Adventist spricht auf UNO-Konferenz über Sexualität

Silver Spring, Maryland/USA | 3. Juli 2016 | APD |

Ganoune Diop, Beauftragter der adventistischen Weltkirchenleitung für Außenbeziehungen und Religionsfreiheit, hielt an der UNO-Tagung „Religions- bzw. Glaubensfreiheit und Sexualität: Ein Gespräch“ eines der Hauptreferate. Der Theologe hat dabei zu den unterschiedlichen Sichtweisen menschlicher Sexualität aus biblischer Perspektive Stellung genommen. Die Tagung fand vom 8. – 10. Juni im Palais des Nations in Genf/Schweiz statt, wie Adventist Review (AR, amerikanische Kirchenzeitschrift) am 29. Juni mitteilte.

Dr. Ganoune Diop, der auch Generalsekretär der Internationalen Vereinigung für Religionsfreiheit IRLA ist, hat auf Einladung des UN-Sonderberichterstatters für Religionsfreiheit, Professor Heiner Bielefeldt, in seinem Referat die Beziehung zwischen Religionsfreiheit, Menschenrechten und Sexualität beleuchtet. Er gab dabei eine wissenschaftliche Übersicht über religiöse Haltungen zur menschlichen Sexualität, vor allem aus der Sicht der christlichen Traditionen.

Für Christen gründet menschliche Sexualität in der Schöpfung
Christen würden das Verständnis der menschlichen Sexualität vor allem im Schöpfungskonzept verorten, wo alles als „gut“ oder gar „sehr gut“ bezeichnet worden sei, so Diop. Die biblische Erzählung zeige aber auch, dass die Welt nach der Entfremdung von Gott eine andere geworden ist.

Diop, adventistischer Theologe und früherer Dozent für Theologie, biblische Sprachen sowie vergleichender Religionswissenschaft, zeigte die historische Entwicklung der verschiedenen theologischen und traditionellen Vorstellungen über die menschliche Sexualität in verschiedenen christlichen Gemeinschaften auf sowie den Einfluss von kulturellen Normen, welche die Einstellung über angemessenes Sexualverhalten prägen.

Umstrittene Bibeltexte zur Homosexualität
Der Senegalese Ganoune Diop ging auch auf die sieben biblischen Texte ein, die gemeinhin so verstanden worden seien, dass sie gleichgeschlechtliche Handlungen verbieten und erläuterte die unterschiedlichen Auslegungen dieser Texte. Die Mehrheit der Christen - ob Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, Evangelikale oder Pfingstler - glaubten, dass diese Texte ein göttliches Verbot gleichgeschlechtlicher Handlungen darstellten. Eine wachsende Anzahl von Christen hingegen stelle diese Interpretation in Frage, so der Theologe. Sie würden alternative Interpretationen dieser Texte vortragen, da aus ihrer Sicht die Bibel Homosexualität, wie wir sie heute kennen, nicht behandle.

Sexualität: Säkulare Gesellschaft und religiöse Organisationen meist uneins
Die Kluft zwischen der säkularen Gesellschaft und religiösen Organisationen verbreitere sich, sagte Diop, wenn es um Fragen der Sexualität gehe. Er verwies auf offizielle Erklärungen großer christlicher Kirchen, welche die monogame heterosexuelle Ehe befürworteten. Diese stünden aber in krassem Gegensatz zur Haltung der säkularen Zivilgesellschaft sowie einer wachsenden Zahl von Christen, welche die homosexuelle Ehe und Praxis sowie den homosexuellen Lebensstil unterstützten. Die Übereinstimmung bei diesem Thema verflüchtige sich mehr und mehr.

