Terroranschlag in Istanbul: Adventistischer Kirchenleiter „zutiefst erschüttert“

Er bete mit anderen adventistischen Kirchenmitgliedern aus der Region für die Angehörigen jener, die beim tödlichen Bombenattentat der drei Terroristen getötet worden sind, sowie für die Verletzten im Krankenhaus, so McEdward.

Das Verbrechen habe ihn besonders betroffen, da der Flughafen Atatürk ein zentraler Knotenpunkt für die Luftfahrt in der Region sei. Er selbst, die MENA-Mitarbeitenden sowie deren Familienmitglieder würden dort oft zwischenlanden.

Auch der adventistische Weltkirchenleiter, Pastor Ted C. Wilson, äußerte sich dankbar für Gottes Schutz, zumal er zwei Tage vor dem Attentat über den Flughafen Atatürk gereist sei. „Das Leben und die Zeit, in der wir leben sind ernst“, so Wilson auf seiner Facebookseite. Er habe für die Familien gebetet, die ihre Lieben verloren haben, für die Menschen in der Türkei, sowie für die Behörden, welche mit solch tragischen Situationen umgehen müssen, so Wilson.

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Amtskette für neuen Rektor der Theologischen Hochschule Friedensau

Klein aber fein
In der Festansprache betonte Heinz Schlumpberger (Tübingen), Mitglied des Kuratoriums der Hochschule, dass im Vergleich zu anderen Universitäten in Sachsen-Anhalt die Friedensauer Hochschule erst seit 26 Jahren staatlich anerkannt sei. Dennoch habe sie in dieser relativ kurzen Zeit mit ihren 16 wissenschaftlichen Instituten sowie insgesamt neun Bachelor- und Masterstudiengängen eine beachtliche Entwicklung aufzuweisen. Dazu komme das Angebot „Deutsch als Fremdsprache“, was zur Vorbereitung auf die Hochschulausbildung von Studierenden aus über 30 Ländern ebenfalls gut aufgenommen werde. „Klein aber fein“ bereichere Friedensau mit derzeit etwa 200 Studierenden die Hochschullandschaft in Sachsen-Anhalt und auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten.

Bildung ist von unschätzbarer Bedeutung
Die Einrichtung, der Erhalt und die Förderung von Bildungsstätten, insbesondere von Hochschulen, erfordere von den jeweiligen Trägern ein hohes finanzielles Engagement, das sich nicht in einer einfachen Kosten-Nutzen-Rechnung darstellen lasse. Was man Menschen an Bildung gebe, könne nie durch einen materiellen Wert ausgedrückt werden, denn Bildung sei für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft insgesamt von unschätzbarer Bedeutung, so Schlumpberger. Auch für die kleine Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland mit derzeit etwa 35.000 erwachsen getauften Mitgliedern, sei es eine Mammutaufgabe, neben allgemein bildenden Schulen in der Bundesrepublik auch die Hochschule in Friedensau zu unterhalten. Aber sie tue es aus der Überzeugung, „weil sie um deren Bedeutung für die Freikirche aber auch für unsere Gesellschaft weiß“.

Wurzeln und Flügel
Heinz Schlumpberger erinnerte an die Aussage von Johann Wolfgang von Goethe: „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ Das gelte auch für eine theologische Hochschule, die Wurzeln in ihrer Kirche mit deren christlichem Menschenbild, ihren biblisch begründeten Glaubensüberzeugungen und dem von ihr erkannten Auftrag in dieser Welt und für alle Menschen in ihr habe. Andererseits gehöre zu einer Hochschule auch die Freiheit in Lehre und Forschung. Doch gerade hier könne es zu Spannungen kommen. Forschung bedeute auch Standpunkte auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, so wie es schon die Urchristenheit tat.

Doch gerade Kirchen jeder Denomination falle es schwer, Überzeugungen neu zu formulieren oder sogar Korrekturen zuzulassen Die Kirchenleitungen wollten bei ihren Mitgliedern keine Verunsicherung aufkommen lassen. Deshalb gebe es immer Personen, die insbesondere denen, die lehren und forschen, „gerne die Flügel stutzen würden, um damit sicher zu stellen, dass sie sich nur in einem begrenzten Raum, der wenige Risiken birgt, frei bewegen können“. Doch Fragen und Bedenken ernst zu nehmen, in einen konstruktiven Dialog zu treten, gehöre zum Berufsethos von Dozentinnen und Dozenten einer Hochschule, hob Schlumpberger hervor.

Hierbei sei ganz besonders der Rektor als Leiter und Repräsentant der Bildungseinrichtung gefragt. Er müsse dafür sorgen, dass die Balance zwischen Wurzeln und Flügeln ausgewogen sei. Er müsse auch im Blick haben, dass die Verwurzelung mit der Kirche bestehen bleibe und die Flügel der Freiheit in Lehre und Forschung dennoch wachsen und sich angemessen entwickeln könnten. Gegebenenfalls müsse er den Dialog moderieren, wenn wegen der Ausrichtung der Hochschule Problemfelder erkennbar würden. Der Rektor sollte dafür kämpfen, dass bei durchaus nachvollziehbaren einschränkenden Rahmenbedingungen die Sicherung der Qualität und deren Weiterentwicklung dennoch gewährleistet seien. Heinz Schlumpberger zeigte sich davon überzeugt, dass Professor Roland Fischer diesen Anforderungen gerecht werde.

Er wünschte dem neuen Rektor eine hohes Maß an Sensibilität in der Zuwendung zu Menschen, die Fähigkeit zuhören zu können, Entscheidungen wohl bedacht zu treffen, Visionen zu entwickeln, ohne den Blick auf das Realisierbare zu verlieren, und stets ausgleichend zu wirken, „ohne dafür den Preis für faule Kompromisse zu bezahlen“.

Ein Rektor ist nicht allein
Der Präsident der Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in West- und Südeuropa, der portugiesische Pastor Mario Brito, nahm die Amtseinführung von Professor Fischer durch Überreichung der Amtskette vor und sprach das Segensgebet. Er betonte, dass ein Rektor zwar die Verantwortung für das Gleichgewicht der Verwurzelung der Hochschule in der Freikirche und für eine akademische Weiterentwicklung trage, dass er dabei aber nicht allein sei. Er habe ein hoch engagiertes Team an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und könne als Christ auch auf die Hilfe Gottes vertrauen.

Beruflicher und akademischer Werdegang
Roland Fischer studierte nach dem Abitur von 1979 bis 1983 am Theologischen Seminar Marienhöhe der Siebenten-Tags-Adventisten in Darmstadt. Es folgten sieben Jahre als Jugendpastor in Augsburg und in Neunkirchen, wo er 1988 als Pastor ordiniert wurde. Von 1990 bis 1992 studierte er an der adventistischen Andrews University in Berrien Springs, Michigan/USA, und schloss mit dem Master of Divinity ab. Anschließend war er 13 Jahre als Hauptpastor in Kassel tätig. Während dieser Zeit erwarb er 2001 nebenberuflich den Abschluss als Diplom-Theologe an der Friedensauer Hochschule. Von 2002 bis 2004 erfolgte eine Weiterbildung als Mentor für Pastoren. Von 2005 bis 2012 wurde ihm von der Freikirche in Deutschland die Leitung des Instituts für Weiterbildung übertragen. Wieder berufsbegleitend absolvierte Fischer von 2003 bis 2007 ein Promotionsstudium an der Universität Bayreuth. Im Studiengang „Religiöse Sozialisation und Erwachsenenbildung“ promovierte er mit dem Thema „Bildung im Gottesdienst. Die Bibelschule der Adventgemeinde“ mit magna cum laude zum Doktor der Philosophie. Seit 2009 war er auch als Lehrbeauftragter für Praktische Theologie in Friedensau tätig. Ab 2011 lehrte er als Dozent für diesen Bereich Homiletik, Katechetik, Liturgik und Pastoraltheologie. Im Mai 2016 erfolgte die Berufung zum Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Friedensau.

Heinz Schlumpberger schloss in diesen beruflichen Werdegang auch Heike Fischer mit ein, Mutter dreier Kinder, mit welcher der neue Rektor seit 35 Jahren verheiratet ist. Sie habe ihrem Mann bei der Ausübung seines Berufes einschließlich der zeitaufwändigen Weiterbildung und wissenschaftlichen Qualifizierung „unterstützt und ihm den Rücken frei gehalten“.

Viel Erfahrung mit ausländischen Studierenden
Professor Dr. Armin Willingmann (SPD), Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung von Sachsen-Anhalt, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass Professor Roland Fischer nach den Professoren Baldur Pfeiffer, Udo Worschech, Johann Gerhardt und Friedbert Ninow der fünfte Rektor der Theologischen Hochschule Friedensau sei und damit der Hochschulrektorenkonferenz von Sachsen-Anhalt angehöre. Obwohl die Bildungsstätte erst vor 26 Jahren als Hochschule staatlich anerkannt wurde, gebe es im Land keine andere Hochschule, die mit ausländischen Studierenden so viel Erfahrung habe, wie Friedensau. Hier werde Interkulturalität gelebt. Auch sei die Hochschule international gut aufgestellt. Das zeige die Berufung des letzten Rektors Professor Ninow im vergangenen Jahr an die adventistische La Sierra Universität in Riverside, Kalifornien/USA, zum Dekan für den Fachbereich Theologie.

Lob für den Prorektor
Der Kanzler der Friedensauer Hochschule, Tobias Koch, würdigte die Arbeit von Prorektor Dr. phil. habil. Thomas Spiegler. Nach dem Weggang von Professor Ninow sei an der Hochschule eine einjährige Vakanz entstanden. Von Amts wegen übernehme in solch einem Fall der Prorektor zusätzlich zu seinen Verpflichtungen die Führungsverantwortung. Spiegler habe in dieser Zeit nicht nur den Studienbetrieb in geordneter und bewährter Weise fortgeführt, sondern auch „weiter nach vorn bewegt“. Die Hochschule sei in vollem Umfang handlungsfähig geblieben, sodass der Eindruck hätte entstehen können, es sei eigentlich kein neuer Rektor erforderlich.

Lust auf lernen und forschen
Pastor Friedbert Hartmann (Hannover), Mitglied im Vorstand der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass die Hochschule auch für die Ausbildung der Geistlichen der Freikirche in der Bundesrepublik eine hohe Verantwortung trage. Neben „Lust auf lernen und forschen“, sollten persönlicher Glaube sowie Forschung und Lehre einander ergänzen. Es gelte künftig noch mehr Frauen für das Theologiestudium zu gewinnen, damit auch sie in der Freikirche als Pastorinnen wirken könnten.

Gäste
Neben Staatssekretär Professor Willingmann nahmen an der Amtseinführung des Rektors unter anderem als Gäste teil: Der Rektor der Martin-Luther-Universität Halle, Professor Dr. Udo Sträter, der Rektor der Hochschule Anhalt, Professor Dr. Dieter Orzessek, der frühere Rektor und jetziger Dozent für Praktische Theologie der Theologischen Hochschule Elstal, Professor Dr. Volker Spangenberg, der Kanzler der Hochschule Harz, Michael Schilling, Dr. Jean-Claude Verecchia von dem mit Friedensau verbundenen adventistischen Newbold College in Binfield, Berkshire/England, und der Bürgermeister der Stadt Möckern, Frank von Holly. Friedensau war früher eine eigenständige politische Gemeinde und gehört seit 2002 als Ortsteil zu Möckern, einer Kleinstadt, die bereits im Jahr 948 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Studiengänge und Institute
Das 1899 in Friedensau gegründete theologische Seminar wurde 1990 als Hochschule staatlich anerkannt. An ihr sind gegenwärtig etwa 200 Studierende aus über 30 Ländern in den Fachbereichen Theologie und Christliches Sozialwesen immatrikuliert. Dekan des Fachbereichs Theologie ist Dr. Stefan Höschele. Professor Horst F. Rolly leitet das Dekanat Christliches Sozialwesen. An der Hochschule können die Studiengänge Bachelor Soziale Arbeit und Bachelor/Master Theologie, Master Sozial- und Gesundheitsmanagement, Master Counseling, Master of Theological Studies, Master Musiktherapie sowie Master International Social Sciences belegt und ein duales Bachelor-Studium Gesundheits- und Pflegewissenschaften sowie ein Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ absolviert werden.

