hilfe braucht, sei die im Evangelium ausgedrückte Solidarität Gottes. Adventisten wendeten sich ausdrücklich gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit.

An Bedürfnissen orientiert
In der Einführung geht es um die Begriffe „politisch Verfolgte“ und „Kriegsflüchtlinge“ sowie um die Integration der Schutzsuchenden. Außerdem wird erläutert, was das Ehrenamt leisten kann und wo professionelle Intervention notwendig ist. Betont wird: „Hilfsbereitschaft sollte sich immer an Bedürfnissen orientieren und darf keinesfalls nur unseren eigenen Überschuss an Vorräten und Ressourcen anbieten.“

Für die Koordination der Flüchtlingshilfe auf Bundesebene habe die Freikirche eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Freikirche, von ADRA, des AWW und der Theologischen Hochschule Friedensau eingerichtet. Auf Bundeländerebene gebe es insgesamt sieben „Beauftragte für politisch Verfolgte und Kriegsflüchtlinge“ als Koordinatoren und Ansprechpartner für die ehrenamtlichen Gruppen und Helferkreise. Auf kommunaler Ebene würden adventistische Kirchengemeinden und Helferkreise innerhalb von Städten und Landkreisen in der Regel ehrenamtlich in verschiedenen Initiativen und Projekten für Flüchtlinge mitarbeiten – wo es sinnvoll erscheine, in Kooperation mit anderen Organisationen und Partnern in den Netzwerken der Flüchtlingshilfe. Soweit wie möglich sollten die Kriegsflüchtlinge angeleitet werden, sich selbst zu helfen. Die Versorgungsstruktur dürfe keinesfalls nur „von oben nach unten“ verlaufen.

Möglichkeiten ehrenamtlicher Hilfe
Was das Ehrenamt leisten kann, wird an praktischen Beispielen erläutert. Möglich wären unter anderem Sammlung und Verteilung von Sachspenden, Nachbarschaftshilfe bei Behördengängen, Sprachkurse, Nachhilfeunterricht, interkulturelle Events, sportliche Aktivitäten, Freizeitangebote und freiwillige Mitarbeit der Flüchtlinge in gemeinnützigen und öffentlichen Einrichtungen als sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit während über den Asylantrag entschieden wird. Die örtlichen Kirchengemeinden könnten Räumlichkeiten für Sprachkurse, Begegnungstreffen oder Kinderkrabbelgruppen zur Verfügung stellen. Wichtig sei zu bedenken: „Hilfe für Flüchtlinge ist nicht zuerst eine Sache der Gefühle, sondern des festen Willens, Menschen zu helfen und sie zu begleiten, damit sie in unserem Land an- und vorankommen.“

„Gemeinsam für Flüchtlinge“ gehe grundsätzlich von einem Engagement in Projekten aus. Ein Projekt orientiere sich immer an den Bedürfnissen – und zwar nicht an den eigenen, sondern an denen der Flüchtlinge. Das bedeute: genau hinschauen, hinhören, sich einfühlen, Informationen einholen und Kontakte mit den bestehenden Netzwerken und Initiativen in der Stadt aufnehmen. Dabei sei es notwendig, die eigenen Möglichkeiten realistisch zu bewerten.

Unterstützung
Die Initiative „Gemeinsam für Flüchtlinge“ könne auch die ehrenamtliche Arbeit von adventistischen Helferkreisen finanziell fördern. Dabei müsse es sich um klar definierte und zeitlich befristete Projekte handeln, die für Flüchtlinge beziehungsweise mit ihnen gemeinsam ins Leben gerufen werden. Ehrenamtliche Gruppen und Helferkreise könnten auf Anfrage bei ihrem Projekt auch inhaltlich unterstützt werden. Die Theologische Hochschule Friedensau biete sowohl Workshops zu speziellen Fragen des Umgangs mit und des Dienstes an politisch Verfolgten und Kriegsflüchtlingen als auch eine Beratung für Planung, Management und Finanzierung von Projekten und Programmen an.

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Turbulenzen der Weltwirtschaft können Adventisten Millionen kosten

Mitgliederstatistik: 18,8 Millionen Adventisten
Am 30. Juni seien weltweit knapp 18,8 Millionen Menschen durch die Glaubenstaufe Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten gewesen, führte David Trim aus, der Direktor des Büros für Archive, Statistik und Forschung der Weltkirche. Gegenüber Dezember 2014 sei auch die Zahl adventistischer Gemeinden und Gruppen weltweit von 148,023 auf 149,850 gestiegen.

Hohe Eintritts- und Austrittsrate
Sorgen mache ihm der große Mitgliederverlust. „Die Verluste untergraben die vielen, vielen Kircheneintritte“, so Trim. Von 1965 bis Ende 2014 seien global über 33 Millionen Menschen durch die Taufe adventistische Christen geworden, davon hätten aber 13 Millionen die Kirche wieder verlassen, – das seien 40 Prozent.

In zwei weltweit angelegten Befragungen ehemaliger Adventisten haben diese laut David Trim als Hauptgrund bei anderen Kirchenmitgliedern subjektiv erlebte Heuchelei für das Wegbleiben oder den Kirchenaustritt angegeben. 63 Prozent verließen laut den Studien die Kirche als junge Erwachsene. Weiter Austrittsgründe: Sie hätten sich nach und nach innerlich von der Kirche entfernt; Mangel an Mitgefühl; moralisches Fehlverhalten ihrerseits, sodass sie sich nicht mehr zugehörig fühlten. Viele hätten auch stressige Lebensumstände wie Umzug, Todesfall eines Angehörigen, Heirat oder Scheidung als Gründe angeführt. Vierzig Prozent gaben an, dass sie nach dem Wegbleiben oder Kirchenaustritt von niemandem seitens der Kirche daraufhin angesprochen worden seien.

„Wir müssen es irgendwie gemeinsam schaffen, eine andere Kirche zu werden, die Menschen erreicht und sie spüren lässt, dass sie zu uns gehören“, sagte Pastor Michael Ryan, ehemaliger allgemeiner Vizepräsident der Weltkirchenleitung.

Finanzbericht: Sinkende Einnahmen
Es sei unklar, so Pastor Juan R. Prestol-Puesán, der neugewählte Finanzchef der Weltkirchenleitung, ob 2015 genügend „Zehntengelder“ (zehn Prozent des Einkommens), freiwillige Gaben und andere Einnahmen eingehen werden, um das Budget der Weltkirchenleitung zu erreichen. Bis Ende September seien 67,5 Millionen US-Dollar eingegangen, zwei Millionen Dollar weniger als im Vorjahr.