Vorsicht bei politischer Umsetzung
„Die Grundlagen des christlichen Glaubens basieren auf der unverzichtbaren Freiheit jedes Einzelnen, eine Bundesbeziehung mit Gott einzugehen“, sagte Ganoune Diop. Diese Freiheit bedeute, dass Christen vorsichtig sein sollten beim Versuch, ihre religiösen Überzeugungen über Sexualität - und damit ihre religiösen Werte - in der Politik umzusetzen und Gesetze zu erlassen, die andere diskriminieren oder jene verurteilen, die bestimmte religiöse Lehren ablehnten. „Die Entscheidung etwas zu legalisieren oder unter Strafe zu stellen, ist Aufgabe der ordentlichen Gerichte und des Gesetzgebers“, so Diop.

Interview: Wahlfreiheit achten – keine Diskriminierung
„Die Wahlfreiheit eines Individuums in Fragen der Sexualität anzuerkennen, impliziert nicht, dass damit entsprechende Entscheidungen gebilligt werden“, so Ganoune Diop in einem Interview nach der Konferenz. Die Anerkennung von Wahlfreiheit schwäche auch nicht das Recht eines Christen, mit moralischer Klarheit bezüglich des göttlichen Ideals für zwischenmenschliche Beziehungen einzustehen", sagte Diop.

„Was bedeutet dies für Christen heute im Umgang mit Menschen, die andere Auffassungen hinsichtlich der menschlichen Sexualität haben?“, fragte er. „Es bedeutet, ‚Nein‘ zu Diskriminierung oder jeglicher Form von Gewalt zu sagen. Es bedeutet aufzuzeigen, dass Menschen unterschiedlich glauben und anders sein und dennoch das gleiche Menschsein teilen können; es bedeutet, im gemeinsamen öffentlichen Raum mit Respekt für die Würde eines jeden Menschen zu leben; es bedeutet anzuerkennen, dass jeder Person vom Schöpfer das Recht und die Verpflichtung zur Freiheit zugestanden wurde.“

„Keinem Menschen sollte seine Menschlichkeit abgesprochen werden, egal, wie er seine Wahlfreiheit nutzt“, so Diop. „Gott hat den Menschen das Vorrecht gegeben nach den geoffenbarten Maßstäben Gottes zu leben oder auch nicht. Gewalt, Hassverbrechen oder durch Selbsthass verursachte Verbrechen, wie kürzlich in Orlando, sind abstoßend und barbarisch.“

Auf die Frage im Interview, weshalb die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten an UN-Konferenzen wie dieser teilnehme, stellte Ganoune Diop den immensen Wert einer adventistischen Präsenz „am Tisch“ der internationalen Gemeinschaft der Entscheidungsträger, die als einflussreiche Personen gesellschaftliche Trends beeinflussten und Werte prägten, heraus.

Innerhalb der Länder der Vereinten Nationen bestehe ein breites Spektrum im rechtlichen Umgang mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Dieses reiche vom Schutz solcher Beziehungen bis zu Verbot, Diskriminierung und Kriminalisierung in anderen Ländern der UNO. Trotz der Komplexität und polarisierenden Tendenz dieser Thematik sollten Adventisten nicht am Rand der öffentlichen Diskussion stehen, so Diop.

Das Ziel der Kirche bei der Pflege der Außenbeziehungen sowie dem Einsatz für Religionsfreiheit bestehe darin, die Kirche im öffentlichen Raum als glaubwürdig, relevant und vertrauenswürdig zu positionieren, ohne damit die kirchlichen Werte und Lehren zu beeinträchtigen, wie diese in offiziellen Stellungnahmen zum Ausdruck gebracht worden seien.

Weitere Referenten
Weitere Referenten auf der UN-Konferenz waren: Heiner Bielefeldt, UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit; Javaid Rehman, Professor für islamisches Recht und Völkerrecht an der Brunel University, London; Vitit Muntarbhorn, Vorsitzender der UN-Untersuchungskommission zu Syrien und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Südkorea.

Der vollständige Bericht von AR über die UN-Konferenz kann auf Englisch nachgelesen werden unter:
http://www.adventistreview.org/church-news/story4137-adventist-leader-discusses-sexuality-at-un-conference

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