Friedensau verfügt im Fachbereich Theologie über die wissenschaftlichen Institute Altes Testament und biblische Archäologie, Adventistische Geschichte und Theologie, Historisches Archiv der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa, Institut für seelische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter, Kirchenmusik, Missionswissenschaft, Religionsfreiheit, Sprachen sowie Weiterbildung. Im Fachbereich Christliches Sozialwesen sind es die Institute Evaluation in der Entwicklungszusammenarbeit und in der humanitären Hilfe, Institut für den Schutz von ethnischen, linguistischen und religiösen Minderheiten, Entwicklungszusammenarbeit, Familien und Sozialforschung, Sucht- und Abhängigkeitsfragen, Kulturrelevante Kommunikation und Wertebildung sowie Musiktherapie.

Weitere adventistische Bildungsstätten
Neben der Friedensauer Hochschule unterhält die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland an Bildungsstätten das Schulzentrum „Marienhöhe“ in Darmstadt mit Gymnasium, Kolleg, Real- und Grundschule sowie Internate, die Freie Adventschule Oberhavel (Grundschule) sowie die Immanuel-Gesamtschule in Oranienburg-Friedrichsthal, die Andrews-Advent-Grundschule in Solingen, die Daniel-Schule (Grundschule) in Murrhardt, die Elisa-Schule (Grund- und Realschule) in Herbolzheim-Tutschfelden, die Josia-Schule (Grund- und Hauptschule mit Realschulzweig) in Isny im Allgäu, die Advent-Schule (Grundschule) in Heilbronn und die Salomo-Schule (Grundschule) in Rastatt. Außerdem vier Kindergärten (Berlin, München, Fürth, Penzberg) sowie die Heilpädagogische Tagesstätte für Vorschulkinder in Neuburg/Donau.

Weltweit unterhält die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit insgesamt 7.579 Schulen – von der Grundschule bis zur Universität – das größte protestantische Bildungswerk.

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Neuer Kirchenleiter der Adventisten im südlichen Afrika

Pastor Solomon Maphosa hat seit 2005 als SID-Generalsekretär mit seinem Vorgänger in der Funktion als Präsident, Paul Ratsara, bis zu dessen Rücktritt am 31. Mai zusammengearbeitet. Ratsara hatte 2014 den Doktortitel in systematischer Theologie von der University of South Africa (UNISA), der grössten Universität in Südafrika, erhalten. Nach Fragen bezüglich der Urheberschaft eines Teils seiner Doktorarbeit trat Ratsara zurück. Er sei bereit, irgendwo in seinem Heimatgebiet als Bezirkspastor zu dienen, so Ratsara.

In die freigewordene Funktion als SID-Generalsekretär wurde Pastor Gideon P. Reyneke gewählt, der vorher zwei Abteilungen der SID-Kirchenleitung geführt hatte. Pastor Goodwell Nthani bleibt weiterhin der SID-Finanzvorstand.

Werdegang
Solomon Maphosa studierte Theologie an der Solusi University, Simbabwe, und schloss dort das Programm mit einem Bachelor der adventistischen Andrews University/USA ab, an der er später auch den Master in Religion und den Doktortitel (Doctor of Ministry) erhielt. Er arbeitete in der adventistischen Kirche von Simbabwe in verschiedenen Funktionen: als Evangelist, Bezirkspastor, Jugendabteilungsleiter, Generalsekretär und später als Präsident der regionalen Kirchenleitung. Solomon Maphosa ist verheiratet und hat einen Sohn, zwei Töchter und vier Enkel.

Kirchenleitung der Adventisten im südlichen Afrika und Indischen Ozean
Im Jahr 2015 gehörten 3,44 Millionen Adventisten zur Kirchenleitung im südlichen Afrika und Indischen Ozean mit Sitz in Pretoria/Südafrika. Zur SID gehören Länder wie Angola, Botswana, Lesotho, Madagaskar, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Swasiland.

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Religionsfreiheit, Toleranz und christlicher Glaube

Religionsfreiheit in Spanien und Frankreich
Die politische Entwicklung der Religionsfreiheit in Spanien von der mittelalterlichen Inquisition bis zur Gegenwart beleuchtete David Kramer, der selbst einige Jahre in Gemeindegründungsprojekten in Spanien tätig war. Kramer wies auf die enge Verquickung von spanischer Politik und römisch-katholischer Kirche, deren Folgen bis weit in das 20. Jahrhundert spürbar gewesen seien, hin: „Die Kirche war eine schlechte Kirche, weil sie sich staatlich gebärdete. Der Staat war ein schlechter Staat, weil er sich mit kirchlichen Federn schmückte“, so Kramer.

Norbert Laffin, Pastor und Gemeindegründer in der Normandie/Frankreich, gab einen Überblick über die politische Situation evangelischer Christen in Frankreich von der Reformation bis zur Gegenwart. Er sei dankbar für eine in der Geschichte nie gekannte Religionsfreiheit. „Evangelikal“ sei in Frankreich kein Unwort. Laffin wies aber auch auf notwendige Wachsamkeit gegenüber dem Staat hin: Die in Frankreich praktizierte Trennung von Religion und Politik (Laizität) dürfe nicht uminterpretiert und zu einer „religionsfeindlichen Laizisme“ werden.

Darf Religion tolerant sein?
Mit der Absolutheit religiöser Geltungsansprüche beschäftigte sich das Referat von Dr. Heinzpeter Hempelmann, Professor für Systematische Theologie und Philosophie an der Ev. Hochschule TABOR in Marburg. Religion sei deshalb gefährlich, weil sie Aussagen treffe, die absolute, universale und exklusive Geltung beanspruchen. Versuche, Religion durch Umgestaltung zu „domestizieren“, also tolerant und zahm zu machen, gingen am Kern der Religion vorbei. Hempelmann sprach sich deshalb für den „Weg einer schwachen Theologie“ aus: Auf alle Formen von Dominanz sollte verzichtet werden. Christen sollten zwischen „Persontoleranz und Sachtoleranz“ unterscheiden und „die Wahrheit in Liebe“ bekennen.

Menschenrechte und Mission
Dr. Christof Sauer, Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Kapstadt/Südafrika, und Professor für Religions- und Missionswissenschaft an der Evangelisch Theologischen Faculteit Leuven/Belgien, stellte die Bedeutung von vier neueren Dokumenten über christliche Verständigung zum Thema Religionsfreiheit vor: „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ aus dem Jahr 2011, „The Global Charter of Conscience“ von 2012, die „Tirana Botschaft“ zu Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium von 2015 und die „Marcham Message“ zum Thema Frauen und Verfolgung aus dem Jahr 2016.

Die Vorträge des Symposiums sollen in einem Tagungsband erscheinen. Die Internationale Hochschule Liebenzell ist eine staatlich anerkannte Fachhochschule , die Bachelor- und Masterstudiengänge in Theologie, Gemeindepädagogik und Soziale Arbeit anbietet. Sie steht unter der Trägerschaft der Liebenzeller Mission gGmbH.

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Adventisten in Panama stellen erstmals eine Pastorin an

Shesell Busby hat am adventistischen theologischen Seminar auf Kuba die mehrjährige theologische Ausbildung abgeschlossen und wird als Pastorin vier Kirchgemeinden in der Metro Los Andes Experimental Mission mitbetreuen.

„Als Mitglieder der panamaischen Kirchenleitung freuen wir uns, die erste Kirchenleitung in Zentralamerika zu sein, die Frauen, welche Theologie studiert haben und als Pastorin arbeiten wollen, die Tür dazu geöffnet hat“, schreibt die adventistische Kirchenleitung auf ihrer Facebook-Seite.

Die teilkontinentale adventistische Kirchenleitung in Zentralamerika (Interamerikanische Division, IAD), zu der die Kirchenleitung in Panama gehört, hat bisher noch keine Pastorinnen ordiniert. Die Kirchenleitung habe aber ihre Offenheit dazu bekundet, und die Beauftragung von qualifizierten Kandidatinnen sei ein Schritt zur Gleichheit im Pastorendienst, schreibt SPECTRUM, Zeitschrift der Vereinigung adventistischer Foren in den USA.

Adventistische Pastorinnen: Segnung aber keine Ordination
Frauen können nach der Entscheidung der Weltsynode 2015 nach ihrem mehrjährigen Theologiestudium in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorinnen „gesegnet“ und damit beauftragt werden, Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vorzunehmen; doch ist diese Vollmacht örtlich begrenzt. Während die Ordination von Pastoren innerhalb der Freikirche weltweit Gültigkeit hat, dürfen gesegnete Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung auch praktiziert. Ordiniert zum weltweiten Dienst werden lediglich männliche Geistliche. Nur sie dürfen in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung) berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig ist.

Adventisten in Panama
In Panama, mit 3.86 Millionen Einwohnern, haben Anfang 2014 rund 99.800 erwachsen getaufte Mitglieder der Siebenten-Tags-Adventisten in 295 Kirchgemeinden und 145 Gruppen Gottesdienst gefeiert.

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Lutherbibel 2017 und Bibelverbreitung weltweit

9.000 neue Luther-Altarbibel bestellt
„Wir haben im vergangenen Jahr entscheidende Schritte nach vorne gemacht“, berichtete DBG-Generalsekretär Dr. Christoph Rösel unter anderem mit Blick auf die überarbeitete Lutherbibel. Sie werde im Oktober in gedruckten und in diversen elektronischen Ausgaben erscheinen. Bei der Bibelgesellschaft seien aus den evangelischen Landeskirchen inzwischen mehr als 9.000 Bestellungen für Altarbibeln eingegangen. Wie das Interesse am gerade erfolgten Andruck der Bibel zeige, lasse sich für die Lutherbibel zum Reformationsjubiläum 2017 verstärkt öffentliche Aufmerksamkeit gewinnen, so Rösel.

Schwerpunkt weltweit: Übersetzung der Bibel in die Volkssprachen
Die Weltversammlung der Bibelgesellschaften habe im Mai in Philadelphia in den USA getagt. „Für die internationale Arbeit war das ein ganz wichtiges Ereignis“, betonte der DBG-Generalsekretär. Das Abschlussdokument wurde unter dem Titel „Philadelphia Promise“ veröffentlicht. Darin erkläre der Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies, UBS) die Übersetzung der Bibel in die Volkssprachen weiter zum Kernstück der Arbeit. Intensive Beziehungen zu den Kirchen, Bibelprogramme für spezielle Zielgruppen und die Nachhaltigkeit bibelgesellschaftlicher Arbeit seien weitere Punkte der Erklärung. Die Deutsche Bibelgesellschaft unterstütze Bibelprojekte weltweit durch ihr Spendenwerk „Weltbibelhilfe“.