Prestol-Puesán zeigte den Delegierten in einem Schnellkurs auf, wie die Weltwirtschaft die Finanzen der Weltkirche beeinflusst. Es habe 2015 einen Zeitpunkt gegeben, an dem der Aktienindex in den USA um 12 Prozent, in Europa um 21 Prozent und in Japan um 20 Prozent gefallen sei. Gleichzeitig sei der Wert des US-Dollars gegenüber anderen wichtigen Währungen gestiegen, weil Investoren US-Dollar als sichere Währung gekauft hätten. Für die Finanzabteilung der Weltkirche sei dies eine schwierige Zeit gewesen, da sie zwar in US-Dollar arbeite, aber 53 Prozent der Einnahmen aus anderen Währungen stammten, die zwischenzeitlich weniger wert gewesen seien.

„Das Zusammenspiel von Schwächung der Finanzmärkte, der Stärke des US-Dollars und der wirtschaftlichen Situation in Ländern, die für unsere Einnahmen wichtig sind, deuten auf das Szenario eines aufkommenden Sturms hin“, sagte Prestol-Puesán.

Nach der Abstimmung zur Frauenordination durch die Weltsynode: Aufruf zur Einheit
Anlässlich der adventistischen Weltsynode in San Antonio, Texas/USA, hatten es die mehr als 2.300 Delegierten abgelehnt, den dreizehn teilkontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen) die Kompetenz zu erteilen, dass diese adventistische Pastorinnen für ihr Kirchengebiet zum Pastorendienst ordinieren dürfen.

Adventistische Frauen können nach ihrem Theologiestudium in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorinnen „gesegnet“ und damit beauftragt werden, Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung vorzunehmen; doch ist diese Vollmacht örtlich begrenzt. Während die Ordination von Pastoren innerhalb der Freikirche weltweit Gültigkeit hat, dürfen gesegnete Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung auch praktiziert. Ordiniert zum weltweiten Dienst werden lediglich männliche Geistliche. Nur sie dürfen in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder einer „Union“/eines „Verbandes“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung) berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig ist.

Vor dieser Entscheidung der Weltsynode im Sommer 2015 hatten bereits überregionale Kirchenleitungen (Unionen/Verbände) in den USA sowie in den Niederlanden adventistische Pastorinnen zum Pastorendienst ordiniert.

Nach der Entscheidung der Weltsynode 2015 hat die überregionale Kirchenleitung Norwegens beschlossen, so lange keine Pastoren mehr zu ordinieren, bis die Weltkirche eine nicht-diskriminierende Regelung für Pastorinnen und Pastoren beschließt. Die überregionale Kirchenleitung in Dänemark hat entschieden die Unterscheidung zwischen „ordinierten“ und „gesegneten“ Pastoren aufzuheben. Die Kirchenleitung in den Niederlanden hat als Reaktion auf den Beschluss der Weltsynode 2015 festgehalten, dass sie weiterhin Pastorinnen ordinieren wird.

Auf diesem Hintergrund haben laut AR die Leiter der Weltkirche (General Conference) sowie die dreizehn teilkontinentalen Kirchenleiter während drei Sitzungen einen Aufruf an alle kirchlichen Funktionsebenen zur Respektierung der Ordinationsentscheidung der Weltsynode 2015 erarbeitet und einstimmig verabschiedet. „Wir appellieren an alle kirchlichen Gremien, die Entscheidung der Weltsynode zu respektieren. Jedes einseitige und eigenmächtige Handeln, das im Widerspruch zum verabschiedeten Vorgehen steht, ebnet den Weg für Risse und Zersplitterung“, heißt es im Dokument. Auf dem Glaubensweg könne es vorkommen, dass Christen unterschiedliche Auffassungen hätten. Es sei dann „gegenseitiger Respekt, aufmerksames Zuhören, Bereitschaft zum Verstehen und Unterordnung unter die Leitung des Heiligen Geistes auf dem Weg zur Einheit angezeigt.“

Nach der Verlesung des Aufrufs durch Pastor G. T. Ng sagte der adventistische Weltkirchenleiter, Pastor Ted Wilson: „Wir mögen Differenzen haben, aber wir sind eine Kirche mit einem Auftrag.“

Wahlen
Einige der an der Weltsynode im Sommer 2015 nicht besetzten Abteilungsleitungen der Weltkirche, wurden laut AR einstimmig folgendermaßen besetzt:
• Sam Neves und Tanya Holland wurden zu stellvertretenden Direktoren der Kommunikationsabteilung der Weltkirchenleitung gewählt.
• Pastor Elias Brasil de Souza wurde zum Direktor des Biblischen Forschungsinstituts (Biblical Research Institute BRI) ernannt.
• Neben den drei wiedergewählten stellvertretenden Direktoren des Biblischen Forschungsinstituts BRI, Kwabena Donkor, Ekkehardt Müller und Clinton Wahlen wurde auch Frank M. Hasel neu in diese Position gewählt. Hasel war bisher Dekan des Theologischen Seminars am adventistischen „Seminar Schloss Bogenhofen“ in Österreich.

LEAD-Konferenz: Kulturelle Unterschiede im weltweiten Adventismus
In der zweitägigen LEAD-Konferenz „Gottes Mosaik der Kulturen“, die vom adventistischen Institut für Weltmission organisiert worden war und vor der Geschäftssitzung stattfand, wurden die Kirchenleiter für die unterschiedlichen Kulturen innerhalb der adventistischen Weltkirche sensibilisiert. Es gebe nicht nur zwischen Ländern unterschiedliche Kulturen, sondern auch zwischen den Generationen und den Adventisten verschiedener Länder. Es brauche in einer Weltkirche kulturelle Intelligenz, die durch die bewusste Begegnung mit Menschen anderer Kulturen gefördert werden könne, sagte Pastor Cheryl Doss, Leiter der LEAD-Konferenz.

