Internationaler Tag der Nulltoleranz gegen weibliche Genitalverstümmelung

Berlin | 5. Februar 2016 | APD |

Am 6. Februar soll durch den „Internationalen Tag der Nulltoleranz gegen weibliche Genitalverstümmelung“ weltweit auf dieses schwerwiegende Problem aufmerksam gemacht werden. Nach Schätzungen des EU-Parlaments leben in der Europäischen Union rund 500.000 von weiblicher Genitalverstümmelung betroffene sowie 180.000 gefährdete Mädchen und Frauen. Dies teilte die Menschenrechts-organisation für Frauen TERRE DES FEMMES, mit Sitz in Berlin, mit.

TERRE DES FEMMES engagiert sich nach eigenen Angaben seit 1981 gegen die schwere Menschenrechtsverletzung und hat zuletzt das CHANGE Projekt zur Abschaffung von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) in der EU koordiniert. Nun sollen Multiplikatorinnen ausgebildet werden, die ihre Communities in Deutschland für die Abschaffung der FGM sensibilisieren.

Verankerung als Tradition
Nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wird FGM vorwiegend in 29 Ländern Afrikas und in wenigen arabischen und asiatischen Staaten, aber auch innerhalb von Migrantengemeinden in Europa oder Nordamerika praktiziert. Die UN-Generalversammlung hat die Praktik, die gegen elementare Menschenrechte wie das Recht auf Gesundheit und den Schutz der körperlichen Unversehrtheit verstößt, 2012 in einer Resolution verurteilt. Als Tradition sei die FGM oftmals tief in den betroffenen Gesellschaften verankert und Ausdruck einer generellen Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen, so das Ministerium.

Adventistisches Krankenhaus in Berlin bietet ganzheitliche Hilfe für genitalverstümmelte Frauen
Das „Desert Flower Center“ im Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf wurde am 11.9.2013 als weltweit erste Einrichtung eröffnet, die genitalverstümmelte Frauen ganzheitlich versorgt. Schirmherrin des Centers ist das ehemalige Model Waris Dirie. Seit 2002 setzt sie sich mit ihrer „Desert Flower Foundation“ in Wien für die Rechte afrikanischer Frauen und gegen das Ritual der Beschneidung ein. Zahlreiche Politiker hätten das Krankenhaus in Waldfriede besucht, um sich über das Thema FGM hautnah zu informieren, teilte Bernd Quoß, Leiter der Einrichtung, mit.

Bei den medizinischen Eingriffen gehe es laut Chefarzt und Ärztlichem Direktor des Krankenhauses, Dr. med. Roland Scherer, um die Behandlung von Komplikationen nach FGM, wie Vernarbungen, Scheiden-Darm-Fisteln, Scheiden-Blasen-Fisteln, Schließ-muskelverletzungen sowie Harn- und Stuhlinkontinenz. Auch die Plastische Wiederherstellungschirurgie zur Rekonstruktion der Klitoris und des äußeren Genitales sei im „Desert Flower Center“ möglich, ebenso eine psychosoziale Betreuung und Beratung. Scherer gab allerdings zu bedenken: „Wir können die Verstümmelungen der Frauen nicht vollständig rückgängig machen, aber wir können ihnen Lebensqualität zurückgeben.“

Psychotherapeutin, Pädagogin, Seelsorgerin, Beraterinnen und Dolmetscherinnen
Die ärztliche Koordinatorin im „Desert Flower Center“, die Oberärztin für Chirurgie Dr. med. Cornelia Strunz, berichtete, dass die meisten Frauen, welche zu ihrer Sprechstunde kamen, traumatisiert seien. Deshalb stünde für sie auf Wunsch auch ein Team mit einer Psychotherapeutin, einer Pädagogin, einer Seelsorgerin sowie Beraterinnen und Dolmetscherinnen bereit. Monatlich treffe sich eine Selbsthilfegruppe.

„Waldfriede“ mit umfangreichem Angebot
Das 160-Betten Krankenhaus „Waldfriede“ in Berlin-Zehlendorf ist akademisches Lehrkrankenhaus der Charité-Universitätsmedizin Berlin und behandelt jährlich etwa 13.000 Patienten stationär und 48.000 ambulant. Neben elf Fachabteilungen gehört zu „Waldfriede“ ein ambulanter häuslicher Pflegedienst (Sozialstation), eine Kurzzeitpflege, die Akademie für Gesundheits- und Krankenpflege, das Projekt „Babywiege“ (Babyklappe) für Mütter in Not sowie eine Kindertagesstätte. Schon 1993 entstand das Gesundheitszentrum „PrimaVita“ mit präventiv-medizinischem und gesundheits-förderndem Auftrag als erste krankenhauseigene Einrichtung ihrer Art in Deutschland. Das Krankenhaus ist unter anderem Mitglied im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie Teil des weltweiten „Adventist Health System“ der Siebenten-Tags-Adventisten. Weitere Informationen unter www.waldfriede.de

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