Zur Vollversammlung der DBG sind rund 60 Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Bibelgesellschaften sowie von evangelischen Freikirchen und christlichen Werken zusammengekommen. Vorsitzender der Vollversammlung ist der ehemalige Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Dr. Johannes Friedrich.

200 Jahre Frankfurter Bibelgesellschaft
Frankfurt am Main sei als Tagungsort gewählt worden, da die Frankfurter Bibelgesellschaft in diesem Jahr das 200. Jubiläum feiere. Die Mitglieder der Vollversammlung nahmen an einem Festakt im Frankfurter Römer teil. Im „Bibelhaus Erlebnis Museum“ gibt es eine Jubiläumsausstellung mit dem Titel „fremde.heimat.bibel.“

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Bundeswehrkaserne nach einem zum Tode verurteilten Soldaten benannt

Wie die „Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz“ in Bremen mitteilte, setzte der damalige Bundesminister der Verteidigung, Rudolf Scharping (SPD), im Zuge der Umbenennung von Kasernen durch, dass eine Bundeswehr-Unterkunft in Rendsburg am 8. Mai 2000 den Namen „Feldwebel-Schmid-Kaserne“ erhielt. Diese wurde jedoch wegen Standortreduzierungen 2010 geschlossen. Seitdem engagierte sich die Bundesvereinigung dafür, dass eine andere noch genutzte Bundeswehreinrichtung den Namen des 1942 hingerichteten Feldwebels trägt.

Ein Judenretter in Uniform
Laut dem Historiker und Friedensforscher Wolfram Wette war der aus Wien stammende Feldwebel Anton Schmid der erste „Retter in Uniform“, der in Deutschland bekannt wurde. Sein Name fiel während des Eichmann-Prozesses in Jerusalem im Jahre 1961. Dem staunenden Publikum im Gerichtssaal berichtete der ehemalige Kommandeur jüdischer Partisanen, Abba Kovner, dass es 1941/42 in der litauischen Stadt Wilna „eine der“, wie er sagte, „seltensten und verblüffendsten Episoden dieser Zeit“ gegeben habe. Ein deutscher Feldwebel namens Schmid hätte eine größere Anzahl von Juden gerettet und sogar mit dem jüdischen Widerstand zusammengearbeitet. Er sei aufgeflogen und hingerichtet worden.

Heute wüssten wir Genaueres, so Wette. Danach war Feldwebel Anton Schmid in Wilna Leiter einer Versprengten-Sammelstelle, an die auch Werkstätten der Wehrmacht angegliedert waren. Er hätte schon vor dem Kriege verfolgten Juden geholfen und sei auch unter den Bedingungen des Vernichtungskrieges ein anständiger Mensch geblieben. Seine kleine, im Windschatten der vorgesetzten Feldkommandantur Wilna arbeitende Dienststelle, habe Schmid verschiedene Handlungsmöglichkeiten eröffnet: Er „arisierte“ zwei seiner jüdischen Schützlinge, um die er sich persönlich kümmern konnte, Max Salinger und Luisa Emaitisaite, mit falschen Papieren. Das Ehepaar Anita und Hermann Adler schützte er dadurch, dass er sie in einem Zimmer seiner Dienstwohnung unterbrachte. Andere, uns namentlich nicht bekannte Jüdinnen und Juden rettete er vor der Liquidierung, indem er sie als angeblich kriegswichtige Arbeitskräfte in den Werkstätten beschäftigte, die seiner kleinen Dienstelle angeschlossen waren und die er dort mit Facharbeiterausweisen ausstattete, die sie vor Verhaftung schützen sollten. Einige von ihnen rettete er ein zweites Mal, indem er sie nach Zugriffen von SS und litauischer Hilfspolizei wieder aus dem Lukischki-Gefängnis herausholte.

Zusammenarbeit mit dem jüdischen Widerstand
Darüber hinaus habe sich Feldwebel Anton Schmid schon zu einem frühen Zeitpunkt entschlossen, möglichst viele jener Juden, die bei ihm beschäftigt waren, in Sicherheit zu bringen, indem er sie aus dem Ghetto Wilna wegbrachte. In Zusammenarbeit mit führenden Personen des jüdischen Widerstandes leistete er mit einem ihm zur Verfügung stehenden Wehrmachts-Lkw etwa 300 verfolgten Juden aus dem Ghetto Fluchthilfe nach Bialystok und in andere Städte, die sicherer zu sein schienen als Wilna. Nach mehrmonatiger Rettungstätigkeit wurde Feldwebel Schmid denunziert, verhaftet, vor ein Feldkriegsgericht gestellt, zum Tode verurteilt und erschossen. Gerettete sagten über ihn: „Für uns war er so etwas wie ein Heiliger.“

Ein „Gerechter unter den Völkern“
Der zum Militärdienst zwangsverpflichtete 42-jährige Installateur aus Wien sei von der NS-Militärjustiz vermutlich wegen Feindbegünstigung oder Kriegsverrat zum Tode verurteilt worden, informierte Günter Knebel, Schriftführer der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz. Ein schriftliches Urteil gebe es nicht mehr, aber am 13.4.1942 wurde Schmid in Wilna von einem Exekutionskommando der Wehrmacht erschossen. 1967 wurde der „Retter in Uniform“ in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als „Gerechter unter den Völkern“ durch Pflanzung eines Baumes geehrt.

Der Menschlichkeit verpflichtet
Der in der bisherigen „Harz-Kaserne“ in Blankenburg beheimatete Teil des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sehe sich in besonderer Weise der Menschlichkeit verpflichtet, so Günter Knebel. Laut Leitbild wolle die Einheit sich „mit der Geschichte von deutschen Sanitäts- und Veterinärdiensten auseinandersetzen und außergewöhnliche Leistungen und den Opfermut ihrer Angehörigen bei der Rettung von Menschen und der Erfüllung ihrer spezifischen Aufgaben anerkennen“. Die Umbenennung dieses Standorts dürfte signalisieren, dass dieses Selbstverständnis dort auch „gelebt“ werde. Angesichts der nach Ansicht der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz oft problematischen und schwierigen Aufgaben, welche die Bundeswehr hierzulande und anderenorts erfülle, „hegen wir die Hoffnung, dass die Verpflichtung zur Menschlichkeit stets den höchsten Stellenwert einnimmt und nicht militärischen Interessen nachgeordnet wird“, unterstrich Knebel. Anton Schmid sei ein „einfacher Soldat“ gewesen, der „unter schwierigsten Bedingungen in einem verbrecherischen Angriffs- und Vernichtungskrieg mit spontaner Hilfsbereitschaft, Phantasie und widerständigem Geschick seiner humanitären Orientierung treu geblieben ist“.

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Über 19 Millionen Siebenten-Tags-Adventisten weltweit

David Trim, Direktor der Abteilung Archiv, Statistik und Forschung der Generalkonferenz, berichtete der internationalen Zeitschrift „Adventist World“: „Die 2.741 neuen Gemeinden, die wir 2015 gegründet haben, ist die größte Zahl an jährlichen Gemeindegründungen in unserer Geschichte. Sie übertrifft die 2.445 Ortsgemeinden, die wir 2014 gegründet haben. Und erst seit 1995 haben wir mehr als 40.000 Gemeinden.“ Das erneute Wachstum sei umso bemerkenswerter, weil die Freikirche, welche 1863 mit nur 3.500 Mitgliedern gegründet wurde, derzeit die Mitgliederzahlen umfassend überprüfe, um sicherzustellen, dass die Statistik der Realität entspreche, so Trim. In den letzten Jahren wären weltweit einige hunderttausend Mitglieder aus den Gemeindelisten gestrichen worden, da sie sich nach einem Umzug keiner anderen adventistischen Gemeinde anschlossen und ihre neuen Adressen nicht hätten ermittelt werden können.

Starker Mitgliederzuwachs in Afrika
Das stärkste Wachstum sei im vergangenen Jahr in der West-Zentralafrikanischen Division, eine der weltweit 13 teilkontinentalen Kirchenleitungen der Adventisten, verzeichnet worden. Hier wäre die Mitgliederzahl um 7,6 Prozent auf 683.318 Adventisten gestiegen. In Afrika seien 2015 insgesamt über eine Million Menschen getauft worden, informierte David Trim. So habe es beispielsweise nach evangelistischen Vorträgen in Simbabwe im Mai 2015 rund 30.000 Taufen gegeben. Ein Teil des Wachstums in der Südamerikanischen Division wäre inzwischen auf ein Programm zurückzuführen, mit dem ehemalige Gemeindemitglieder wiedergewonnen würden. Im April 2015 teilte die nordamerikanische Kirchenzeitschrift „Adventist Review“ mit, dass 15 Prozent der Neuzugänge in Südamerika ehemalige Mitglieder gewesen wären.

In Europa seien die Mitgliederzahlen dagegen stagnierend oder nur geringfügig steigend. In Deutschland gibt es rund 35.000 Adventisten, in der Schweiz 4.500 und in Österreich 4.100.

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Raumtrockner für Hochwasser-Opfer

Um überschüssige Feuchtigkeit aus den vom Hochwasser betroffenen Gebäuden zu entfernen, stelle ADRA Städten und Gemeinden Raumtrockner, Heizlüfter und Hochdruckreiniger zur Verfügung, so ADRA-Pressesprecher Martin Haase. In Baden-Württemberg hätten bereits mehrere Stadtverwaltungen dieses Angebot angenommen. Das Hilfswerk verfüge über rund 300 Industrieraumtrockner in unterschiedlichen Größen. Bei Bedarf würden den betroffenen Kommunen und Landkreisen, die sich jederzeit an ADRA wenden könnten, diese Raumtrockner zur Verfügung gestellt.

Anfragen können direkt an den ADRA Deutschland-Soforthilfekoordinator Gabriel Schönfeld unter Telefon 06151-8115707 oder per E-Mail an gabriel.schoenfeld@adra.de gerichtet werden.

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Die Menschenwürde wahren

Am diesjährigen Weltflüchtlingstag (20. Juni) lebten weltweit mehr als 60 Millionen als Binnenvertriebene, als Asylsuchende oder als Flüchtlinge in anderen Ländern, beklagt ADRA International. Die UNO habe die Syrienkrise, die rund die Hälfte der Bevölkerung von ihren Wohnorten vertrieben habe, als die größte humanitäre Katastrophe der Neuzeit bezeichnet.

Das ADRA-Netzwerk mit weltweit 126 Landesbüros habe in den Jahren 2010 bis 2015 rund fünf Millionen Flüchtlingen und im eigenen Land Vertriebenen geholfen. Gegenwärtig würden die ADRA-Landesbüros Flüchtlingen, Binnenvertriebenen, Asylsuchenden und Rückkehrern in Asien, Afrika, im Mittleren Osten sowie auf dem amerikanischen Kontinent beistehen. In der Syrienkrise helfe das Netzwerk den Binnenvertriebenen in Syrien, arbeite mit Flüchtlingen und Asylsuchenden im Libanon, Griechenland und anderen europäischen Ländern.

Aufgrund dieser beispiellosen humanitären Krise nutze ADRA den Weltflüchtlingstag für ihren Aufruf.

Internationale Gemeinschaft
Die internationale Gemeinschaft wird aufgerufen, bald eine humane Lösung zur Ansiedlung der in Griechenland und anderen Ländern gestrandeten Flüchtlinge zu finden. Gleichzeitig wird sie aufgefordert, die Fluchtgründe anzugehen. ADRA mahnt die internationale Gemeinschaft zudem der syrischen Regierung zu helfen, eine friedliche Lösung des Konflikts zu suchen und in anderen Ländern, aus den Menschen fliehen müssten, die Menschenrechtsprobleme sowie die Konflikte anzugehen.