Frauen mit Händedruck begrüßen?
Als Russe habe er in den USA, wie er dies gewohnt war, bei einer Gruppe Menschen zuerst die Männer per Händedruck begrüßt und bei den Frauen auf ein „Signal“ gewartet, um sie auch per Handschlag zu begrüßen, erläuterte Pastor Artur Stele, einer der sechs allgemeinen Vize-Präsidenten der Weltkirchenleitung. Amerikanische Frauen hätten ihm kaum angezeigt, per Händedruck begrüßt werden zu wollen, weshalb er ihnen in der ersten Zeit in den USA auch nicht die Hand gegeben habe. Dies habe aber einige von ihnen verletzt.

Kultur und Theologie
Kultur betreffe aber auch die adventistische Theologie, wo es ebenso unterschiedliche Kulturen gebe, so Artur Stele. In gewissen Weltregionen machten Adventisten am Sabbat (Samstag), dem biblischen Ruhetag, zwar einen Sabbatspaziergang am Ufer eines Sees oder Meeres entlang, vermieden dabei aber jede Berührung mit dem Wasser. In anderen Ländern spaziere man am Sabbat auch im Uferwasser, bade aber niemals und noch andere Adventisten hätten kein Problem damit, am Sabbat zu baden.

Gebetshaltung: Knien, stehen, sitzen?
Es gebe auch kulturelle Unterschiede in der Gebetshaltung unter Adventisten. Er habe es erlebt, so Stele, dass ein ausländischer Pastor beim Gebet zu Beginn des Gottesdienstes in einem anderen Land seine Hände in den Hosentaschen gehalten habe, mit dem Resultat, dass ihm niemand bei der Predigt zugehört habe. In den USA sei es bei den Adventisten üblich, so Stele, beim Beten im Gottesdienst zu knien, in Russland stehe man. Auch gebe es Kulturen, in denen man nur schon beim Gedanken, beim Beten sitzen zu bleiben, die Stirn runzle.

„Kulturbedingtes Verhalten ist etwas vollständig Erlerntes“, sagte der Exekutivsekretär der Weltkirchenleitung Pastor G. T. Ng bei der Quiz-Auswertung des Lernerfolgs der LEAD-Konferenz.

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Gottfried Locher zum Präsidenten von Europas Protestanten gewählt

Laut der SEK-Medienmitteilung vertritt die GEKE rund 50 Millionen Protestantinnen und Protestanten von 107 reformierten, unierten, lutherischen, methodistischen und vorreformatorischen Kirchen aus mehr als 30 Ländern Europas und Südamerikas. Das dreiköpfige GEKE-Präsidium wird ergänzt durch Klára Tarr Cselovszky, Außenamtsleiterin der Lutherischen Kirche in Ungarn und Michael Weinrich, Professor für systematische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum.

„Wieder steht Europa vor großen Herausforderungen“, so Gottfried Locher mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingskrise. „Wieder ist die geeinte Stimme des Protestantismus unerlässlich. Bezeugen wir das Evangelium in den sozialen, politischen und ethischen Zusammenhängen.“

Locher war bereits 2012 in das dreiköpfige Präsidium gewählt worden. Er führt die Geschäfte der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa bis zur kommenden Vollversammlung im September 2018, die auf Einladung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt in Basel stattfindet. Bereits ein Jahr zuvor ist der Kirchenbund im März 2017 gemeinsam mit den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn Gastgeber des zweiten gesamteuropäischen Treffens der Synodalen in Bern.

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Sich schützend vor Minderheiten stellen

Baildam betonte, dass die Friedensauer Hochschule sich zwar als „theologisch“ bezeichne, aber nicht nur Theologen, sondern im Fachbereich „Christliches Sozialwesen“ auch Studierende für soziale Berufe ausbilde. Wobei auch Theologen in ihrer Tätigkeit für den Menschen da sein sollten. Er erinnerte daran, dass in Friedensau Studierende aus über 30 Ländern eingeschrieben seien. Das lasse eine große kulturelle Vielfalt erkennen.

Sich gegen Ausländerfeindlichkeit wehren
Gerade Christen sollten sich, so Baildam, gegen Ausländerfeindlichkeit wehren und helfen, kulturelle Missverständnisse aufzuklären. Sie könnten sich keine Vorurteile gegen andere leisten, nur weil sie anders seien: anders durch eine andere Hautfarbe, Sprache und Kultur sowie durch einen anderen Gott oder ein anderes Verhalten. Niemand sollte sich über den andern erheben, sondern den andern höher achten als sich selbst, wie schon der Apostel Paulus in seinem Philipperbrief schreibt.

„Wir dürfen nie vergessen, dass wir nicht immer Recht haben“, gab Baildam zu bedenken. Deshalb gelte es, Verständnis gegenüber jenen zu zeigen, die andersartig oder auch anderer Meinung seien. Fanatiker, die an ihrem Glauben derart festhielten, dass sie Andersgläubige nicht tolerierten, handelten nicht menschlich. Doch Christen müssten in ihrem Land durch Menschlichkeit auffallen. Sie sollten am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und sich schützend vor Minderheiten stellen.

Bachelor- und Mastergrade verliehen
Insgesamt wurden 38 Studierende aus neun Ländern in den Bereichen Theologie und Sozialwesen mit einem Bachelor (B.A.) oder Master (M.A.) graduiert. Dr. Stefan Höschele, Dekan des Fachbereichs Theologie, übergab Urkunden an zwei B.A. und sieben M.A. in Theologie sowie an vier Master of Theological Studies (M.T.S.). Letztere stammen aus Kenia, Tansania und Nigeria. Dr. Horst Rolly, Dekan des Fachbereichs Christliches Sozialwesen, übergab Diplome an neun B.A. in Soziale Arbeit und vier B.A. in Gesundheits- und Pflegewissenschaften. M.A. erhielten zwei Graduierte in Counseling (Beratung), eine in Musiktherapie, drei in Sozial- und Gesundheitsmanagement sowie sechs in International Social Sciences. Von den letztgenannten Absolventen stammt nur einer aus Deutschland, die anderen kommen aus Äthiopien, Kenia, der Republik Moldau und Tansania.