Politiker
Die Politiker ruft ADRA auf, zu ihren Überzeugungen zu stehen und sich nicht vom Populismus beeinflussen zu lassen. „Was richtig und was falsch ist sowie Menschenwürde und Menschenrechte bleiben gleich, unabhängig von wechselnden Umständen.“

Medien
An die Medienschaffenden appelliert das Hilfswerk, verantwortlich und fair über die Flüchtlingskrise und die damit zusammenhängen Umstände zu berichten. Sie sollten die Ängste und Vorurteile der Menschen nicht durch eine unausgewogene Berichterstattung schüren.

Kirchen
Die Kirchen werden vom Hilfswerk aufgefordert ihren Mitgliedern Hinweise zu geben, was es bezüglich der Flüchtlingskrise bedeute, im Sinne Jesu zu handeln. ADRA arbeite in der Flüchtlingshilfe in Europa mit der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in den jeweiligen Ländern zusammen. Kirchen sollten sich ihrer Rolle gegenüber den Millionen Vertriebenen auf der Welt bewusst werden, so ADRA.

Der Einzelne
ADRA ermutigt Einzelpersonen, sich nicht von Eigennutz, Angst und Vorurteilen leiten zu lassen, sondern überlegt und mit Mitgefühl sowie auf der Basis der gemeinsamen Menschenwürde zu handeln. Alle könnten den Flüchtlingen helfen, auch wenn es nur ein gutes Wort, ein Gebet sei oder dass man sich über die Situation und das Schicksal der Flüchtlinge informiere. Dazu gebe es unter anderem Informationen bei:
− ADRA Deutschland: http://www.adra.de/
− ADRA Österreich: https://www.adra.at/fluechtlingshilfe/
− ADRA Schweiz: http://www.adra.ch/de/activities/europe/serbia/fluechtlinge/
− Das ADRA-Netzwerk hat zum Weltflüchtlingstag einen Video auf Englisch produziert: https://youtu.be/9Ni_pQcfMvE

ADRA
Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA-International (Adventist Development and Relief Agency) ist die weltweite Hilfsorganisation der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten im Bereich der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit. ADRA unterhält weltweit ein Netzwerk mit 126 regionalen und nationalen Landesbüros und gewährt Hilfe unabhängig von Rasse, ethnischer Herkunft, des Geschlechtes, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität.

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Ökumene beginnt vor Ort

Wichtiger Impulsgeber und Gesprächspartner
Reinhard Frieling zählt zu den besten Kennern der ökumenischen Szene in Europa. Mit seinen Veröffentlichungen und seiner Gremienarbeit war Frieling ein wichtiger Impulsgeber und hochgeschätzter Gesprächspartner. Er galt zugleich als moderationsfähig und konnte immer wieder ökumenische Prozesse ausgleichen und weiterführen.

Der westfälische Berufsschulpfarrer war seit 1967 Referent im Konfessionskundlichen Institut in Bensheim und von 1981 bis 1999 dessen Direktor. Als Institutsleiter hat Frieling Generationen von ökumenisch Lernenden geprägt und maßgeblichen Anteil daran gehabt, das Bensheimer Institut auch europaweit als Kompetenzzentrum zu etablieren. „Reinhard Frieling hat die Zeit des ökumenischen
Aufbruchs geprägt und zu gestalten gewusst“, würdigte Dr. Mareile Lasogga, Direktorin des Konfessionskundlichen Instituts seit Dezember 2015, die auf Wunsch des Jubilars auch den Festvortrag halten wird, den langjährigen Leiter. „Auch wenn sich die Situation heute deutlich verändert hat, bleibt doch die Aufgabe, die ökumenische Verständigung angesichts der Migrationsbewegungen aktiv voranzubringen vordringlich“, gibt Lasogga zu bedenken.

Mitarbeit in vielen Gremien
Die ökumenische Arbeit habe für Reinhard Frieling immer vor Ort begonnen. So engagiert er sich seit 1974 als beratendes Mitglied im Kirchenvorstand der Christuskirchengemeinde Heppenheim und war von 1981 bis 1999 Berufenes Mitglied der Dekanatssynode Zwingenberg. Für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) war Frieling von 1976 bis 1999 in der Theologischen Kontakt-Kommission der Hessischen Kirchenleitungskonferenz im Ökumenischen Arbeitskreis und in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Rhein-Main. Von 1984 bis 2002 gehörte Frieling als Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an und war seit 1986 Vorsitzender des Europa-Ausschusses. Frieling wurde von 1968 bis 2006 als Delegierter in die Vollversammlungen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) entsandt. Die Vollversammlungen der Konferenz Evangelischer Kirchen (KEK), die Gemeinschaft von mehr als 120 orthodoxen, anglikanischen, protestantischen und alt-katholischen Kirchen in Europa, habe Frieling durch sein Engagement maßgeblich mitgeprägt.

Das große Engagement schlug sich auch in der Mitwirkung an bedeutenden ökumenischen Grundsatzpapieren nieder. So war Frieling in Europa Co-Moderator des Redaktionsausschusses der Kommission für die „Charta-Oecumenica“, die 2003 von den christlichen Kirchen in Deutschland als Basis des ökumenischen Zusammenlebens unterzeichnet worden war und als eines der wichtigsten Dokumente der jüngsten europäischen Kirchengeschichte gilt.

Frieling war von 1981 bis 1999 Direktor des Evangelischen Bundes Bensheim, dem Träger des Konfessionskundlichen Instituts. Er lehrte als Honorarprofessor für Systematische und Ökumenische Theologie in Heidelberg und Marburg. Als Frielings Hauptwerk gilt „Der Weg des ökumenischen Gedankens“.

Die akademische Feier beginnt am Mittwoch, 15. Juni, um 11.30 Uhr in der Evangelischen Christuskirche in Heppenheim.

Forschen, Lehren, Informieren
Das Konfessionskundliche Institut wurde 1947 in Bensheim gegründet, wo es bis heute seinen Sitz hat. Die verschiedenen Referate im Institut für Catholica, Ostkirchen, Publizistik, Ökumene sowie Freikirchen und Innerprotestantische Ökumene, zudem ein externer beratender Mitarbeiter, der die Pfingstbewegung beobachtet, kommentieren die aktuellen Entwicklungen in der Ökumene. Die Bibliothek mit über 50.000 Bänden sowie mehr als 200 Pressediensten und Zeitschriften, die kontinuierlich gesammelt werden, bildet den Hintergrund für die Arbeit an den konfessionskundlichen Fragen der Gegenwart. Davon können Pfarrerinnen, Pfarrer sowie andere Mitarbeitende und Interessenten durch mehrere Zeitschriften und Buchreihen sowie Tagungen und Seminaren des Instituts profitieren.

Der Evangelische Bund e.V. in Bensheim ist Träger des Konfessionskundlichen Instituts. Die Arbeit des Instituts wird zudem von der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Evangelischen Kirche der Pfalz finanziell getragen.

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Adventisten in Nordamerika erschüttert über Massaker in Orlando

„Die Mitglieder der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Nordamerika sind tief betroffen und trauern um die Unschuldigen, die bei der tödlichsten Massenerschießung in der Geschichte der USA ihr Leben lassen mussten“, schrieb Pastor Daniel R. Jackson, Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in Nordamerika in einer Stellungnahme vom 12. Juni.

„Unser Beileid und unsere Gebete über die 50 Getöteten und 53 Verwundeten gelten ihren Familien, Nahestehenden und Freunden“, so Jackson. Die Adventisten würden auch für die Bewohner von Orlando beten, die tief betroffen und traurig über diese Tragödie seien.

„Wir verurteilen nachdrücklich den Hass, der zu dieser Massenerschießung geführt hat. Diese Art von sinnloser Gewalt hat keinen Platz weder in diesem Land noch anderswo auf dieser Welt“, so Daniel Jackson. „Es ist erschreckend, dass diese Leben wegen Hass auf tragische Weise verkürzt wurden. Wir beten, dass Gottes Liebe die Angehörigen der Opfer tröstet, deren Leben über Nacht zu einem Alptraum wurde.“

Es sei Aufgabe der Christen, alle Ausdrucksformen von Hass, angefangen bei Worten bis zu tödlicher Gewalt, zu verurteilen. „Alle Frauen, Kinder und Männer auf dieser Welt sind Kinder Gottes, egal ob sie glauben, leben oder lieben wie wir“, so Jackson.

Siebenten-Tags-Adventisten
Die evangelische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hat weltweit rund 19 Millionen Mitglieder, davon mehr als eine Million in Nordamerika. Aufgrund der in der Bibel beschriebenen Ideale versuchten Adventisten die Lebensqualität der Menschen zu verbessern, heißt es in einer Selbstdarstellung.

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60 Jahre Beratung von Kriegsdienstverweigerern in Deutschland

Verständnis für Soldaten in Gewissensnot gefordert
„Das Gewissen zu beraten und zu schärfen, gehört zu den elementaren friedensethischen Aufgaben der Kirche“, betonte Brahms unter Verweis auf die EKD-Friedensdenkschrift von 2007. Auch wenn die Zahl der Verweigerer derzeit gering sei, wäre es wichtig, dass Menschen, die von diesem Recht Gebrauch machen würden, eine professionelle Unterstützung erhielten. „Die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung im soldatischen Dienst ist ein Prüfstein für eine Parlamentsarmee in einer Demokratie“, gab der EKD-Friedensbeauftragte zu bedenken.

Brahms kritisierte, dass viele Soldatinnen und Soldaten, die den Kriegsdienst verweigern, vor den Verwaltungsgerichten landen würden. Es sei eine neue Aufgabe der EAK, diese Prozesse zu beobachten und die Durchsetzbarkeit des Menschenrechts auf Kriegsdienstverweigerung zu dokumentieren. Doch auch die Streitkräfte sieht der EKD-Friedensbeauftragte gefordert. „Hier ist es wichtig, dass auch in der Bundeswehr Verständnis für die Situation von Soldatinnen und Soldaten in Gewissensnot besteht“, mahne Renke Brahms und betonte dabei die Rolle der Pfarrerinnen und Pfarrer in der evangelischen Militärseelsorge. „Ihnen kommt hier eine wichtige Aufgabe zu.“

Soldaten per se keine Mörder aber potenzielle Kriegsteilnehmer
Der EKD-Friedensbeauftragte warnte aber auch davor, den Dienst in der Bundeswehr zu beschönigen oder zu verharmlosen. „Soldatinnen und Soldaten sind nicht per se Mörderinnen und Mörder, aber Soldatinnen und Soldaten sind per se potenzielle Kriegsteilnehmer.“ Das müsse auch bei der Nachwuchswerbung deutlich werden, betonte er mit Blick auf den „Tag der Bundeswehr“ am 11. Juni in Bonn.

Kriegsdienstverweigerung auch heute hochaktuell
Das Thema Kriegsdienstverweigerung sei auch nach Aussetzung der Wehrpflicht hochaktuell, betonte Dr. Christoph Münchow, Bundesvorsitzender der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK), bei der Pressekonferenz aus Anlass des 60-jährigen Bestehens des evangelischen Friedensverbandes. „Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht“, unterstrich Münchow. Und er fügte hinzu: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Dienst mit der Waffe gezwungen werden. Dies ist in jedem Land der Erde zu achten und zu respektieren.“

Kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung in vielen Staaten
Leider gebe es aber nach wie vor viele Staaten, nicht zuletzt auch in der Europäischen Union, in denen eine Kriegsdienstverweigerung nicht möglich wäre und in denen Menschen, die ihrem Gewissen folgten, mit sozialer Ausgrenzung, Diskriminierung oder sogar mit Gefängnis bedroht seien, beklagte der EAK-Bundesvorsitzende. Hier gelte es, wachsam zu sein und immer wieder darauf hinzuweisen, dass hier ein Menschenrecht missachtet werde.