DAAD-Preis an Absolvent aus Tansania verliehen
Der Prorektor der Theologischen Hochschule Friedensau, Dr. phil. habil. Thomas Spiegler, verlieh den diesjährigen Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an Peter Joseph Bulengela. Er stammt aus Tansania und ist Absolvent des Masterstudiengangs Counseling an der Theologischen Hochschule Friedensau. Er erhält diesen mit 1.000 Euro dotieren Preis für besondere akademische Leistungen und sein interkulturelles Engagement. Bulengela arbeitete bereits neben seinem Studium als Sozialarbeiter in der Migrationsberatungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Burg bei Magdeburg. Seine hervorragenden Sprachkenntnisse in Deutsch, Englisch, Swahili und Sukuma leisten ihm, der als Kind mit seinen Eltern bereits fünf Jahre in Deutschland verbracht hatte, sehr gute Dienste. Beim DRK ist er in der Betreuung von Flüchtlingen tätig, die überwiegend aus dem Nahen Osten, insbesondere aus Syrien und Afghanistan kommen. Der DAAD-Preis, der seit mehr als zehn Jahren vergeben wird, ist dafür eingerichtet worden, um die Leistungen der ausländischen Studierenden an deutschen Hochschulen zu würdigen.

Konzert zum Studienjahresbeginn
Bereits am Vortag wurden in Friedensau in einem Gottesdienst etwa 40 neue Studierende willkommen geheißen. Außerdem gab es am Nachmittag das traditionelle Konzert zum Studienjahresbeginn der Theologischen Hochschule Friedensau. Die Ausführenden waren das Kammerorchester der Hochschule unter der Leitung von Jürgen Hartmann (Berlin). Auf dem Programm standen „Schwedische Kostbarkeiten“; gemeint war damit die Musik der Komponisten Per Brant (1714–1767) und seine Sinfonia in D, Hinrich Philip Johnsen (1717–1779), mit dem Konzert in F für 2 Fagotte und Streicher, sowie Ludvig Norman (1831–1885), mit der Konzert-Ouvertüre Es-Dur op. 21. Die Schwedischen Tänze op. 63 von Max Bruch (1838–1920) beschlossen die musikalische Hommage an den Norden Europas. Vor über 50 Jahren wurde das Orchester von Professor Wolfgang Kabus ins Leben gerufen, der es bis 1999 leitete. Es setzt sich aus Berufsmusikern, Musiklehrern und Laien zusammen, die in musikalisch vielfältigen Konzerten ihr Können unter Beweis stellen.

Die 1899 gegründete staatlich anerkannte Theologische Hochschule Friedensau umfasst die beiden Fachbereiche Christliches Sozialwesen und Theologie mit einer Anzahl wissenschaftlicher Institute. Hier können die Studiengänge B.A. Soziale Arbeit und B.A./M.A. Theologie, M.A. Sozial- und Gesundheitsmanagement, M.A. Counseling, Master of Theological Studies, M.A. Musiktherapie sowie M.A. International Social Sciences belegt und ein duales B.A.-Studium Gesundheits- und Pflegewissenschaften sowie ein Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ absolviert werden. An der Hochschule sind rund 200 Studierende aus über 30 Ländern eingeschrieben.

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Gedenken an Adventisten als Opfer des armenischen Völkermords vor hundert Jahren

Auf Anordnung der jungtürkischen Regierung wurden am 24.4.1915 die in der damaligen osmanischen Hauptstadt Istanbul/Konstantinopel lebenden armenischen Intellektuellen festgenommen und im Landesinneren ermordet. Schätzungen zufolge verloren mehr als 1,5 Millionen Christen zwischen 1895 und 1922 in Kleinasien ihr Leben. Gut ein Viertel der Bevölkerung des Osmanischen Reiches bekannte sich bis 1914 zum Christentum, heute sind es nur noch wenige zehntausend.

Todesstoß auch für adventistische Gemeinden
Dr. Daniel Heinz, Leiter des Historischen Archivs der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa mit Sitz an der Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg, erinnert in seinem Artikel „Im Tal des Todesschatten“ in der Oktober-Ausgabe 2015 der Zeitschrift „Adventisten heute“ an das Schicksal der Adventisten während des Genozids im Osmanischen Reich. Seit 1889 habe die Freikirche in dem Land missioniert. Doch das Vorgehen der jungtürkischen Bewegung hätte auch ihren Gemeinden den Todesstoß versetzt. Nahezu 250 der knapp 450 Adventisten, die meisten armenischer Abstammung, wären laut Heinz auf grausame Weise umgekommen. Einige hätten nach Syrien, in den Libanon, nach Ägypten, in die Sowjetunion oder nach Griechenland fliehen können. Nur wenigen sei es gelungen, in die USA oder nach Frankreich zu emigrieren. Nach dem Genozid habe es nur noch etwa 100 Adventisten in der Türkei gegeben, zumeist in und um Istanbul lebend, von denen jedoch die meisten in den darauffolgenden Jahrzehnten auswanderten.

Verfolgung und Unterdrückung auf der Tagesordnung
Dass diese 250 Adventisten mit ihren Kindern und Jugendlichen als Märtyrer starben, weil sie ihrem christlichen Glauben in einer ihnen feindlich gesonnenen islamischen Welt die Treue hielten, scheine auch bis heute kaum im Bewusstsein der adventistischen Weltkirche verankert zu sein, beklagt Daniel Heinz. Von Anfang an sei die adventistische Mission im Osmanischen Reich verboten gewesen, so der Archivleiter. Verfolgung und Unterdrückung von Adventisten, deren einheimischen Buchevangelisten und Pastoren hätten auf der Tagesordnung gestanden.

Dzadur G. Baharian, der Mitbegründer und „Vater“ der adventistischen Mission im Osmanischen Reich, sei im Laufe seines 23-jährigen Missionsdienstes über dreißigmal inhaftiert worden, bevor er im Juli 1915 den Märtyrertod starb. Er wurde – so der Bericht eines am Mord beteiligten Augenzeugen – in Anatolien bei Sivas von kurdischen Milizionären umgebracht. Er sollte Christus abschwören und auf der Stelle zum Islam konvertieren. Als sich der Missionar widersetzte und die Hände zum Gebet faltete, sei er erschossen worden.

Doch bereits 1909 habe die Ermordung von mindestens sieben namentlich bekannten Mitgliedern und einiger Kinder in der Region Adana die armenischen Adventisten erschüttert. Wie viele von ihnen damals ums Leben kamen bleibe ungewiss, so Heinz. Das Massaker im Gebiet von Adana hätte etwa 20.000 armenische Todesopfer gefordert. Dzadur Baharian habe noch Schlimmeres für die Zukunft befürchtet. Um ein Auseinanderbrechen des Osmanischen Reiches zu verhindern, sei schließlich der Islam zur Staatsideologie erhoben worden und die Christen hätten als Feinde des Reiches gegolten.