Konkrete Angaben zu Kriegsdienstverweigerern fehlen
Doch auch in Deutschland gebe es nach wie vor Menschen, die aus Gewissensgründen den Dienst mit der Waffe verweigern, betonte Jasmin Schwarz, Referentin für Kriegsdienstverweigerung in der EAK, bei der Pressekonferenz in Bonn. „Wir erhalten immer wieder Anrufe von Soldatinnen und Soldaten, die aus Gewissensgründen den Kriegsdienst mit der Waffe ablehnen und daher während ihrer Dienstzeit einen KDV-Antrag stellen“, erläuterte sie. Das zeige, wie wichtig die Arbeit der EAK auch heute noch sei.

Sie kritisierte, dass es keine konkreten Angaben über die Zahl der Kriegsdienstverweigerer in Deutschland gebe. „Die Angaben für das vergangene Jahr schwanken zwischen 178 und 284 KDV-Anträgen. Gleiches gilt auch für die Jahre davor. Das kann eigentlich nicht sein“, meinte Jasmin Schwarz. Ebenso würden keine Informationen darüber vorliegen, welche KDV-Verfahren auf welchem Weg, ob schriftlich oder vor Gerichten, entschieden würden. „Interessant wäre es zudem, zu wissen, wie viele abgelehnte KDVler im Nachhinein noch ein Dienstunfähigkeitsverfahren einleiten müssen, weil sie sich nach der Ablehnung erst recht nicht mehr in der Lage sehen, bei der Bundeswehr zu arbeiten. Hier gibt es noch großen Nachholbedarf“, hob die EAK-Referentin hervor.

Viele Beratungsstellen geschlossen
Mittlerweile gehöre die EAK zu den wenigen Organisationen, die noch bundesweit eine KDV-Beratung anbieten, nachdem nach der Aussetzung der Wehrpflicht viele Beratungsstellen geschlossen worden seien, so Jasmin Schwarz. „Allerdings kann der Deutsche Bundestag diese Aussetzung der Wehrpflicht wieder rückgängig machen“, gab sie zu bedenken. Darum müsse die EAK gemeinsam mit ihren Mitgliedern auch zukünftig darauf vorbereitet sein, Menschen in ihrer Gewissensbildung und Gewissensnot zu begleiten. Und Christoph Münchow ist überzeugt: „Auch nach 60 Jahren ist unsere Arbeit nach wie vor wichtig und sie ist dringend erforderlich.“

EAK als Teil der Friedensarbeit der EKD
Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) ist innerhalb der „Konferenz für Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)“ der Dachverband für diejenigen, die in den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen für Fragen der Kriegsdienstverweigerung (KDV) und Friedensarbeit zuständig sind. Bundesvorsitzender der EAK ist Oberlandeskirchenrat i.R. Dr. Christoph Münchow. Die EAK ist Teil der Friedensarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland und beschäftigt sich mit Fragen der Friedensethik, Friedenstheologie, Friedenspolitik und Friedenspädagogik. Weiter Informationen zur EAK unter www.eak-online.de
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„Ich war ein Fremder“

Da die evangelische Freikirche den biblischen Ruhetag am Samstag (Sabbat) feiert und damit auch die Gottesdienste an diesem Tag stattfinden, wird am 18. Juni global ein Flüchtlingssabbat begangen, an dem für Geflüchtete gebetet werden soll. In den Gottesdiensten sollen den weltweit 19 Millionen Adventisten Einblick über Fluchtgründe wie Krieg, Terror, Armut und Klimawandel gegeben, aber auch über Hilfsmöglichkeiten und den Umgang mit Flüchtlingen aufgrund biblisch-christlicher Ethik informiert werden.

Mit offenen Armen und Skiunterricht willkommen geheißen
In seinem Artikel „Vollkommene Barmherzigkeit“ fordert Pastor Ted N. C. Wilson, der Präsident der Generalkonferenz, Adventisten in aller Welt auf, wie Jesus Menschen in Not Barmherzigkeit zu erweisen. Dabei gehe es neben der Sorge um das körperliche und soziale Wohlergehen auch um Seelsorge.

An Beispielen wird praktische Flüchtlingshilfe anschaulich gemacht. So habe die kleine adventistische Gemeinde im schwedischen Nyhyttan etwa 100 Flüchtlinge „mit offenen Armen und kostenlosem Skiunterricht willkommen“ geheißen. „Es war etwas kalt und ungewohnt für sie, mit den Skiern und Schlittschuhen, aber es hat ihnen auch eine Menge Spaß gemacht“, sagte Lars Gille, ein pensionierter adventistischer Pastor und einer der städtischen Koordinatoren für die Flüchtlinge. Auch Schwedischunterricht sei erteilt und Winterkleidung ausgegeben worden. Mitglieder der Gemeinde hätten Flüchtlinge nach Hause eingeladen, um den schwedischen Lebensstil aus erster Hand zu erleben.

Aus England reise jeden Sonntag eine Gruppe von Ehrenamtlichen an, um mitgebrachte Lebensmittel und Kleidung in einem Flüchtlingslager in Dünkirchen in Frankreich zu verteilen. Während die adventistischen Helfer Essen kochten und frisches Obst verteilten, sei ihr Hauptziel, auch Mitgefühl zu zeigen, „indem wir ihnen einfach sagen, dass sie nicht allein sind, dass es in England, dem Land, in das sie verzweifelt gelangen wollen, eine ganze Kirchengemeinde gibt, die für sie betet“, so Sasha Becejac, einer der Leiter der Adventgemeinde in Newbold im Süden Großbritanniens.

Ein Mann aus Eritrea erzählt, warum er nach Deutschland geflohen sei, und eine Deutsche erklärt, warum sie ihm helfe. In der Bundesrepublik gebe es etwa 80 Flüchtlingsprojekte mit adventistischer Beteiligung, weitere seien in Planung, so Sylvia Kontusch, die ehrenamtlich die Flüchtlingsarbeit im Süddeutschen Verband der Adventisten koordiniert. In Österreich beteiligten sich etwa zehn Adventgemeinden an Flüchtlingsprojekten, in der deutschsprachigen Schweiz wären es fünf. Auch in diesen Ländern seien weitere Aktivitäten der Freikirche für Geflüchtete in Vorbereitung.

Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen
Pastor Benjamin D. Schoun, Vorsitzender des Generalkonferenz-Ausschusses zur Koordination der adventistischen Hilfe für Vertriebene in Europa, erläutert, was von der Freikirchenleitung unternommen werde, um Flüchtlingen zu helfen. Peter N. Landless, Direktor der Gesundheitsabteilung der Weltkirchenleitung, befasst sich mit der Frage was eine örtliche Kirchengemeinde in der Flüchtlingskrise tun könne. Mitarbeiter der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Slowenien berichten über ihre persönlichen Erlebnisse mit Flüchtlingen. Blia Xiong vom Volk der Hmong schildert ihre Flucht von Laos nach Thailand. Julian Melgosa, stellvertretender Leiter der Bildungsabteilung der Generalkonferenz, gibt Hinweise zum Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen. Auf die Nöte von Flüchtlingskindern geht die klinische Psychologin L. Ann Hamel ein. In zwei Artikeln wird die Bibel zur Thematik befragt. Kurz erläutert werden zudem einige Begriffe, wie Asylsuchende, Binnenvertriebene oder Staatenlose.

Die Juni-Ausgabe 2016 der Zeitschrift „Adventist World“ ist im Internet unter https://www.dropbox.com/s/86ggdkl8gpbg2a0/Adventist-World-2016-06.pdf?dl=0 zu finden.

Für den Gottesdienst zum Weltflüchtlingstag am 18.6.2016 hat die Steuerungsgruppe des Aktionsbündnisses „Gemeinsam für Flüchtlinge“ der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland eine Gestaltungshilfe herausgegeben.
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Neuer Rektor der Theologischen Hochschule Friedensau

Heinz Schlumpberger, Tübingen, Mitglied des Kuratoriums der Friedensauer Hochschule, hält die Festansprache. Professor Dr. Armin Willingmann, Staatssekretär im Ministerium Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, die Rektoren der Martin-Luther-Universität Halle und der Hochschule Anhalt sowie der Kanzler der Fachhochschule Harz werden an der Veranstaltung unter anderem teilnehmen, ebenso der Bürgermeister der Stadt Möckern, Frank von Holly. Friedensau war früher eine eigenständige politische Gemeinde und gehört seit 2002 als Ortsteil zu Möckern.

Roland Fischer, 1960 in Bayreuth geboren, seit 2011 Dozent am Fachbereich Theologie, studierte in Deutschland und den USA, war 28 Jahre lang als Pastor tätig, ehe er die Dozententätigkeit an der Theologischen Hochschule Friedensau aufnahm. Er promovierte an der Universität Bayreuth. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Gemeindepädagogik und Predigtlehre (Homiletik). Im Mai 2016 wurde er zum Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Friedensau berufen.

Der Vorgänger von Fischer, Professor Dr. Friedbert Ninow, wurde bereits im Juni 2015 in einem Festakt verabschiedet. Er leitete seit 2011 die Hochschule und erhielt zum Sommersemester 2015 eine Berufung an die adventistische La Sierra Universität in Riverside, Kalifornien/USA, zum Dekan für den Fachbereich Theologie. An der Universität sind über 2.400 Studierende in den Fachbereichen Kunst und Wissenschaften, Betriebswirtschaft, Pädagogik sowie Theologie eingeschrieben.

Die Amtsgeschäfte in Friedensau übernahm für die Übergangszeit Prorektor Dr. phil. habil. Thomas Spiegler. Er ist Dozent für Soziologie und empirische Sozialforschung an der Hochschule.

Die staatlich anerkannte Theologische Hochschule Friedensau mit ihren 15 wissenschaftlichen Instituten bietet insgesamt neun Bachelor- und Masterstudiengänge in den Fachbereichen Christliches Sozialwesen und Theologie an. Außerdem kann zur Studienvorbereitung der Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ belegt werden. In Friedensau sind gegenwärtig etwa 200 Studierende aus über 30 Ländern immatrikuliert.
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Pan-Orthodoxes Konzil findet wie vorgesehen in Kreta statt

In den letzten Wochen habe es laut CBS KULTUR INFO aus verschiedenen autokephalen orthodoxen Kirchen kritische Stimmen gegeben bis hin zum Verlangen nach Absage des Konzils auf Kreta/Griechenland. In der Verlautbarung aus Konstantinopel heißt es wörtlich: „Der Heilige Synod hat mit Überraschung und Verwunderung von Positionen und Meinungen Kenntnis genommen, die in jüngster Zeit von einigen orthodoxen Schwesterkirchen zum Ausdruck gebracht worden sind“. Es gebe keinen institutionellen Rahmen für eine Revision des in Gang befindlichen synodalen Prozesses, wird weiter festgestellt. Die Oberhäupter der orthodoxen Kirchen müssten, wie vom Statut des Konzils vorgesehen, Vorschläge zur Veränderung, Korrektur oder Anreicherung der Konzilstexte, die bei den panorthodoxen vorkonziliaren Treffen und den Primatialversammlungen einstimmig genehmigt worden waren, bei den Konzilssessionen einbringen.