Gesichter mit Brandmalen verunstaltet
In das Bild eines religiös gefärbten Genozids, an dem ausschließlich Muslime beteiligt gewesen seien, passe die Tatsache, dass besonders viele christliche Geistliche den Tod gefunden hätten, erläuterte Daniel Heinz. Auch adventistische Pastoren wären vor die Wahl gestellt worden, den Islam anzunehmen oder den Todesmarsch anzutreten, der mit dem Hungertod in der syrischen Wüste bei Deir ez-Zor (heute in der Nähe von Raqqa, der Hochburg des „Islamischen Staates“/IS) endete, wenn man nicht schon vorher massakriert wurde oder an körperlicher Erschöpfung starb. „Adventistische Waisenkinder, deren Eltern umgebracht worden waren, fielen der Zwangsislamisierung zum Opfer und wurden im Gesicht mit türkisch-muslimischen Brandmalen verunstaltet“, so Heinz.

Das adventistische Mädchen Serpouhi Tavoukdjian, das in einem arabischen Harem überlebte, berichtete von diesen Qualen: „Man hielt mich fest, und in Gegenwart einer großen Menschenmenge zeichnete eine Frau den türkischen Halbmond mit den Sternen auf Stirn, Wange und Kinn. Das Tätowieren verursachte große Schmerzen. Ich sollte islamisch erzogen werden und den Sohn meines arabischen Herrn heiraten. Ich betete aber weiterhin zu Jesus, und Er hat mich nach Jahren des Wartens und der Einsamkeit auf wunderbare Weise aus der Sklaverei befreit.“ Serpouhi gelang es, 1924 in die USA auszureisen. Sie hielt ihre dramatischen Erlebnisse in dem Buch „Exiled: Story of an Armenian Girl“ (1933) fest.

Adventistische Pastoren ermordet
Wie Baharian seien weitere adventistische Pastoren und Missionsmitarbeiter, zum Teil mit ihren Familien, ermordet oder zu Tode gequält worden. Daniel Heinz nennt in seinem Artikel folgende Namen: E. Ayvazian (36 Jahre alt, 14 Jahre Pastor, starb 1915 an Hungertyphus bei Sivas), B. Tousdjian (40 Jahre alt, fünf Jahre Pastor, seine Frau, sein Vater und zwei Kinder wurden mit ihm 1915 bei Malatia ermordet), G. Aressian (24 Jahre alt, fünf Jahre Missionshelfer, verstarb 1917 an Erschöpfung in Thessaloniki), M. Ashikian (30 Jahre alt, vier Jahre Hilfspastor, mit seiner Frau 1915 bei Malatia ermordet), H. Apovian (30 Jahre alt, vier Jahre Hilfspastor, 1915 ermordet, seine Familie verschollen), H. Shadarifian (32 Jahre alt, vier Jahre Pastor, 1915 ermordet, später auch seine Familie), O. Pirenian (Hilfspastor, ermordet, keine weiteren Angaben) und Diran Tcherakian (46 Jahre alt, sechs Jahre Pastor, umgekommen auf einem Todesmarsch 1921 bei Diyarbakir).

Von diesen Pastoren sei ausdrücklich überliefert, dass sie ihren adventistischen Glauben öffentlich bekannt und mit ihrem Leben bezahlt hätten. Es wären noch andere adventistische Pastoren und Missionsarbeiter zu Tode gekommen, doch sei nichts Näheres über ihr Schicksal bekannt. Von über zwölf adventistischen Buchevangelisten hätten lediglich zwei die Verfolgung überlebt. Allerdings kenne man von den meisten adventistischen Opfern des Völkermords nicht einmal mehr die Namen. Die von Heinrich Erzberger, dem Schweizer Missionsvorsteher in Konstantinopel, in den Jahren 1918 bis 1920 zusammengetragene Liste der adventistischen Opfer des Genozids scheine nicht erhalten geblieben zu sein.

Im Tal der Todesschatten
Das prominenteste adventistische Opfer des Genozids – neben Dzadur Baharian – war laut Daniel Heinz der zuletzt erwähnte Diran Tcherakian. Der Hochschullehrer, Lyriker und Meister der armenischen Sprache, wurde erst 1913 Siebenten-Tags-Adventist. Nach dem Tod Baharians übernahm der Intellektuelle die geistliche Betreuung der verfolgten Mitglieder. Den furchtbaren, über eintausend Kilometer langen Todesmarsch, den er auf sich nehmen musste, beschrieb Tcherakian bis zuletzt, indem er immer wieder Briefe und geheime Nachrichten, auf Zettel gekritzelt, gegen Geld an die adventistischen Missionsangestellten in Konstantinopel überbringen ließ. Auf einen dieser Zettel schrieb er 1921 kurz vor seinem Tod am Ufer des Flusses Tigris bei Diyarbakir mit zittriger Hand: „Und wenn ich auch wandere durchs Tal der Todesschatten, fürchte ich kein Unglück, denn Du, mein Gott, bist bei mir…“ (Psalm 23,4).

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Flüchtlinge so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte

Gleichzeitig werden in der ADRA-Erklärung Einheimische gebeten, die Flüchtlinge in ihren Orten so zu behandeln, wie sie selbst in solch einer Situation behandelt werden wollen. Das Menschenrecht auf Asyl sollte Vorrang haben. Politiker und Bevölkerung müssten verstehen lernen, dass die Behandlung von Flüchtlingen nicht davon abhängig gemacht werden könne, welche Landesgrenzen sie gezwungen seien zu überqueren noch aus welcher Religion oder Kultur sie stammen. Die Menschenwürde sollte geachtet werden. Dazu gehörten sanitäre Anlagen, sichere Unterkünfte, medizinische Versorgung und Respektierung der menschlichen Grundrechte.

Flüchtlinge sollten nicht nur mit Lebensmitteln und Unterkunft versorgt werden, sondern auch Sprachkurse sowie Vermittlung beim Umgang mit Behörden, Zugang zu vorhandenen Unterstützungen und psychosoziale Hilfe erhalten. Im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention setze sich ADRA für politisch Verfolgte und Kriegsflüchtlinge und deren Recht auf Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung und Sozialleistungen ein.

ADRA grenzüberschreitend tätig
ADRA selbst sei grenzüberschreitend tätig. Nach einem Bericht vom 21. September anlässlich einer Zusammenkunft von ADRA-Verantwortlichen in Mexiko unterstützen die ADRA-Organisationen International, Kanada, Großbritannien, Dänemark, Schweden und Norwegen finanziell die Hilfe für Flüchtlinge durch ADRA-Schwesterorganisationen in Serbien, Syrien, im Irak, Libanon und Jemen.

Syrien und Irak gehörten laut Anna Lefik, Mitarbeiterin von ADRA Deutschland, zu den Ländern mit den meisten Binnenvertriebenen. Sie hätten Zuflucht in leerstehenden Gebäuden, provisorischen Behausungen und Flüchtlingscamps gefunden. Dort seien die Menschen aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen einem hohen Krankheitsrisiko ausgesetzt. ADRA führe deswegen Maßnahmen zur Verbesserung der Hygiene durch. Dazu gehörten der Zugang zu sauberem Wasser und die Einrichtung von sanitären Anlagen. Mithilfe von psychosozialer Betreuung lernten die Betroffenen die Geschehnisse zu verarbeiten und besser mit ihrer Situation umzugehen. Erwachsene und Kinder würden mit Sprachkursen und Schulunterricht gefördert.

Transitländer
Transitländer wie Serbien stünden derzeit vor immensen Herausforderungen, so Anna Lefik. Einerseits möchten sie schutzbedürftigen Menschen helfen, andererseits werde die Belastung durch die steigende Zahl an Flüchtlingen immer größer. Daher biete ADRA in den Transitländern gemeinsam mit anderen Organisationen Unterstützung bei den Asylverfahren, ermögliche Zugang zu grundlegenden Informationen und leiste medizinische und psychosoziale Betreuung. ADRA habe in Belgrad ein Informationszentrum in der Nähe von Bus- und Bahnhöfen eingerichtet, das als Anlaufstelle für Asylsuchende diene. Dieses Center werde auch von ADRA Deutschland finanziell unterstützt.

ADRA Deutschland
Im Ausland sei ADRA Deutschland seit Jahren in verschiedenen Projekten weltweit aktiv, so Anna Lefik. Im Inland fänden Hilfsprojekte über bestehende Strukturen statt. Dazu hätten sich die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die Theologische Hochschule der Adventisten in Friedensau bei Magdeburg, das Advent-Wohlfahrtswerk (AWW) sowie ADRA Deutschland in dem Bündnis „Gemeinsam für Flüchtlinge“ zusammengeschlossen.

In der Bundesrepublik fänden Hilfsprojekte über die bestehenden Strukturen der adventistischen Ortsgemeinden sowie des Advent-Wohlfahrtswerk (AWW) statt. Bei diesen Projekten stehe die Integration der Flüchtlinge im Fokus, informierte Anna Lefik. Ein gutes Beispiel sei die Kooperation des ADRA-Shops in Stendal mit dem kultur- und generationsübergreifenden Netzwerk Maranata e.V. Als Ehrenamtliche unterstützten Asylsuchende das ADRA-Shop-Team bei ihren täglichen Aufgaben und machten sich so mit dem Leben in Deutschland vertraut.

ADRA Österreich
Auch in Österreich würden die Strukturen der örtlichen Adventgemeinden genutzt, erläuterte Corinna Wagner, Mitarbeiterin von ADRA Österreich. So stelle die Adventgemeinde Mödling in Niederösterreich Räumlichkeiten zur Lernbetreuung von Flüchtlingskindern zur Verfügung. In Innsbruck (Tirol) und in Bruck an der Mur (Steiermark) würden ehrenamtliche ADRA-Helfer regelmäßig Kleidung aus ihrer Kleiderkammer in Heime für Asylbewerber bringen. Auch in Villach (Kärnten) und in Braunau (Oberösterreich) betreuten Ehrenamtliche Asylbewerber mit Deutschkursen, Kleidung, Möbel und anderen Haushaltsgegenständen. Im Nordirak betreue ADRA Kurdistan Flüchtlingsfamilien im Raum Erbil. Dieses Projekt werde von ADRA Österreich finanziell unterstützt.

ADRA Schweiz
ADRA Schweiz unterstütze wie ADRA Deutschland das Flüchtlingsprojekt von ADRA Serbien in Belgrad finanziell. Das Informationszentrum sei täglich geöffnet. Dort erhielten die Flüchtlinge korrekte Informationen zu ihren Rechten. Viele Menschen wären nach der langen Reise erschöpft und teilweise auch traumatisiert. Das Zentrum biete ihnen deshalb zusätzlich eine grundlegende medizinische Versorgung sowie psychologische Unterstützung an. Es stünden Übersetzer zur Verfügung, die aus den Ursprungsländern der Flüchtlinge stammten aber auch fließend Serbisch sprechen würden. Alle relevanten Informationen stünden zudem in sechs Sprachen zur Verfügung. Mobile Teams seien in Belgrad unterwegs, um Flüchtlinge mit konkreten Informationen zu versorgen. Zweimal in der Woche würden sie von Médecins sans Frontières Angestellten unterstützt, damit auch in der Stadt medizinische Hilfe geleistet werden könne.

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Ein Weihnachtsgeschenk für Kinder in Osteuropa

So kümmert sich ADRA Deutschland beispielsweise in der Republik Moldau um vernachlässigte Kinder aus meist armen Familien. Im Dorf Vadul lui Voda werden sie in einem Zentrum versorgt, ärztlich behandelt und wieder fit für die Schule gemacht. Die Mitarbeitenden suchen das vermittelnde Gespräch mit den Eltern oder Verwandten, damit die Kinder so schnell wie möglich in ihre Familien zurückkehren können. Bis dahin sind sie im Zentrum gut untergebracht und können spielen und lernen.

Es kann gepackt werden
Kinder jeder Altersklasse können bis zum 22. November Pakete packen und sie auch bemalen. Es werde dazu wieder einen Kreativwettbewerb geben. Die Geschenkpakete gehen in diesem Jahr nach Albanien, Bosnien und Herzegowina, in das Kosovo, Litauen, Mazedonien, Montenegro, die Republik Moldau, Serbien und in die Ukraine. Gerade in der Ukraine freuten sich die Kinder nach den monatelangen Auseinandersetzungen besonders auf ein Geschenk zu Weihnachten. Viele hätten mit der Familie das Zuhause verlassen müssen und seien jetzt in Notunterkünften, wie in dem Familienzentrum von ADRA in Kiew, untergekommen.