Das Ökumenische Patriarchat, welches „die erste Verantwortung für die Bewahrung der Einheit der Orthodoxie“ trage, appelliere an alle, zu den vorgesehenen Daten an den Sitzungen des Konzils auf Kreta teilzunehmen, wie es auf pan-orthodoxer Ebene sowohl bei den Primatialversammlungen als auch von den bevollmächtigten Delegierten der Kirchen während des langdauernden Vorbereitungsprozesses des Konzils beschlossen worden sei.

Damit reagierte das Ökumenische Patriarchat auf das oberste Leitungsgremium der bulgarisch-orthodoxen Kirche, das laut domradio.de eine Verschiebung der Kirchenversammlung forderte beziehungsweise drohte, nicht daran teilzunehmen, weil sie mehrere Textvorlagen ablehnten.

Im März 2014 kündigten die in Istanbul versammelten orthodoxen Patriarchen und Metropoliten das Konzil für 2016 in Istanbul an. Bei einer allorthodoxen Versammlung vom 21. bis zum 28.1.2016 in Chambésy bei Genf/Schweiz wurde beschlossen, das Konzil nicht nach Istanbul, sondern nach Kreta einzuberufen und zwar für die Zeit vom 19. bis 26. Juni. Tagungsort wird die Orthodoxe Akademie von Kreta in Kolymvari sein. Da das Erzbistum von Kreta zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel gehört, verbleibt das Konzil im Jurisdiktionsbereich des Ökumenischen Patriarchen. Das Konzil soll mit einem feierlichen Gottesdienst in der Kathedrale „Hagios Minas“ in der kretischen Hauptstadt Iraklio eröffnet werden.
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„Kein geistlicher Unterschied zwischen Mann und Frau“

Bedauern und Unverständnis
Den Beschluss der Synode der ELKL, die Ordination von Frauen in das Pfarramt abzuschaffen, habe Bischof Ulrich in seiner Stellungnahme „mit tiefem Bedauern“ und „mit Unverständnis“ entgegengenommen. Gerade für Lutheraner in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) könne es in geistlicher Hinsicht einen Unterschied zwischen Mann und Frau nicht geben. Alle Christen seien gleich und in gleicher Weise durch die Taufe zu Gliedern der Kirche und zur Priesterschaft berufen. Schon Martin Luther habe in seiner Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ betont: „Was aus der Taufe gekrochen ist, das darf sich rühmen, dass es schon zu Priester, Bischof und Papst geweiht sei.“

Keine theologisch begründete Geringschätzung der Frau durch Paulus
Die Begründung der Verfassungsänderung mit der Aussage des Apostels Paulus, wonach Frauen in der Versammlung der Gemeinde zu schweigen und sich unterzuordnen hätten (1. Korinther 14,34), vernachlässige den Zusammenhang dieses Zitates, so Gerhard Ulrich. Paulus spreche an dieser Stelle eine offizielle Gemeindeversammlung in Korinth an. Es sei ein in der damaligen Zeit verbreiteter Rechtsgrundsatz gewesen, dass Frauen in öffentlichen Versammlungen zu schweigen hätten.

Paulus sei dieser Praxis gefolgt – allerdings nicht aus theologischen Gründen, sondern mit Rücksicht auf die damals gängige kulturelle und rechtliche Ordnung. Heute würde der Apostel auch aus solchen Gründen vermutlich genau für das Gegenteil eintreten. Mit der Beachtung der damaligen Rechtsordnung verbinde Paulus jedoch keine grundsätzliche oder gar theologisch begründete Geringschätzung der Frau. Im Gegenteil: Er selbst bezeuge, dass Frauen in Gebetsversammlungen und in der entstehenden Kirche ganz gleichberechtigt wie die Männer beten und prophetisch reden konnten und sollten. Beweis dafür wären die vielen Frauen, die Paulus in seinen Briefen als Gemeindemitglieder und Mitwirkende erwähne.

Der Apostel habe Frauen als gleichwertige Verkündigerinnen an seiner Seite geschätzt. In seinen Briefen würden in diesem Zusammenhang mindestens zwölf Frauen erwähnt, welche an wichtigen Positionen in Verkündigung und Gemeinde gestanden hätten. Zusammenfassend schreibe Paulus: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“. (Galater 3,27 f.)

Entscheidung der Synode ein Rückschritt
In einem Brief vom 29.6.2015 an Erzbischof Janis Vanags und die Kirchenleitung der ELKL habe der Leitende Bischof der VELKD bereits seiner Sorge über den eingeschlagenen Weg zum Ausdruck gebracht und auf die Belastung hingewiesen, „welche die Verweigerung der Frauenordination für unsere Beziehungen bedeuten würde“. Nicht nur in der Nordkirche in Deutschland, sondern auch im Lutherischen Weltbund (LWB) und in der VELKD gebe es seit Jahrzehnten vielfältige Kontakte und kooperative Bezüge zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland.

Landesbischof Ulrich hält die Entscheidung der Synode „für einen Rückschritt, der die Evangelisch-Lutherische Kirche in Lettland zudem großer Chancen für das Amt von Wort und Sakrament beraubt“. Täglich mache er die Erfahrung: „Ohne den wertvollen Dienst, den all unsere weiblichen Ordinierten leisten, wäre unsere Kirche nicht nur deutlich ärmer. Es wäre schier unmöglich, die vielen Aufgaben in den Gemeinden und Einrichtungen zu meistern, wenn wir nicht all diese engagierten und kompetenten Pastorinnen hätten.“ Zum anderen sehe er in der Abschaffung der Frauenordination ein fatales Signal an die Kirchengemeinschaft im Lutherischen Weltbund.

Ulrich machte das Angebot, über die Thematik „in ein sachliches, geschwisterliches Gespräch mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland zu kommen“. Er biete dies in dem Wissen an, dass die Frauenordination in den Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland erst vor 25 Jahren prinzipiell und vollständig eingeführt worden sei.
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Adventisten beim Präventionskongress in Magdeburg

Nein zur Gewalt gegen Frauen
Die Abteilung „Frauen“ der Freikirche informierte in Magdeburg über das gemeinsam mit der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA durchgeführte weltweite Projekt „Enditnow – Sag nein zur Gewalt gegen Frauen“. Dabei war auch die häusliche Gewalt im Blickpunkt. Zudem wurde auf die Handreichung der Freikirche für Haupt- und Ehrenamtliche in der Kinder- und Jugendarbeit „Sexueller Gewalt begegnen“ hingewiesen. Die Handreichung ist in deutscher, englischer und russischer Sprache verfügbar. Der Fachbeirat „Sexueller Gewalt begegnen“ und das Religionspädagogische Institut der Siebenten-Tags-Adventisten erstellten darüber hinaus mit dem Titel „Wenn ich mal nicht weiterweiß“ zur Thematik Infos und Tipps für Kinder. Näheres dazu gibt es im Internet unter www.enditnow.de und www.sexueller-gewalt-begegnen.de .

Hilfe für genitalverstümmelte Frauen
Ein Faltblatt, das am Stand in Englisch und Deutsch auslag, gab einen Einblick in das „Desert Flower Center“ am adventistischen Krankenhaus „Waldfriede“ in Berlin-Zehlendorf. Dort erhalten Frauen mit Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) seit 2013 medizinische sowie psychosoziale Hilfe und Betreuung. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) würden täglich 8.000 Mädchen durch die sogenannte rituelle Beschneidung der weiblichen Genitalien verstümmelt. Weltweit gebe es 150 Millionen beschnittene Frauen und Mädchen. FGM werde nicht nur in bestimmten Ländern Afrikas oder Asiens praktiziert. Selbst in Deutschland lebten 50.000 Opfer mit Genitalverstümmelung.

Außerdem wurde in Magdeburg über die Flüchtlingshilfe von ADRA informiert. Das Hilfswerk vertritt den Standpunkt: „Je mehr Flüchtlinge in ihrer Heimat Schutz finden, desto weniger müssen sich auf eine lebensgefährliche Flucht begegnen.“ Infos gab es auch zum Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen in Leipzig, eine Einrichtung des Advent-Wohlfahrtswerks der Freikirche.

Internationaler Informations- und Erfahrungsaustausch
Der jährliche Deutsche Präventionstag ist der größte europäische Kongress speziell für das Arbeitsgebiet der Kriminalprävention sowie angrenzender Präventionsbereiche. Das Spektrum des Kongresses reicht von der Suchtprävention über die Verkehrsprävention bis hin zu den verschiedenen Präventionsbereichen im Gesundheitswesen. Die Veranstaltung bietet mit über 500 Referenten eine internationale Plattform zum interdisziplinären Informations- und Erfahrungsaustausch in der Prävention. Aus aktuellem Anlass wurde in diesem Jahr insbesondere die Schnittmengen der Kriminalprävention mit den Themenkomplexen Integration, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Radikalisierung und Demokratiestärkung näher beleuchtet.
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Katholische Kirche bekennt sich zur Religionsfreiheit für alle

In seiner Botschaft dankte der Kardinal allen, die in Deutschland ihre „helfende Hand“ den Flüchtlingen gereicht hätten. Der Dienst von Christen, Juden und Muslimen sei ein gemeinsames Zeichen für die Menschenfreundlichkeit Gottes. In einem zweiten Gedanken kam Marx auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) zu sprechen, in dem sich die römisch-katholische Kirche unzweideutig zur Religionsfreiheit als einem universalen Menschenrecht bekannt habe.

Die Religionsfreiheit leite sich von der Würde des Menschen ab und müsse deshalb überall beachtet werden, so das Kirchenoberhaupt. Es gehe dabei um die Freiheit der Gläubigen der eigenen Gemeinschaft und ebenso um die Freiheit der Anders- und der Nichtglaubenden. Kardinal Marx betonte: „Die katholische Kirche lehnt alle Forderungen populistischer Bewegungen, die die Religionsfreiheit der Muslime in Deutschland einschränken wollen, unzweideutig ab. Und mit gleicher Eindeutigkeit treten wir der Verweigerung der Religionsfreiheit für die Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern entgegen.“

Die Grußbotschaft von Kardinal Marx ist im Internet unter www.dbk.de zu finden.
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Weltweit starke Nachfrage nach Bibeln: Verbreitung überschreitet erstmals 34-Millionen-Marke

In der UBS-Region Europa und der Nahe Osten hätten Bibelgesellschaften im vergangenen Jahr 2,4 Millionen Bibeln verbreitet (2014: 1,42 Millionen) und mehr als 10 Millionen biblische Schriften insgesamt. Prozentual am stärksten gewachsen seien dabei die Verbreitungszahlen in Ländern, die von Krieg, Gewalt und Flüchtlingsnot betroffen sind. In Syrien, dem Irak, dem Libanon, Jordanien und der Türkei hätten Bibelgesellschaften im vergangenen Jahr 142 000 Bibeln verbreitet, mehr als anderthalb Mal so viel wie 2014. Zugleich gebe es in diesen fünf Ländern eine zunehmende Nachfrage nach kleineren biblischen Publikationen wie Kalendern und Broschüren. Sie könnten nach den Erfahrungen der dortigen Bibelgesellschaften leichter von ehrenamtlich Mitarbeitenden transportiert und weitergegeben werden.