Eingepackt werden können zum Beispiel Spielsachen, Bastel- und Schulbedarf, Kamm, Bürste, Spiegel, Zahnbürste, Haarspangen, Schal, Socken, Strumpfhose, Mütze, Handschuhe und Süßigkeiten. Bestimmte Dinge dürfen nicht mitgesandt werden. Näheres dazu und wo die Pakete abgegeben werden können beim Aktionstelefon 06151-811522 oder unter www.kinder-helfen-kindern.org

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Neues Schuljahr auf der „Marienhöhe“ wieder mit Gesundheitstagen und Sponsorenlauf

Wie der neue Schulleiter, Dr. Christian Noack, mitteilte, hat die Marienhöhe dieses Schuljahr 21 Schüler mehr als im Vorjahr. Davon besuchen 453 das Gymnasium, 179 die Real- und 56 die Grundschule. 44 Schüler wohnen im hauseigenen Internat. 70 Prozent der Internatsschüler stammen aus adventistischem Elternhaus oder sind selbst Mitglieder der Freikirche. Bezogen auf die Gesamtschülerzahl beträgt der Anteil der Adventisten zwölf Prozent. Von den 63 Lehrkräften sind 35 Adventisten, die 7 Internatspädagogen gehören jedoch alle der Freikirche an.

Alle Schüler der Marienhöhe machen laut Noack beim diesjährigen Sponsorenlauf mit, und auch einige Eltern, Lehrer und Angestellte der Marienhöhe seien unter den Läufern. Sie müssten sich einen oder mehrere Sponsoren suchen, die sich bereit erklären, jede Geländerunde von ca. 800 Metern Länge mit einem bestimmten Betrag zu honorieren. „Die ganze Schule ist auf den Beinen und läuft eine wunderschöne Strecke auf dem Marienhöher Campus“, so der Schulleiter. Da nicht 600 Menschen auf einmal loslaufen könnten, fänden vier Läufe von je 45 Minuten am Vormittag statt. Die erlaufenen Spenden gehen jeweils zur Hälfte an ein Entwicklungshilfe-Projekt in Kambodscha sowie an den Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V.“, teilte Noack mit.

Das 1925 eröffnete „Seminar Marienhöhe“ hat seit 1950 ein staatlich anerkanntes Gymnasium. 1994 folgte die Realschule und 2010 die Grundschule. Weitere Informationen: www.marienhoehe.de
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Mitgliederversammlung der ACK beschäftigt sich mit „Mission“

Dass das Zeugnis für den christlichen Glauben und der interreligiöse Dialog nicht im Widerspruch stehen, darüber waren sich die Delegierten auf einem Studientag zum Thema „Missionsverständnis im Gespräch“ einig, den sie gemeinsam mit den Geschäftsführern der regionalen ACKs und Vertretern der Evangelischen Allianz durchführten. Grundlage war das Papier „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt“, das vom Vatikan, dem Ökumenischen Rat der Kirchen und der weltweiten Evangelischen Allianz verabschiedet worden war.

Einer Mission, bei auf andere Druck ausgeübt werde, erteilte Anja Middelbeck-Varwick, Professorin für katholische Theologie an der Freien Universität Berlin, eine klare Absage. Mission bestünde vielmehr darin, überzeugend seinen Glauben zu leben und auf den universalen Heilswillen Gottes zu vertrauen. Dies habe auch seine Grundlage in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils, in denen ausgedrückt wird, dass in den anderen Religionen auch Wahres von Gott gesagt werde.

Ein authentisches Zeugnis des Glaubens sah Johannes Berthold, Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes und Professor für Religionspädagogik an der Fachhochschule Moritzburg, als die „Muttersprache des Glaubens“ an. „Die eigene Gewissheit des Glaubens kann sich angstfrei auch der Gewissheit des anderen aussetzen“, sagte Berthold. Es gehe nicht um den Besitz, sondern im die Ergriffenheit von der Wahrheit.

Einem solchen Missionsbegriff stimmte auch die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus von der Universität Erlangen zu. Zwar gebe es im Islam keinen eindeutigen Missionsauftrag, aber mit dem Begriff der „Dawa“ bestünde ein ähnliches Konzept. Es gehe darum, den eigenen Glauben vorzuleben und dadurch überzeugend zu erscheinen. Der Dialog mit anderen Religionen könne so nicht nur das Verständnis für den anderen wecken, sondern auch das eigene Bewusstsein für den Glauben stärken.

Der Studientag mit dem Blickpunkt auf den muslimisch-christlichen Dialog war ein weiterer Baustein im Prozess „MissionRespekt“, der aufgrund des Papiers „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ angestoßen wurde. Im vergangenen Jahr wurde dazu ein großer Kongress in Berlin veranstaltet, bei dem das Papier diskutiert wurde. Die ACK will den Prozess weiter verfolgen.

Im Herbst 2013 hatte die Bundes-ACK beschlossen, eine Phase der Kommunikation und Reflexion mit der Neuapostolischen Kirche (NAK) zu gestalten. Dazu gehört die Orientierungshilfe, die 2008 von der ACK Baden-Württemberg erstmals veröffentlicht wurde und nun auf Bundesebene weiter entwickelt und dem gegenwärtigen Gesprächsstand angepasst wurde. Nach der endgültigen Abstimmung mit der Kirchenleitung der NAK ist der Text nun zur Herbst-Mitgliederversammlung der ACK, die vom 30. September bis 1. Oktober in Berlin stattfand, veröffentlicht worden.

In der Orientierungshilfe werden Möglichkeiten ökumenischer Begegnungen und Zusammenarbeit aufgezeigt, wie beispielsweise das gegenseitige Überlassen von Räumlichkeiten in besonderen Fällen wie Trauungen oder Bestattungsfeiern, sowie die Beteiligung von Chören und Orchestern der NAK bei Gottesdiensten der ACK-Mitgliedskirchen. In den vergangenen Jahren habe sich in der NAK ein bemerkenswerter Wandlungs- und Öffnungsprozess vollzogen, heißt es in dem Text. Grundlage sei der im Jahr 2012 veröffentlichte Katechismus der Neuapostolischen Kirche. Er stelle erstmals systematisch und umfassend den neuapostolischen Glauben verbindlich dar und zeige eine ökumenische Öffnung.

Auch wenn aus ökumenischer Sicht noch Anfragen und Unterschiede deutlich würden, stellten diese kein Hindernis für ökumenische Kontakte dar, heißt es in der Orientierungshilfe. Seither gibt es auf lokaler Ebene zunehmend Berührungen unterschiedlicher Art zwischen neuapostolischen Gemeinden und Gemeinden der ACK-Mitgliedskirchen. In rund 20 Orten führte dies inzwischen zu Gastmitgliedschaften von NAK-Gemeinden in lokalen ACKs, in Hannover ist die NAK Mitglied der lokalen ACK. In Mecklenburg-Vorpommern hat die Neuapostolische Kirche vor kurzem den Gaststatus auf regionaler Ebene beantragt.

Die Orientierungshilfe ist im Internet verfügbar unter: http://www.oekumene-ack.de/fileadmin/user_upload/Material_Aktuelle_Meldungen/ACK-NAK_Orientierungshilfe_2015.pdf
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„Für ein Miteinander in Vielfalt“

„Fremdenfeindlichkeit, Hass oder Rassismus sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar“, heißt es in der Erklärung „Für ein Miteinander in Vielfalt“. Sie steht unter dem Bibelwort „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst“ (Levitikus 19,34).

Vier Thesen bestimmen den Inhalt der Stellungnahme, die jeweils in Bitten für die Mitgliedskirchen münden. Erstens: „Flüchtlinge brauchen unsere Hilfe.“ Daher werden die Mitgliedskirchen gebeten, neben Unterstützung im Alltag nach Möglichkeit auch Räume für die Feier von Gottesdiensten zur Verfügung zu stellen.

Zweitens: „Flüchtlinge bereichern unser Land.“ Darin läge eine große Chance. Allerdings stellten die große Zahl und die Aufgabe ihrer Integration vor Herausforderungen, die entschlossen angegangen werden müssten.

Drittens: „Flucht und Vertreibung müssen ein Ende haben.“ Daher begrüßt die ACK alle Aktivitäten, die zur Verbesserung der Situation in den Herkunftsländern beitragen. Sie mahnt auch: „Wo wir selbst in die Ursachen von Flucht und Vertreibung verstrickt sind, mahnen wir zur Buße und Umkehr.“

Viertens: „Aus Erfahrung setzen wir uns für ein Miteinander in Vielfalt ein.“ Die ACK könne besonders bei der Integration und dem interreligiösen Dialog helfen, da sie bei den Mitgliedern ihrer Gliedkirchen auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen könne. Gleichzeitig bittet sie alle, die nach Deutschland kommen, „die gewachsene Vielfalt zu respektieren und ihren Beitrag zu leisten, unser Zusammenleben in Frieden und Freiheit mit zu gestalten“.

Die Erklärung kann im Internet abgerufen werden unter: http://www.oekumene-ack.de/fileadmin/user_upload/Material_Aktuelle_Meldungen/Erklaerung_ACK_zur_Fluechtlingssituation.pdf

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Christliche Werte können langfristig Frieden bringen

Nabil Costa, Direktor des Dachverbandes Libanesischer Baptisten (LSESD), verstehe die Bedenken, ob die Europäer den Zustrom von Flüchtlingen bewältigen könnten. In seinem Appell „Von den Kirchen im Libanon an die Kirchen in Europa“, der vom Evangelischen Missionswerk in Deutschland (EMW) verbreitet wird, schreibt er: „In meiner Heimat Libanon wurden wir schon mit all diesen Ängsten konfrontiert und kämpfen immer noch mit diesen Fragen.“ Inzwischen bestehe ein Viertel der Bevölkerung im Libanon aus syrischen Flüchtlingen. Seit Beginn des Krieges in Syrien vor vier Jahren „kämpfen wir mit der Herausforderung, ihnen zu Nahrung, Unterkunft und Schulbildung zu verhelfen“. Costa bekennt, dass die Christen im Libanon anfangs Angst gehabt hätten, den geflohenen Syrern zu beizustehen, denn viele wären Muslime.

„Aber wir erkannten schnell, dass die meisten Flüchtlinge unschuldige Menschen sind, die in Frieden lebten und nichts mit diesem ganzen Krieg zu tun haben“, so Nabil Costa. Als Christen hätten sie nicht wegsehen können, während Unschuldige leiden. „Also überwanden wir unsere Ängste und teilten die Liebe Christi durch praktische Maßnahmen wie die Versorgung mit Lebensmitteln, Decken, Öfen und Schulbildung.“ Es sei nicht leicht gewesen, aber mit Hilfe Gottes wären die Barrieren zwischen den Gemeinschaften überwunden und Christen und Muslime ermutigt worden, sich gegenseitig in einem freundlicheren Licht zu betrachten. „Wir haben unseren Glauben nicht verwässert“, betonte der Direktor des baptistischen Dachverbandes. „Im Gegenteil, wir stehen ein für die Werte, die Jesus uns im Gleichnis vom barmherzigen Samariter lehrte.“

Flüchtlinge sollen europäische Werte achten
Es werde auch in Europa Bewusstseinsbildung und Geduld auf allen Seiten erfordern, um Muslime, Christen und Menschen anderen Glaubens oder ohne Glauben zu befähigen, zusammenzuleben. Mitgefühl zu zeigen bedeute aber nicht, eigene Werte und Traditionen aufzugeben, stellte Costa klar. Die europäischen Christen müssten ihre Werte, Gesetze, Überzeugungen und kulturellen Systeme bewahren. Die eintreffenden Flüchtlinge sollten europäische Werte achten, nicht sie gemäß ihrer Vorstellungen ändern, während sie Hilfe erfahren. Wenn sie ihr neues Zuhause nicht schätzen, seien sie immer noch frei, zu ihrem alten zurückzukehren.

Wenn die Flüchtlinge am Ende in Europa bleiben, so hofft Nabil Costa, könnte innerhalb von zehn oder zwanzig Jahren eine neue Generation auf dem Kontinent entstehen, die sich eine friedliche Kultur zu Eigen mache. „Eine Kultur nicht der Rache und des Hasses, sondern eine, die ihnen ermöglicht, in Frieden mit allen Glaubensrichtungen zu leben.“ Die Art und Weise, wie Europa und die Kirchen auf die Flüchtlingskrise reagierten, werde nicht nur Auswirkungen auf das Heute haben, sondern auch auf die Zukunft der Muslime in Europa und auf diejenigen im Nahen Osten in den kommenden Jahrzehnten.

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