„Die Statistik zeigt, dass die Nachfrage nach Bibeln weltweit wächst“, sagte Horst Scheurenbrand, Leiter der Weltbibelhilfe der Deutschen Bibelgesellschaft. Die meisten Bibeln hätte auch 2015 die Brasilianische Bibelgesellschaft verbreitet. Mit 7,62 Millionen Ausgaben steigerte sich dort die Zahl gegenüber dem Vorjahr um rund 10.000. China bliebe mit 4,5 Millionen Bibeln weltweit die Nummer zwei. Indien und die Philippinen hätten mit 30,8 Millionen und 15,5 Millionen die höchste Zahl an biblischen Schriften in ihrer Geschichte verbreitet. Auf dem afrikanischen Kontinent seien 9,65 Millionen Bibeln verteilt und verkauft worden.

Zahlen von Verlagen und Organisationen, die nicht dem Weltverband angehören, blieben bei der UBS-Statistik unberücksichtigt. Der Weltverband der Bibelgesellschaften ist der internationale Zusammenschluss von 148 nationalen Bibelgesellschaften, zu denen auch die Deutsche Bibelgesellschaft gehört. Die Bibelgesellschaften sind in rund 200 Ländern aktiv. Mehr Informationen unter www.weltbibelhilfe.de

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Christen, Juden und Muslime gemeinsam für Flüchtlinge

Nicht nur Dialog, sondern gemeinsames Tun
Es gebe in Deutschland nur ganz wenige interreligiöse Projekte bei denen schon auf Projektträger-Ebene maßgebliche christliche, jüdische und muslimische Organisationen zusammenarbeiten würden, betonte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, Dr. Günter Krings. Bei „Weißt du, wer ich bin?“ gehe es nicht nur um den Dialog zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften, sondern auch um das gemeinsame Tun. Dadurch leiste das Projekt „einen gewichtigen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen und damit auch zur Stärkung unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts insgesamt“. Zudem wies Krings darauf hin, dass gerade Menschen, die wegen ihrer Religion aus ihrer Heimat geflohen seien, hier Frieden finden sollten. Das Bundesministerium des Innern unterstütze das Projekt mit insgesamt 500.000 Euro.

Ein gesamtgesellschaftlicher Kraftakt
„Die Aufgaben, vor denen wir stehen, erfordern nicht weniger als einen gesamtgesellschaftlichen Kraftakt“, gab Erzbischof Stefan Heße (Hamburg), Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, zu bedenken. Doch das beeindruckende Maß an Solidarität, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl, mit dem sich zahlreiche Menschen in Deutschland für die Anliegen von Flüchtlingen und Asylbewerbern einsetzten, gebe Anlass zur Zuversicht. „Das weitverbreitete ehrenamtliche Engagement ist Ausdruck einer starken und lebendigen Zivilgesellschaft.“ Christen sollten sich ins Gedächtnis rufen, dass der Glaube an einen barmherzigen Gott sie mit Juden und Muslimen verbinde, so der Erzbischof. Die Tora, das Evangelium und der Koran sprächen auf vielfältige und eindrückliche Weise von der Barmherzigkeit Gottes, aus der sich zugleich ethische Fürsorgepflichten des Menschen ergeben würden. Dass Christen, Juden und Muslime auf die Fluchtbewegungen unserer Tage mit großer Hilfsbereitschaft reagierten, verdankten sie nicht zuletzt dieser gemeinsamen religiösen Grundlage. „Die Frage nach dem Beitrag, den die Religionen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zu gelingender Integration leisten können, wird uns auch auf längere Sicht beschäftigen“, sagte Heße.

In einer multi-religiösen Gesellschaft friedlich zusammenleben
Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, betonte, interreligiöse Projekte seien wichtiger denn je, denn so drängend wie lange nicht stelle sich die Frage, „wie wir in dieser pluralistischen und multi-religiösen Gesellschaft friedlich zusammenleben können“.

„Deutschlandweit werden von allen Gemeinschaften tolle Projekte in der Flüchtlingshilfe durchgeführt“, ist Burhan Kesici, Sprecher des Koordinationsrats der Muslime und Vorsitzender des Islamrates für die Bundesrepublik Deutschland, überzeugt. Die bisherige Vernetzung und Koordination zwischen den Projekten wäre sicher noch ausbaufähig. Islamische Gemeinden und Einrichtungen könnten hier als Brückenbauer einen wichtigen Beitrag zur Integration der Neuankömmlinge leisten.

Zeit und Geduld für interreligiöse Begegnungen
In dem anschließenden Podiumsgespräch ging es um die Frage „Was braucht’s damit aus Fremden Freunde werden?“. Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, wies darauf hin, dass Flüchtlinge aus allen Religionen nach Deutschland kämen. Vieles sei für sie neu und sie hätten auch Fragen zum Christentum. Hierbei gelte es, ohne sie vereinnahmen zu wollen, ihnen verständlich zu machen, was Christsein bedeute. Erol Pürlü vom Verband islamischer Kulturzentren meinte, Begegnungen und Gespräche führten zum Kennenlernen und Vertrauen, sodass dann auch ein gemeinsames Handeln möglich wäre.

Professor Dr. Doron Kiesel, Vertreter des Zentralrates der Juden, sagte, dass viele Flüchtlinge die nach Deutschland kämen, bereits in ihrer Heimat von Vorurteilen gegenüber dem Judentum geprägt wären. Das verändere sich nicht automatisch mit dem Grenzübertritt. Es bedürfe deshalb gemeinsamer Begegnungsmöglichkeiten um diese Ressentiments abzubauen. Auch die Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche und stellvertretende Vorsitzende der ACK Deutschland, Rosemarie Wenner, war der Meinung, dass interreligiöse Begegnungen Zeit und Geduld benötigten. Sie erinnerte an die 1950er und 60er Jahre in der Bundesrepublik, in denen es keineswegs selbstverständlich gewesen sei, dass Christen unterschiedlicher Konfessionen zueinander den Kontakt gesucht hätten.

Finanzielle Förderung von Einzelinitiativen
Die ACK in Deutschland, der Zentralrat der Juden in Deutschland, der Zentralrat der Muslime in Deutschland, die Türkisch-Islamische Union (DITIB), der Verband der Islamischen Kulturzentren und der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland ermutigen mit ihrem gemeinsamen Projekt „Weißt du, wer ich bin?“ muslimische, christliche und jüdische Gemeinden und Einrichtungen im Bereich der Flüchtlingshilfe und des Dialogs mit Flüchtlingen zusammenzuarbeiten. Einzelinitiativen können mit bis zu 15.000 Euro gefördert werden. Weitere Informationen zum Projekt unter www.weisstduwerichbin.de . Dort sind auch die Antragsrichtlinien und die Bewerbungsformulare für Einzelprojekte eingestellt.

Das erste Projekt von „Weißt du, wer ich bin?“ fand von 2008 bis 2011 statt. Damals beteiligten sich daran der Zentralrat der Juden, die ACK, der Zentralrat der Muslime und die DITIB. Gefördert wurden über hundert Projekte mit einem Volumen von insgesamt 145.000 Euro.

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ÖRK und WEA erörtern Bereiche zukünftiger Zusammenarbeit

Auf dem Programm der Tagung vom 20. Mai standen Einführungen in die Arbeit der WEA und des ÖRK. Weiter dachten die Teilnehmenden auch gemeinsam über aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft und in den Kirchen sowie über evangelische und ökumenische Bewegungen nach. Sowohl vom ÖRK als auch von der WEA nahm der jeweilige Generalsekretär an der Tagung teil.

Die beiden Organisationen tauschten gegenwärtige Pläne aus und diskutierten Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit in thematischen Bereichen wie „öffentliches Zeugnis und Friedenskonsolidierung in interreligiösen Kontexten“ und „theologische Reflexion, Bildung und Ausbildung“.

Dies war die zweite Tagung mit Leitenden und Vertretenden, aber das erste Treffen, an dem die Generalsekretäre der beiden Organisationen teilnahmen und an dem die Wahrnehmungen der WEA und des ÖRK diskutiert wurden.

Olav Fykse Tveit – Ökumenische Arbeit und Zusammenarbeit für Gerechtigkeit
ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit sagte, „Christen und ihre Gemeinden rund um die Welt sind sich heute mehr denn je bewusst, dass das Leben selber in Gefahr ist. So viele Gefahren – wie Klimawandel, aber auch Armut und wirtschaftliche Ungerechtigkeit, Gefahren für die Gesundheit und das Wohlergehen, Gewalt und Krieg – gefährden die Menschheit und können unsere Hoffnung schwinden lassen.“

Weiter bemerkte Tveit: „Die ökumenische Arbeit und Zusammenarbeit für Advocacy –gemeinsam mit denjenigen die Stimme erheben, die im Streben nach Gerechtigkeit und Frieden Begleitung brauchen – ist eine wichtige Aufgabe für eine Gemeinschaft von Kirchen, die gemeinsam ihren Glauben an den dreieinigen Gott des Lebens ausdrücken“.

„Diese Dimension des Glaubens in der Fürsprache für Gerechtigkeit und Frieden soll Hoffnung bringen. Das Engagement zur Vermittlung von Hoffnung sollte meines Erachtens auch als Kriterium für die Religionskritik betrachtet werden.“

Tveit betonte: „Deshalb ruft der Ökumenische Rat der Kirchen die Kirchen weltweit auf, gemeinsam vorwärts zu gehen, ihr gemeinsames Leben, ihren Glaubensweg, als Teil des Pilgerwegs der Gerechtigkeit und des Friedens zu sehen und sich anderen in der konkreten Arbeit für eine veränderte Welt anzuschließen. Wir müssen uns zusammenfinden um zu reden, zu hören und zu beten.“

Efraim Tendero – „Jede Religion kann Extremisten hervorbringen“
WEA-Generalsekretär Bischof Efraim Tendero bekräftigte den Bedarf einer engeren Zusammenarbeit zwischen ÖRK und WEA: „In unserer zunehmenden Zusammenarbeit können wir auf jahrelange Diskussionen und gegenseitiges Verständnis aufbauen. Dies ist nicht eine überstürzte Aktion in einer veränderten Situation, sondern ein durchdachter Schritt in Richtung besserer Zusammenarbeit von Christen auf globaler Ebene. Wir verdanken es unseren Mitgliedskirchen, dass wir mit der Leitung von globalen christlichen Organisationen sprechen und wenn immer möglich ein besseres Verständnis und eine engere Zusammenarbeit anstreben.“

Ein wichtiges Anliegen, das an der gemeinsamen Tagung diskutiert wurde, war die wachsende Sorge über Religion und Gewalt in verschiedenen Teilen der Welt.

„Jede Religion kann Extremisten hervorbringen“, bemerkte Tendero, „aber die christliche Lehre der Rettung durch Christus lehnt jede Art religiöser Gewalt ab.“ Doch sagte er: „Es ist die Natur der Religionen, Wahrheitsansprüche geltend zu machen darüber, was letzten Endes existiert und wie die Beziehung zwischen den Menschen und Gott aussieht.“

„Eine Religion wird extremistisch, wenn sie Macht oder Gewalt anwendet, um für andere Menschen Wahrheitsansprüche zu erheben, oder um diese für ihre eigenen Mitglieder durchzusetzen. Als religiöse Führungspersönlichkeiten ist es unsere Pflicht und unsere Berufung, den Frieden in unseren Traditionen zu verbreiten, zu lehren und zu unterstützen.“

Wilf Gasser – Nützlicher Verhaltenskodex bezüglich Mission und praktischer Hilfe
Dr. Wilf Gasser, stellvertretender Generalsekretär der WEA, fügte hinzu, dass das Thema Religion und Gewalt auch im Zusammenhang mit den zunehmenden Flüchtlingsströmen von großer Bedeutung sei. „Wir sind sehr froh darüber, Berichte zu hören, wie viele Flüchtlinge im Glauben an Jesus Frieden finden. Gleichzeitig prüfen wir aber, wie Kirchen Hilfe leisten können, ohne die Spannungen zwischen den Religionen anzuschüren. Wir arbeiten gestützt auf einen Verhaltenskodex, der die ethischen Beziehungen zwischen Mission und praktischer Hilfe definiert.“

Vor fast fünf Jahren haben die WEA, der ÖRK und der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog des Vatikans ein historisches Dokument über die Ethik christlicher Mission veröffentlicht: „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt: Empfehlungen für einen Verhaltenskodex“.

Hielke Wolters – Gemeinsames Dokument gegen unethische Missionsmethoden
Pastor Dr. Hielke Wolters, beigeordneter ÖRK-Generalsekretär für Einheit, Mission und ökumenische Beziehungen, sagte, dieses historische Dokument sei „ein Teil einer Antwort auf die Kritik an Christen durch gewisse religiöse Gemeinschaften, was diese als Anwendung unethischer Missionsmethoden wahrnehmen“. „In einigen Fällen haben diese Einwände gegen Mission zu Anti-Bekehrungs-Gesetzen und zu Gewalt geführt. Die drei wichtigsten christlichen Organe der Welt waren in der Lage darauf zu reagieren und haben dieses Dokument verfasst, das nicht nur den biblischen Aufruf zur Evangelisation definiert, sondern auch die ethischen Aufträge im Zusammenhang mit dem Evangelium umreißt.“

Clare Amos – Mitschuld von Religionen an Gewalt wird oft negiert
Dr. Clare Amos, ÖRK-Programmreferentin für interreligiösen Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit, wies darauf hin, dass es gegenwärtig nicht allen religiösen Traditionen leicht falle, zu anzuerkennen, dass ihre eigene Religion an Gewalt mitschuldig sein könnte.

„Es besteht die Tendenz, zu versuchen, die Religion selber vor einer solchen Anschuldigung zu schützen, indem behauptet wird, dass diejenigen, die Gewalttaten verüben, nicht authentische Vertreterinnen oder Vertreter dieser Glaubenstradition seien“, sagte sie.

Thomas Schirrmacher – Menschenrechte als Kernkonzept christlicher Weltanschauung
Menschenrechte als Kernkonzept der christlichen Weltanschauung an die „richtige Stelle“ zu rücken, war der zentrale Grundsatz des Beitrags von Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, Vorsitzender der Theologischen Kommission der WEA, an der Tagung. Er betonte, „Menschenrechte sind in Gottes Schöpfung der Menschen verwurzelt und nicht nur in ihrer Erlösung; deshalb haben alle Menschen die gleichen Rechte und Menschen aus vielen verschiedenen Glaubensrichtungen können dazu bewegt werden, Menschenrechte zu schützen.“

Weiter sagte Schirrmacher: „Weil die Menschenrechte schlussendlich im Werk Gottes des Schöpfers gründen, hat und kennt jede Person eine menschliche Würde, die die Grundlage für die Menschenrechte darstellt.“

Das Treffen zwischen den Leitenden von ÖRK und WEA stellte sich in der wachsenden Beziehung und Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen als wichtiger Schritt vorwärts heraus. An der Tagung war die Auffassung deutlich spürbar, dass die prekären Situationen, die heute in vielen Teilen der Welt herrschen, nach einer vereinten Stimme der Christen verlangen, die alle Anstrengungen zum Aufbau von Gerechtigkeit und Frieden unterstützt.

Die Weltweite Evangelische Allianz wurde an der Tagung vertreten durch:
Bischof Efraim Tendero, Generalsekretär und Geschäftsführer; Dr. Wilf Gasser, stellvertretender Generalsekretär; Prof. Dr. Thomas K. Johnson, WEA-Gesandter im Vatikan, leitender Berater der Theologischen Kommission; Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, Vorsitzender der Theologischen Kommission der WEA und Moderator des Teams der WEA für intra- und interreligiösen Dialog.

Der Ökumenische Rat der Kirchen wurde an der Tagung vertreten durch:
Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, Generalsekretär; Georges Lemopoulos, stellvertretender Generalsekretär; Prof. Dr. Isabel Apawo Phiri, beigeordnete Generalsekretärin für Öffentliches Zeugnis und Diakonie; Pastor Dr. Hielke Wolters, beigeordneter Generalsekretär für Einheit, Mission und ökumenische Beziehungen; Dr. Clare Amos, Programmreferentin für interreligiösen Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit; Prof. Dr. Odair Pedroso Mateus, Direktor von Glauben und Kirchenverfassung.

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Religion kann nicht einfach an der Garderobe abgegeben werden

Generalanwältin: Kopftuch-Verbot möglich
Am 31. Mai unterbreitete die Generalanwältin am EuGH, die deutsche Juristin Juliane Kokott, dem Gerichtshof einen Entscheidungsvorschlag, wonach es sich bei dem Verbot des Arbeitgebers, Zeichen von weltanschaulicher oder religiöser Überzeugung bei der Arbeit zu tragen, zwar um eine mittelbare Diskriminierung handele. Diese könne allerdings durch unternehmerische Entscheidungen im Rahmen der Firmenpolitik gerechtfertigt sein, wenn sie sich im Rahmen der Verhältnismäßigkeit bewege und nicht auf Vorurteilen gegenüber einer bestimmten Einstellung oder Religion beruhe. Da sich das Verbot nicht nur auf eine bestimmte Religion bezog, sah die Generalanwältin im konkreten Fall keine unerlaubte Diskriminierung.

In Deutschland muslimische Kopftücher am Arbeitsplatz erlaubt
Es bleibe abzuwarten, ob der Europäische Gerichtshof dem Vorschlag der Generalanwältin, wie häufig, in seiner abschließenden Entscheidung folgen werde, so der Jurist Dr. Harald Mueller, Leiter des Instituts für Religionsfreiheit der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg. Falls ja, müsse darauf geachtet werden, welche Auswirkungen dies auf die Diskussion in den einzelnen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union habe. In Deutschland wären muslimische Kopftücher am Arbeitsplatz weitgehend erlaubt, solange nicht überwiegende Rechtspositionen Anderer dem entgegenstünden. Das habe das Bundesverfassungsgericht im Januar 2015 in einer Entscheidung bekräftigt, in der es um eine kopftuchtragende Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen ging.

Zwar sei der Entscheidungsmaßstab des EuGH das europäische Antidiskriminierungsrecht und nicht das deutsche Grundgesetz, gleichwohl wären Auswirkungen auch auf die hiesige Rechtsprechung zu erwarten, gab Mueller zu bedenken. Möglichweise werde dadurch die Debatte um den Umgang mit dem Islam erneut befeuert, was angesichts der schon aufgeladenen Stimmung zu neuen Herausforderungen führen könnte.

Der Religionsfreiheit viel Raum geben
Aus dem Blickwinkel der Religionsfreiheit sei es wünschenswert, den Äußerungen von religiöser Vielfalt so viel Raum wie möglich zu geben, betonte der Jurist. Andererseits dürfe nicht übersehen werden, dass im expansiven Islamismus eine Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft liege, der angemessen begegnet werden müsse. Hier die richtige Balance zu finden, erfordere von allen Beteiligten Verantwortung und Sensibilität.

In dem Votum der Generalanwältin finde sich eine Passage, die nicht unproblematisch wäre, so Mueller. So habe Juliane Kokott in dem Kopftuchfall die Diskriminierung wegen der Religion in Beziehung gesetzt zu anderen Diskriminierungen. Sie hätte darauf hingewiesen, dass Arbeitnehmer ihr Geschlecht, ihre Hautfarbe, ihre ethnische Herkunft, ihre sexuelle Ausrichtung, ihr Alter und ihre Behinderung beim Betreten des Arbeitsplatzes nicht an der Garderobe abgeben könnten. Bei der Ausübung von Religion könne laut Kokott jedoch Zurückhaltung geboten sein. „Hier muss klargestellt werden, dass auch die Religion für die meisten Menschen etwas ist, das nicht einfach an der Garderobe abgegeben werden kann“, verlangte Harald Mueller.

In Deutschland Kopftuchverbot nur in Ausnahmefällen
In Deutschland darf gegenwärtig ein Arbeitnehmer das Tragen eines Kopftuches während der Arbeit nur dann verbieten, wenn es dafür gewichtige Gründe gibt. Das kann beispielsweise eine durch Kundenbeschwerden belegte Gefahr der Geschäftsschädigung oder eine Störung des Betriebsfriedens sein. Auch ein konfessionelles Krankenhaus darf seinen Krankenschwestern das Tragen des Kopftuches untersagen, denn kirchliche Einrichtungen haben im Arbeitsrecht einen Sonderstatus. Muslimischen Lehrerinnen an staatlichen Schulen muss jedoch das Kopftuchtragen grundsätzlich erlaubt sein, entschied das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) 2015 in einem Urteil.

Trotz dieses Urteils dürfen auch weiterhin Lehrerinnen im Bundesland Berlin kein Kopftuch an den meisten staatlichen Schulen tragen. Im April 2016 wies das Berliner Arbeitsgericht die Klage einer Muslima zurück, die an einer Grundschule mit Kopftuch unterrichten wollte. Nachdem sie deshalb nicht als Lehrerin eingestellt worden war, machte sie vergeblich eine Entschädigung geltend, da sie sich diskriminiert fühlte. Das Gericht verwies jedoch auf das Berliner Neutralitätsgesetz, das alle Religionen gleich behandle. Danach dürften neben Lehrern auch Polizisten und Justizmitarbeiter keine religiösen Symbole oder Kleidungsstücke tragen. Zudem habe die Senatsverwaltung für Bildung der Frau einen Arbeitsvertrag für eine berufsbildende Schule angeboten, wo das Kopftuchverbot nicht gelte. Dieses Angebot habe die Klägerin jedoch abgelehnt.

Ein Verbot von religiösen Bekundungen durch das äußere Erscheinungsbild von Lehrerinnen und Lehrern, beispielsweise Kopftuch, sei laut Urteil des BVerfG erst dann zulässig, wenn eine hinreichend konkrete Gefahr für den Schulfrieden und die Wahrung der staatlichen Neutralität bestehe, informierte Harald Mueller. Eine lediglich abstrakte Gefährdung genüge nicht. Wenn es zu Verboten in diesem Sinne käme, müssten diese unterschiedslos für alle Glaubens- und Weltanschauungsrichtungen gelten.

Religion nicht aus dem öffentlichen Raum verdrängen
Das Bundesverfassungsgericht habe sich trotz des danach ergangenen Urteils in Berlin aber auch gegen Tendenzen gewandt, die unter Hinweis auf die staatliche Neutralitätspflicht ein weitgehendes Hinausdrängen von religiösen Bezügen aus dem öffentlichen Raum fordern, informierte Mueller. Der Staat nehme vielmehr eine offene und die Glaubensfreiheit für alle Bekenntnisse gleichermaßen fördernde Haltung ein, gab der Jurist zu bedenken. Er befürchte allerdings, wenn das in einigen Monaten zu erwartende Urteil des Europäischen Gerichtshofs dem Antrag der Generalanwältin entspricht, der Spielraum für Kopftuchverbote in Deutschland größer werden könnte. Ob dies dann auch weitere Auswirkungen auf die Religionsfreiheit in der Bundesrepublik habe, müsse abgewartet werden.

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